Heidegger und ich (Skizze)

Heidegger habe ich meistens für ein wenig unbeholfen gehalten und für leicht unwichtig; von wegen, da habe man hauptsächlich Trivialitäten u. dergl. Aber wenn ich versuche, Antonioni nachzuvollziehen, glaube ich zu erkennen: In den Filmen von Antonioni geht es  um die Ausleuchtung des In-der-Welt-seins, um einen durchaus Heideggerschen Gestus! Es ist gut, wenn man auf was Neues draufkommt! Bei mir geht es, wenn ich mir das recht überlege, ja auch um die Ausleuchtung des In-der-Welt-seins: Also kann ich, anzunehmenderweise, doch recht gut mit Heidegger ins Einvernehmen kommen! Und man kann Heidegger vielleicht das eine und andere vorwerfen, und man kann von mir aus auch mir vieles vorwerfen, aber nicht, dass ich seinsvergessen sei! So verstehe ich auch nicht ganz, warum Heidegger ständig Probleme mit der Eigentlichkeit und der Authentizität hat, denn ich bin ja ganz und gar eigentlich und authentisch, und wenn man seinsbewusst ist, ist man ja ganz eigentlich und authentisch. Meine Philosophie ist: man soll sich selber so ganz wie möglich vergessen, um so ganz als möglich im Sein aufzugehen. Das Sein ist weder besser noch schlechter und weder gescheiter noch dümmer als das Ich, aber das so ganz wie möglich im Sein aufgegangene Ich, und das so ganz als möglich im Selbst aktualisierte Sein: dieses Arrangement, dieses Dispositiv, ermöglicht die Herrschaft über das Geviert. Wenn man Herrschaft über das Geviert hat, ist man ganz schön eigentlich und authentisch, bzw. man ist sogar mehr als das Geviert, eine höhere Seinskategorie. Im Ich allein ist diese Lösung klarerweise ganz und gar nicht zu finden, im „Ich selbst“ sein wollen liegt letztendlich keine Eigentlichkeit und keine Authentizität ich will auch nicht ich selbst sein, es ergeht glücklicherweise kein existenzialistischer Gewissensruf an mich, dass ich „ich selbst“ sein solle. Ich will eher immer nur weg von mir, und meinen Geist und meine Seele erweitern. Ich gehe in der und mit der Fremdheit auf; und in sich selbst und gleichzeitig in der Fremdheit aufgehen, heißt eben: im Sein aufgehen. Wenn man das perfektioniert, ist der ständige, hektische Möglichkeits- und Entwurfscharakter der individuellen menschlichen Existenz überwunden, das Werden ist gleichzeitig das Sein, der Zustand des „Noch-nicht“ liegt für mich längst in der Vergangenheit, ist verwunden (indem er einen anderen Qualitätszustand eingenommen hat). Heidegger empfindet das Dasein bzw. die Umwelt als unheimlich und fremd, er ist besorgt über die menschliche Schuld und er hat Angst. Ich empfinde das Sein als nicht sonderlich unheimlich und nicht sonderlich fremd, genauer gesagt, ist mir das Unheimliche und das Fremde durchaus willkommen, ich nehme es gerne in mich auf. Ich nehme auch gerne die Schuld und die Erbschuld in mir auf. Die Erbschuld bedeutet: der Mensch begründet sich einerseits selbst, er wird aber auch vom Sein begründet, und steht daher in der Schuld des Seins; vor allem, wenn er durch sein Handeln das Sein verändert. Indem man aber eben selbst Ich und Um- und Mitwelt ist, bzw. dazu wird, indem man das Fremde in sich aufnimmt, das Eigene und das Fremde gleichzeitig ist, so überwindet man die Schuld, so überwindet man die Zeitlichkeit, so überwindet man das Sein zum Tode (und man erlangt eben Herrschaft über das Geviert). (Heidegger und der Zen-Buddhismus haben sich berührt und) wenn man das Koan verstanden und die Paradoxien und Aporien der Existenz verdaut hat, also im Satori, ist man jenseits von Leben und Tod und ist ewig. Bei Heidegger hingegen ist ein mächtiges Existenzial die Angst; Heidegger hat Angst, daher auch Angst vor den Juden, vor der Technik, vor der Welt außerhalb des Schwarzwaldes, weswegen er sich in den Nationalsozialismus flüchtet, nicht diskutiert, vor der Wissenschaft Angst hat etc. Ich kann nun nicht sagen, dass ich eine großartige Angst hätte. Mein Existenzial ist es, dass ich einfach nur da bin und das Sein studiere. Es ist einfach nur mein Wesen, in