Das Reich des Saturn

Goethe, der Olympier und der Jupiter, und der Olymp der Wissenschaften. Goethe war ja auch ein bisschen bodenständig. Jenseits des Olymps und des Reiches des Jupiter liegt, in den sich entziehenden Tiefen, das Reich des Saturn. Das Reich der jenseitigen, transzendenten Geister dann, die die materielle Hyle vollständig durchstoßen. Über Perelman hat man bemerkt, nachdem er seinen Jahrhundertbeweis über die Poincaré-Vermutung erbracht hat, sei ihm der Olymp der Wissenschaften offen gestanden, der ihn dann aber nicht mehr interessiert habe. Ja, wie denn auch? Die Zeit im Reich des Kronos ist älter als die Weltzeit, der Raum stürzt in seine eigenen ahnungsvollen Tiefen und gebiert sich fortwährend aus sich selbst heraus, dort. Die Materie wird zu reinem Geist. Über Perelman hat man, nach seinem Verschwinden, bemerkt, jemandem, dem es gelungen sei, die Poincaré-Vermutung zu beweisen, seien die Meinungen der Menschen über ihn wahrscheinlich ganz gleichgültig. Das, was gegenüber der Relativität der Meinungen ganz gleichgültig ist, ist das Absolute. Das Reich des Saturn gilt als schattenhaft. Ja, die Konturen dort sind unermesslich und tiefengestaffelt. Der Olymp und der Geist von Goethe spiegeln alle Welt. Das Reich des Saturn überschreitet alle Welt und kann von aller Welt nicht vermessen werden. Um bei der Mathematik zu bleiben, war Galois, der sich mit gut 21 totschießen hat lassen, auch ein Angehöriger des Reiches des Saturn. Dante gehörte dem Olymp an, Shakespeare war jenseits davon, Büchner war weiter drinnen und Attar ziemlich weit drinnen im Reich des Saturn. Goldenes Einhorn auf Titan!

Unicorn!

Michel Houellebecq und Virginie Despentes

Bei Houellebecq haben die Figuren, auch wenn sie katastrophal sein mögen, Gravität und seine Welt ist ernstzunehmend. Bei Despentes haben ihre Figuren keine Gravität und ihre Welt ist nicht ernstzunehmend. Die Welt, wie sie tatsächlich ist, ist eine eigenartige Mischung aus beidem. Bei Houellebecq hat man, obwohl keinen großen Intellektuellen, Genie, mithin die Fähigkeit, über die Beschränkungen der rein logischen Intelligenz zu tiefen, penetrierenden, authentischen Einsichten zu gelangen, beim literarischen Genie zumeist einen melancholischen Blick auf die Welt, auch wenn er oftmals sehr komisch sein kann, der beseelt, veredelt und Sinn verleiht (auch wenn es sich um die (Spiritualisierung der) Abwesenheit von Sinn handelt). Despentes ist eine oberflächliche Kuh, die nichts veredelt und die die Seele aus allem aushaucht. Aber finde ich ihr Motörhead T-Shirt gut, wenngleich ich mich hin und wieder frage, wie viel davon authentisch ist und wie viel davon PR; mich hin und wieder frage, würde ich jetzt aus der Hüfte schießen „Hey Virginie, findest du spontan so wie ich, dass „Sacrifice“ doch eine der besten Nummern von Motörhead sei?“, was würde sie da sagen, oder kennt sie das „Sacrifice“ Album eigentlich? Will ich nicht ausschließen, vielleicht kennt sie sogar das wenig bekannte aber goldige „Locomotive“, womöglich aber auch nicht, aber das ist ja auch nicht der Punkt – Lemmy wandelte nur mit Großmut und Edelsinn durch die Welt und er hat den Hardrock beseelt und spiritualisiert und ihm Sinn verliehen; einer innerlich verödeten, destruktiven Soziopathin wie Despentes ist das anzunehmenderweise zu hoch etc.

Weitere, beunruhigte Zwischenbemerkung

Hier sitz ich nun also, forme Gedanken. Meine Gedanken betreffen die ganze Welt und legen sich über die ganze Welt. So wie die Masse des Blob legen sie sich über alles, sie legen sich gallertartig um diese Ecke und jenes Grasbüschel und versuchen sich mit ihm zu verbinden, mit ihm zu verschmelzen, eine höhere Einheit mit ihm einzugehen: meine Gedanken beinhalten und empfinden dann dieses Grasbüschel, und dieses Grasbüschel kennt dann und empfindet dann mich und meinen Geist. Ein Verhältnis der guten Symbiose. Was aber, wenn das gar nicht so ist und so sein kann? Als Atlas trage ich die ganze Welt, intellektuell ist das sogar relativ leicht für mich (wenngleich auch natürlich viel Arbeit und Auseinandersetzung dahinter steckt), spirituell auch, allerdings nicht ganz so leicht und möglicherweise ganz unmöglich und auch das ganz Falsche, so was zu tun oder zu probieren, da Möglichkeiten der spirituellen Verbindung nicht immer gegeben sind zu den Objekten und den Subjekten in der Welt. Der Geist ist leicht, weil er so leicht ist. Die Dinge sind schwer, weil sie so schwer sind. In seinem Buch „Wunschdenken“ zitiert sogar Thilo Sarrazin Schiller: „Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit. Leicht beieinander wohnen die Gedanken, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen.“ Ich bin in guten Verhältnissen aufgewachsen, persönlich wie sozial, in einer guten lokalen Ecke in einem, was ebendiese Ecke betrifft, guten Zeitalter. Es gab immer Anlass zur Hoffnung, dass das – im Wesentlichen – so weitergehen würde: Hindernisse mag es geben auf dem Weg zum Fortschritt, doch der Fortschritt und das Fortschreiten der Zivilisation seien die eigentliche Macht, und nicht der Rückschritt. Es kann schon sein, dass im Rahmen des jüngsten, sich anbahnenden Abschnittes der Industrialisierung (hierzulande genannt „Industrie 4.0“) gegen Mitte des Jahrhunderts umfassende Umwälzungen zum Positiven stattgefunden haben werden. Aber vielleicht werden die gar nicht so wichtig sein, da das eigentliche Zentrum des geschichtlichen Verlaufes in negativen Entwicklungen bestehen mag. Kann ich mir dann auf die Schulter klopfen und sagen: Im Rompf-Roman (dem „uninterpretierbaren Traum“) habe ich das unzeitgemäß vorhergesehen! Ein Szenario, wo es, global betrachtet, immer nur Inseln gibt – Inseln des Guten und Inseln des Schlechten oder Bösen – die sich über die Zeit wandeln und sich eventuell in ihr Gegenteil transformieren mögen, ohne wiederum darin beständig zu sein – das Zusammenspiel von Kosmos und Chaos als ewiger weltgeschichtlicher Prozess! Das Thema des Rompf-Romanes war die Auseinandersetzung zwischen Geist und Welt, ihrer ewigen möglichen Zusammenarbeiten und Symbiosen, ihrer ewigen gegenseitigen Indifferenzen oder aber auch Feindseligkeiten. Die Sichtweise auf Inseln der Ordnung und des kosmisch in sich Zusammengefügten im weltgeschichtlichen Prozess, die mit der Zeit erodieren oder von anderen Entwicklungen überholt werden, und die dann ins Chaos abgleiten – nicht allein wegen der identifizierbaren menschlichen Dummheit, sondern aufgrund der mehr oder weniger anonymen und schwer adressierbaren Dummheit von Gesellschaften, die ihr Eigenleben fristen und die ihre eigene Schwerkraft ausstrahlen. Gut behütet kann man also auf das schöne Farben- und Formenspiel blicken, das der weltgeschichtliche Prozess ist, das allsehende Auge tut das. Kierkegaard spricht von einer Art Position des allsehenden Auges vom Ungeheuer des weltgeschichtlichen Prozesses, das „selbst so ungeheure Portionen wie China oder Persien verschlinge wie nichts“ (was zähle und was ewig sei, sei allein das Verhältnis des Einzelnen zu Gott). Man mag da, von der Position des allsehenden Auges, den weltgeschichtlichen Prozess anblicken, da tut sich hin und wieder was, neue Dinge geschehen, neue Technologien oder Ereignisse kommen auf und produzieren „Gewinner“ und „Verlierer“ (die aber durch den insgesamt guten Verlauf kompensiert werden), bunt ist das, prächtig, mosaikhaft! – Doch könnte das Ganze vom Beschaulichen bald ins Unbeschauliche kippen. Es wurde zwar vorhergesagt, dass sich im Rahmen der heutigen Entwicklungen innerhalb des Post-Cold War World Orders (unrichtige Formulierung, aber ich lasse sie, da sie mir gerade eben gefällt) die Dinge auf der Arena der internationalen Politik sich komplexer und komplizierter gestalten können und somit für die Verantwortlichen immer schwieriger, sie positiv zu gestalten, mit der Gefahr also, dass die Entwicklungen überhaupt zu entgleiten drohen. Und solche Feuerzeichen scheinen immer deutlicher. Die Degeneration der Demokratie und der zivilisierten Politik in der westlichen Welt! Die mögliche Degeneration des „aufgeklärten“ Despotismus in China unter Xi hin in einen plumpen und gefährlichen Despotismus wie unter Mao (möglicherweise nicht aufgrund von buonapartistischen Ambitionen von Seiten Xis, sondern weil ansonsten die Kontrolle über die chinesische Gesellschaft ganz zu entgleiten droht)! Die mögliche Degeneration der islamischen Kultur und Zivilisation in die Barbarei (in ihren Heimatländern wie auch in den Ländern anderswo)! Die Verwerfungen, die der Kapitalismus entlang der Industrie 4.0. produziert, ohne dass man gegen die Grundtendenzen (den technologischen Wandel und der Probleme, die er erzeugt, durch die Ersetzung des Kapitalismus durch irgendein anderes System was tun könnte)! Am Schlimmsten aber die möglichen Konsequenzen des Klimawandels!! Jüngst wurde eine Studie veröffentlicht, wonach die voraussichtliche Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur zwar nicht höher oder schneller ausfallen würde als bisher angenommen, dass aber eine diese (vergleichsweise moderate) Erhöhung viel drastischere Folgen zeitigen könnte als angenommen! Der Klimawandel und seine negativen Folgen werden seit den 1970er Jahren vorhergesagt, als die „Grenzen des Wachstums“ sich dann doch nicht so eng erwiesen haben wie 1972 ursprünglich prognostiziert, hat der Alarmismus wieder abgenommen, in etlichen Zukunftsszenarios wird dem Klimawandel kein herausragender Platz zugesprochen. Man kann sagen, ein wärmeres Klima ist besser als eine Abkühlung, möglicherweise schützen wir uns mit der Aufheizung der Erde in Wirklichkeit vor einer neuen Eiszeit; immer noch läge die globale Durchschnittstemperatur unter dem langfristigen Mittel (wobei die Frage aber ausgespart bleibt, was passiert, wenn die Erhöhung des Klimas so schnell wie noch nie stattfinde und wie gut sich die Ökosysteme daran vergleichsweise kurzfristig anpassen könnten). Onkel Karli, der Alpenfreund, meint, am deutlichsten sehe man den Klimawandel am Rückgang der Gletscher in den Alpen, und den müsse man gesehen haben, um es tatsächlich glauben zu können. Der neue Klimareport sagt drastische globale Konsequenzen des Klimawandels bereits innerhalb der nächsten 20 – 30 Jahre vorher, räumt allerdings noch ein gewisses Zeitfenster ein, um gegenzusteuern. Man kann hoffen, dass diese Vorhersage falsch und tendenziös ist. Was aber, wenn es nicht so ist? Dass die Menschheit in einem so kurzen Zeitrahmen die notwendigen Mittel ergreift, um einer gar nicht mal eindeutig bestätigten Gefahr gegenzusteuern, erscheint wenig aussichtsreich. Man kann zwar sagen, dass die Menschheit letztendlich, wenn der Hut brenne, dann doch einlenke und das Richtige tue – aber in so etlichen Fällen ist auch das nicht der Fall, und vor allen Dingen stehen die Chance wohl schlecht, wenn die Menschheit dazu gar nicht über die adäquaten Mittel verfügt (in dem Fall über grüne Technologien, auf die man großflächig umsteigen könne). Man könnte meinen, es werde nicht so heiß gegessen wie gekocht wird, doch, wie Hannah Arendt mit Rückblick auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts gemeint hat, wurde da immer heißer gegessen als es je einem Koch in den Sinn gekommen wäre. Wenn wir an das 20. Jahrhundert zurückdenken, an dessen „Urkatastrophe“ des Ersten Weltkrieges, in den die Herrschenden unwissend als „Schlafwandler“ hinein geschlafwandelt seien, nichts ahnend, das Verhängnis nicht ahnend? In seiner monumentalen Kafka-Biographie verwirft Reiner Stach ein solches Verständnis: die Herrschenden hätten genau gewusst, worauf sie sich da wahrscheinlich einlassen, die Mittel des modernen Krieges hätten sie gekannt, dass Blitzsiege unwahrscheinlich seien, hätten sie gewusst. Trotzdem seien sie fatalistisch in den Ersten Weltkrieg und in das Elend, das er produziert hat, „hineingeschlittert“. Wobei Stach aber nicht hinweist, warum sie so fatalistisch hineingeschlittert seien. Weil ihnen das innerhalb des Gemengelages der Zeit wohl als unausweichlich erschienen ist. Da hatte man: eine imperialistische Konkurrenz zwischen aufsteigenden und absteigenden Großmächten (wobei das aufsteigende Deutschland sich (aufgrund der kombinierten Rüstungsanstrengungen der Entente) als militärisch am absteigenden Ast gesehen hat und die möglicherweise letzte Chance nutzen wollte, das Blatt noch einmal zu wenden); Probleme im Inneren im Hinblick auf Soziales wie Nationales (v.a. in der Habsburgermonarchie); die Desintegration des Osmanischen Reiches und der Frage, wie man mit der Konkursmasse (v.a. am Balkan und im Nahen Osten) umgehen solle bzw. wie diese Konkursmasse selber mit sich umgehen werde, was die Strahlkraft von internationalen Zankäpfeln produziert hat; kapitalistisch-imperialistische Konkurrenz; die Herausforderung durch den Sozialismus. All das (und wohl anderes mehr) an Gemengelage hat eine Situation erzeugt, wo man fatalistisch in eine „Urkatastrophe“ reingeschlittert ist bzw. eine solche tatsächlich erzeugt hat bzw. sie sogar gewollt hat. Ein anderer Denkrahmen war nicht vorhanden. Es wurde mehrmals gesagt, das Problem der heutigen Zeit sei, dass es zunehmend komplexer werde und sich inmitten dieser Komplexität immer unsicherer navigieren ließe. Aber das ist möglicherweise zu tief gestapelt. Vielleicht wird die Wirklichkeit viel krasser. – Es gefällt mir, dem weltgeschichtlichen Prozess zuzusehen, wie er selbst so ungeheure Portionen wie Persien und China verschlingt wie nichts, aber bald könnte es sein, dass ich auch da nichts mehr zu lachen habe, da die Probleme nicht mehr im Grunde genommen bewältigbar seien, wie ich es bis jetzt geglaubt habe, sondern eben nicht (mehr) bewältigbar. Dann erweist sich auch mein Geist als sinnlos. Mein Geist erfreut sich an der Komplexität und an der Welt, die tief ist und tiefer also der Tag gedacht – also an der Tiefengestaffeltheit der Welt, deren bezaubernde und mitunter quälende Reize nie aufhören und man fraktalsmäßig immer wieder auf neue Reize stößt. Was aber, wenn die Komplexität und die Tiefengestaffeltheit sich mitunter als gar nicht so sexy und amourös erweisen? So wie im Fall von Wirtschaftskrisen, sozialen Problemen oder eben des Klimawandels? Das Spiel mit der Komplexität und die Mimesis mit der Komplexität also gar nichts Gutes, sondern etwas abgrundtief Gemeines, das für uns bereitgehalten wird am Ende? Der Klimawandel ist einfach eine (abgrundtiefe) Gemeinheit weniger des Menschen als der Natur, die immer schon gemein war und wegen der die Menschheit ja die Industrie entwickelt hat, als relatives Bollwerk gegen die Gemeinheit der Natur. Mein Geist beherrscht, intellektuell und spirituell, mehr oder weniger die ganze Welt. Andererseits beherrscht er gar nichts und er wird ja auch kaum wahrgenommen und etliche haben auch gar kein Interesse daran, dass er wahrgenommen wird. Verschwörungstheorien entladen sich in Ideen, wonach es bestimmte Einzelpersonen, Gruppen oder Elemente seien, die den weltgeschichtlichen Prozess steuern und manipulieren, weil sie die Macht und die Kontrolle haben (und solche Verschwörungstheorien machen dann deren Anhänger glauben, dass sie intellektuelle Macht und Kontrolle hätten und „den Durchblick, weil sie in Wirklichkeit durch überhaupt nichts durchblicken). Es ist aber eher so, dass niemand die Macht und die Kontrolle über den weltgeschichtlichen Prozess und über die Sachen hat. Das mag befreiender wirken. Oder aber eben beunruhigender. Trotz seiner nahezuhen Allmächtigkeit verschwindet mein Geist dann auch nur im Malstrom des weltgeschichtlichen Prozesses und er kollabiert oder zerschellt an den Sachen. Was bleibt, ist sein Echo.

