In Memoriam Plaaastic

Coming back to Sheidlina, I had to find out that Sheidlina collaborator Plaaastic died. Her universe was more uncanny as she was suffering from horrible depression. This is very sad. I hope she will now truly be in some celestial realm. Farewell, sister 😓

One Day

One day I will be
Just a forgotten memory.
But I will be your
forgotten memory.

Don’t forget to forget

http://www.plaaastic.com/

Estoy muy conmovido

Drei große Fragen des Menschen: Was soll ich tun? Was kann ich machen? Wo gehe ich hin? Will ich also mit Raja in die Monet-Ausstellung in der Albertina. Wir sind spät dran, da sie in ein paar Tagen ausläuft, wollen also unter Woche zu Mittag, in Erwartung, dass es dann vergleichsweise ruhig ist, dort hin. Vierte große Frage des Menschen: Was muss ich sehen? Eine unglaublich lange Schlange vor der Albertina, an Leuten, die weit über die gewaltige, allmächtige Treppe hinausreicht, bis hinter den Eingang zum Filmmuseum! Ich blieb dort eine Weile wie angewurzelt stehen, weil ich es kaum glauben konnte und mich vergewissern wollte, dass es sich dabei um keine optische Täuschung oder Fata Morgana handelt – aber es war dem tatsächlich so: die Schlange war ganz real. Und weg die Puste; also sind wir stattdessen in den Tirolerhof gegangen. Immer wieder die Menschheit! Stehen sie also in einer langen Schlange, wie die Blöden, nur damit sie sich im ebenfalls völlig überfüllten Museum beinahe über den Haufen laufen und sich in die Kunst ja nicht einmal im gewöhnlichen Maßstab, also dass man im Museum an den Bildern eher gemütlich vorbeiläuft, vertiefen und diese genießen können; und das in einer schneidenden, unangenehmen Kälte – und wenn dann einer wie van Gogh oder Nietzsche oder ich daherkommt, die also was machen von einer strahlenden, extrem auffälligen Schönheit und Intelligenz, dann kann man es ihnen täglich aufs Aug kleben, kostenlos und unschuldig, und es interessiert sie nicht und sie beachten es kaum! Ich weiß jetzt nicht, wie das bei Monet war, womöglich ähnlich. Was soll man sich für einen Reim darauf machen – es geht nicht, denn es reimt sich nicht. Das Dasein reimt sich halt in etlichen Aspekten nicht, ist eben dort und da nicht lyrisch oder episch, sondern prosaisch. Was macht man aber in einem solchen Fall? Versuchen, ihn anders zu betrachten! Sie stehen also Schlange, in schneidender Kälte, vielfach Touristen, zu den Feiertagen um den Jahreswechsel. Sie können oder wollen dort nicht weg, nicht ausbrechen – Herdenverhalten (oder so). Eigenartig auch immer, wie vor dem Würstelstand bei der Oper und Albertina stets eine Schlange von Menschen steht, damit sie eine ganz gewöhnliche Bosna bekommen, obwohl das ja an jeder Straßenecke möglich ist (und zwar genauso möglich). Da stehen sie also, bei Wind und Wetter, in einer langen Schlange vor einem Würstelstand und vor einer Kunstausstellung. Und wenn einer wie van Gogh oder Nietzsche oder — aber naja. – Wie bleibt womöglich der Verstand stehen, schmilzt aber das Herz jetzt, wenn ich mir vergegenwärtige, was sie alles auf sich nehmen: eine Stunde oder mehr in der scheidenden Kälte stehen um dann in einem völlig überlaufenen Museum den Monet zu sehen. All das nur, um den Monet zu sehen! Und meine heißen Tränen fließen, zumindest innerlich. Wie müssen die Tränen des Monet fließen, wenn er das sehen könnte? Was sie alles auf sich nehmen, nur um seine Bilder zu sehen! Während Raja und ich in diesem Zusammenhang nichts auf uns genommen haben, haben sie für die Kunst was auf sich genommen! Während Raja und ich in diesem Zusammenhang für die Kunst nicht gelitten haben, haben sie für die Kunst gelitten!  Wie rührend die Dinge dann auch immer wieder liegen auf diesem Planeten! Wie rührend Loving Vincent, der von allen geliebt wird, jetzt. Und Nietzsche weinte, sowieso. Der Mensch hätte gerne Antworten auf seine Fragen und der Yorick mag sich sicher fragen, was für eine Bedeutung die Kunst, die Philosophie, der Geist, das Ideelle, das was er macht, eigentlich hat, angesichts dieser Doppelperspektive, wo die Menschen und die Akademiker, die den Vincent und den Friedrich lieben und sich in langen Schlangen um sie anstellen, den nächsten unbekannten Friedrich Vincent wieder genauso ignorieren. Ewige Wiederkehr des Gleichen. Ist das, was man da macht, eigentlich von kaum einer Bedeutung, oder ist es von einer sehr großen Bedeutung? Spielt es kaum eine Rolle in der Welt, oder eine recht große Rolle in der Welt? Kann man die Welt eigentlich verändern, oder kann man es nicht? Allerdings, das kann sich nicht nur der nach seinem Tod gewaltige, allmächtige Künstler-Philosoph fragen, sondern auch Rockefeller, der Kaiser von China oder Napoleon; oder der Christus oder der Buddha oder der Marx, wie es um die (positiven) Effekte ihrer Wirksamkeit überhaupt bestellt sein kann, in einer Welt wie dieser. Allerdings lässt sich diese Art von Rätsel in meine Sicht vom Chaosmos ja ohne Weiteres integrieren, und gestern Nacht ist mir auch eine blendende Formulierung ins Gehirn geschossen, warum, leider nur habe ich sie vergessen; aber egal: denn das alles IST eben der sich prozessierende Chaosmos, und wenn man will, kann man sich, als keine so schwierige Übung, ja auch selber was dazu ausdenken. Einerseits gefällt es den Menschen immer wieder nicht so, wenn etwas daherkommt, dass sie an Intelligenz und guten Eigenschaften deutlich überschreitet, oder sie haben zumindest oft gemischte Gefühle deswegen; andererseits ist es aber ganz real, dass der Mensch nach etwas strebt und etwas verehrt, Ziele und Inhalte die nobler sind als er. Es gibt ja auch keine größere und authentische und dauerhaftere Verehrung, die die Menschen – und zwar die Menschen ganz allgemein – dem entgegenbringen, das große Noblesse hat, und spirituelle Wahrheit. Noblesse und spirituelle Wahrheit und Bedeutung zu erlangen, bedeutet in der Regel, dass man durch was hindurchgegangen ist, gelitten hat, in der Wüste war, um das Gegebene zu überschreiten und neue Formen und Inhalte zu werfen, so wie es Monet getan hat. Der Monetartige Mensch war in der Wüste, hat sich selbst geprüft und hat gelitten, und jetzt leiden die Menschen für ihn draußen in der Schlange und in der Kälte, nur um ihn zu sehen. Ich bin sehr bewegt und gerührt! Und ein wenig beschämt, außerdem. Die Massen vor der Albertina von vorvorgestern haben für die Kunst gelitten und sie sind wahrhaft durch etwas hindurchgegangen, während die Künstler Raja und ich in dem Zusammenhang für Monet nicht gelitten haben und nicht hindurchgegangen sind. Ja scheiß einer die Wand an.