die Existenz einzudringen und intellektuelle Probleme zu bearbeiten, das ist meine Existenz, meine Jemeinigkeit. Das mit der Sorge kenne ich, denn ich bin um alles, also um das Sein, höchst besorgt: aber das ist gut so. R. meinte einmal, was ich anzustreben scheine, scheint (vor lauter Sorge um das Sein) eine Art „kosmisches Verantwortungsbewusstsein“ zu sein. Schuld und Verantwortung stehen sich gegenüber und kosmische Schuld wird durch kosmisches Vetantwortungsbewusstsein ausgeglichen, und so bin auch ich – wegen des kosmischen Verantwortungsbewusstseins – ausgeglichen und daher eigentlich und authentisch, und real besinnlich. Heidegger hatte ein solches Verantwortungsbewusstsein – trotz allem Gerede vom Menschen als Hüter des Seins – eventuell nicht ganz (und dass er niemals vom „kosmischen Verantwortungsbewusstsein“ gesprochen hat, bedeutet ja eben, dass er´s nicht kannte); es gibt keine Moralphilosophie bei ihm und auch keinen Versuch danach und überhaupt ist seine ganze Besinnlichkeit ziemlich egozentrisch. (Es ist zwar unter anderem auch sympathisch, wenn Heidegger nicht diskutieren will, und sich nicht in das Gerede der Zeit einmischen will, aber nicht, wenn das seiner Philosophie inhärent ist, seine Philosophie eine ist, die nicht verhandelt und nicht diskutiert, daher wissenschaftsfeindlich und eventuell undemokratisch ist, vor lauter Besinnlichkeit eine Grube gräbt, aber keine Bezüge herstellt. Weil Heidegger keine Moralphilosophie hat, begreift er den wahren Charakter des Seins auch nicht (bzw. umgekehrt): Denn das Sein ist eine moralische Sache, und das In-der-Welt-sein eine moralische Angelegenheit, was (von Grunde auf) Ethisches. Heidegger begreift sich als in der Nachfolge von Kant, aber er bleibt hinter Kant zurück, indem er als Monist in einem vulgären, phänomenalen, zeitlichen Seinsverständnis verhaftet bleibt; Kant hingegen, als Dualist, neben der phänomenalen Welt, das Reich der Sittlichkeit und des Noumenalen als eigenständige, und der phänomenalen und zeitlichen Welt gegenüber transzendente Sphäre anerkennt. Heidegger sieht dieses Reich der Sittlichkeit nicht, und damit auch die Eigentlichkeit nicht, und damit auch die Ewigkeit nicht, und damit auch den wahren Charakter der Seinsvergessenheit nicht. Ich bin, wenn man so will, wiederum Monist, da das In-der-Welt-sein für mich so zutiefst von ethischen Erwägungen durchzogen ist, dass man sagen kann, dass Ethik im Sein real existiert und die noumenale Sphäre der Sittlichkeit ganz real ist. Wenn man in dieser Sphäre sein Haus des Seins errichtet, ist man eigentlich und der Zeitlichkeit und dem Sein-zum-Tode nicht mehr verfallen.) Die Schwierigkeiten, die man haben mag, Heidegger zu verstehen und nachvollziehen zu können, mögen auch darin liegen, dass Besinnlichkeit etwas Unterbestimmtes und Subjektives ist, und man, in der Besinnlichkeit gefangen, nie weiß, wie besinnlich man eigentlich ist: ob man immer erst am Anfang steht oder schon an jedem möglichen Ende. Ich verstehe das mit der Besinnlichkeit zwar, aber mein Gestus ist es, dass man einfach durch alles hindurch soll. Ich sehe mir etwas an, einen chinesischen Film oder aber die Philosophie Heideggers, ich sehe mir Gut und Böse an, und muss jeweils hindurch. Das geschieht durch den beiderseits penetrativen wie meditativen Blick. Der beiderseits penetrative wie meditative Blick bohrt sich durch seinen Gegenstand durch und bleibt gleichhzeitig, respektvoll und gelassen, davor und beschädigt nichts: er bewahrt. Wisse, das ist mein Gestus, der jemeinige. Ich möchte alles bewahren, alles ist, gewissermaßen, heilig, so bin ich Hüter des Seins. Hüter des Seins wird man, wenn man das Sein transzendiert, und auch wenn man die Besinnlichkeit transzendiert. Reine Besinnlichkeit finde ich unterkomplex, und sie wird dem Sein nicht ganz gerecht. Ja, ich bin ganz allein, und auf meine Besinnlichkeit zurückgeworfen, wenn ich nicht in der (zumindest heutzutage aufregend schimmernden) Vielfältigkeit des Man untergehen