„Die Welt neigt zum Verfall. Das Gute manifestiert sich von Zeit zu Zeit in einzelnen Personen und in Ereignissen, … doch insgesamt ist die Entwicklung negativ.“

Kurt Gödel

 

The evil that men do lives after them, the good is oft interred with their bones.“

Shakespeare, Julius Caesar

 

Lu Shoukun, Liu Guosong and Lin Fengmian

Lu Shoukun (1919-1975) left China in 1948 to become a influential figure in the Hong Kong art scene, where he founded and championed the New Ink Movement. Ink painting is a powerful tradition in Chinese painting (and „a way of self-cultivation by scholars to enhance morality and the mind“), and Lu Shoukun aimed at taking it into another era, reconcile it with modernity. He draw upon Western avant-garde and integrated it into his own vision. The height of his vision he reached toward the end of his life with his „Zen paintings“. They consist mostly of bold and broad brushstrokes on a (usually) white background and a red dot (signifying a lotus or a butterfly). Adapting the langauges of Western Abstraction, Abstract Expressionism or Action Painting, the Zen visions seem both bold and devoid of gravity as they seem effortless created, within a moment, to reunite it with the timeless, formless and eternal as well as with sweetness and the living world and the pulsating heart (the red dot). In Lu Shoukun´s Zen paintings, the West and the East mirror each other and show possibility of integration, and especially 1974´s „Zhuangzi“ delivers the quality of an icon.

 Like Lu Shoukun, Liu Guosong (b. 1932) is an important pioneer in Chinese modernist painting, and he is even considered the „father of modern ink painting“. He moved, in 1949, to Taiwan and attempted to overtrow the conservatism in Chinese and Taiwanese art. Embracing Abstraction and Abstract Expressionism, he creates dynamic landscapes which seem to express the forces of nature as well as the creative forces within painting and the human mind – a dynamic interplay. He also uses innovative techniques like „stepped ink“ and „water rubbing“ as well as collage, to give his paintings greater depth and texture. Most notably, Liu Guosong developed the idea of „revolutionary life force“ where, according to the freedom of creative mind, the ink is completely set free. As a teacher, Liu Guosong allows his students to use whatever material they like and „the more different their paintings are from his, the better“.

 Lin Fengmian (1900-1991) artistically impressed people already as a youngster. As a student he spent many years in the vibrant Paris and Berlin of the 1920s where he got into touch with the Western avantgarde and mixed it with Chinese tradition. His life is a story of ups and downs within the turbulent history of China in the 20th century. In the late 1920s he returned to China and became a respected artist and professor but his career experienced a setback within the Sino-Japanese War. Becoming more reclusive, Lin Fengmian further developed his style. During the Cultural Revolution he was forced to destroy a large part of his work and became imprisoned. The last decade of his life he spent in Hong Kong as his reputation in the Asian world increased once more. Not very well known in the West, his art amalgamated traditional Chinese style with Western avant-garde, and especially with his many paintings of ladies and nudes, he alludes to Matisse. Although more limited than Matisse (who has his own distinct limitations of well, though), his Ladies are very, very tasty and enchanting as they are stylised but, in that reduced manner, also an ideal of beauty, grace and elegance. His equally tasty portraits of nature show that Lin Fengmian was a true freak of nature.

Betrachtungen zu Franz Kafka

Man meint, das Werk und die Person Franz Kafkas seien „ein ewiges Rätsel“, enigmatisch. Aber ich erinnere mich, eine, die Kafka persönlich gut gekannt hat, hat sinngemäß gemeint, Kafka wäre der einzige Mensch gewesen, der so gedacht habe, wie ein Mensch denken soll, und der so empfunden habe, wie ein Mensch empfinden soll. Wenn man jetzt der einzige Mensch ist, der so denkt, wie ein Mensch denken soll und der so empfindet, wie ein Mensch empfinden soll, was dann? Was bietet sich für eine Vision an, wenn man in die Welt blickt? Na, eine ins Alptraumhafte verschobene Welt, in der nie was am richtigen Platz ist und in der nichts so funktioniert, wie es funktionieren soll; wahrscheinlich auch ohne dass man zu einem guten Teil weiß oder es sich erklären kann, warum. Also in etwa die Vision der Welt, wie man sie bei Franz Kafka hat.

Man meint, dass Kafka hochgradig neurotisch war. Wenn man jetzt ganz allein ist, und zum Beispiel als Künstler um neue Ausdrucksmittel und um die Vertiefung seiner Vision ringt, man also etwas macht, von dem man es so erlebt, dass es ganz offensichtlich Sinn macht, man das aber nicht wirklich mitteilen kann, da die anderen das nicht wirklich verstehen, fallweise auch wenig über haben für den ganzen Tiefsinn, ergibt das leicht eine Kontakt- und Selbstbildstörung, die ohne Weiteres mit dem Erleben einer Neurose gleichgesetzt werden kann. Obwohl man in Wirklichkeit anti-neurotisch ist, so wie, wie Milena es so unnachahmlich gesagt hat, Kafka es war.

Milena Jesenská hat wörtlich geschrieben: „Ich glaube, dass wir alle, die ganze Welt und alle Menschen krank sind und er der einzige Gesunde und richtig Auffassende und richtig Fühlende und der einzige reine Mensch.“ Was, wenn der Kranke, wie der tyrannische Vater, scheinbar nur so strotzt vor Vitalität, und der Gesunde niedergedrückt wird? Eine unheimliche Welt. Und so war es bei Kafka. Um einen Kafka herum wird folgerichtig alles kafkaesk.

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Einer, der eine Lesung von Kafka besuchen wollte und es dann auch getan hat (Max Pulver), ist von einem anderen vorgewarnt worden: Der, dem man da begegnen werde, sei kein Poet, sondern etwas, das darüber hinausgehe: Kafka sei ein „Richter des inneren Menschen“. Gut gesagt hat das der andere, und man soll das im Leben somit so machen, dass man versucht, vor dem unfreiwilligen Richter, wie es Kafka war, bestehen zu können. Das ist, im Wesentlichen, der Sinn zwar nicht notwendigerweise des Lebens, aber des höheren Lebens. – Intellektuell vollständig vor Kafka bestehen zu können ist natürlich praktisch unmöglich, nur eine Handvoll Menschen pro Jahrhundert verfügt über entsprechende geistige und spirituelle Fähigkeiten, mithilfe derer man so was eventuell vermag. Wenn Ultraintelligente, in denen ein Herz geschlagen hat, wie Kafka, Beckett, Dostojewski, Shakespeare, Gogol ihren Blick auf die Menschheit gerichtet haben, in den Menschheitskessel geworfen haben, hat sich das, was sie zurückgeworfen haben, dann eben als bizarr, irritierend und befremdlich, beängstigend dargestellt; damit haben sie in den Institutionen wiederum Angst ausgelöst, vor dem Blick des inneren Richters. Oder eben vor dem Auge Gottes. Man kann nun aber versuchen, vor den kafkaesken Richter des inneren Menschen zu bestehen durch einen guten Charakter. Oder, da der Charakter das Schicksal ist, und wie es auch Immanuel gesagt hat: durch einen guten Willen, denn der Charakter ist unfrei aber der Wille ist frei, wie es Arthur ja auch begriffen hat. Sache des Unwissenden ist es, andere wegen seines Missgeschickes anzuklagen; Sache des Anfängers in der Weisheit, sich selbst anzuklagen; Sache des Weisen, weder einen anderen noch sich selbst anzuklagen, hat Epiktetus begriffen. Kafka hat alle und niemand angeklagt, einschließlich sich selbst. Handle stets so, als würde Epikur dich beobachten – also der Richter des inneren Menschen – war eine Maxime der Jünger Epikurs. Kann man auch sagen: Handle stets so, als würde Kafka dich beobachten. Der innere Richter ist also der Geist. Der Geist reicht über sich selbst hinaus, und je größer der Geist, desto mehr Verbindungen ermöglichen sich mit dem Außen (da das Außen ja auch, ihm gegenüber, vergleichsweise kleiner wird). Kann man also von außen diverse Verbindungen mit dem Kafkaschen Geist herstellen und versuchen, an ihn anzudocken und ihn sich begreiflich zu machen. Das wird hier im Folgenden versucht, ohne Anspruch auf vollständige objektive Richtigkeit oder ob Kafka seinen Geist auch so sehen würde. Da der Geist, und Kafkas Geist, so wie auch allgemein die Seele und die Kreativität, wenn sie das höchste Maß erreichen, vergleichsweise experimentell werden und sich ständig verändern und mannigfache Perspektiven auf sich selbst allein noch errichten, ist das auch in diesem Sinn in Ordnung. Man verlässt hier die Sphäre der Eindeutigkeiten und kommt in den Hyperraum, oder den Phasenraum, der die Menge aller möglichen Zustände eines dynamischen Systems beschreibt.

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Kafka und Beckett, die klügsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts (außerdem: Pessoa), haben vom höchsten Blickwinkel auf die Menschheit und auf die Welt geblickt, vom Standpunkt einer metaphysischen Abstraktion auf die Welt und auf die Menschenwelt. Sie haben das Leben insgesamt vom höchsten Standpunkt aus erfasst, dass ihre Sicht eine latent negative war, ist dagegen kein Einwand, da (unter Voraussetzung der Abwesenheit Gottes) der Verfall, das Chaos, die Zunahme von Entropie letztendlich überwiegt und auch dem Stolzesten letztendlich den Garaus bereitet. Kunst bedeutet ja nicht zuletzt, dass man schöne und geschmackvolle und erhellende und bedeutungsgeladene Bilder vom Chaos und dem Daseinsschaum malt: „Was im Leben uns verdrießt, man im Bilde gern genießt“ (Goethe). Kunst, so meint man, Wissenschaft und Philosophie haben allerdings auch inhärent den Anspruch, Sinn zu stiften und den Zusammenhang herzustellen – den guten Zusammenhang. Genauso wie es eine unmittelbare und physikalische Welt gibt, gibt es auch eine Sphäre und Welt der Werte, mehr oder weniger heraus aus dem die Tätigkeiten des Geistes stattfinden und wieder in ihn zurückführen sollen: So wünscht es der Geist, so wünscht es die Welt. Bei Kafka und Beckett hat man nicht unbedingt gute Zusammenhänge ausgesagt und beschrieben, so wie man bei Wittgenstein, dem seelenvollsten und profundesten Philosophen des 20. Jahrhunderts, keine ethischen Sätze hat und keine Moralphilosophie. Ich habe im Buch vom seltsamen und unproduktiven Denken (beispielsweise) Kafka und Beckett als „Negativ-Buddhas“ bezeichnet, die das Samsara so vollständig beschrieben haben, dass es einem Anschauungs-Nirwana gleichkommt und ein solches ermöglicht; die Welt, die sie beschreiben, ist so in sich verbunden und von hoher Sensibilität, dass sie damit allerdings den Schatten des guten Zusammenhang und des sozialen und individuellen und moralischen Nirwana werfen. Wer fähig ist, die Welt so zu sehen – dass es einer erleuchteten Sicht und einem Satori gleichkommt – muss radikal gut sein. Und das waren Kafka und Beckett (und Wittgenstein) dann auch. Heilige des 20 Jahrhunderts, ziemlich Ich-los, ganz unnarzisstisch, couragiert und der Außenwelt radikal zugewandt. Es ist notwendig, das Werk von Kafka und Beckett (und Wittgenstein) gemeinsam mit ihrer Person zu betrachten. Dann ergibt sich der vollständige Buddha, der durch das Leiden hindurchgegangen ist und über seine moralische Kraft ein Exempel von universaler Bedeutung statuiert. Wittgenstein sagt, der Sinn lässt sich nicht sagen, er „zeige“ sich. So haben Kafka, Beckett, Wittgenstein die Moral nicht ausgesagt, sondern gezeigt, indem sie sie gelebt haben. Es ist sehr wichtig, das zu verstehen. Dein Leben hängt davon ab.