Neues Jahr, neues Glück

Was mich interessiert, ist das Problem des Sehr Tiefen Denkers: Wenn ein Sehr Tiefer Denker, der an der letzten Schicht arbeitet, also jemand wie Laotse oder Dostojewski oder Nietzsche heute daherkommt, was würde der dann sagen? Das Streben des Sehr Tiefen Denkers ist darauf gerichtet, den Status seines Zeitalters festzustellen, und, insofern er an der letzten Schicht arbeitet, dadurch auch den Status aller Zeitalter und eines jeden Zeitalters festzustellen. Armstrong sagt, jenseits der Vollendung der Meditation des Yogi, die darin besteht, dass der Yogi mit den Dingen eins wird, gibt es noch extremere Zustände, die nur von einigen wenigen Yogi erreicht werden können, und die sich allein durch Paradoxien beschreiben ließen: da gibt es eine Leere, die gleichzeitig eine Fülle ist; eine Abwesenheit, die gleichzeitig eine Anwesenheit ist; ein Raum, der raumlos; eine Zeit, die zeitlos; ein Leben und einen Tod jenseits von Leben und Tod, u. dergl. In der Sprache der östlichen Metaphysik ist das, in etwa, das Tao. In der Sprache der westlichen Metaphysik könnte man das, in etwa, als das ontische Potenzial bezeichnen. Das ontische Potenzial suggeriert eine tiefere Schicht als das Sein, mit dem sich Heidegger so intensiv beschäftigt hat. Heidegger gilt manchen als der tiefste Philosoph des 20. Jahrhunderts, der Sehr Tiefe Denker (wie z.B. Wittgenstein) beschäftigt sich aber eher mit dem ontischen Potenzial. Heidegger ist ahnungsvoll und unklar, aber einfach, daher bei der akademischen Philosophie sehr beliebt; die Rede vom ontischen Potenzial ist klar und abgründig, kompliziert und einfach, daher ist davon auszugehen, dass sie bei der akademischen Philosophie sehr unbeliebt sein wird. Insofern es allein durch Paradoxa beschreibbar ist, erscheinen seine klaren Tiefen als hohe Anarchie. Dieses Kreuz musst du tragen, nicht umsonst symbolisiert das Kreuz letztendlich den Zusammenhalt der Welt und die Herrschaft über die vier Himmelsrichtungen. Das Problem des Sehr Tiefen Denkers soll weiter vertieft werden. Neues Jahr, neues Glück.

7 things you don’t know you’re doing because you’re a deep thinker

Das Reich des Saturn

Goethe, der Olympier und der Jupiter, und der Olymp der Wissenschaften. Goethe war ja auch ein bisschen bodenständig. Jenseits des Olymps und des Reiches des Jupiter liegt, in den sich entziehenden Tiefen, das Reich des Saturn. Das Reich der jenseitigen, transzendenten Geister dann, die die materielle Hyle vollständig durchstoßen. Über Perelman hat man bemerkt, nachdem er seinen Jahrhundertbeweis über die Poincaré-Vermutung erbracht hat, sei ihm der Olymp der Wissenschaften offen gestanden, der ihn dann aber nicht mehr interessiert habe. Ja, wie denn auch? Die Zeit im Reich des Kronos ist älter als die Weltzeit, der Raum stürzt in seine eigenen ahnungsvollen Tiefen und gebiert sich fortwährend aus sich selbst heraus, dort. Die Materie wird zu reinem Geist. Über Perelman hat man, nach seinem Verschwinden, bemerkt, jemandem, dem es gelungen sei, die Poincaré-Vermutung zu beweisen, seien die Meinungen der Menschen über ihn wahrscheinlich ganz gleichgültig. Das, was gegenüber der Relativität der Meinungen ganz gleichgültig ist, ist das Absolute. Das Reich des Saturn gilt als schattenhaft. Ja, die Konturen dort sind unermesslich und tiefengestaffelt. Der Olymp und der Geist von Goethe spiegeln alle Welt. Das Reich des Saturn überschreitet alle Welt und kann von aller Welt nicht vermessen werden. Um bei der Mathematik zu bleiben, war Galois, der sich mit gut 21 totschießen hat lassen, auch ein Angehöriger des Reiches des Saturn. Dante gehörte dem Olymp an, Shakespeare war jenseits davon, Büchner war weiter drinnen und Attar ziemlich weit drinnen im Reich des Saturn. Goldenes Einhorn auf Titan!

Unicorn!