will, aber ich habe die Existenz ja bei mir, da ich in-der-Welt-bin. Schwester, ich brauche nur aufzublicken und sehe vor meinem geistigen Auge ein virtuelles Gebäude, von virtuellen Verstrebungen, mit einem leicht ovalen Dach drauf, eine Art Bahnhofshalle, seine Linien sind offen und verlaufen sich weiter gegen den Horizont ins Unbestimmte (was aber nichts ausmacht, denn man ist einstweilen ja noch nicht dort): das ist die Philosophie, das ist das Haus des Seins, das ist das In-der-Welt-sein an sich. Ich stehe zwar, eventuell, nicht ganz drinnen, sondern draußen, in einer undefinierten weißen Leere, aber direkt vor mir bzw. in diesem Moment bereits bei mir beginnt schon diese Behausung, in der man ist und nicht ist, die vor einem liegt, in der man immer ankommt, am Ausgangspunkt steht – und das ist gut so, wie sollte es auch je anders sein? Vollends im Sein und in der Behausung gleichermaßen kann man niemals stehen; wie Sloterdijk anmerkt, ist der Mensch kein All-Sammler, der vollständig im Sein aufgehen kann, aber so vollständig als möglich geht man auf eben an jener Schwelle. Ich bin im Sein und habe die Zeit und die Zeitlichkeit überwunden, ich blicke auf und sehe vor mir eine abstrakte Bahnhofshalle, ovales Dach, die Ewigkeit…. Die Ewigkeit ist die Berechenbarkeit des Kosmos. Indem mein Leben/meine Existenz/Jemeinigkeit darin besteht, den Kosmos ständig neu zu berechnen, lebe ich jenseits der Zeitlichkeit in der Ewigkeit, und die Zeitlichkeit ist für mich insofern nur noch ein Problem, da sich innerhalb ihrer die Entfaltung des Kosmos/des Seins vollzieht, die berechnet und evaluiert werden muss. Heidegger selbst hatte zwar was gegen das „berechnende“ Denken der Moderne, aber „berechnen“ im vulgären Sinne bezieht sich auf das Ins-Verhältnis-setzen von Quantitäten, während der Philosoph Qualitäten berechnet, austariert, abwägt. Die Ausdeutung des Seins und des In-der-Welt-seins ist nichts anderes als das Berechnen der Seinsqualitäten. Die Ereignisse in Sein und Zeit mögen mächtig sein, aber sie sind auch dumm, daher beschränkt relevant. Wenn man in der Berechnung von Sein und Zeit lebt, existiert man dann tatsächlich und eigentlich. Die Existenz wird dadurch tatsächlich zur einzigen, eigentlichen Kategorie. Und als solche erfahren. Problem gelöst. Wenn Heidegger meint, nur ein Gott kann uns noch retten, so wird das schon stimmen, denn ich bin ja so was wie ein Gott, zumindest, und vor allem, in dessen Erscheinungsform des Heiligen Geistes: denn mein Geist ist der Heilige Geist. Ich habe extreme Anstrengungen unternommen, um das Menschliche hinter mir zu lassen, und das Menschliche zugleich extrem zu bewahren. Ich finde, das ist mir bislang ganz gut gelungen; damit es mir auch weiterhin so gut gelingt, will ich mich, nachdem ich mit Nietzsche fertig geworden sein bin, genauer mit Heidegger beschäftigen. Metal! Wie nun wirklich ein jeder weiß, kommt meine Philosophie aus der Auseinandersetzung mit dem Heavy Metal. Der Heavy Metal ist hohe Präsenz und Identität, und er ist surrealistische Übertreibung: er ist das Fremde, das Seltsame, das Andere, das es, gemäß meiner Philosophie, in sich aufzunehmen gilt. Damit erreicht man dann die Ganzheit, die Authentizität etc. und man geht im Sein auf. Heidegger hatte das Pech, dass es zu seiner Zeit noch keinen Heavy Metal gab, und so wanderte er, teilweise, auf Holzwegen, und außerhalb der Erlösung. Allerdings weiß ich auch nicht, ob er, wenn es den Heavy Metal zu seiner Zeit gegeben hätte, er ihn auch verstanden hätte. Heidegger ist somit ein Beispiel, dass auch Leute, die den Heavy Metal nicht kennen, und wohl auch nicht verstehen, trotzdem etwas zusammenbringen können und wichtige Vorarbeiten zur absoluten Erkenntnis liefern können, so unglaublich das klingen mag. Ich will mich daher genauer mit Heidegger beschäftigen. Das ist, einstweilen, die Geschichte von Heidegger und mir. Dann ist da noch der Idiot mit dem Windrad. Der erscheint auch, aber nur kurz. Schon ist er wieder weg.