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Beckett war mir vor ein paar Jahren näher als Kafka, aufgrund seiner extrem in sich integrierten und in sich konsistenten und abstrakten metaphysischen Sicht, wie auch deswegen, dass seine Weltsicht angemessener erscheint, die Welt hat bei ihm zwar das Charisma einer gewissen Trostlosigkeit, allerdings innerhalb eines stabilen, erzenen, stählernen logischen Rahmens. Becketts Welt ist logisch. Bei Kafka hingegen hat die Welt ein Charisma, das nicht mehr absurd ist oder surreal (und schon gar nicht logisch), sondern bei Kafka erscheint der Weltzusammenhang als offen widersinnig. Kannst du das aushalten? Kannst du das unterschreiben? Habe ich nicht so gut gefunden damals, da die Welt ja dann doch wieder, insgesamt, nicht widersinnig ist. Ein paar Lebenserfahrungen später kann ich dem freilich dann doch mehr abgewinnen, wenngleich ihm letztendlich auch wieder nicht zustimmen. Cornel West sagt, Kafka sei der Dichter der Katastrophe, wo also ein Blickwinkel auf die Welt festgelegt wird über die Katastrophe und den traumatischen Einbruch in das Reale (oder des „Realen“, gemäß Lacan). Ja, es stimmt, einen solchen Scheinwerfer kann man auf die Welt halten um sie in einer neuen Art zu erhellen und Licht in die erkenntnismäßige Finsternis zu bringen. Ja, es stimmt, dass die Welt von bestimmten Blickwinkeln und Positionen aus betrachtet widersinnig ist. Und vor allem, dass Kafka die Welt halt mal so beschreibt, wie sie zu einem guten Teil ist und er die Menschen so beschreibt, wie sie zu einem guten Teil sind. Weiters habe ich damals das so gesehen, dass ein Merkmal von großer Kunst ist, dass „ständig etwas auf ihr heraustritt“ (seine eigene innere Dynamik bzw. als das Abbild des sprudelnden Geistes, der sie schafft). Bei Beckett hat man das Heraustreten seines Hypersubjektes aus sich selbst, indem es unbeirrt seine (paradoxen, aber in sich stimmigen) Bahnen zieht. Bei Kafka tritt ständig etwas in hoher Intensität heraus und fällt einen an. Bei Kafka hat man eine chaotische Energie, die in die beschriebene Welt einbricht, eine Art blindwütiges Wirken des wahnsinnigen Gottes Azathoth (möglicherweise). Eine dionysische Energie, die im Rahmen des Perzepts auf einen zuspringt – aufgehalten und apollinisch in Form gebracht durch die Klarheit und amtsstilmäßige Ebenmäßigkeit allerdings der Kafkaschen Prosa, die wie ein Holzverbau wirkt, der das Dionysische zurückhält. Ein fragiler allerdings, ein notdürftig errichteter, als solcher erscheinender. Weiters bei Kafka die Realität ist emergent, ständig treten Dinge aus ihr heraus, die Figuren erscheinen aus sich selbst heraus emergent, treten aus sich heraus, oder kommen nicht zur Ruhe, wirken in ihrem partiellen Aus-sich-heraus-Treten wie ein futuristisches Gemälde oder wie das „Pferd“ von Raymond Duchamp-Vallon, wenngleich es eher unangenehme Dinge sind, die heraus- und hervortreten. Nichts und niemand ist in sich selbst abgeschlossen und mit sich selbst ident. Unruhe, das. In sein Tagebuch schreibt Kafka, dass ihm Antithesen gar nicht liegen, weil da die Nuancen flöten gehen. So hat man bei ihm eine gegenseitig in sich verschwimmende Welt, und ein Schwimmen in der Welt (und geht entweder unter, versucht aber, das gelobte Land zu erreichen etc.) (und wo das urtümlich Element des Menschen das Schwimmen gar nicht ist, sondern auf Dauer eine Entfremdung und eine Anstrengung bedeutet). Wenn man jetzt der einzig richtig Auffassende und richtig Fühlende ist, wird dann also, über die Wahrnehmung der Welt, die Dummheit in ihr universell – wie soll sie dann aber adäquat festgestellt werden? Wo und wie verlaufen dann ihre Konturen? Und was kann man, als Einzelner, gegen sie machen, wenn man jetzt ein Einzelner sein soll, der jenseits der absurden Lebenswirklichkeit lebt, sich aber innerhalb dieser bewegen muss. Die höchste geistige Klarheit und innere Lauterkeit bringt es mit sich, dass man die Welt und die Menschenwelt als etwas Verschwimmendes, Opakes, Intransparentes sieht, da man ja klarerweise nie genau weiß, woran man mit den anderen ist. So baumelt einer wie Kafka zwischen zwei Sphären, die durch seinen Geist angezeigt werden: dem Richtigen und dem Falschen und oszilliert also in dem, was dazwischen liegt, dem Unentscheidbaren und Rätselhaften. Verschwimmen der Welt. Bei Beckett hat man eine apollinischere Sicht auf die Welt, bei Kafka eine dionysischere. Und was für einen Humor man bei Kafka und bei Beckett hat! Hochkomische Visionen! Ist alles ein Spiel, hat Beckett über den Sinn seiner Dichtung gesagt, wenn er, wie Kafka, überhaupt irgendwas dazu gesagt hat. Bei Kafka alles Klamauk, das meiste dabei „völlig misslungen“ (wie auch bei Beckett, gemäß seiner, dann allerdings weniger strengen bzw. rationaleren Selbsteinschätzung).

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„Ach, wie er litt. Schweigsam, linkisch, zart, verwundbar, verschüchtert wie ein Gymnasiast vor den Examinatoren, überzeugt von der Unmöglichkeit, die durch die Anpreisungen des Impresarios geweckten Erwartungen je zu erfüllen. Und überhaupt, wie hatte er nur einwilligen können, sich als Ware einem Käufer vorstellen zu lassen!“ – so Verleger Kurt Wolff in seinen Erinnerungen an Kafka. Bravo, so gehört es sich für einen Menschen der zehnten Stufe.

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„I never wish to be easily defined. I´d rather float over other people´s minds as something strictly fluid and non-perceivable; more like a transparent, paradoxically iridescent creature rather than an actual person.“ So Kafka angeblich in seinem Tagebuch (vom 23.3.1914), ohne dass ich das verifizieren konnte. Hat sich möglicherweise ein anderer ausgedacht, aber es ist eine gute Sache, die man voll unterschreiben kann! Manch einer versteht Kunst so, als dass sie „Ausdruck der Persönlichkeit“ sein soll. Ist sie aber nur teilweise, denn, neben dem subjektiven Ausdruck, ist Kunst im letzten Sinn das Ringen um die objektive Klarheit über die Welt (und damit der Wissenschaft ähnlich). Andere, bisweilen große Künstler oder eminente Gestalten wie Foucault wollen aus ihrem Leben ein Kunstwerk machen. Hat aber seine Grenzen, das; insofern uns zum Beispiel das Kunstwerk als was Gewordenes, Fertiges dünkt, als gefrorene Kreativität etc. Außerdem erscheinen beide Strategien so wichtigtuerisch und narzisstisch, und mögen daher von manchen instinktiv abgelehnt werden. Es geht bei ihnen um die Bestätigung der Persönlichkeit, und die Persönlichkeit ist das Böse (oder zumindest die Wurzel davon). Wieviel besser scheint es, eher so was wie ein Nebel zu sein, ein Feld, eine Aura, eine offene Verbindungsmöglichkeit, ein Kontinuum…. Marcel Duchamp, der Heilige Geist der Kunst im 20. Jahrhundert, hat gemeint, es sei ihm immer nur darum gegangen, von sich selbst wegzukommen. Das ist die letzte Essenz der Kunst, und von allem, und die Möglichkeit der Umrundung der Welt. Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht. Soll heißen, sie ist unerschöpflich, und hält fraktalsmäßig die Unendlichkeit bereit. Etwas so Limitiertes wie die Persönlichkeit kann das nicht adäquat erfassen, nur der Nebel, der sich über Territorien legt. Diese paradoxe, fluide Kreatur…. Das ist eben das Zentrum der Kunst. So muss man sich das Zentrum der Kunst (und des Geistes) vorstellen.

„Life is merely terrible. I feel it as few others do. Often – and in my inmost self perhaps most all the time – I doubt whether I am a human being.“ So außerdem Kafka, ohne dass ich es verifizieren konnte. Aber auch das kenne ich.

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„Zu den Eigentümlichkeiten, die Kafka bis in seine letzten Jahre unverändert beibehielt, zählt sein diffuser Umgang mit Kritik. Es war unmöglich, mit ihm zu streiten, und selbst rücksichtslos vorgetragene Vorwürfe schienen ihn nicht wirklich zu treffen. Denn entweder gab er seinem Gegenüber Recht – das passierte immer wieder Brod, der hier absolut keinen Ansatzpunkt zur „Polemik“ fand –, oder er verteidigte sich mit einer so lauen und die eigenen Möglichkeiten sichtlich unterbietenden Weise, dass man nicht recht wusste, ob das nun Arroganz, Sturheit oder Schwäche war … So eloquent er die Anklageschrift gegen sich selbst zu formulieren wusste, so abwesend wirkte er, wenn es darum ging, die Verteidigung zu organisieren.“ (Reiner Stach: Kafka. Die Jahre der Entscheidungen, S. 285/6) – Bravo, so gehört es sich für einen Menschen der zehnten Stufe! Schizotpye, so habe ich mal gelesen, besäßen ein seltsam diffuses Ego. Die Instanz, wo das Ego seien sollte, mögen sie als vakant wahrnehmen beziehungsweise als etwas, das erst in der Zukunft mit irgendetwas Robustem, Soliden, Definitiven aufgefüllt werde. Schizotypie ist hauptsächlich bekannt als schizotypische Persönlichkeitsstörung, man sollte aber großzügiger sein und es als Bündel von Persönlichkeitseigenschaften auffassen, die im Spektrum harmlos bis psychotisch-schizophren auftreten können. Zu den Charakteristika von Schizotypie zählen: 1) Ungewöhnliches Denken, Erleben (das stark über das spontane Herstellen von (ungewöhnlichen oder scheinbar paradoxen) Assoziationen geprägt ist) 2) Kognitive Zerfahrenheit (spontanes, sprunghaftes, kreatives Denken bis hin zu desorganisiertem Denken und Ideenflucht) 3) Anhedonie (verminderte Fähigkeit (innerhalb gewöhnlicher Situationen) Freude zu empfinden) 4) Arousal und Erregbarkeit (Erlebnisse und Reize, die von anderen als trivial angesehen werden, erregen und beschäftigen den Schizotypen immer wieder ungewöhnlich intensiv, was von außen als Sensibilität, Nervosität und Grübelzwang wahrgenommen werden mag) 5) Nonkonformismus (intellektuell wie emotional, als Verhalten, das mit der Umgebung und den sozialen Konventionen nicht in Einklang steht). In extremer Ausprägung bedeuten diese Eigenschaften Schizophrenie und Krankheit. In gesunder Ausprägung sind sie wohl das Ferment für Kreativität und auch die ungewöhnliche persönliche Autonomie und Unabhängigkeit sowie auch für die transparente Persönlichkeit des genialen Menschen. Genies scheinen meistens gesunde Schizotype zu sein. In einem Beitrag, in dem das schizotype Ego dem Ego des Psychopathen gegenübergestellt wird, wird illustriert, dass der „Psychopath“ verschiedene, relativ unverbundene scheinbar „harte“ und „robuste“ Ego-Kerne hat, so wie er auch andere Menschen als von ihm sehr abgetrennt und verschieden wahrnimmt. So ist es ihm auch möglich, unterschiedliche Rollen überzeugend zu spielen, um andere schamlos zu manipulieren. Der Schizotype hingegen habe ein nebelhaftes Ego, wenig robust, und in dem alles mit allem als verbunden erlebt wird. Somit werden auch die Mitmenschen als mit ihm vergleichsweise verbunden und wenig von ihm abgetrennt erlebt, und es ist dem Schizotypen schwer möglich, andere in dem Sinn zu manipulieren, indem er sich schlecht verstellen kann, abgesehen davon, dass er gar kein Interesse daran hat. Der Schizotype spielt keine Rolle, hat nicht einmal einen konturierten Sinn für die eigene Persönlichkeit, sondern ist immer nur das, was er eben ist. Damit kann man auch sagen, dass nicht der scheinbar robuste „Psychopath“ sondern der Schizotype das höchste Maß an psychologischer Integration aufweist, über sein nebelhaftes, kontinuumsmäßiges, konnektives Ego. Und, wenn man so will, auch das höchste Maß an Identität: Franz Schuh hat einmal in einer Vorlesung gesagt, Kafka sei „unmittelbar identisch mit sich selbst“. – In der Gruppe für Schizotype auf Facebook habe ich mehrmals versucht, eine Diskussion zu initiieren, ob sie ihr Ego auch so (also als praktisch kaum vorhanden) wahrnehmen würden, da ich immer in der Hoffnung bin, ein Kollektiv zu finden, das richtungsweisend für das Glück und den Fortschritt der Menschheit sein könnte und den richtigen Weg aufzeigen. Zu meinem Entsetzen habe ich festgestellt, dass die Diskussionsanstöße kaum Früchte gebracht haben und die quasitaoistischen Ansichten oder inneren Selbsterlebnisse über das nirwanamäßig desintegrierte Ego kaum verstanden wurden. Das hat, wieder einmal, einen erheblichen schizotypischen depressiven Schock bei mir ausgelöst. (Kafka war eben tatsächlich ein Einzelgänger, wie Milena in ihrem Nachruf es schreibt.)

Natürlich ergeben sich aus dieser Selbst-losigkeit leicht auch gewisse Probleme, vorwiegend solche der äußeren und inneren Kontur. Eine gewisse Wurstigkeit gegenüber Leben und Tod. Oder gegenüber dem eigenen Werk, das man nicht richtig wahrnehmen kann als Teil seines Ego oder seines „Unzerstörbaren“ (Kafkas Idee/Wunschvorstellung vom transzendenten Wesenskern bzw. Wesenskern des Transzendenten), und das daher, anders als bei den ganzen Narzissten, immer wieder einfach so durch einen hindurchfällt und man es möglicherweise sogar verbrannt haben möchte.