Weitere, beunruhigte Zwischenbemerkung

Hier sitz ich nun also, forme Gedanken. Meine Gedanken betreffen die ganze Welt und legen sich über die ganze Welt. So wie die Masse des Blob legen sie sich über alles, sie legen sich gallertartig um diese Ecke und jenes Grasbüschel und versuchen sich mit ihm zu verbinden, mit ihm zu verschmelzen, eine höhere Einheit mit ihm einzugehen: meine Gedanken beinhalten und empfinden dann dieses Grasbüschel, und dieses Grasbüschel kennt dann und empfindet dann mich und meinen Geist. Ein Verhältnis der guten Symbiose. Was aber, wenn das gar nicht so ist und so sein kann? Als Atlas trage ich die ganze Welt, intellektuell ist das sogar relativ leicht für mich (wenngleich auch natürlich viel Arbeit und Auseinandersetzung dahinter steckt), spirituell auch, allerdings nicht ganz so leicht und möglicherweise ganz unmöglich und auch das ganz Falsche, so was zu tun oder zu probieren, da Möglichkeiten der spirituellen Verbindung nicht immer gegeben sind zu den Objekten und den Subjekten in der Welt. Der Geist ist leicht, weil er so leicht ist. Die Dinge sind schwer, weil sie so schwer sind. In seinem Buch „Wunschdenken“ zitiert sogar Thilo Sarrazin Schiller: „Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit. Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen.“ Ich bin in guten Verhältnissen aufgewachsen, persönlich wie sozial, in einer guten lokalen Ecke in einem, was ebendiese Ecke betrifft, guten Zeitalter. Es gab immer Anlass zur Hoffnung, dass das – im Wesentlichen – so weitergehen würde: Hindernisse mag es geben auf dem Weg zum Fortschritt, doch der Fortschritt und das Fortschreiten der Zivilisation seien die eigentliche Macht, und nicht der Rückschritt. Es kann schon sein, dass im Rahmen des jüngsten, sich anbahnenden Abschnittes der Industrialisierung (hierzulande genannt „Industrie 4.0“) gegen Mitte des Jahrhunderts umfassende Umwälzungen zum Positiven stattgefunden haben werden. Aber vielleicht werden die gar nicht so wichtig sein, da das eigentliche Zentrum des geschichtlichen Verlaufes in negativen Entwicklungen bestehen mag. Kann ich mir dann auf die Schulter klopfen und sagen: Im Rompf-Roman (dem „uninterpretierbaren Traum“) habe ich das unzeitgemäß vorhergesehen! Ein Szenario, wo es, global betrachtet, immer nur Inseln gibt – Inseln des Guten und Inseln des Schlechten oder Bösen – die sich über die Zeit wandeln und sich eventuell in ihr Gegenteil transformieren mögen, ohne wiederum darin beständig zu sein – das Zusammenspiel von Kosmos und Chaos als ewiger weltgeschichtlicher Prozess! Das Thema des Rompf-Romanes war die Auseinandersetzung zwischen Geist und Welt, ihrer ewigen möglichen Zusammenarbeiten und Symbiosen, ihrer ewigen gegenseitigen Indifferenzen oder aber auch Feindseligkeiten. Die Sichtweise auf Inseln der Ordnung und des kosmisch in sich Zusammengefügten im weltgeschichtlichen Prozess, die mit der Zeit erodieren oder von anderen Entwicklungen überholt werden, und die dann ins Chaos abgleiten – nicht allein wegen der identifizierbaren menschlichen Dummheit, sondern aufgrund der mehr oder weniger anonymen und schwer adressierbaren Dummheit von Gesellschaften, die ihr Eigenleben fristen und die ihre eigene Schwerkraft ausstrahlen. Gut behütet kann man also auf das schöne Farben- und Formenspiel blicken, das der weltgeschichtliche Prozess ist, das allsehende Auge tut das. Kierkegaard spricht von einer Art Position des allsehenden Auges vom Ungeheuer des weltgeschichtlichen Prozesses, das „selbst so ungeheure Portionen wie China oder Persien verschlinge wie nichts“ (was zähle und was ewig sei, sei allein das Verhältnis des Einzelnen zu Gott). Man mag da, von der Position des allsehenden Auges, den weltgeschichtlichen Prozess anblicken, da tut sich hin und wieder was, neue Dinge geschehen, neue Technologien oder Ereignisse kommen auf und produzieren „Gewinner“ und „Verlierer“ (die aber durch den insgesamt guten Verlauf kompensiert werden), bunt ist das, prächtig, mosaikhaft! – Doch könnte das Ganze vom Beschaulichen bald ins Unbeschauliche kippen. Es wurde zwar vorhergesagt, dass sich im Rahmen der heutigen Entwicklungen innerhalb des Post-Cold War World Orders (unrichtige Formulierung, aber ich lasse sie, da sie mir gerade eben gefällt) die Dinge auf der Arena der internationalen Politik sich komplexer und komplizierter gestalten können und somit für die Verantwortlichen immer schwieriger, sie positiv zu gestalten, mit der Gefahr also, dass die Entwicklungen überhaupt zu entgleiten drohen. Und solche Feuerzeichen scheinen immer deutlicher. Die Degeneration der Demokratie und der zivilisierten Politik in der westlichen Welt! Die mögliche Degeneration des „aufgeklärten“ Despotismus in China unter Xi hin in einen plumpen und gefährlichen Despotismus wie unter Mao (möglicherweise nicht aufgrund von buonapartistischen Ambitionen von Seiten Xis, sondern weil ansonsten die Kontrolle über die chinesische Gesellschaft ganz zu entgleiten droht)! Die mögliche Degeneration der islamischen Kultur und Zivilisation in die Barbarei (in ihren Heimatländern wie auch in den Ländern anderswo)! Die Verwerfungen, die der Kapitalismus entlang der Industrie 4.0. produziert, ohne dass man gegen die Grundtendenzen (den technologischen Wandel und der Probleme, die er erzeugt, durch die Ersetzung des Kapitalismus durch irgendein anderes System was tun könnte)! Am Schlimmsten aber die möglichen Konsequenzen des Klimawandels!! Jüngst wurde eine Studie veröffentlicht, wonach die voraussichtliche Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur zwar nicht höher oder schneller ausfallen würde als bisher angenommen, dass aber eine diese (vergleichsweise moderate) Erhöhung viel drastischere Folgen zeitigen könnte als angenommen! Der Klimawandel und seine negativen Folgen werden seit den 1970er Jahren vorhergesagt, als die „Grenzen des Wachstums“ sich dann doch nicht so eng erwiesen haben wie 1972 ursprünglich prognostiziert, hat der Alarmismus wieder abgenommen, in etlichen Zukunftsszenarios wird dem Klimawandel kein herausragender Platz zugesprochen. Man kann sagen, ein wärmeres Klima ist