Kritik der Kritik der schwarzen Vernunft

La Defense

Wittgenstein meint angesichts seines Tractatus: Das wichtige sei wohl weniger das, was drinnensteht, sondern das, was nicht drinnenstehe. Bei der Kritik der schwarzen Vernunft von Achille Mbembe könnte man auf so einen Gedanken auch kommen. Von schwarzer Vernunft erfährt man dort eigentlich nichts, nur dass sie (bzw. die Arbeitskraft der Schwarzen) ausgebeutet und unterdrückt ist/wurde. Über den äthiopischen Philosophen Zera Yacob (1599 – 1692), der vieles von der europäischen Aufklärung, von Kant, von Descartes, von Hume vorweggenommen hat, der aber kaum bekannt ist, hätte ich gerne mehr erfahren – ein großer Stolz und ein wahrhafter Triumphpokal müsste er sein für die schwarze Vernunft – aber es steht da nichts über ihn. Die Kritik der schwarzen Vernunft konzentriert sich viel eher darauf, wie „der Neger“ bzw. „der Negersklave“ von außen (bzw. von den Europäern) „gemacht“ wurde und über vereinfachende Stereotypen fortwährend reproduziert wurde/wird, die in ihrer Simplizität höhnisch und selbstsicher dekonstruiert werden, von wegen: So einfach sei die schwarze Vernunft ja gar, wie die Weißen das gerne glauben machen wollen! Es gäbe da ja noch viel mehr Facetten u. dergl., bis hin zu der Behauptung, dass „Afrika“ gar nicht existiere (sondern „gemacht“ wurde). Das sind freilich Dinge, die man überall findet, wenn man nur genauer hinsieht (und „Europa“ existiert, in seiner Vielfältigkeit, ja auch nicht, sondern wird von imperialen, unverständigen, vereinnahmenden und folgerichtig vereinfachenden Mächten, die freilich in dessen Zentrum sitzen, künstlich zusammengehalten lol). „Afrika“ sagen heißt stets – beliebige – Figuren und Legenden über einer Leere zu errichten“ und „Spricht man das Wort „Afrika“ aus, so unterstellt man in der Tat stets einen grundlegenden Verzicht auf Verantwortung“ und „Das Konzept der Schuld wird hier eliminiert“ (S. 105). Damit sind die Weißen gemeint bzw. überhaupt alles außerhalb von Afrika, aber ein verantwortungsvoller Diskurs und eine verantwortungsvolle schwarze Vernunft sollte doch auch berücksichtigen, dass die Länder Afrikas im Verzichten auf Verantwortung und im Abwälzen von Schuld auf andere selber ziemlich gut sind, im Zusammenhang mit ihrem Klientilismus, ihrer Big Man und The Winner Takes It All Herrschaftsprinzipien, ihrem Fatalismus, ihrem Analphabetismus, ihrer Irrationalität und ihrem Patriarchat (nicht nur bei den schnell beleidigten Feministinnen sondern auch dem einen und der anderen, ja dem Weltgeist insgesamt, muss es im Übrigen einen langen, schrillen Schrei provozieren, dass in der gesamten Kritik der schwarzen Vernunft fast nie von NegerINNEN gesprochen wird, sondern der Negersklave ziemlich eindeutig männlich bleibt). Man erfährt, dass die Verfassung Haitis (dessen Unabhängigkeit durch einen Sklavenaufstand hervorgegangen ist) von 1805 weit radikaler und demokratischer als die der Vereinigten Staaten von Amerika war, aber (zumindest eben nicht im Buch) nicht, dass die Vereinigten Staaten das (erfolg)reichste Land der westlichen Hemisphäre ist, während Haiti dort das Shithole Country Nr. 1 stellt. Erinnere ich mich an die eine Afroamerikanerin, die Gott dafür dankt, dass ihre Vorfahren als Sklaven verschleppt wurden, so dass sie jetzt in den Vereinigten Staaten von Amerika leben kann und nicht in denen von Afrika leben muss. Über die Gräuel und die Foltermethoden, die von den Franzosen gegenüber der algerischen Unabhängigkeitsbewegung angewendet wurden, ist die Rede, aber eine Beleuchtung des unabhängigen Algerien als exemplarisches Beispiel für einen postkolonialen Rentiers- und Klientelstaat, wo sich kleine, manchmal rivalisierende oder sich brutal bekriegende Gruppen die Macht teilen und die Pfründe an sich reißen, hätte mich (insofern es gerade zu Algerien diesbezüglich wenig Literatur gibt), auch interessiert. Der Sklavenhandel und der Kolonalismus waren großes Unrecht und entsetzlich und eine traumatische Erfahrung für Afrika. Die Sklaverei und der Sklavenhandel hat allerdings (in Afrika und sonstwo) eine lange Tradition: (das unabhängig gebliebene) Äthiopien hat die Sklaverei erst 1902 abgeschafft, Marokko 1922 und Mauretanien erst 1981 (und erst 2007 unter Strafe gestellt). Nicht erwähnt