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Kafka, der neurotische. So meint man das allgemein. Dass er Angst gehabt habe vor dem Leben und dass er Angst gehabt habe vor den Frauen, da die „Agentinnen des Lebens“ seien (oder der Sexualität, zu der Kafka ein gespaltenes Verhältnis hatte). Warum aber sollte einer wie Kafka Angst vor dem Leben haben? Einer wie Kafka ist doch viel stärker als das Leben! Und einer wie Kafka ist doch viel kreativer als die Muse! Und einer wie Kafka ist doch viel irrationaler als die Anima – ja, er würde eher mal mit seiner Irrationalität die Anima in die Flucht schlagen! Und warum diese Verblödetheit mit dem Verbrennen des Nachlasses? In seinen Tagbüchern hat Kafka gemeint, die Erziehung habe ihn versaut und sie sei sein Unglück gewesen. Im Brief an den Vater vermutet er, dass er wohl auch ohne den Einfluss des Vaters „ein schwächlicher, ängstlicher, zögernder, unruhiger Mensch geworden“ wäre. Bei der schizotypen Persönlichkeit hat man ein geisterhaftes Inneres, in dem alles vieles und nichts bedeutet, und einen emotionalen Nonkonformismus, der emotional alles immer in Frage stellt, was gegeben ist und konterkariert, einen inneren Widerstreit, in dem sich alles gegenseitig einigermaßen aufhebt. Es scheint kein genau definiertes Innenleben zu sein. Ich habe Kafka persönlich nicht gekannt, aber für den Fall, dass seine „Nervosität“ über das Maß der Schizotypie hinausgegangen sei, betrachte man den einfachen Fall der selbstunsicher-vermeidenden Persönlichkeitsstörung! Leute mit einer selbstunsicher-vermeidenden Persönlichkeitsstörung zeichnen sich durch übertriebene Angst aus, eine soziale Phobie und speziell einer Angst, als minderwertig erlebt und kritisiert zu werden. Damit einhergehend eine Angst intime Beziehungen einzugehen und ein sehr hohes Bedürfnis nach Sicherheit in einer Beziehung, das bis dahin reicht, sich nach einer „idealen“ Beziehung zu sehnen, in der einem gegeben wird. Die Welt wird als unheilvoll und latent feindselig erlebt, sich selbst erlebt der „Abandoniker“ (wie Kafka-Biograph Stach es fasst) als „ausgeschlossen, nicht-zu-gehörig, überzählig“, in seiner Phantasie sieht er überall Zeichen des Unheils etc. Die Wurzeln einer Persönlichkeitsstörung liegen in den Genen und/oder in Traumata in der frühen Kindheit (bevor sich das Kind noch als Persönlichkeit erlebt und artikulieren kann) und sie liegen tiefer als bei der Neurose oder einer traumatischen Störung und sie sind manifester, urtümlich mit der Persönlichkeit und dem Charakter verbunden. Wie gesagt, ich habe Kafka nicht gekannt, aber so etwas in der Richtung scheint schon auf ihn zuzutreffen. Kafka war mächtig und authentisch und souverän auch, aber das mag in erster Linie seinem souveränen Verstand geschuldet gewesen sein. Weiters können Individuen, die von einer Persönlichkeitsstörung betroffen sind, auch relativ unauffällig sein, erst im intimen Kontakt mögen ihre Exzentrizitäten zutage treten. Bei Kafka scheinen eine gute und brauchbare Sensibilität und Achtsamkeit des Künstlers zusammenzukommen mit der schlechten Übersensibiliät des Selbstunsicher-Vermeidenden, ohne dass man wohl genau sagen kann, inwieweit die schlechte Übersensibilität tatsächlich krankhaft war oder nur (zumindest aber) annähernd krankhaft. Er war sowohl von seinem Talent her ein Ausgestoßener aus der Menschheit und abnorm, wie auch offensichtlich im Sinne einer (Art) Pathologie, beides spiegelt (und verzerrspiegelt) sich ineinander. Dora Diamant hat von einem „nihilistischen“ Wesen oder von einem Selbsthass (des allerdings moribunden und darüber nicht eben totunglücklichen) Kafkas nichts bemerkt, im Gegenteil: „immer heiter“ und sinnenreich verspielt sei er gewesen, „der geborene Spielkamerad“. Auch Brod hat das dann, allerdings eben als eklatante Wesensveränderung an Kafka wahrgenommen. Milena Jesenská hat im Nachhinein gemeint, Kafka wäre tatsächlich nicht normal gewesen, allerdings im positiven Sinn; so sei es sein Pech gewesen, dass die Frauen, die er in seinem Leben getroffen habe, aber eben normale, gewöhnliche Frauen gewesen seien, die nicht anders zu leben verstanden, als es gewöhnliche Frauen eben tun. Auch sie selbst sei zu der Zeit, als sie Kafka kennengelernt habe, „ein gewöhnliches Weib“ gewesen „wie alle Weiber auf der Welt, ein kleines, triebhaftes Weibchen“ und sie geht so weit zu sagen, dass Kafkas Angst vor ihr „richtig“ gewesen sei. Dora Diamants Liebe zu Kafka sei rein fürsorglich gewesen, und nicht „fordernd und überwältigend“ wie die von Milena. Wenngleich ein ausgeglichener Mensch vor einer fordernden und überwältigenden Liebe wohl keine so große Angst hätte. Einem spezifischen Verständnis gemäß gehören sowohl die selbstunsicher-vermeidende als auch die schizotypische Persönlichkeitsstörung in den Cluster A der Persönlichkeitsstörungen, den Cluster der schizophrenienahen Persönlichkeitsstörungen. Oftmals ist es so, dass Persönlichkeitsstörungen (oder wohl auch die ihnen zugrunde liegenden Persönlichkeitseigenschaften) kombiniert auftreten oder ineinander übergehen. Wenn ich einmal tot bin, fände ich es gut, wenn Milena Jesenká einen Nachruf auch mich schreiben würde.

„Psychologie ist Lesen einer Spiegelschrift, also mühevoll, und was das immer stimmende Resultat betrifft, ergebnisreich, aber wirklich geschehen ist nichts“. (Viertes Oktavheft)

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„Etwas schwieriger schon war Kafka zum Betreten eines gänzlich anonymen Schauplatzes zu bewegen – hier rührte sich unvermeidlich sein Widerstand gegen jede Form sozialer Selbstdarstellung, und die Lust am Vorlesen war beeinträchtigt durch Störgeräusche des Über-Ichs, durch den nagenden Zweifel, mit welchem Recht ausgerechnet er sich in den Mittelpunkt drängte.“ (Reiner Stach: Kafka. Die Jahre der Erkenntnis, S. 148) – Bravo, so gehört es sich für einen Menschen der höchsten Stufe! – Ja, ich hege halt die Hoffnung, dass sich daraus Schlüsse allgemeinerer Natur ableiten lassen und Leitbilder, wie man sich als Mensch idealerweise verhalten soll und wohin das Streben gerichtet sein solle (wenngleich die „Magie“ natürlich gänzlich verloren geht, wenn jeder magisch wird, schon klar, aber diese Aussicht besteht ja auch nicht). Das „Ego“ ist freilich nicht notwendigerweise schlecht, wenn es im Zusammenhang mit seiner Befriedigung auf gute Dinge gerichtet ist, anderen helfen zum Beispiel, schöne Sachen machen oder Millionär werden, Arbeitsplätze schaffen, Steuern zahlen. Aber es hat Grenzen. Sidney Janis hat gemeint, nur zwei Künstler getroffen zu haben, die sich nicht durch eine (offene oder versteckte) Unsicherheit gegenüber anderen künstlerischen Ansätzen ausgezeichnet hätten, die sich auch für Kunst interessiert hätten, die von der ihren ganz verschieden gewesen sei und denen es nicht mehr oder weniger darum gegangen sei, ihr jeweiliges Territorium zu behaupten: Marcel Duchamp und Piet Mondrian. Beide sind so tief in die Kunst eingedrungen, wie es nur möglich ist und waren harmonische Persönlichkeiten. Das schizotype Ego mag vielleicht unmittelbar, aufgrund seiner Unruhe und mangelnden Substanz weniger narzisstische Befriedigung und Ruhe ermöglichen als für den sich in sich selbst sonnenden Narzissten, in Wirklichkeit scheint es aber eben die Basis für tatsächliche Ruhe und Ausgeglichenheit und Einheit mit der Welt und dem Schicksal. Ich hege weiter die Hoffnung, dass man mit dem schizotypen Ego eine Art Basis finden kann, wie man in das Herz der Dinge vordringen kann, aufgrund der Fluidität des Innenlebens und seiner Konnektivität und mangelnden Abgegrenztheit gegenüber dem Leben draußen sich tiefe Verbindungen ermöglichen, die notwendig sind, um Lösungen für die Welträtsel anzugeben. Vielleicht kann man die Menschen in Zukunft genetisch dementsprechend verändern, auf das herrliche Zeiten anbrechen und wir alle auf Erden wie in den elysischen Feldern wandeln (so wie in den Gemälden von Macke). Wie dann aber (geistige) Arbeitsteilung möglich sein soll, weiß ich nicht.

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Und warum diese Verblödetheit mit dem Verbrennen des Nachlasses? „Die Mittelmäßigkeit erledigt ihre Unternehmungen schlecht und recht und frohlockt; der Mann von Talent gratuliert sich zum Erfolg seiner Bemühungen; das Genie allein trauert über unerfüllte Erwartungen“, schreibt Füssli in seinen Überlegungen zur Kunst. Ja, wenn das Innere von einem der offene Raum ist, was dann also anders, als wie wenn das innere (seelische und intellektuelle) Prozessieren sich so anfühlt, als würde man permanent in seinen eigenen Abgrund fallen, für immer? Freilich, wenn ein Mensch die höchste Vollendung erreicht hat, will er wohl ganz einfach verschwinden; bzw. wenn das Ego schizotypisch ist und das Innere so weiträumig, fühlt man sich wie ein Nebel, der sich irgendwie verteilen und verflüchtigen muss, man ist für sich selbst gar nicht mehr lokalisierbar und legt auf das, was Menschen Wert legen, oftmals gar keinen Wert mehr. Allerdings, wenn man Werte geschaffen hat, ja, wenn man in der Sphäre der Werte (als abgelöst und über der Sphäre der täglichen Geschäfte der Menschen stehend) was getan hat, wenn man – eigentlich – in der Sphäre der Werte lebt, dann muss man sich um die Bedeutung dieser Werte doch umso mehr im Klaren sein und versuchen, sie zu bewahren! Freilich, der Schriftsteller leidet. Das eigene Werk, die eigenen Gedanken und Ideen kennt er, sie sind keine (unmittelbare) Überraschung für ihn. Sie stehen auch nicht scheinbar monolithisch und aus einem Guss da, wie das Werk des anderen Schriftstellers. Während das Werk des anderen Schriftstellers monolithisch und wie aus einem Guss dasteht, weiß man um den flickenhaften Charakter des eigenen Werkes nur zu gut Bescheid, weiß, dass dem, was anderen als göttliche Eingebung erscheinen mag, möglicherweise bloß die Erinnerung an eine Anekdote zugrunde liegen mag. Einen Schriftsteller stellt man sich so vor als einen, der ein wahnsinniges Talent hat zu erzählen, eine ganze Geschichte sprudle so mir nichts, dir nichts aus ihm heraus, bevor du ihm auch noch den ausgestreckten Mittelfinger zeigen kannst. Dann kommt aber möglicherweise einer daher, der nichts kann als sich erinnern (und seine Erinnerungen so darzustellen und auf eine Ebene der Konkretion wie auch der Abstraktion zu erheben, dass sich daraus Weltliteratur ergibt), so wie Proust, und macht auf seine Weise was viel Bedeutendere als der bloße Geschichtenerzähler! Genie schließt Talent nicht mit ein, sondern ist die Fähigkeit, ungewöhnliche Kombinationen herzustellen und (allerdings erst nach gewisser Zeit und über eine gewisse Bekanntschaft mit den Dingen), das „Wesen“ und die „Seele“ einer Sache zu erfassen. Das Talent mag sich zunächst leichter tun in der Welt, während das Genie länger brauchen mag, aus seiner Begabung was Sinnvolles zu machen. Aber das muss man erst einmal (auch für sich selbst) begreifen! Die Welt ist da eher langsam dabei, und man selbst ist langsam dabei. Allerdings, nach einer gewissen Zeit müsste man doch draufkommen, dass das Gras in des Nachbars Garten nicht möglicherweise grüner ist als das eigene! Freilich, Kafka konnte viele seiner Texte nicht fertigstellen, er schrieb keine Lyrik und brillierte nicht als Dramatiker (während herausragende Schriftsteller in der Regel in mehreren Gattungsformen brillieren), seine Kreativität kam schwankend und war unbeständig (wie es bei so vielen anderen auch der Fall ist), aber es ist ihm bereits früh (korrekterweise) so erschienen und er hat es Rudolf Steiner gesagt, dass er nicht nur an den Grenzen seiner eigenen Möglichkeiten wandle, sondern an den Grenzen des Menschenmöglichen überhaupt (wozu (selbst einer wie) Steiner nicht viel zu sagen wusste). „Die ungeheure Welt, die ich im Kopfe habe. Aber wie mich befreien und sie befreien ohne zu zerreißen. Und tausendmal lieber zerreißen, als sie in mir zurückhalten oder begraben. Dazu bin ich ja hier, das ist mir ganz klar“, so Kafka zu seinem Tagebuch im Jahr 1913. Warum dann also später, nachdem die Welt triumphal geboren wurde, sie verbrennen? Noch dazu, wenn Brod und Werfel und alle anderen einem in den Ohren liegen, wie toll diese Schöpfung sei? Brod hat gemeint, Kafka hätte unmöglich hohe Ansprüche an sich selbst gehabt, und einen in etwa religiösen Zugang zur Literatur gehabt. Erklärt aber auch nicht die sehr unnatürliche Scheu von Kafka gegenüber seiner eigenen Religion. Ursprünglich hat Kafka sein Schreiben als eine Art Spielerei gesehen, wie gleichzeitig auch als Versuch, gegenüber der Imago des übermächtigen Vater ein eigenes Territorium zu errichten. Sein Schreiben war ja ein „Versuch der Befreiung“ (wie er im Brief an den Vater geschrieben hat), daher möglicherweise im Rückblick peinlich für ihn, oder eben bloße Versuche: Seine „eigentliche“ Literatur hätte erst das sein sollen, was er in Zukunft schreiben würde (wobei dem schizotypischen Ego und dem rasenden Verstand immer alles vergleichsweise obsolet erscheinen wird, was es/r gerade getan hat), und das, was er vorher geschrieben habe, ein bloßes (und experimentelles) Ringen mit seinen „Dämonen“ (wobei allerdings bei einem Geist wie Kafka alles immer nur „Experiment“ bleiben wird, da die innere Maschine für alles scheinbar „Feste“ und „Klassische“ zu schnell läuft). Einer wie Kafka hätte wahrscheinlich versöhnliche Literatur schreiben wollen, eine Lösung für die Menschheit anbieten, er hat aber gesehen, dass das nicht (philosophisch) wirklich geht, wahrscheinlich gehofft, dass das in der Zukunft, wenn er „mit sich und der Welt im Reinen“ sei, möglich sein könnte. Im persönlichen Umgang habe Kafka stark dazu tendiert, immer nur das Beste in einem anderen Menschen zu sehen, während sich ihm in der Literatur eine einigermaßen andere Perspektive aufgedrängt hat. Ein unangenehmer Widerspruch wohl für einen. Später dann, im Jahre 1918 hat Kafka sein Glück nur mehr darin gesehen, über die Literatur (oder sonstwie) die Welt „ins Reine, Wahre, Unveränderliche zu heben“. Selbst künstlerische Perfektion sei ihm zu wenig gewesen, das Ergreifen einer transzendenten Wahrheit (oder aber: das vollständige Durchdringen der Welt) sei sein Ziel dann gewesen – laut Kafka-Biograph Stach ein „ungeheuerliches“ (Reiner Stach: Kafka. Die Jahre der Erkenntnis, S. 255). Allerdings hat Kafka das dann ja auch tatsächlich getan, und klarerweise werden auf einem solchen Plateau der Olymp der künstlerischen Meisterschaft oder des klassischen Stils einigermaßen obsolet, das Welt-Auge schafft seinen eigenen, über-meisterschaftlichen Stil, der aber singulär ist, und der daher nur mehr indirekt mit allem anderen kommunizieren kann und der allein eine gebrochene Gemeinschaft schafft etc., was wiederum unangenehm für den Über-Meister ist, da das nicht unbedingt das ist, was er will. Dass, abgesehen von allem, Kafka aber keine Lust darauf gehabt haben konnte, in der Zukunft, und für den Rest der Zukunft, am Seziertisch der analysierenden Menschheit, Forscher und Biographen zu landen, erscheint auch naheliegend (und vielleicht sogar als der naheliegendste rationale Grund für sein schreckliches Testament an Brod).  – Wieso Kafka einen solchen Drang, bei all den inneren und äußeren Widrigkeiten tatsächlich gar nicht so wirklich verspürt hat wohl, ist wohl das eigentlich Rätselhafte an dem ansonsten so transparenten Kafka. Einer, der sowohl Kafka als auch Otto Weininger gekannt hat, hat gemeint, beide wären „verrückt“ gewesen: Beide hätten einen Satz bereits durchgestrichen, bevor sie ihn überhaupt erst niedergeschrieben hätten. Ach ja, der ultraschnell rasende Verstand und die ultraflexible Seele, so schnell und so flexibel, dass sie über sich selbst hinwegrasen und sich selbst wegflexibilisieren! Obwohl ich bei Otto Weininger auch gemeint habe, sein Selbstmord sei einer neurotisch gewordenen höchsten Klarheit des ringenden Genies geschuldet, bin ich in letzter Zeit dann doch zu der Vermutung gelangt, dass sein Verfolgungswahn doch psychotischer Natur gewesen sein muss, und Otto Weininger, neben all der erstaunlichen Klarheit, möglicherweise sehr wohl verrückt war. Möglicherweise war ja auch Kafka tatsächlich verrückt (Persönlichkeitsstörung bedeutet ja auch quasi, dass man partiell verrückt ist). An Milena Jesenká, die ihm seine Angst ausreden will schreibt er, dass seine Angst doch in Wirklichkeit „sein Bestes“ sei und er „aus ihr besteht“ – wobei er von dieser „Angst“ allerdings wiederum in Anführungszeichen spricht; ach ja. Und natürlich: Wenn der größte Schriftsteller eines Jahrhunderts sein Werk verbrannt sehen will, passt es ja wie die Faust aufs Auge, so einfach ist das. Wie sehr allem Weltlichen entrückt, das!