besser als eine Abkühlung, möglicherweise schützen wir uns mit der Aufheizung der Erde in Wirklichkeit vor einer neuen Eiszeit; immer noch läge die globale Durchschnittstemperatur unter dem langfristigen Mittel (wobei die Frage aber ausgespart bleibt, was passiert, wenn die Erhöhung des Klimas so schnell wie noch nie stattfinde und wie gut sich die Ökosysteme daran vergleichsweise kurzfristig anpassen könnten). Onkel Karli, der Alpenfreund, meint, am deutlichsten sehe man den Klimawandel am Rückgang der Gletscher in den Alpen, und den müsse man gesehen haben, um es tatsächlich glauben zu können. Der neue Klimareport sagt drastische globale Konsequenzen des Klimawandels bereits innerhalb der nächsten 20 – 30 Jahre vorher, räumt allerdings noch ein gewisses Zeitfenster ein, um gegenzusteuern. Man kann hoffen, dass diese Vorhersage falsch und tendenziös ist. Was aber, wenn es nicht so ist? Dass die Menschheit in einem so kurzen Zeitrahmen die notwendigen Mittel ergreift, um einer gar nicht mal eindeutig bestätigten Gefahr gegenzusteuern, erscheint wenig aussichtsreich. Man kann zwar sagen, dass die Menschheit letztendlich, wenn der Hut brenne, dann doch einlenke und das Richtige tue – aber in so etlichen Fällen ist auch das nicht der Fall, und vor allen Dingen stehen die Chance wohl schlecht, wenn die Menschheit dazu gar nicht über die adäquaten Mittel verfügt (in dem Fall über grüne Technologien, auf die man großflächig umsteigen könne). Man könnte meinen, es werde nicht so heiß gegessen wie gekocht wird, doch, wie Hannah Arendt mit Rückblick auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts gemeint hat, wurde da immer heißer gegessen als es je einem Koch in den Sinn gekommen wäre. Wenn wir an das 20. Jahrhundert zurückdenken, an dessen „Urkatastrophe“ des Ersten Weltkrieges, in den die Herrschenden unwissend als „Schlafwandler“ hinein geschlafwandelt seien, nichts ahnend, das Verhängnis nicht ahnend? In seiner monumentalen Kafka-Biographie verwirft Reiner Stach ein solches Verständnis: die Herrschenden hätten genau gewusst, worauf sie sich da wahrscheinlich einlassen, die Mittel des modernen Krieges hätten sie gekannt, dass Blitzsiege unwahrscheinlich seien, hätten sie gewusst. Trotzdem seien sie fatalistisch in den Ersten Weltkrieg und in das Elend, das er produziert hat, „hineingeschlittert“. Wobei Stach aber nicht hinweist, warum sie so fatalistisch hineingeschlittert seien. Weil ihnen das innerhalb des Gemengelages der Zeit wohl als unausweichlich erschienen ist. Da hatte man: eine imperialistische Konkurrenz zwischen aufsteigenden und absteigenden Großmächten (wobei das aufsteigende Deutschland sich (aufgrund der kombinierten Rüstungsanstrengungen der Entente) als militärisch am absteigenden Ast gesehen hat und die möglicherweise letzte Chance nutzen wollte, das Blatt noch einmal zu wenden); Probleme im Inneren im Hinblick auf Soziales wie Nationales (v.a. in der Habsburgermonarchie); die Desintegration des Osmanischen Reiches und der Frage, wie man mit der Konkursmasse (v.a. am Balkan und im Nahen Osten) umgehen solle bzw. wie diese Konkursmasse selber mit sich umgehen werde, was die Strahlkraft von internationalen Zankäpfeln produziert hat; kapitalistisch-imperialistische Konkurrenz; die Herausforderung durch den Sozialismus. All das (und wohl anderes mehr) an Gemengelage hat eine Situation erzeugt, wo man fatalistisch in eine „Urkatastrophe“ reingeschlittert ist bzw. eine solche tatsächlich erzeugt hat bzw. sie sogar gewollt hat. Ein anderer Denkrahmen war nicht vorhanden. Es wurde mehrmals gesagt, das Problem der heutigen Zeit sei, dass es zunehmend komplexer werde und sich inmitten dieser Komplexität immer unsicherer navigieren ließe. Aber das ist möglicherweise zu tief gestapelt. Vielleicht wird die Wirklichkeit viel krasser. – Es gefällt mir, dem weltgeschichtlichen Prozess zuzusehen, wie er selbst so ungeheure Portionen wie Persien und China verschlingt wie nichts, aber bald könnte es sein, dass ich auch da nichts mehr zu lachen habe, da die Probleme nicht mehr im Grunde genommen bewältigbar seien, wie ich es bis jetzt geglaubt habe, sondern eben nicht (mehr) bewältigbar. Dann erweist sich auch mein Geist als sinnlos. Mein Geist erfreut sich an der Komplexität und an der Welt, die tief ist und tiefer also der Tag gedacht – also an der Tiefengestaffeltheit der Welt, deren bezaubernde und mitunter quälende Reize nie aufhören und man fraktalsmäßig immer wieder auf neue Reize stößt. Was aber, wenn die Komplexität und die Tiefengestaffeltheit sich mitunter als gar nicht so sexy und amourös erweisen? So wie im Fall von Wirtschaftskrisen, sozialen Problemen oder eben des Klimawandels? Das Spiel mit der Komplexität und die Mimesis mit der Komplexität also gar nichts Gutes, sondern etwas abgrundtief Gemeines, das für uns bereitgehalten wird am Ende? Der Klimawandel ist einfach eine (abgrundtiefe) Gemeinheit weniger des Menschen als der Natur, die immer schon gemein war und wegen der die Menschheit ja die Industrie entwickelt hat, als relatives Bollwerk gegen die Gemeinheit der Natur. Mein Geist beherrscht, intellektuell und spirituell, mehr oder weniger die ganze Welt. Andererseits beherrscht er gar nichts und er wird ja auch kaum wahrgenommen und etliche haben auch gar kein Interesse daran, dass er wahrgenommen wird. Verschwörungstheorien entladen sich in Ideen, wonach es bestimmte Einzelpersonen, Gruppen oder Elemente seien, die den weltgeschichtlichen Prozess steuern und manipulieren, weil sie die Macht und die Kontrolle haben (und solche Verschwörungstheorien machen dann deren Anhänger glauben, dass sie intellektuelle Macht und Kontrolle hätten und „den Durchblick, weil sie in Wirklichkeit durch überhaupt nichts durchblicken). Es ist aber eher so, dass niemand die Macht und die Kontrolle über den weltgeschichtlichen Prozess und über die Sachen hat. Das mag befreiender wirken. Oder aber eben beunruhigender. Trotz seiner nahezuhen Allmächtigkeit verschwindet mein Geist dann auch nur im Malstrom des weltgeschichtlichen Prozesses und er kollabiert oder zerschellt an den Sachen. Was bleibt, ist sein Echo.