wird in der Kritik der schwarzen Vernunft, dass auch die Orientalen in großer Zahl und über Jahrhunderte hinweg Sklavenhandel mit AfrikanerInnen betrieben haben, nur halt dass die unter dem Alpdruck ihrer archaischen Religiosität stehenden und das auch noch gut findenden Moslems nicht erfolgreich darin waren, diese Sklavenarbeit so zu organisieren, dass sie selber zur weltbeherrschenden Macht aufsteigen konnten (wofür diese ja auch ganz gerne mal den Westen verantwortlich machen). Während der Kolonialherrschaft gab es wenigstes keine Kriege und gewalttätige Konflikte in Afrika. Insgesamt kann auch festgestellt werden, dass der Einfluss des Westens auf Demokratie und Menschenrechte – auch in ehemaligen Kolonien – häufiger positiv als negativ gewesen ist (vgl. dazu Ruud Koopmans: Das verfallene Haus des Islam, München 2020 S. 73-80). Vor Jahren habe ich einmal ein Interview mit einem schwarzen Ökonom bei der Weltbank (wenn ich mich recht erinnere) gelesen, der sich darüber ausgelassen hat, dass die gerne hochgehaltene Solidarität unter den schwarzen Brüdern und Schwester die chimärenhafteste Solidarität in der Welt sei, und nirgendwo der Egoismus und die Idiotie ausgeprägter seien als in Afrika. Die Kritik der schwarzen Vernunft fordert Restitution und Reparation, „Wiedergutmachung und Entschädigung im ökonomischen Sinne“, aber da ist Afrika als Milliardengrab für Entwicklungshilfe, weil die Gelder immer wieder in erster Linie gestohlen wurden (freilich von den Westmächten auch so, also im Sinne von Korruption, verteilt wurden, um sich afrikanische Potentaten im Kalten Krieg warm zu halten). Mbembe redet zwar nicht von den „schwarzen Brüdern und Schwestern“ (von den Schwestern zumindest redet er eben praktisch gar nicht), aber die Schwarzen reden gerne davon, dass sie schwarze Brüder (und Schwestern?) seien: Als Kontrastprogramm in der Realität hat man dazu aber einen haarsträubenden Mangel an Kooperation zwischen afrikanischen Staaten, auch und vor allem im Fall von humanitären Katastrophen, eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid der eigenen Brüder und Schwestern, die von Seiten des Westens oder der „internationalen Gemeinschaft“ kaum mehr übertroffen werden kann, als Kontrastprogramm hat man da auch z.B. die Ineffizienz der Afrikanischen Union, deren Hauptsitz in Äthiopien – trotzdem Afrika eigentlich ein sehr reicher Kontinent ist und viele afrikanische Potentaten allein auf Milliardenvermögen sitzen – vor ein paar Jahren erst von den Chinesen gestiftet und ausgestattet worden ist, dessen Finanzierung die Afrikanische Union also nicht sich selbst sondern den Chinesen überlassen hat (mit der Konsequenz, dass der Hauptsitz der Afrikanischen Union folgerichtig jahrelang bequem vom chinesischen Geheimdienst ausspioniert werden konnte und wurde). Mbembe spricht sie zwar an, die Viktimisierungshaltung, deren Möglichkeit diversen Befreiungsideologien innewohnt, sprich, dass man die eigene Gruppe, die reales Unrecht erlitten hat, bzw. sich selbst ausschließlich als Opfer sieht, das dabei auf Wiedergutmachung drängt (die, inhärent, mit blutrünstigen Rachephantasien oftmals einhergeht), er räumt ein, dass eine solche Haltung neurotisch, negativ und zirkulär ist und auf Ressentiment beruht (S. 169f.), allerdings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Kritik der schwarzen Vernunft selbst nicht so ganz verschieden davon ist. Ganz am Schluss von der Kritik der schwarzen Vernunft (S. 332) wird der Hoffnung Ausdruck verliehen auf eine „Welt, die befreit ist von der Last der Rasse und des Ressentiments und des Wunschs nach Rache, die jeder Rassismus auslöst“. Dort, am Ende eines Buches, wo gemeinhin etwas Schwülstiges, Belebendes, Hoffnungsvolles und selig Schwebendes steht, steht bei Mbembe also was von Rache. Das ist ein wenig disharmonisch. –  Harmonie wird erreicht, wenn Gegensätze aufgearbeitet und versöhnt werden. Hat mal jemand gesagt, geistige Überlegenheit bestünde darin, dass man zwei sich widersprechende Gedanken gleichzeitig denken könne. Irgendwann muss man Identität finden, man muss Heimat finden, sonst wird man krank; das Bedürfnis danach und die Kämpfe, die man auszufechten hat, um Identität zu erlangen und Heimat, sind keineswegs trivial, vor allem nicht, wenn man Neger