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Die Briefe Kafkas und die Tagebücher und die Oktavhefte und anderes zählen nicht eben zu den besten ihrer Art, aber das tun die Briefe von Emily Dickinson zum Beispiel auch nicht. Es tun Briefe selten, ich erinnere mich an die Irritation die Anthologien von „Liebesbriefen berühmter Männer“ und „Liebesbriefe berühmter Frauen“ bei mir ausgelöst haben. Bei den Briefen und Tagebüchern von Kafka habe ich beim Lesen Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren. Es steht dann aber eh meistens nichts Weltbewegendes oder Erhellendes drinnen, und es fehlt auch der – in seinen literarischen Werken doch dauernd anzutreffende – Humor! Eine ausgeprägte Weltwahrnehmung hat man, Verschwimmen der Ichgrenzen, Gütigkeit und Achtsamkeit gegenüber anderen. Eine sehr hohe Intelligenz. Wie intelligent Kafka war! Man kann sich schon vorstellen, dass der tyrannische Vater da stark darunter gelitten hatte, da es doch sein primäres Motiv war, Macht über andere auszuüben. Ja, da muss der Vater doch vor lauter Wut in den Boden gefahren sein, zum Rotieren angefangen, schwarz geworden und sich in den Erdboden gebohrt und verschwunden, ganz schnell! Doch das ist dann so doch nicht passiert, wenngleich der tyrannische Vater dann Ottla, als sie nicht mehr nach seiner Pfeife getanzt hat, mit einem unbändigen Hass verfolgt hat, dass man meinen könnte, Schmerz über die eigene erlebte Machtlosigkeit sei der primäre Agens gewesen. Der Vater ist angesichts von Franz nicht im Erdboden verschwunden, vor Wut über die erlebte Machtlosigkeit. Eventuell, weil er sich über die Intelligenz des Sohnes selber machtvoll verlängern konnte. Oder, weil er Intelligenz, wie es meistens der Fall ist, ja dann doch auch schätzte, da sie Macht bedeutet. Wahrscheinlich aber eher, weil er dafür dann doch zu sehr Hohlraum war. Oder weil er die wahre Intelligenz von Franz naturgemäß nicht begriffen hat. Eine so hohe Intelligenz wie die von Franz wird weniger als hohe Intelligenz, sondern eher als Fremdheit, Seltsamkeit, Eigenartigkeit wahrgenommen, als exzentrisch, auch von den Trägern dieser Intelligenz selber, da ihnen aufgrund ihrer Singularität ja auch die Vergleichsmöglichkeiten zu anderen fehlen. Man meint, und sie meinen, sie seien eine eigentümliche Mischung aus hoher Intelligenz und Sonderbarkeit, „Lebensuntüchtigkeit“ u. dergl. Dabei sind sie ja durchaus nicht sonderbar. Dabei sind sie durchaus nicht lebensuntüchtig etc. Abgesehen auch davon, gibt es ja gar keine Anzeichen, dass Hermann seinen Sohn Franz nicht tatsächlich geliebt hat – nein, nicht die geringsten! Er war halt nur in seiner gestörten Persönlichkeit und in seinen Mechanismen zu sehr gefangen (von daher auch wieder gut überlegt, die Persönlichkeit auszulöschen, um zu Wahrheit und Reinheit zu gelangen etc. pp). „Mein Schreiben handelte von Dir“, schreibt Kafka anklagend an den Vater. Naja, eine Irrationalität und Uneinheitlichkeit, die auf die ganze Welt projiziert wird. Das „Transzendente“ oder das „Gesetz“ oder was auch immer ist bei Kafka recht widersprüchlich, es bedrängt einen, weicht aber zurück, wenn man was von ihm will; es ist mitten in der Gesellschaft, bis hin in die Hinterhöfe und Dachkammern, verankert, nimmt dann aber doch nicht am Leben teil; es übersieht scheinbar alles, aber alles ziemlich falsch; es ist asketisch und lüstern; erhaben und trivial; geheimnisvoll und offenbar; gefährlich und ungefährlich; drohend und leer drohend; souverän und tollpatschig; es kann gegenüber einem letztendlich nicht viel ausrichten, und umgekehrt, allerdings zermürben und aufreiben, das kann es wohl. Ja, das kann es! Seine Rätselhaftigkeit scheint weder aus einer Tiefe heraus zu stammen, als aus einer Oberflächlichkeit, in der alles schlecht integriert ist, wobei auch seine Rätselhaftigkeit weniger eine solche ist als eben eine Uneinheitlichkeit und Zusammenhanglosigkeit, wo der Zusammenhang allerdings durch den Glauben der Menschen an das Gesetz manifest und zu einer tatsächlichen sozialen Macht wird. – Über seine Schwester Elli schreibt er an den Vater wie sie sich von einem unangenehmen, gedemütigten Mädchen zu einer angenehmen Frau entwickelt habe, sobald sie dem elterlichen Einfluss entronnen. An Elli selber schreibt er, hinsichtlich Fragen der Kindererziehung im Jahr 1921 mehrere Briefe, wonach es nichts Eigennützigeres gäbe als die Liebe der Eltern zu ihren Kindern (wobei er das allerdings nicht auf seinem Mist wachsen lässt, sondern den sarkastischen Swift wiedergibt). Als seine größte Leistung hat Kafka es angesehen, wie es ihm in späten Jahren gelungen ist, von seinen Eltern wegzuziehen. Ja, wenn einem so etwas gelingt, müssen einem Werke der Weltliteratur wie der „Prozess“ et al. unbedeutend und als ein Fall fürs Feuer erscheinen, ja das ist, aus diesem Licht betrachtet, ganz klar. Becketts Briefe finde ich sehr gut und ich habe sie eine Zeit lang immer wieder gelesen. Kafkas Briefe finde ich nicht gut. Der eigentümlichste Eintrag in Kafkas Tagebuch vom 2. August 1914: „Deutschland hat Rußland den Krieg erklärt. – Nachmittag Schwimmschule“

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Kafka wird so geliebt, weil er ein solches Füllhorn an Bedeutungen und Bedeutsamkeiten über uns ausschüttet! Da kann man alles Mögliche damit anfangen, man kann dann darüber schreiben und sich mit seinen jeweiligen Deutungen eventuell auch wichtigmachen und glänzen und sich narzisstisch erhöhen, jetzt, nachdem er tot ist und es gewisse Leitlinien gibt, wie man in der Interpretation überhaupt mit ihm umgehen kann. Wenn so einer, der ein Füllhorn von Bedeutungen und Bedeutsamkeiten ausschüttet, lebt und unvermittelt daherkommt, mag er weit weniger beliebt sein, weil man sich dann nicht auskennt und man kann kein intellektuelles Spielzeug aus ihm machen und nicht wichtigtuerisch-schwungvoll über ihn schreiben und glänzen und sich selbst narzisstisch erhöhen. Marlene Dietrich hat über Orson Welles gesagt, Orson Welles sei ausgesprochen großzügig gewesen. Wie alle großen Talente habe ihn sein innerer Reichtum vor Kleinlichkeit geschützt und er habe andere bereitwillig an seinen Ideen, Erfahrungen und an seinen Träumen teilnehmen lassen. Es sei leicht gewesen, Orson zu lieben. Orson Welles hat über sich selbst gesagt, er habe das Wort „Genie“ schon ins Ohr geflüstert bekommen als er noch in der Wiege lag. Naja, dafür hat er später büßen müssen; als Fremdkörper in der Industrie. Angst hätten sie vor ihm gehabt, da in Orsons Nähe die Unzulänglichkeiten der anderen „nur allzu deutlich“ wurden, kommentierte über Orson Welles John Huston. Auch von dem bescheidenen und überaus höflichen Beckett fühlten sich angeblich viele Leute eingeschüchtert. Kafka muss diese Verlegenheit, in die er andere, zumindest theoretisch gebracht hat, eben auch sehr unangenehm gewesen sein. Orson Welles hat Shakespeare geliebt und in der Orson Welles-Biographie, die ich habe, wird gesagt, dass Shakespeare bis heute „überaus anziehend“ erscheine, da er keine bestimmte Bedeutung vermittle, „vielmehr verheißt er eine unerschöpfliche Vielzahl von Bedeutungen“. Während Orson Shakespeare geliebt und auch verfilmt habe, hat er auch (hingegen als Auftragsarbeit) Kafka verfilmt, ohne allerdings „wirkliche Sympathie für Kafka“. Mit Anthony Perkins in der Hauptrolle, zeigt Welles` Interpretation/Adaption vom „Prozess“ ein hohles, lieblos administriertes Soziales, in dem der Einzelne zugleich verlängert Täter scheint und ihm gleichzeitig zum Opfer fällt. Wie bei Kafka ist bei Orson Welles vieles Fragment geblieben. Der Ruf, dass Welles ineffizient gearbeitet habe und in dem Sinn lebensuntüchtig war, sei jedoch übertrieben gewesen, so John Huston (oder eine Schutzbehauptung), genauso wie der Ruf von Kafka als lebensuntüchtig ja auch übertrieben ist. Als Orson Welles mit einem anderen in der Closerie de Lilas (kurz vor Mitternacht und als die Closerie de Lilas schon fast leer war) Beckett gesehen hat, hat er zu dem gesagt: „That´s Beckett over there“.