„Die Welt neigt zum Verfall. Das Gute manifestiert sich von Zeit zu Zeit in einzelnen Personen und in Ereignissen, … doch insgesamt ist die Entwicklung negativ.“

Kurt Gödel

 

The evil that men do lives after them, the good is oft interred with their bones.“

Shakespeare, Julius Caesar

 

Schwierigkeiten, sich mitzuteilen

Hauser sagt, das Genie hat Probleme, sich vollständig mitzuteilen, da das Genie die reine Leistungsfähigkeit ist, die die jeweilige (und seine jeweiligen) Leistung/en übersteigt. Daher das „offene“ Kunstwerk des Genie, das ausfranst oder explodiert, in einem gleichzeitig stabilen, erzenen Rahmen. Das transzendente Genie, das ich immer in Form einer weißen, sich stets verformenden Aura sehe. Hauser auch über die Einsamkeit Goethes, der einen Gutteil seiner Lebenszeit kaum ein Publikum hatte, und kaum gewirkt hat. Das habe ihn sehr belastet, da er, laut Schiller, doch der „kommunikabelste aller Menschen“ war und „nach Teilnahme, Wirkung, Verständnis lechzte“. Ja, wem sagt er das! Götter, Helden und Wieland. Wieland hat an Kleist bemerkt, wie Kleist, wenn er präsent war, immer auch abwesend schien und mit mehreren Gedanken gleichzeitig beschäftigt und wie ein einziges Wort „wie ein Glockenspiel“ etwas in ihm anziehen konnte und eine ganze Flucht und Assoziationskette hervorrufen. Man kann sagen, ein großes Kunstwerk, wie der „Ring des Nibelungen“, kann mit jedem Zeitalter neu interpretiert werden, weil das große (transzendente) Kunstwerk über dem (zeitgebundenen) Künstler stehe. In Wahrheit mag das aber eher so sein, weil der (transhistorische) Geist des Künstlers eben umgekehrt über dem Werk stehe und mehr beinhaltet, als das Kunstwerk unmittelbar zu vermitteln scheint. Hölderlin spricht von dem dunklen, akausalen Grund, aus dem die Gedanken hervorsteigen, und den kein Gedanke aber jeweils völlig ausleuchten kann (eine wichtige Figur im Buch vom seltsamen und unproduktiven Denken: der Grund). Das ist die reine Imagination. Malewitsch hat sich damit auch identifiziert. Mit den Mitteln der Kunst könne man den dunklen, akausalen Grund besser ausleuchten, als mit der spekulativen Vernunft, und erst recht besser als der reine (endliche) Verstand. Ja, das kenne ich. Nietzsche sagt, durch seinen extravaganten Faltenwurf scheint das Genie ungeheuerlich, obwohl es, über ihn verdeckt, in Wahrheit auch immer nur mit seinen selben sechs, sieben alten Stücken komme. Da glaubt man eine starke Persönlichkeit Nietzsches zu merken, dass er sich so was Unerhörtes zu sagen traut!

Zwischenbemerkung

Das, Schwester, sind die Grenzen des menschlichen Denkens. Das hier sind die Grenzen des menschlichen Empfindens, das hier sind die Grenzen der menschlichen Seele. Die Grenzen des menschlichen Denkens werden erreicht im tiefen, empathischen Versenken in die Materie, in dem Versuch, ihr die letzten Geheimnisse zu entreißen. Es ist eine tiefe Introspektion. Es ist eine tiefe Meditation (die möglicherweise sogar über „das (semi-triviale, Anm.) Geheimnis“ hinausschießt, und es so dingfestverschwommen macht, erleuchtet). An den Grenzen des menschlichen Denkens bewegen sich z.B.: Kafka, Wittgenstein, Nietzsche, van Gogh, von Kleist, Pessoa, Weininger, Einstein. Fast lauter Figuren, die mit einem Bein im Grab stehen! Das nicht als Halluzination, sondern adäquate Reflexion, denn der Charakter der Welt ist ein Doppelgesicht! Glanz und Elend, gleichermaßen, ohne dass das eine ein Übergewicht über das andere zu haben scheint – was für den Forscher, der Ruhe finden will (möglicherweise im Nihilismus), sehr anstrengend sein kann. So ist man also, an den Grenzen des menschlichen Denkens, zur einen Hälfte im Himmel, in den Sphären, zur anderen in der Hölle, vulgo mit einem Bein im Grab, und ergibt insgesamt einen scheinbar purgatoriumsmäßigen Lebenslauf jener Zeitgenossen. Zu dem, was die Regierung macht, kann ich nicht viel sagen, da Regierungen im Vergleich zu mir praktisch überhaupt keinen Verstand haben. Sonst würden sie ja auch gar nicht funktionieren, wahrscheinlich. Es hat ja ganz China nicht so viel Verstand wie ich! Und so bemerke ich tatsächlich, dass ich viel mehr über die Politik in China lese, als über die Politik bei uns! Wenngleich ich natürlich auch China nicht ganz ernst nehmen kann, aus dem eben genannten Grund. Daraus ergeben sich gewisse Schwierigkeiten in der Kommunikation, und ich frage mich, was ich machen soll. Meine Verwandten Nietzsche oder Wittgenstein haben sich in den Übermenschen gestützt oder in den sokratischen Monolog; Kierkegaard hat es so gemacht, dass er für den „Einzelnen“ philosophiert hat und daraus Rückschlüsse allgemeinster Natur gezogen hat. Ich will das vielleicht so fassen, dass das Problem, oder der Problemrahmen von dem, was mich insgesamt beschäftigt, das Problem des Sehr Tiefen Denkers ist. Wenn ein Sehr Tiefer Denker, wie Laotse, Dostojewski oder Nietzsche, daherkommt, ein Denker, der an der letzten Schicht arbeitet, also heute kommen würde, was würde der sagen? Er würde versuchen, den Status seines Zeitalters festzustellen. Und darüber den Status eines jeden Zeitalters, und einen neuen Horizont eröffnen, denn der Sehr Tiefe Denker ist universell und auch außerdem transzendent. Fortlaufende Bemühungen in dererlei Hinsichten haben dazu geführt, dass ich selber zum Sehr Tiefen Denker geworden bin, im Lauf der Zeit, und mein Projekt besteht also darin, zu sehen und zu beobachten, was ich selber sage. So könnte man das formulieren. Ich frage mich außerdem: Wie könnten die geistigen Grundlagen der nächsten Jahrhunderte aussehen? Politisch könnte die Frage der nächsten Jahrhunderte sein: Was sind die Grenzen und Möglichkeiten für eine planetarische Gesellschaft? Die Regierung hilft, das auszutesten (wie auch schon die Regierung vor ihr), und ich beobachte sie dabei. – Vielleicht geht das, was ich sage, einfach an der Menschheit vorbei, frage ich mich oft, denn es hat ja den Anschein? Aber, ah, bah! Letztendlich tut es das NICHT, nichts ist mehr mit der Menschheit verwachsen als der „Yorick“. (Nicht zuletzt) angesichts des nicht-hierarchischen Charakters meines Denkgebäudes frage ich mich hin und wieder, wie man sich in Zukunft wohl an mich erinnern wird, und wie das die Zukunft beeinflussen wird. M.E., die auskunftsfreudige weibliche Soziopathin, meint, ein bevorzugtes Opfer für SoziopathInnen seien u.a. (neben allerlei Gestalten, die im Leben wenig Halt haben) die „too smart for their own good“. Ich nehme an, so was könnte ich seien, eine Art Säulenheiliger für die „Too smart for their own good“. Hegel (?) sagt, Napoleon sei der „Weltgeist zu Pferde“. Naja, ich schaffe das scheinbar sogar ohne Pferd! In einer inwendig hohlen Parallele von wegen Napoleon, der Tatmensch und Ich, der Reflexionsmensch, komme ich mir auch vor wie die Reflexion des Weltgeistes, oder die Metaebene des Weltgeistes. Unerhörte Empfindungen! Das, Schwester, die Grenzen des menschlichen Denkens. Das hier sind die Grenzen des menschlichen Empfindens, das hier sind die Grenzen der menschlichen Seele. Wenn der Geist, das Empfinden, die Seele vollständig realisiert sind, wird es grenzwertig.