ist. Angesichts der Schwierigkeiten, die damit verbunden sind, müssen die, die nicht involviert sind, teilweise auch zurücktreten. Klar. Heimat und Identität kann man auch in der Neurose und der Rache finden – und angesichts der Trägheit der Welt ist es wohl auch gut, wenn über Neurosen und Rachegelüste Kräfte des Guten und des Ausgleichs, der Restitution und der Reparation mobilisiert werden – aber zumindest ich würde davon abraten. Meine kleine Philosophie und Lebensweisheit bestehe darin, dass man nicht nur versuchen solle, zwei (scheinbar) sich widersprechende Gedanken gleichzeitig zu denken und anzuerkennen, sondern mindestens fünf! Tatsächlich widersprechende Gedanken gibt es so auch nicht unbedingt, denn die Welt ist nicht tatsächlich widersprüchlich; im Rahmen bestimmter Ideologien und Denkmuster kann schnell etwas in Widerspruch zueinander geraten, aufgrund der verengten Perspektive. Man soll also versuchen, so viele Gedanken wie nur möglich gleichzeitig zu denken und anzuerkennen! Dann erscheint, nach vielen Jahren, endlich das Feld der Widerspruchsfreiheit und das totale Reich des Geistes und der Erlebnisfähigkeit:  die Weiße Hütte (White Lodge), wo die Inhalte der Welt bestenfalls nur mehr als mögliche Erscheinungen in einem ubiquitären weißen Licht erscheinen und innerhalb dieses Lichts einfach handhabbar sind; in der alle Fäden der Welt zusammenlaufen und von der alle Fäden wiederum ausgehen. Um das Licht der Weißen Hütte zu sehen, muss man seinen Blick wiederum senken, in die Nacht und in die Finsternis der Welt, in das unten liegende Becken der Finsternis: denn die Welt ist zum größeren Teil Nacht und Finsternis und Unbekanntes. In dieser Nacht muss man fortwährend Verbindungen herstellen zwischen Bekanntem und Unbekanntem, so wirft man Licht in die Welt, und in sich selbst. „Licht in das eine und andere Gehirn zu werfen“, sei das Ziel seiner Philosophie, schreibt Wittgenstein im Vorwort zu den Philosophischen Untersuchungen, und das ist auch das Ziel der (schwarzen oder sonst jeglichen) Vernunft. Auch Probleme hinsichtlich Heimat und Identität werden dann Probleme, die man unter sich hat.

Jetzt habe ich einige Sachen gesagt, ohne dass ich sie übrigens so gern gesagt habe. Aber eine Kritik der schwarzen Vernunft kann eben eine Kritik der Kritik der schwarzen Vernunft nach sich ziehen, sollte das sogar, so entsteht die Möglichkeit für einen perfekt geschlossenen Kreis. Und ich darf all diese Sachen ja sagen, entgegen der arroganten oder bequemlichen Attitüde, dass man als Außenstehender nicht über eine andere Gruppe urteilen dürfe, denn ich bin ja selbst ein großer Neger. Ich bin kein Philosophieprofessor wie Achille Mbembe, sondern Philosoph, und damit ein großer Neger. Hinter mir stehen keine Universitäten und auch kein Suhrkamp-Verlag. So einen wie mich wollen die da nicht. Mich werden die nur ausbeuten und kolonialisieren wollen, nachdem sie mich unter die Erde gebracht habe, denn ich bin ein echter Philosoph und damit ein schwarzer, tiefschwarzer Neger. Ein tiefschwarzer Neger bin ich! So tiefschwarz wie die Mädchen in La Defense, die eine meiner besten Begegnungen im letzten Jahr waren. Eine Gruppe von tiefschwarzen Mädchen in tiefschwarzen Martens in tiefroten Hosen und schwarzer Armeekleidung, die im menschenarmen La Defense am verregneten Samstagvormittag ihre Tanzübungen gemacht und ihre Choreographien einstudiert haben. Meinen Künstlerfreund Bernhard habe ich letzten Oktober in Paris besucht, weil er für dort ein Stipendium bekommen hat. Zu einer Veranstaltung rund um die Neuerscheinung eines Buches von Francois Laruelle bin ich gegangen, an jenem Samstagvormittag, um bei dieser Gelegenheit Francois Laruelle kennenzulernen, was ich oberflächlich auch getan habe. In einem Kellerseminarraum neben dem Centre Pompidou. Etwa ein Dutzend Leute war dort. Da die dreistündige Veranstaltung auf Französisch war und ich das nicht ausreichend verstehe, bin ich stattdessen nach La Defense um erst gegen Ende des Seminars wiederzukommen. Ein grauer, vernieselter Samstagvormittag also, an dem ich diesen großartigen, am Wochenende eher ausgestorbenen Stadteil dann zum ersten Mal gesehen und erlebt habe, vereinzelt Menschengrüppchen als karger Kontrast zu den unermesslichen, in erhabenen