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In den Tagbüchern von Kafka findet man auch Beschäftigung mit Goethe. In den Kopf von Individuen wie Goethe oder Hegel passt die ganze Welt. So sind das dann also Universalmenschen und/oder –geister. Was aber, wenn man auf einem noch höheren Level der Analyse und Integration arbeitet und die Welt überblickt, wie zum Beispiel Nietzsche oder Büchner? Dann ist, wie man sagt, die Welt nicht genug für einen. Das sind dann Transzendentalmenschen. Während der Universalmensch das Charisma des in sich Ruhenden hat, wirkt der Transzendentalmensch vielleicht eher unausgeglichen, nervös, nicht identisch mit sich selbst, scheint sich durch sich selbst hindurchschießen zu wollen. In seiner Singularität ist er ja auch in einem Bereich, wo sonst niemand ist. Was soll er da aber genau anfangen? Wie soll er sich da genau Klarheit über alles verschaffen, über die Welt, wenn er die Welt übersteigt? Dann sucht er wohl etwas, was man in der Welt nicht findet, er sucht einen Sinn, den es (so, praktisch) in der Welt nicht gibt. Und produziert also ein Übermaß an Sinnzeichen, die in der Welt (so, praktisch) nicht verankert sind, gleichzeitig aber auch tiefer in ihr vorhanden sind als alles andere. „Der Übermensch ist der Sinn der Erde.“ Nietzsche hat sich in den Übermenschen geflüchtet, Büchner („Lenz“) in eine Überwelt, bei Kafka hat man eine Über-Wirklichkeit, einen metaphysischen Nebenraum, in dem das metaphysische Streben des Menschen und der Mangel des metaphysischen Strebens des Menschen in einer zum metaphysischen Streben einladenden Welt und in einer zum metaphysischen Streben gleichzeitig nicht einladenden Welt stattfindet; man hat einen Überschuss an Zeichen, Bedeutungen, Indizien, die so dann realiter weniger bedeuten als sie scheinen, aber trotzdem zu schnell sind, als dass man sie einholen könnte (Odradek). ); bei Kafka hat man eine verschwimmende Welt, die auf diese Art und Weise mehr ist als die Welt. Doppelsinnig, hintersinnig, sinnlos; statisch und unveränderlich, aber ständig dynamisch, sich verändernd, emergent und im Fluss. Kafka war, wie man weiß, sehr klar im Kopf. In seiner Sprache, als Jurist, als Kommunikator des Juristischen, von seinen Vorgesetzten hochgeschätzt, insofern er das seltene Talent aufgewiesen hat, Juristisches einem breiteren Publikum verständlich darzustellen. Die geistige Klarheit von Nietzsche auch, oder Büchner, die sich selten geirrt haben. Auf einem extrem hohen Niveau, oder auf einem Niveau, an dem die geistige Klarheit und Konturiertheit die der Klarheit und Konturiertheit der praktischen Welt überschreitet, fällt sie dann wieder in eine (philosophische) Konfusion, und in ein (scheinbares bzw. höheres) Unwissen. In der Gleichzeitigkeit von höchster Klarheit und höchster Konfusion zu leben, ist das Charakteristikum des Philosophen. Wie es im „Prometheus“ im Dritten Oktavheft heißt: „(Die Sage versucht das Unerklärliche zu erklären.) Da sie aus einem Wahrheitsgrund kommt, muss sie wieder im Unerklärlichen enden.“ Ich habe Leute wie Büchner, Nietzsche, Kleist, Emily Dickinson – oder eben auch Kafka – dereinst die „ultrakomplexen Menschen“ genannt. Die Ultrakomplexität, als welche sie nach außen hin in Erscheinung treten mag, ist der nach außen gewendete Ausdruck ihrer Über-Vollständigkeit. Im Inneren des ultrakomplexen Menschen gibt es weniger unlösbare Probleme oder innere Widersprüche, wenn schon, dann sind das Kollisionen mit dem Außen – tatsächlich ist das Innere des ultrakomplexen Menschen der unendliche Saal von Spiegeln, der unendliche Spiegelsaal, in dem alles gegenseitig, und von allen Seiten reflektiert wird (die „Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und der wahren Weg“ oder die Aphorismen/Notate aus der Reihe „Er“ sind zwar nicht die besten ihrer Art, aber eben Notate des ultrakomplexen Menschen). Ich habe auch gesagt, der Übermensch ist der, der die Summe aller menschlichen Probleme reflektiert und das auf ihre Überschreitung hin. Übermenschen hat es gegeben, meistens als Unbehauste in dieser Welt: Sokrates, Kierkegaard, van Gogh… oder eben Kafka (Dora Diamant hat notiert: „In Franz lebten die Dinge in so verdichteter Form, dass die anderen Menschen erst dann etwas von ihnen sehen können, wenn man sie verdünnt hatte, da sie über die Grenze des gewöhnlichen menschlichen Fassungsvermögens hinausgingen. Sie gingen auch über seine eigene physische Erregbarkeit hinaus. Die Ebene, die Sphäre, von der aus er lebte, war eben im ursprünglichsten Sinn des Wortes „übermenschlich“.“)

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Kafkas Dichtung ist universal und Gestalten wie Faust, Peer Gynt, Ishmael, Malone oder eben K. sind Gestalten, in denen sich die Menschheit individualisiert. Kafkas klaustrophobische Visionen stammen zunächst aus den Verlegenheiten, in die der Ausnahmemensch in dieser Welt kommt, wo er in einer Welt, die kleiner und schwächer ist als er, überall anstößt, ohne dass er das will. Er will ja helfen und motivieren und aufbauen, stattdessen hat da jemand Feinsinniger wie Kafka das Problem, dass er überall anstößt, überall Unruhe hervorruft, überall Schwierigkeiten macht. Im Gedicht von Hong-zhi über den alten Zhao-zhou heißt es:

Der alte Zhao-zhou! Der alte Zhao-zhou!

Unruhe in den Zen-Klöstern zu stiften – noch im hohen Alter hört er nicht damit auf!

– nachdem der alte Zhao-zhou ein Koan hingeworfen hatte. Ja, in einem Zen-Kloster mag das, innerhalb gewisser Grenzen wohl wohlanständig sein, aber draußen in der Gesellschaft ist das hin und wieder nicht willkommen. Leute aus ihrer Komfortzone zu locken, das geht gar nicht, und mit mehr als nur japanischer Höflichkeit mag das feinfühlige Genie, der feinfühlige Ausnahmemensch, um große Zurücknahme seiner selbst bemüht sein, vor allem, wenn er ein schizotypisches Para-Ego hat, obwohl es ja gar nicht seine Schuld ist, dass er in einer stupiden und unflexiblen Welt überall anstößt (aber eben auch nicht wirklich die Schuld der anderen). Gleichzeitig dann aber die tiefe Durchschnittlichkeit der Kafkaschen Helden! Gregor Samsa, ein Durchschnittsmensch in einer Durchschnittsfamilie, arbeitend in einem Durchschnittsbetrieb, Durchschnittsmenschen als Mieter anziehend. Kein sonderliches Interesse, keine sonderliche Neugierde, keine sonderliche Idee, wie man mit der Ausnahmesituation umgehen soll, was schließlich bei allen Ärger hervorruft, da alle an ihre engen Grenzen stoßen. Josef K. weiß nicht, wofür er angeklagt ist, da er auch nicht so viele Eigenschaften hat. Der Landvermesser K. hat unsympathische, egoistische und gewalttätige Seiten. Karl Roßmann ist artig, engelhaft und duldet alles, scheint sich aber auch nicht aufzulehnen, sich nicht weiterzuentwickeln, und er scheint trotz seiner knabenhaften Artigkeit niemand zu lieben. So bleiben diese Helden in ihren Entwicklungsmöglichkeiten beschränkt, und die Mauern eilen für sie schnell aufeinander zu, in der Ecke wartet dann die Falle. Und dann halt wieder der potenzielle und in seiner jeweiligen Erscheinungsform unvorhersehbare gewisse Widerspruch der Individuums mit der Gesellschaft oder Themen wie die Blindheit des Schicksals, oder die Launen der Natur, in die man gerne, wenn sie was für uns bedeuten, oder sie uns behindern, was hineininterpretieren würde, was aber nicht wirklich geht, da das Schicksal und die Natur nicht intelligenter und wissender sind als wir, sondern viel dümmer. Das Thema, dass beim Sterben jeder allein ist (angeblich). Dass die Individualität ein Bereich ist, in dem andere – und auch man selbst – nur begrenzt eindringen kann, Rätselhaftigkeit und Intransparenz bleibt. Dass Menschen nicht notwendigerweise intransparent, opak und facettiert sind, weil sie so tiefsinnig sind, sondern so oberflächlich und schlecht in sich selbst (und in den menschlichen Gesamtzusammenhang) integriert. In seiner wundervollen Meditation über Melville („Bartleby oder die Formel“) schriebt Gilles Deleuze über das Problem der „Originale“ in der Menschenwelt, die selten auftreten, die über „nichts Allgemeines“ verfügen und „keine Besonderen“ sind, ihre eigene Sprache sprechen und die von ihrer Umgebung nicht beeinflussbar sind – und die mehr oder weniger Fremde in der Welt sind, obwohl sich die Welt die Originale wünscht. Das Problem der Originale sei, die Originale mit der (nachfolgenden) Menschheit zu versöhnen. In einer Menschheit, in der es „nur monströse und verschlingende Väter und vaterlose, versteinerte Söhne“ gibt, kann Rettung und Versöhnung (theoretisch) über die Akzeptanz der Originale geschehen, da das Original der Bruder des Menschen ist und die Wirkung des Originals die Aufzeigung des Ideals der Brüderlichkeit unter Menschen sei. Wie gesagt, ich habe auch die Hoffnung gehegt bezüglich der Herstellung eines ideellen Kollektivs von Menschen, das die Menschheit zusammenhält und eine höhere Anschauungsform ermöglicht. Aber diese Kette zerfällt mir immer, und was, wenn es nur die einzelgängerischen Originale sind, die die Kette bilden, indem sie zugleich das Allgemeine und das Besondere sind? Es ist eine instabile Kette, und dann auch wieder nicht. Als man Wittgenstein nach dem Zweiten Weltkrieg (?) Kafka zu lesen gegeben hatte, war er irritiert und hat beanstandet: „Warum sagt er nicht, was sein Problem ist?“ Und das von einem, der selbst alle anderen vor ein solches Rätsel gestellt hat! Auch die Originale mögen Probleme haben, einander zu verstehen, so scheint es. Ist ja auch klar. Aber wir, wir lieben das Rätselhafte! So wie die meisten anderen auch. Kafkaexegeten sind hin und wieder verärgert, wenn man meint, (der insgesamt durchschnittliche) „Josef K.“ sei ein Selbstbild von Franz K. Aber sehr wohl ist er das, Josef ist in Franz enthalten, und Franz hat wie Josef gefühlt, und im Auge Gottes sind wir alle K. Als ein Mönch zu Shi-lou kommt, um Belehrung und Erleuchtung zu erfahren, gesteht der Mönch ein, er wisse um seine Fehler. Darauf Shi-lou:

– „Dieser alte Mönch hat auch seine Fehler.“

– „Ehrwürdens Fehler, worin bestehen die?“

– „Meine Fehler bestehen in deinen Fehlern.“

    Der Mönch verbeugte sich in Verehrung.

    Shi-lou versetzte ihm auf der Stelle einen Schlag.

In Franz K., dem universellen Spiegel ist eben alles enthalten. Und natürlich war Franz K. auch die Tiere in seinen Tiergeschichten. In Berlin wollte sich Kafka „ganz als gewöhnlicher, kleiner Durchschnittsmensch fühlen, ohne besondere Wünsche und Bedürfnisse“, berichtet Dora Diamant. Und: „Unter dem Leid anderer litt er immer selbst intensiv.“

„Wenn ich mich auf mein Endziel prüfe, so ergibt sich, daß ich nicht eigentlich danach strebe ein guter Mensch zu werden und einem höchsten Gericht zu entsprechen, sondern, sehr gegensätzlich, die ganze Menschen- und Tiergemeinschaft zu überblicken, ihre grundlegenden Vorlieben, Wünsche, sittlichen Ideale zu erkennen, sie auf einfache Vorschriften zurückzuführen und mich in ihrer Richtung möglichst bald dahin zu entwickeln, daß ich durchaus allen wohlgefällig würde undzwar (hier kommt der Sprung) so wohlgefällig, daß ich, ohne die allgemeine Liebe zu verlieren, schließlich, als der einzige Sünder, der nicht gebraten wird, die mir innewohnenden Gemeinheiten, offen, vor aller Augen ausführen dürfte. Zusammengefasst kommt es mir also nur auf das Menschengericht an und dieses will ich überdies betrügen, allerdings ohne Betrug.“ (Tagebucheintrag vom 1. Oktober 1917)