Nachbemerkung

Die Doppelgesichtigkeit der Welt. Wenn wir uns schon mit christlichen Mystikerinnen (und Mystikern) beschäftigen, erinnern wir uns auch an Cusanus, und seine Idee von der coincidencia oppositorum; wonach also alle Gegensätze der Welt im Unendlichen, in Gott, in eins zusammenfallen. Das glaube, wer kann. Cusanus sagt, mit dem Verstand erkennt man Gott nicht, denn der Verstand kann nur anschauliche, daher endliche Dinge miteinander ins Verhältnis setzen und so ihre Verhältnishaftigkeit bestimmen. Die Vernunft, die in abstrakten Begriffen denkt, kann Gott anvisieren, letztendlich bleibt er aber im Wesentlichen für die Vernunft paradox und verborgen (Cusanus war hierin auch von der negativen Theologie des Pseudo-Dionysius beeinflusst, später hat ja auch Kierkegaard Aufhebens darum gemacht). Was uns zu Gott zieht, ist die Liebe, mithilfe derer wir ihn allein tatsächlich (annähernd) erfassen. Schlegel sagt: „… Cusanus. Ein Philosoph in dem Sinne, dass Leibniz und solche ganz flach und seicht dagegen scheinen. (Er ist) wie der Grundstein vom festesten, gründlichsten Tiefsinn.“ Wenn ich an die Theologie von Dionysius Areopagita denke, sehe ich dunkles Licht, dunklen Ton, und einen dunklen Scheinwerfer, der allmächtig schweift – bei Cusanus hingegen hat man auch die Dunkelheit und das tiefe Brummen, jedoch auch einen gelblich-orangenen Strahl, der sich eventuell zu einem Ring formt, bevor er sich eventuell wieder öffnet. Humor und Verständnis für die kleinen Freuden im Leben, und die Freuden der kleinen Leute im Leben sei, trotz seiner allfälligen sonstigen guten Eigenschaften, im Übrigen keine große Stärke des Universalgenies Cusanus gewesen, vermerkt der Biograph und durch gewisse kirchenväterliche Inflexibilitäten habe er sich unbeliebt und verhasst gemacht. Daher plädiere ich auch für die Heraufkunft des Einheits-Bewusstseins, das ALLES umfasst, und über dem Universalgenie steht und seine Unzulänglichkeiten überwindet – wobei freilich Cusanus mit seiner coincidentia oppositorum und der Vorstellung, dass in Gottes Sichtweise alles eine einzige Einheit sei, schon etwas, in seiner unnachahmlichen Weise, uns hierzu beigebracht hat. Ach, für einen wie mich, der es hasst, im Mittelpunkt zu stehen, ist es nicht leicht, hier so auf die Pauke zu hauen, was die Beschreibung meines Geistes anlangt! Aber es ist eben, soweit ich sehe, eine angemessene Beschreibung meines Geistes. Wenn einer so auf die Pauke haut, könnte man meinen, er habe eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Aber wenn einer, der ein Sehr Tiefer Denker ist, sagt: Ach, mein Geist! Ist doch ganz normal! Muss man kein Aufheben machen darum, hätte er eher einmal eine selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsstörung!, denn seine Einschätzung wäre nicht adäquat. Kafka hat das eventuell betroffen.

Nachruf auf meinen Vater Hans Hautmann (22. August 1943 – 3. Juli 2018)

Am 3. Juli 2018 am frühen Nachmittag ist mein Vater Hans Hautmann im Wiener Hanuschkrankenhaus verstorben. Er ist dort die letzten fünf Wochen gelegen, nachdem sich seine Krebserkrankung plötzlich massiv verschlechtert hat.

Vor einem Jahr wurde Lungenkrebs bei ihm diagnostiziert. Es war ein sehr aggressiver, schnell wachsender Krebs. Gleichzeitig hat es sich dabei um eine seltene Mutation gehandelt, die allein mit einem neuartigen Medikament erstaunlich unkompliziert behandelt werden konnte, und die Behandlung hat so gut angeschlagen, dass wir zuversichtlich waren, dass sie sich noch auf unbestimmte Zeit fortsetzen ließe. Als „Glück im Unglück“ hat alles nicht so schlecht ausgesehen.

Ende Mai wurde er jedoch mit Verdacht auf Metastasen im Bauchraum ins Krankenhaus eingewiesen. Dort hat er auch plötzlich starke Bauchschmerzen entwickelt, die man dann aber für eine Entzündung gehalten hat. Dann hat ein Darmverschluss gedroht, der zunächst aber auch wieder abwendbar erschienen ist. Als es dann aber – aufgrund eines Tumors im Bauchraum – fast dazu gekommen wäre, musste rasch eine Notoperation eingeleitet werden, von der gar nicht klar war, ob sie überhaupt erfolgreich sein kann und er sie überleben kann – der schlimmste Moment für uns alle. Das hat er aber, und am nächsten Tag waren wir alle wieder einmal verwundert, wie erstaunlich gut es ihm gegen alle medizinische Erwartung gegangen ist. Am Tag darauf setzten dann aber die Wundschmerzen ein, die mit starken Medikamenten, inklusive Psychopharmaka behandelt werden mussten. Von da an hat er sich nicht mehr wirklich erholt, es wurde festgestellt, dass die Metastasen im Bauchraum, die sich vorher nicht wirklich bemerkbar gemacht hatten, sehr ausgeprägt waren, so dass die Aussichten auf eine Behandlung zwar da waren, aber erfordert hätten, dass er wieder mehr zu Kräften gekommen wäre. Dafür war sein Körper aber dann schon zu schwach. Am Ende ist noch eine Lungenentzündung dazugekommen. Man hat versucht, sie zu behandeln, aber an jenem 3. Juli hat sein Körper den Kampf aufgegeben.