Formen aufschießenden Beherbergungskapazitäten – da, da weit vorne geht wieder einer, und da drüben telefoniert eine Frau, inmitten dieser Landschaft stummer, erhabener, statisch-dynamischer architektonischer Präsenz. Ein meditativer Ort, speziell an diesem jenen vernieselten Samstagvormittag. Ich glaube, ich habe Glück gehabt. Ich habe wohl exakt die richtige Zeit erwischt, um am richtigen Ort zu sein. Ich glaube, um zu einer so exakt richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, dafür stehen die Chancen eine Million zu eins. An einem Nebenweg haben einige schwarze Mädchen Tanzübungen gemacht und wohl die spiegelnde Fassade eines der riesigen Gebäude genutzt um eine Choreographie einzustudieren. Sie waren schwarz wie die Nacht und hatten die appetitlichste Kleidung der Welt, schwarze Martens, tiefrote Hosen, schwarze Lederjacken, teilweise militärähnliche Kleidung – in hundert Millionen Fällen trifft man vielleicht einmal auf etwas derartig Unerwartetes! Sie waren grenzenlos schön und sie waren so schwarz, dass sie einen Stich ins Tiefbläuliche hatten. Was für ein Negerstamm ist das, der schwärzer ist als die Nacht, so dass er einen Stich ins Tiefblaue hat? Der Abgrund des Tiefsinns und des tiefsinnigen ästhetisch-philosophischen Eintauchens in die Welt kann nicht anders sein, und wenn ich die neunte Sinfonie von Mahler höre, dann taucht in diesem Schwarz auch ein Blau auf, das schließlich zu Gold wird. Was für eine ungeheure Begegnung, was für ein unerhörtes Erlebnis, die tiefschwarzen Mädchen von La Defense! Eigentlich habe ich diese abgerissene und (absichtlich) schlecht geschriebene Kritik der Kritik der schwarzen Vernunft primär deswegen aufgesetzt, weil die Mädchen von La Defense in meinen Aufzeichnungen unbedingt erwähnt werden müssen, als Epiphanie und als wichtige ästhetische Begegnung und auch als implizite Anleitung, wie ästhetische Begegnungen möglich sein können. Vielleicht ist diese abgerissene und schlecht geschriebene Form auch die optimale Form für eine Kritik der Kritik der schwarzen Vernunft, insofern sie ihre Absolutheit dadurch reduziert, aber ich will irgendwann noch einmal breiter und genauer auf all das eingehen. Und ich will eine so hochaufschießende moralische Instanz sein, dass Rassismus und Rache wegen Rassismus gleichermaßen nicht so einfach da durchkommen! Um die Ecke hat noch ein anderes, gemischtrassiges Grüppchen von französischen Teenagers eine Choreographie geübt, aber die pechschwarzen Mädchen waren einfach viel besser. Sie haben, wie ich später extra herausgefunden habe, zu einem Lied („Icy“) einer K-Pop Girlband („Itzy“) getanzt, in dem es darum geht, wie man als halbwüchsiges Mädchen auf coole und freche Weise selbstständig und emanzipiert ist, bevor sich, anzunehmenderweise, der Alpdruck des gesellschaftlichen Konformismus auf sie legt, und sie sich dem dann auch, anzunehmenderweise, freudig ergeben. Ich finde es sehr schlecht, dass ich nicht gewusst habe, wie ich mit diesen Mädchen ins Gespräch hätte kommen können und sie jetzt wohl für alle Zeit für mich verloren sind und ich nie mehr weiß was aus ihnen geworden sein wird, ich finde es sehr gut, dass ich sie in dieser Konstellation aber überhaupt gesehen habe. Eine unerhörte ästhetische Epiphanie, wahrscheinlich nicht nur auf das letzte Jahr bezogen, sondern überhaupt in meinem ganzen Leben! Aber ich kann ja auch ohne weiteres wieder weiterziehen, da es mein Geist und meine Seele ist, die die ästhetische Epiphanie ist und es mein sehr spezifischer Geist und meine sehr spezifische Seele ist, mit der ich ästhetische Epiphanien dauernd irgendwo wahrnehme, mal besser, mal schlechter, meistens halt nicht so gute wie die kleinen schwarzen Tänzerinnen an jenem Regenvormittag am Samstag in Paris in La Defense. Es war so ein halbes Dutzend schwarzer Mädchen in La Defense, und es war so ein Dutzend Leute bei der Diskussion zum neuen Buch von Francois Laruelle, zu der ich dann wieder zurück bin. Francois Laruelle ist, in den Worten von Gilles Deleuze, der unbekannteste bedeutende Philosoph Frankreichs. Ich habe just vorher was von ihm gelesen, ein weniges, was von ihm übersetzt vorliegt, und habe seine Interdependenzthese zwischen Epistemologie und Ontologie sehr gut gefunden, währenddem ich an meinen Reflexionen zu Schopenhauer beschäftigt war. In aller Eile wollte ich einen Kontakt zu ihm herstellen, was mir dann auch oberflächlich gelungen ist, nach dem Ende der Veranstaltung, und nachdem ich in La Defense die bildhübschen tiefschwarzen Mädchen erlebt habe, die so schwarz waren, dass ihre Schwärze einen Stich ins Bläuliche hatte.