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Im Rahmen dessen, dass der sechzehnjährige Karl Roßmann, der von seinen armen Eltern nach Amerika geschickt worden war, dort das Labyrinth oder dessen Höllenkreise durchwandert hat, gelangt er schließlich an das Tor zum Himmel, das „Naturtheater von Oklahoma“. Das Naturtheater von Oklahoma ruft jeden, „der Künstler werden will“, es ist vom Prinzip her für jeden offen, hat für alle einen Platz anzubieten, es kann jeden brauchen und jeder ist willkommen, und jeder wird dort offenbar gut und endgültig aufgehoben sein. Interessieren tun sich allerdings nur sehr wenige dafür, denn „Künstler werden wollte niemand, wohl aber wollte jeder für seine Arbeit bezahlt werden“. Trotzdem Kafka von seinem angefangenen Kapitel vom Naturtheater vom Oklahoma enthusiasmiert war und mit großer Anteilnahme daraus vorgelesen habe, was bei ihm ja selten auftrat, und er selber davon gesprochen hat, wie Karl in jenem „fast grenzenlosen“ Theater „Beruf, Freiheit, Rückhalt, ja sogar die Heimat und die Eltern wie durch einen paradiesischen Zauber wiederfinden“ werde, glauben andere, das Naturtheater sei bloß eine weitere, möglicherweise finale und tödliche Falle. Möglicherweise die Rekrutierung für einen Krieg über verlockende Lügen, wie es zur Zeit der Niederschrift in Europa gerade der Fall war? Oder aber eine Reflexion Kafkas auf Sozialutopien und auf den Sozialismus, auch im Hinblick auf deren innere Gebrochenheit und dass die Vergemeinschaftungsutopien der Prä/Sozialisten einen totalitären Zug aufweisen? Und vor allem: Warum hat Kafka das Kapitel nicht beendet, wenn er doch so davon überzeugt war (und an einer anderen Stelle, in den Tagebüchern, einen schlechten Ausgang der Odyssee des sechzehnjährigen Karls in Aussicht stellt)? Ja, das Naturtheater von Oklahoma hat was Rätselhaftes und Halbseidenes – wie immer bei Kafka. Es funktioniert als Beschreibung des Tors zum Himmel, wie auch als dessen Parodie – oder besser als Klamauk, da eine ernsthafte Parodie ja gar nicht augenfällig ist. Vielmehr aber augenfällig ist aber eben der Hinweis auf die Kunst! Wisse denn: der Sinn des Lebens, und die Möglichkeit, Erlösung zu finden oder für sich zu schaffen, besteht im Herstellen von guten Bezügen! Der Nihilismus hat nicht ganz Recht, da es das Nichts so nicht gibt. Wenn man keinen guten Bezug zu was herstellen kann, wird eine Sache möglicherweise zu nichts, oder unerreichbar. Der gute, intensive Bezug macht aus allen etwas und alles zu etwas. Milena Jesenská hat beobachtet, Kafka habe sein Leben gänzlich anders als alle anderen Menschen gelebt: eine Schreibmaschine zum Beispiel hätte für ihn eine zutiefst mystische Bedeutung gehabt. Dora Diamant berichtet, wie der bereits mehr oder weniger todgeweihte Kafka intensive Bezüge zu allem und jedem hergestellt hat, und wie er „die Anwesenheit Gottes selbst in den kleinsten Gesten des Alltagslebens fand“. Im Ferienheim, wo sie ihn kennengelernt hatte, „sprach er wenig über sich selbst, begegnete aber allen anderen mit einer grenzenlosen Neugierde“. Was an Kafka nihilistisch oder asketisch gewesen sein sollte, wusste sie nicht, vielmehr war er sinnlich wie ein Kind. „Wer die Fähigkeit, Schönheit zu sehen, behält, der altert nicht“, so habe er gesagt. In seinen letzten Tagen, als er in seinen Fähigkeiten, unter anderem zur Nahrungsaufnahme, schon stark eingeschränkt war, habe sich bei Kafka eine nochmalige Steigerung bemerkbar gemacht, in der Intensität, mit der er Farben, Gerüche und Geschmackseindrücke wahrgenommen habe. Als Kafka an seinem letzten Tag scheinbar bereits in die Bewusstlosigkeit gefallen war, hielt ihm Dora Diamant einen Strauß Blumen hin, die sie ihm mitgebracht hatte. Wider Erwarten hob Kafka noch einmal den Kopf. Er öffnete die Augen noch einmal und lächelte, vielsagend, strahlend, lebendig. „Es war unfassbar“, so Dora. – Eine umfassende Möglichkeit, einen intensiven, persönlichen Bezug zu unpersönlichen Weltanteilen herzustellen, liegt in der Kunst! Und so ist das Naturtheater von Oklahoma eine Paraphrase auf die Kunst, auf die Möglichkeit, Verbindung und Territorium für sich zu schaffen, in der Einheit aufzugehen, Heimat, Eltern, Ursprung zumindest ideell zu schaffen. Dass das Tor zum Himmel, der Aufnahmeprozess und der Veranstaltungsort in Clayton zu einem guten Teil trivial ist, ist ganz klar, denn im Trivialen das Göttliche zu sehen, ist ja gerade die Voraussetzung für die Sache. Kunst besteht in der Abgrenzung dann zur Nicht-Kunst, das Gute in Abgrenzung zum Unguten etc., und so werden Fanny und die trompetenden Engel von Teufeln abgelöst, die ihrerseits wieder Radau machen und wieder abgelöst werden. Wer eine intensiv (scheinbar ins „Irrationale“) gesteigerte Wahrnehmung hat, das Schöne und Gute wahrzunehmen, hat auch eine intensiv (ins „Irrationale“) gesteigerte Fähigkeit, das Schlechte und Hässliche wahrzunehmen, als intensive, real vorhandene, sich ihm und seinen Instinkten widersetzende Realität, leider. Das ist dann der ganze Kafka, auf den Punkt gebracht. Verflucht sei, wer mir nicht glaubt! Über die Kunst betrachtet, werden dann die trompetenden Engel möglicherweise zu was anderem, als sie sind, allerdings auch die Teufel. Das Territorium, dass über die Kunst errichtet wird, ist die Metaebene, die Stabilität, die gefunden wird, eine Metastabilität. Der Himmel besteht im Erleben von guten Bezügen, und nicht jeder ist überhaupt, so gesehen, in der Lage, den Himmel zu erkennen, die Hölle der schlechten Bezüge oder der Selbstbezüglichkeit ist für den einen und anderen der angemessenere Ort, wo er sich besser auskennt und sich besser darin wiederfindet und sich in seinen Instinkten abgebildet sehen kann. Die Kunst ist also in sich gebrochen, da sie auf die Nicht-Kunst reflektiert. Diese Insichgebrochenheit mag dann, darüber hinaus, der Glaube und die Religion aufheben (wohin Kafka nicht wirklich gelangt ist). Das Paradies, der Himmel, ist die Kommunion von Mensch, Tier und Natur unter Christus, dem Allesvereiniger. Die wilden Tiere werden friedlich, die Natur fängt an zu sprechen und gewinnt einen höheren Sinn, alle stehen in Kommunion und Kommunikation zueinander. Das ist dann, definitiv, der Himmel. Ermöglicht wird er allein durch Christus, der über dem Menschen steht. Einen flüchtigen Blick auf das Paradies zu erhaschen, eine Vorstellung davon zu bekommen, bevor sie wieder anderswohin weht, ist das Höchste und Letzte, was ein Mensch davon im Leben erheischen kann. Vollständig realisiert, da alle Widersprüche abgefallen sind, wird das Paradies erst nach dem Tod. Im Zentrum des Himmels mag dann stehen Gott, der, laut Aristoteles, in die Kontemplation über sich selbst versunken ist, und sich so genügt. Er beinhaltet alle Bezüge und ist reiner nous, mit sich selbst beschäftigt und sich selbst genug. Dass Kafka das Naturtheater von Oklahoma dann nicht dargestellt hat, erscheint naheliegend (?), es ist entweder das Jenseits, oder das Zentrum von allem oder das Zentrum der, naja, Kunst. Dieses Zentrum ist nicht darstellbar und verändert seine Erscheinungsform dauernd, je nachdem, zu was man grad Bezug herstellt. Es mag eine schöne Araberin sein, ein stolzes Kamel oder der Vorderzahn, den Ferdinand eingeschlagen hat. Es ist der Heilige Geist, oder das reine Potential. Und sein Antlitz ist zutiefst persönlich und individuell. Hier kann niemand sonst Einlass erhalten, denn dieser Eingang ist nur für dich bestimmt. Ich gehe jetzt und schließe ihn.

„Er ist ein freier und gesicherter Bürger der Erde, denn er ist an eine Kette gelegt, die lang genug ist, um ihm alle irdischen Räume frei zu geben, und doch nur so lang, daß nichts ihn über die Grenzen der Erde reißen kann. Gleichzeitig ist er aber auch ein freier und gesicherter Bürger des Himmels, denn er ist auch an eine ähnlich berechnete Himmelskette gelegt. Will er nun auf die Erde, drosselt ihn das Halsband des  Himmels, will er in den Himmel, jenes der Erde. Und trotzdem hat er alle Möglichkeiten und er fühlt es; ja, er weigert sich sogar, das Ganze auf einen Fehler bei der ersten Fesselung zurückzuführen.“ (Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg 66)

„Alle Leiden um uns müssen auch wir leiden. Wie alle haben nicht einen Leib, aber ein Wachstum, und das führt uns durch alle Schmerzen, ob in dieser oder jener Form. So wie das Kind durch alle Lebensstadien bis zum Greis und zum Tod sich entwickelt (und jenes Stadium im Grunde dem früheren, im Verlangen oder in Furcht, unerreichbar scheint) ebenso verwickeln wir uns (nicht weniger tief mit den Menschheit verbunden als mit uns selbst) durch alle Leiden der Welt. Für Gerechtigkeit ist in diesem Zusammenhang kein Platz, aber auch nicht für Furcht vor dem Leiden oder für die Auslegung des Leidens als eines Verdienstes.“ (Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg 102)

Schwierigkeiten, sich mitzuteilen

Hauser sagt, das Genie hat Probleme, sich vollständig mitzuteilen, da das Genie die reine Leistungsfähigkeit ist, die die jeweilige (und seine jeweiligen) Leistung/en übersteigt. Daher das „offene“ Kunstwerk des Genie, das ausfranst oder explodiert, in einem gleichzeitig stabilen, erzenen Rahmen. Das transzendente Genie, das ich immer in Form einer weißen, sich stets verformenden Aura sehe. Hauser auch über die Einsamkeit Goethes, der einen Gutteil seiner Lebenszeit kaum ein Publikum hatte, und kaum gewirkt hat. Das habe ihn sehr belastet, da er, laut Schiller, doch der „kommunikabelste aller Menschen“ war und „nach Teilnahme, Wirkung, Verständnis lechzte“. Ja, wem sagt er das! Götter, Helden und Wieland. Wieland hat an Kleist bemerkt, wie Kleist, wenn er präsent war, immer auch abwesend schien und mit mehreren Gedanken gleichzeitig beschäftigt und wie ein einziges Wort „wie ein Glockenspiel“ etwas in ihm anziehen konnte und eine ganze Flucht und Assoziationskette hervorrufen. Man kann sagen, ein großes Kunstwerk, wie der „Ring des Nibelungen“, kann mit jedem Zeitalter neu interpretiert werden, weil das große (transzendente) Kunstwerk über dem (zeitgebundenen) Künstler stehe. In Wahrheit mag das aber eher so sein, weil der (transhistorische) Geist des Künstlers eben umgekehrt über dem Werk stehe und mehr beinhaltet, als das Kunstwerk unmittelbar zu vermitteln scheint. Hölderlin spricht von dem dunklen, akausalen Grund, aus dem die Gedanken hervorsteigen, und den kein Gedanke aber jeweils völlig ausleuchten kann (eine wichtige Figur im Buch vom seltsamen und unproduktiven Denken: der Grund). Das ist die reine Imagination. Malewitsch hat sich damit auch identifiziert. Mit den Mitteln der Kunst könne man den dunklen, akausalen Grund besser ausleuchten, als mit der spekulativen Vernunft, und erst recht besser als der reine (endliche) Verstand. Ja, das kenne ich. Nietzsche sagt, durch seinen extravaganten Faltenwurf scheint das Genie ungeheuerlich, obwohl es, über ihn verdeckt, in Wahrheit auch immer nur mit seinen selben sechs, sieben alten Stücken komme. Da glaubt man eine starke Persönlichkeit Nietzsches zu merken, dass er sich so was Unerhörtes zu sagen traut!

Zwischenbemerkung

Das, Schwester, sind die Grenzen des menschlichen Denkens. Das hier sind die Grenzen des menschlichen Empfindens, das hier sind die Grenzen der menschlichen Seele. Die Grenzen des menschlichen Denkens werden erreicht im tiefen, empathischen Versenken in die Materie, in dem Versuch, ihr die letzten Geheimnisse zu entreißen. Es ist eine tiefe Introspektion. Es ist eine tiefe Meditation (die möglicherweise sogar über „das (semi-triviale, Anm.) Geheimnis“ hinausschießt, und es so dingfestverschwommen macht, erleuchtet). An den Grenzen des menschlichen Denkens bewegen sich z.B.: Kafka, Wittgenstein, Nietzsche, van Gogh, von Kleist, Pessoa, Weininger, Einstein. Fast lauter Figuren, die mit einem Bein im Grab stehen! Das nicht als Halluzination, sondern adäquate Reflexion, denn der Charakter der Welt ist ein Doppelgesicht! Glanz und Elend, gleichermaßen, ohne dass das eine ein Übergewicht über das andere zu haben scheint – was für den Forscher, der Ruhe finden will (möglicherweise im Nihilismus), sehr anstrengend sein kann. So ist man also, an den Grenzen des menschlichen Denkens, zur einen Hälfte im Himmel, in den Sphären, zur anderen in der Hölle, vulgo mit einem Bein im Grab, und ergibt insgesamt einen scheinbar purgatoriumsmäßigen Lebenslauf jener Zeitgenossen. Zu dem, was die Regierung macht, kann ich nicht viel sagen, da Regierungen im Vergleich zu mir praktisch überhaupt keinen Verstand haben. Sonst würden sie ja auch gar nicht funktionieren, wahrscheinlich. Es hat ja ganz China nicht so viel Verstand wie ich! Und so bemerke ich tatsächlich, dass ich viel mehr über die Politik in China lese, als über die Politik bei uns! Wenngleich ich natürlich auch China nicht ganz ernst nehmen kann, aus dem eben genannten Grund. Daraus ergeben sich gewisse Schwierigkeiten in der Kommunikation, und ich frage mich, was ich machen soll. Meine Verwandten Nietzsche oder Wittgenstein haben sich in den Übermenschen gestützt oder in den sokratischen Monolog; Kierkegaard hat es so gemacht, dass er für den „Einzelnen“ philosophiert hat und daraus Rückschlüsse allgemeinster Natur gezogen hat. Ich will das vielleicht so fassen, dass das Problem, oder der Problemrahmen von dem, was mich insgesamt beschäftigt, das Problem des Sehr Tiefen Denkers ist. Wenn ein Sehr Tiefer Denker, wie Laotse, Dostojewski oder Nietzsche, daherkommt, ein Denker, der an der letzten Schicht arbeitet, also heute kommen würde, was würde der sagen? Er würde versuchen, den Status seines Zeitalters festzustellen. Und darüber den Status eines jeden Zeitalters, und einen neuen Horizont eröffnen, denn der Sehr Tiefe Denker ist universell und auch außerdem transzendent. Fortlaufende Bemühungen in dererlei Hinsichten haben dazu geführt, dass ich selber zum Sehr Tiefen Denker geworden bin, im Lauf der Zeit, und mein Projekt besteht also darin, zu sehen und zu beobachten, was ich selber sage. So könnte man das formulieren. Ich frage mich außerdem: Wie könnten die geistigen Grundlagen der nächsten Jahrhunderte aussehen? Politisch könnte die Frage der nächsten Jahrhunderte sein: Was sind die Grenzen und Möglichkeiten für eine planetarische Gesellschaft? Die Regierung hilft, das auszutesten (wie auch schon die Regierung vor ihr), und ich beobachte sie dabei. – Vielleicht geht das, was ich sage, einfach an der Menschheit vorbei, frage ich mich oft, denn es hat ja den Anschein? Aber, ah, bah! Letztendlich tut es das NICHT, nichts ist mehr mit der Menschheit verwachsen als der „Yorick“. (Nicht zuletzt) angesichts des nicht-hierarchischen Charakters meines Denkgebäudes frage ich mich hin und wieder, wie man sich in Zukunft wohl an mich erinnern wird, und wie das die Zukunft beeinflussen wird. M.E., die auskunftsfreudige weibliche Soziopathin, meint, ein bevorzugtes Opfer für SoziopathInnen seien u.a. (neben allerlei Gestalten, die im Leben wenig Halt haben) die „too smart for their own good“. Ich nehme an, so was könnte ich seien, eine Art Säulenheiliger für die „Too smart for their own good“. Hegel (?) sagt, Napoleon sei der „Weltgeist zu Pferde“. Naja, ich schaffe das scheinbar sogar ohne Pferd! In einer inwendig hohlen Parallele von wegen Napoleon, der Tatmensch und Ich, der Reflexionsmensch, komme ich mir auch vor wie die Reflexion des Weltgeistes, oder die Metaebene des Weltgeistes. Unerhörte Empfindungen! Das, Schwester, die Grenzen des menschlichen Denkens. Das hier sind die Grenzen des menschlichen Empfindens, das hier sind die Grenzen der menschlichen Seele. Wenn der Geist, das Empfinden, die Seele vollständig realisiert sind, wird es grenzwertig.