Als er im Krankenhaus war, war ich kurz in Linz, in Auhof, wo ich aufgewachsen bin; bin die Wege gegangen, die meine ersten gewesen waren. Habe mich erinnert, wie er mich an der Hand geführt hat oder das Fahrradfahren beigebracht hat. Eltern sind diejenigen, von denen man was bekommt, wenn man was will, und die das kapriziöse Verhalten der Kinder erdulden und uns trotzdem lieben, und das sehen wir als selbstverständlich an. So war das dann auch. Später im Leben hat mir meine Tante Luise gesagt, dass mein Vater für die damaligen Verhältnisse und Geschlechterrollenverständnisse (in den 1980er Jahren) ein erstaunlich engagierter Vater gewesen sei, der viel mit uns unternommen hat. Wir haben viele Ausflüge unternommen oder Nachtfahrten mit dem Auto, die meinen Bruder und mich als Kinder natürlich fasziniert haben. Meistens haben wir das am Samstag gemacht. Oder wir sind, neben vielen anderen Orten in der Linzer Umgebung, nach Enns gefahren und dort den Stadtturm rauf und nachher in eine Konditorei. Daran habe ich mich erinnern müssen, als ich auf dem Weg nach Linz dort vorbei gefahren bin. Bei einem Urlaub in Annaberg hat er mir den Sternenhimmel gezeigt, dessen Pracht dort für mich als Stadtkind ungewöhnlich gewesen ist. Er hat mir erklärt, was die Milchstraße ist und der Andromedanebel und sie mir gezeigt. Wahrscheinlich im Zusammenhang damit wollte ich einige Zeit später dann Astronom werden und das Universum erforschen. Das war offensichtlich der Grundstein für mich, Wissenschaftler zu werden, wobei ich durch alle möglichen Wissenschaften mäandriert bin. Die reichhaltige Bibliothek zuhause war da sicherlich hilfreich. Später, in unserer Jugend, sind wir Samstag oft in die Plus City gefahren, was essen, Billard spielen und dann ins Kino. Ich erinnere mich, wir haben dort künstlerisch wertvolle Filme gesehen wie „Dark City“ und auch so tiefsinnige und philosophische Filme wie „Independence Day“.

Mein Vater hatte ein akzentuiertes Weltbild und war ein politischer Mensch. Dabei hat er nicht versucht, uns ein Weltbild aufzuoktroyieren, aber versucht uns Werte zu vermitteln, die man als allgemein humanistisch bezeichnen kann. Inmitten der zeitweiligen Graben- und Fraktionskämpfe innerhalb seiner Partei hat er versucht, eine vermittelnde und mediatorische Rolle einzunehmen. Ich kann mich erinnern, wie ihn diese Grabenkämpfe belastet haben und traurig gemacht haben. In meiner Jugend habe ich dieses Weltbild auch übernommen und es auch, in einer sehr allgemeinen Weise, beibehalten. Der Kampf zwischen dem Fortschrittlichen und dem Reaktionären und die Frage nach der Gestaltung einer harmonischen Gesellschaft ist so alt wie die Menschheit selbst und stellt sich in jeder Epoche, auch jeder Generation, und inmitten gänzlich unterschiedlicher Herausforderungen immer wieder neu. Der Kampf zwischen Gut und Böse um die Vorherrschaft im Menschenreich mag womöglich noch lange unentschieden weitergehen. Was aber wohl zählt, ist, auf welcher Seite man war.

Während der letzten Zeit im Krankenhaus war mein Vater allgemein sehr schwach und oft kaum ansprechbar, unter anderem wegen der starken Medikation, wodurch er aber immerhin meistens vergleichsweise schmerzfrei war. Trotzdem ist es uns am 2. Juli noch gelungen, ein letztes Gespräch zu führen, auch wenn es danach an diesem Tag dann wieder gar nicht ausgesehen hat, da noch Vitalität aufgeblitzt ist. Es ging dabei um Bücher und um die Weltrevolution.

Womöglich hätte mein Vater den Wunsch gehabt, zu Hause, inmitten seiner Bücher und Arbeitsräumlichkeiten diese Welt zu verlassen. Dieser mögliche Wunsch war nicht mehr zu erfüllen. Dabei war aber der 3. Juli ein schöner, sonniger, klarer Tag, ohne dass es schon garstig heiß gewesen wäre. Das Hanuschkrankenhaus ist ein geschmackvoller Bau und es geht dort mit wenig Hektik zu und es ist auf einer kleinen Anhöhe im 14. Wiener Bezirk, eine weitläufige und irgendwie idyllische und lauschige Gegend. Wenn man an sein Ende nach Westen fährt, nach Hütteldorf, geht es, bei der Straßenbahnendhaltestelle, in die Natur über. Man könnte meinen, dort beginnen die elysischen Felder.

Seien wir glücklich, dass sein Leben eine sinnvoll abgeschlossene Erzählung bildet! Obwohl auch in seiner Pension voll wissenschaftlichem Tatendrang, konnte er zuletzt doch sein Werk als mehr oder weniger abgeschlossen und getan betrachten. Obwohl Angst und Besorgnis seit Bekanntwerden seiner Erkrankung natürlich da waren, ließ er sich davon nicht übermannen. Was die allerletzten Wochen in seinem Kopf vorgegangen sein mag, wissen wir nicht wirklich. Es gab aber kein sichtbares Hadern oder wütende Unzufriedenheit.

Wir sehen uns wieder in den elysischen Feldern! Auch wenn wir als dialektische Materialisten wohl nicht ganz daran glauben mögen, aber zumindest als ideellen Raum gibt es sie ja doch.

Gehab dich wohl, mach´s gut und hab eine schöne Ewigkeit.


Nachruf der Alfred Klahr Gesellschaft

Nachruf in den Oberöstereichischen Nachrichten

Hans Hautmann

Heute am frühen Nachmittag ist mein Vater Hans Hautmann im Wiener Hanuschkrankenhaus gestorben. Er ist dort die letzten fünf Wochen gelegen, nachdem sich seine Krebserkrankung plötzlich massiv verschlechtert hat. Er war in dieser Zeit allgemein sehr schwach und oft kaum ansprechbar, unter anderem wegen der starken Medikation, wodurch er aber immerhin meistens vergleichsweise schmerzfrei war. Trotzdem ist es uns gestern noch gelungen, ein letztes Gespräch zu führen, auch wenn es danach gestern dann wieder gar nicht ausgesehen hat, da noch Vitalität aufgeblitzt ist. Es ging dabei um Bücher (zufälligerweise um Biographien) und um die Weltrevolution.

 

Fußball WM 2018

Was an Fußball interessant sein soll, habe ich mich oft gefragt; dass das also die große Klammer ist, die das Menschenreich zusammenhält – was sagt das über die Leistungsfähigkeit des normalen menschlichen Gehirns wohl aus? Aber es hat sich auch z.B. Beckett für Tennis interessiert und auch für das noch langweiligere Kricket – also will ich da nicht richten – und ich muss auch zugeben, dass die Spiele, die ich bislang bei der jetzigen WM gesehen habe, gar nicht mal schlechte Unterhaltung waren! Also: nicht richten (damit ihr nicht gerichtet werdet)! Ich schaue nun also auch WM, und das Abschneiden von Argentinien interessiert mich noch am meisten, aber ich habe so die Möglichkeit, an der Welt teilzuhaben, mich in den Gesamtzusammenhang einzufügen, mit der Menschheit in ein Bündnis zu treten; außerdem bin ich, wie immer, gierig darauf, die „Tiefenstruktur“ hinter dem Fußball zu entdecken und neue Einsichten zu gewinnen, auch wenn mir klar ist, dass die Tiefenstruktur hier zwar vorhanden, aber eher flach ist. Schade finde ich, dass das Publikum eher selten eingeblendet wird, denn ich sehe mir gerne Leute an, vor allen Dingen gefühlsmäßig aufgewallte, euphorisierte Leute, die sich unschuldig an was erfreuen. Da ich sehr empathisch bin, beziehe ich daraus Energien und kann mich in ein Verhältnis setzen oder so, vor allem, wenn es sich um die lieben Kinder handelt! „Ein Mann, der sich in der Menge langweilt, ist ein Dummkopf! Ich verachte ihn“, meint Constantin Guys, der „Maler des modernen Lebens“, und Baudelaire zitiert ihn so. Schade, dass ich noch keine Spiele von Saudi-Arabien, Iran oder Ägypten gesehen habe, denn insbesondere sehe ich mir gerne die weiblichen Fans an. Bei der WM kann man euphorisierte Massen aus aller Herren Länder, vulgo der Welt, sehen, und das will ich gerne tun! Sieben Milliarden Menschen auf der Welt, jeden einzelnen würde ich gerne erforschen oder zumindest in Augenschein nehmen, und die WM gibt mir tangential eine Möglichkeit dazu. Ich fände es gut, wenn ich das ganze Stadion austrinken könnte, jawohl! Austrinken und mir so einverleiben! Was soll das bringen? Kierkegaard sagt, der Wald nimmt sich am besten auf Abstand aus, aus der Nähe ist er ein gelöstes Rätsel (denn so interessant und zur Kontemplation anregend sind einzelne Bäume ja nicht), das Wasser hingegen werde interessanter, je mehr man sich in es vertieft, also denke ich mir halt die Masse als ein Fluidum, eine Weltseele, dann sehe ich sie richtig. Nietzsche sagt, gelänge es einem Menschen, das Bewusstsein der gesamten Menschheit in sich zu vereinigen, er würde mit einem Fluch auf das Dasein zusammenbrechen. Eventuell, aber dann steht er wieder auf, denn der gesunde Geist wandert, und der Geist der Menschheit wandert auch. Gelänge es einem Menschen, den gesamten Geist der Menschheit in sich zu vereinigen, wie würde sich das anfühlen? Ich kann von meiner bescheidenen Warte aus sagen, dass es sich so und so anfühlt. Das ist das tiefste Geheimnis, das So und So. Irgendeine wahnsinnige sphärische Einheit, ja, die ist zwar da, aber andere Dinge auch. Ich sage immer, wenn ich den lieben Kindern auf ihren Kinderspielplätzen zusehe, das ist zugleich mein Inneres, ein Abbild dessen, wie es in mir aussieht. In mir also die – leicht chaotische, aleatorische – Menge. Ich glaube, so ist das, so kann man das beschreiben. „Ein Mann, der sich in der Menge langweilt, ist ein Dummkopf“. Was ich, und wie ich das schon öfter mal moniert habe, bemerke, ist, dass sich Menschen in der Menge im Allgemeinen aber weniger langweilen, als gar nicht wirklich beachten. Sie rennen über die Mariahilferstraße und beachten einander nicht. Sie sehen bei Extreme-Metal-Konzerten auf die Bühne, aber niemals um sich ins Publikum, in die Menge, nur ich tue das! Die Augen mit dem nach innen gerichteten Blick seien das untrügliche Kennzeichen des Genies, so Lichtenberg, das kenne ich und kann ich verstehen; wenn ich durch die Menge laufe, habe ich den Blick in den Augen nach außen gerichtet, die anderen Leuten meistens in sich hinein oder eben ganz einfach auf den Weg vor ihnen. Denn in mir ist eben die Menge. Dementsprechend. Was ist schöner als eine schöne, bemalte Frau, die sich über ihr Fußballteam freut; vor allem, wenn sie aus irgendeinem komischen Land kommt? Sie gehen und treffen sich zu Fußballspielen, die Leute, um sich zu freuen und euphorisiert zu sein! Das können sie dann gut, vor allem in Argentinien. Und dann, obwohl ich äußerlich unbeteiligt erscheine, freue ich mich mit ihnen mit! Das ist das magische Band zwischen uns. Es ist ein tiefes Geheimnis. Es ist zutiefst magisch. Als Gotama auf der Suche nach dem Buddha war, fand er ihn schließlich nicht in mühevoller Selbstkasteiung, sondern in einer Erinnerung, als er als Kind in einem frisch gemähten Feld gesessen und dort nicht nur zerschnittene Grashalme sondern auch tote Insekten bemerkte – was ihn mit tiefer Trauer erfasste. Diese plötzliche und urtümliche Welle an Empathie und Teilhabe, begriff er im Nachhinein, war jedoch tatsächlich das, was das Nirvana ist, und das Aufgehen in seiner eigenen Befreiung ermöglicht. Mahavira, ein Übermensch, der vor Gotama lebte, erreichte inmitten von Kasteiung kevala, in dem er plötzlich „alle Realitätsebenen gleichzeitig in jeder Zeit- und Raumdimension wahrnehmen konnte, als ob er ein Gott wäre“ (Karen Armstrong: Die Achsenzeit. Vom Ursprung der Weltreligionen, München, Siedler S. 318). Auf Mahavira geht jene extreme empathische Bewegung zurück, die jedes Insekt und jeden Kieselstein achtet und von der Heinrich Himmler einmal bewundernd gesprochen hat.

EM

Liliana Medina no puedo decir nada porque esta mi bandera allí ,y…como sabes fanatica del futbol ,el futbol es religión en Argentina,pero como toda religión tenemos alguna oveja descarriada o vendida ,como el actual d.t. de mi equipo ,pero ,bueno ,esto va a pasar y ya jugaremos el próximo mundial ,no como chile e que lo mira por t.v.

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Liliana Medina maldito perro¡¡¡

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