Nachbemerkung

Die Doppelgesichtigkeit der Welt. Wenn wir uns schon mit christlichen Mystikerinnen (und Mystikern) beschäftigen, erinnern wir uns auch an Cusanus, und seine Idee von der coincidencia oppositorum; wonach also alle Gegensätze der Welt im Unendlichen, in Gott, in eins zusammenfallen. Das glaube, wer kann. Cusanus sagt, mit dem Verstand erkennt man Gott nicht, denn der Verstand kann nur anschauliche, daher endliche Dinge miteinander ins Verhältnis setzen und so ihre Verhältnishaftigkeit bestimmen. Die Vernunft, die in abstrakten Begriffen denkt, kann Gott anvisieren, letztendlich bleibt er aber im Wesentlichen für die Vernunft paradox und verborgen (Cusanus war hierin auch von der negativen Theologie des Pseudo-Dionysius beeinflusst, später hat ja auch Kierkegaard Aufhebens darum gemacht). Was uns zu Gott zieht, ist die Liebe, mithilfe derer wir ihn allein tatsächlich (annähernd) erfassen. Schlegel sagt: „… Cusanus. Ein Philosoph in dem Sinne, dass Leibniz und solche ganz flach und seicht dagegen scheinen. (Er ist) wie der Grundstein vom festesten, gründlichsten Tiefsinn.“ Wenn ich an die Theologie von Dionysius Areopagita denke, sehe ich dunkles Licht, dunklen Ton, und einen dunklen Scheinwerfer, der allmächtig schweift – bei Cusanus hingegen hat man auch die Dunkelheit und das tiefe Brummen, jedoch auch einen gelblich-orangenen Strahl, der sich eventuell zu einem Ring formt, bevor er sich eventuell wieder öffnet. Humor und Verständnis für die kleinen Freuden im Leben, und die Freuden der kleinen Leute im Leben sei, trotz seiner allfälligen sonstigen guten Eigenschaften, im Übrigen keine große Stärke des Universalgenies Cusanus gewesen, vermerkt der Biograph und durch gewisse kirchenväterliche Inflexibilitäten habe er sich unbeliebt und verhasst gemacht. Daher plädiere ich auch für die Heraufkunft des Einheits-Bewusstseins, das ALLES umfasst, und über dem Universalgenie steht und seine Unzulänglichkeiten überwindet – wobei freilich Cusanus mit seiner coincidentia oppositorum und der Vorstellung, dass in Gottes Sichtweise alles eine einzige Einheit sei, schon etwas, in seiner unnachahmlichen Weise, uns hierzu beigebracht hat. Ach, für einen wie mich, der es hasst, im Mittelpunkt zu stehen, ist es nicht leicht, hier so auf die Pauke zu hauen, was die Beschreibung meines Geistes anlangt! Aber es ist eben, soweit ich sehe, eine angemessene Beschreibung meines Geistes. Wenn einer so auf die Pauke haut, könnte man meinen, er habe eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Aber wenn einer, der ein Sehr Tiefer Denker ist, sagt: Ach, mein Geist! Ist doch ganz normal! Muss man kein Aufheben machen darum, hätte er eher einmal eine selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsstörung!, denn seine Einschätzung wäre nicht adäquat. Kafka hat das eventuell betroffen.

Occasional Note About Islam

I found a new page, Muslim Girl. I have to say that I come to find the hijab girls, who meanwhile are populating our streets so heavily, aesthetically appealing, if not sexy. Overproportionally, they know how to dress and may have a more astute sense for fashion and so, at least in this respect, they make our European pandemonium more colourful. The other thing that may be mentioned about Islam is that in the olden days it produced Sufism and figures like Hafez and Rumi, and there were individuals like Ibn Arabi, Attar of Nishapur or Bayezid Bastemi who had extremely radical and transgressive intellects, like me. There was also a relatively obscure fellow, Al-Biruni, who seemed to have been more intelligent than even Avicenna and who had an intellectual edge over Avicenna in theological discussions, which I therefore have to read somewhere in time, inch Allah.

The Public Hijabi Syndrome

Non Muslim Porn Star Mia Khalifa and Sexual Fetish of Hijab

A Lebanese Town Changed Policewomen’s Uniform to Attract Tourists

11 Female Icons From Islamic History

Twin Peaks: The Return

Das transzendente Genie, das alles umfasst und alles überschreitet und so wie David Lynch eines ist, muss durch alles hindurch und sich und seine Botschaften in seinem Durch-Alles-Hindurch-Wollen beständig transformieren und einige Schichten tiefer fallen, hinein ins Mysterium und in Richtung des Zentrums von allem. Kollabiert unter seiner eigenen Schwerkraft und mit der es alles einsaugt zu einem Schwarzen Loch, schickt das Material durch ein enges Wurmloch und schmeißt es, durch sich selbst hindurchgejagt, in einem Weißen Loch in einer bisher unbekannten Region im Universum wieder raus! Ja!! So ist das eben einfach!! Und immer wieder von Neuem! – Twin Peaks: The Return, hat mit der ursprünglichen Serie von vor 25 Jahren so wenig zu tun, dass es einen einfach umhaut! Wer hat schon eine Kraft der Imagination wie David Lynch? Das kommt in ein paar Millionen Fällen vielleicht einmal vor! (Chrysta Bell nennt ihn den möglicherweise kreativsten Menschen, den es je gegeben habe.) Die abstrakte Intensität und die Seele der alten Serie durch sich selbst hindurchgetunnelt, findet Twin Peaks: The Return im Hyperraum der alten Serie statt (oder so irgendwie). Die Welt ist viel älter und schrecklicher geworden, freilich, und hat nur mehr wenig Einladendes und Reizvolles zu bieten – traurig das! – gleichzeitig ist sie aber auch flacher und von einer höheren Perspektive des Welt-Auges aus betrachtet. Um es wieder einmal zu sagen, gibt es keine objektive Möglichkeit, zu sagen, ob das Leben an sich und objektiv ein Wert oder ein Unwert ist: alles hängt davon ab, ob man gesund ist oder krank geworden ist. In The Return ist die überwiegende Mehrheit der Menschen krank, es gibt auch Gesundheit und Heilung und verborgene Talente, wie in der ursprünglichen Serie, das Beklemmende an The Return ist, dass es eine Welt zeigt, die einigermaßen, und als offenbare Annäherung an das letzte Wort, von Idioten bevölkert ist, eine Tschechowsche Welt, eine Hölle auf Erden, wie man sie auch z.B. in True Detective hat, oder zumindest ein ewiges Purgatorium. Empathie mit dieser Schöpfung ist da nicht mehr so leicht möglich. Es ist keine, bei all ihrem Beklemmenden unter der Oberfläche, ulkige, urige, heimelige Welt mehr, und selbst die Natur lädt zu keiner Teilnahme mehr ein, und es gibt keine herrlichen Bäume mehr. Einige Öffnungen und Ritzen gibt es, wo das Licht durchdringt, und der Kirschkuchen als Friedensstifter hat auch einen Auftritt, doch man weiß nicht, ob das Gute (wie auch das Böse) nicht insgesamt eher noch eine Persiflage sind, und der dramatische, substanzialisierte Kampf zwischen Gut und Böse und Weißer und Schwarzer Hütte nicht auch nur eine unwichtige Kräuselung ist inmitten der eigentlichen, alles bestimmenden Macht, der kosmischen Indifferenz. – Natürlich ist es so, dass das Szenario zu einem erheblichen Teil unter der Herrschaft der Schwarzen Hütte steht und die Entwicklungen in Amerika, und anderswo, seit dem ursprünglichen Twin Peaks, keinen so guten Verlauf genommen haben. Natürlich ist es so, dass Menschen und die Schöpfung insgesamt, einigermaßen schwer auszuhalten sind, und das neue Twin Peaks einfach einigermaßen realistisch und der Realität geschuldet ist. Man meint halt, die höhere Perspektive des Welt-Auges steht für die höhere Klarheit und Abgeklärtheit und mit der Klarheit nimmt die Kälte zu. Die Annäherung an das Indifferent-Werden ist eine Übung wohl im Geiste des Zen, oder der Transzendentalen Meditation, wie Lynch sie betreibt und propagiert und deren Ziel es ist, zum Einheits-Bewusstsein vorzudringen und zum Herzen und zum Zentrum von allem. Der Charakter des Mysteriums und des Zentrums von allen ist so, dass es immer da ist und sein Antlitz ständig ändert, entsprechend jeweils dem, was einem gerade vor den Geist kommt und zu dem man einen Bezug aufbauen kann, der, wenn möglich, sich durch Empathie und Intensität auszeichnen sollte; genau gesagt, ist das Zentrum von allem das Herstellen eines solchen intensiven, die stoffliche Hyle transzendierenden, sprengenden Bezuges. Das große Mysterium und das Zentrum von allem, kann man wohl sagen, ist die Kommunion und das Mit-sein mit den Dingen! Dementsprechend ist das Himmelreich eine umfassende Kommunion von Mensch und Tier und Natur – der Schöpfung insgesamt – im Zusammensein mit Christus, den universellen Vereiniger. Zu Kommunion und Mit-sein mit den Dingen sind nicht alle Menschen gleichermaßen fähig, und Swedenborg sagt, die Hölle sei in Wahrheit eine Einrichtung der göttlichen Gnade, da die Seelen, die darnieder fahren, zur Kommunion, zum Erleben, zum Schaffen von Bezug, eh nicht in der Lage sind, sondern das Paradies für sie kann nur sein das Ausleben ihrer Wut, ihrer Paranoia und ihrer Gemeinheit – nicht aber des liebevollen Bezugs und der Anteilnahme! In der „Philosophischen Untersuchung über das Wesen der menschlichen Freiheit“ wendet sich Schelling gegen den Pantheismus, da der Pantheismus impliziere, dass Gott und die Kreatur gleich seien, in Wahrheit seien sie aber verschieden, Gott sei das Gute, und die Kreatur könne nur versuchen, sich Gott anzunähern, indem sie das universelle Gute anstrebe, sie sei aber immer davon bedroht, in ihren kreatürlichen Eigenwillen und die Selbstaffirmation hinein- oder zurückzuzufallen, der das Potenzial für das Böse sei. Schelling schreibt: „Gottes Wille ist, alles zu universalisieren, zur Einheit mit dem Licht zu erheben, oder darin zu erhalten; der Wille des Grundes aber, alles zu partikularisieren oder kreatürlich zu machen. Er will die Ungleichheit allein, damit die Gleichheit sich und ihm selbst empfindlich werde.“ Gott erhebt sich über den dunklen Grund des blinden Dranges, des Willens, des Eigenwillens, und zeigt das Licht an. Somit ist die Natur an sich notwendigerweise gespalten und das Böse, der kreatürliche Eigenwille, der Natur inhärent (und, trivial gesagt, könnte man das Gute ja nicht identifizieren, wenn es das Böse als Gegenpol nicht gäbe). Daher ist die letzthinnige Transzendenz, kann man vielleicht sagen, das Indifferent-werden gegen den Kampf zwischen Gut und Böse, unter Wahrung des Mit-seins und des Bezugs. Grant, der mich vor Kurzen wieder an Schelling und dessen „Philosophische Untersuchung“ erinnert hat, sagt auch irgendwie, alles sei eine Art Möbiusschleife, das ganze mit der Natur, dem Geist, der Schöpfung. Lynch hat das auch irgendwie begriffen. Vollständig begreifen und durchdringen kann man das nicht, eben wegen der Möbiusschleife. Und so ist auch die Transzendenz, die auf die Immanenz reflektiert, eine Möbiusschleife.

Last Night’s Terrifying Twin Peaks Will Be Remembered as One of the Best Episodes of Television Ever

One Year Later, I Can’t Stop Thinking About Twin Peaks: The Return

Here is the exhaustive Unified Theory Of Twin Peaks we knew was coming

‘Twin Peaks’ Ending Explained: How to Make Sense of David Lynch’s Baffling Finale

Out of Touch with Reality / Prelude to Note about the Unitary Consciousness

I am not out of touch with reality. It is just that reality is often quite stupid whereas philosophy is often quite interesting.

However, there is a level of consciousness that is above the level of most philosophers, and that is Unitary Consciousness/Einheits-Bewusstsein. In the Unitary Consciousness, all manifestations of (inner and outer) reality merge into one, “all forms of life are seen as manifestations of the same cosmic being, the boundary between internal and external world becomes permeable, the self is mirrored in all manifestations of the world“, “reality and fiction do not exist anymore; space, time, dream and waking state amalgamate into an all-embracive experience”, etc. It is fluid and homogenous and enables careful selectiveness as it means permanently processing the universe anew (commonly referred to as „seeing the Matrix“). It operates at the level of analysis and integration above the disciplinary segregation of the Hegelian Absolute Spirit (which expresses itself in Science, Art, Philosophy and Religion) and embraces them all and amalgamates them into one (which, practically, means that it oscillates in all them dimensions). Armstrong notices that a very tiny minority of yogis are able reach a level of perception where that which is perceived can only be described via paradoxes any longer, as they encounter a presence that is also absence, abundance that is also emptiness, life that is also death and vice versa, etc. The Unitary Consciouness is a fluid, compeletely even space, that can only be channeled through the non-counterintuitive non-irr/rational (meta) paradoxon illustrated, for instance, in the Koan in Zen-Buddhism. It can also be described as the recognition of the Tao or the space that gets opened via Satori in Zen-Buddhism getting combined with the Western analytical and learned mind. I shall elaborate on the Unitary Consciousness somewhere in time.

Why Good Philosophers Are Out of Touch with Reality

Unitary Consciousness