La Defense

What happens when you put African philosophies at the centre of learning

What You Should Know About Contemporian African Philosophy

Prelude to a Note About Sartre

As it appears, the 19th century philosophers have been more powerful and titan-like and dominating over the world than the 20th century philosophers, and the 20th century philosophers more significant and controlling over at least parts of the world than seem to be philosophers of the contemporary; has the world become more complicated or have intellectuals become more stupid, that seems a tricky question, that is confusing; I say, we need to regain dominance over the world again, the world may be complicated but is also not very intelligent and therefore not so difficult to conquer, if we are intellectually in tune with the world, which is, of course, largely absent among people and among philosophers; if we amalgamate Eastern (pre- and meta-) philosophy and Western philosophy, analyse and deduce out of and along the pathless path of Tao and introspection into Tao, delimit and mark off this path via the paradoxical logic of the koan, we shall gain dominance over the four cardial directions, the four points of the compass, again. Philosophy should refrain from meddling all to much into the affairs of the world, else, in an environment of „contemporary discourse“, philosophy will degenerate and lose its power over the world, this is what you are having today and this is a battle philosophy cannot truly win. Philosophy and the world are, to some degree, heterogenous realms. In reality, philosophy is more important and more dominant than the world. In a spirit of humility, Deleuze says that philosophy is not a true power; as it is not a true power, it cannot truly confront power, it would need to wage a guerilla against the powers in the world. I think this is a bit weak. I see philosophy as a some kind of grid that humbly, but also evenly and unaffectedly reaches deep and forever into space; from the earth below comes some turmoil and bedlam, activity, yet due to its curvature the body of the earth eclipses into the night, I reiterate: much unlike to the solid structure that is philosophy that humbly and in an upright way reaches into the universe and into space (whereas, I reiterate, the body of the earth eclipses into the night). Forever, the tentacles and protuberances of the earth will reach and hit the structural grid of philosophy that ranges and resides above the earth, that is how philosophy works and how it is processed, via such tangential amalgamations, but will not destroy it or tear it down. Earth has become so complicated that it cannot be subjugated to a philosophical system anymore, that is true; therefore the philosophy that will dominate over the world, at present and in the future, will not be a philosophical system but an awareness and consciousness over philosophical and real-world systems. From Socrates onward, philosophy has been established by the meta-philosophers, and 21st century philosophy will be established by the meta-philosophers as well. That is a semi-conscious message that is confusing, but the task of meta-philosophy, from Socrates onward, is to spread extreme confusion in order to, then, establish extreme clarity and contour, out of that which that cannot stand the test of confusion.

https://philosophynow.org/issues/53/Why_Sartre_Matters

https://jacobinmag.com/2020/04/jean-paul-sartre-communism-algeria-oppression?fbclid=IwAR0e-FFslrn0wRQIlT0Qd5FttHLwBQSroFjq_HBF7IJlRMKEAjia2sq94Ug

Dale Carnegie and La Rochefoucauld

As a most appropriate literature for the period of the cornonavirus lockdown Dale Carnegie´s How to Win Friends and Influence People may come to mind. I have read it ten years ago or so, and now just read it again. Although written for another, and a positive purpose, together with the maximes of La Rochefoucauld it, inadvertently, is probably the bleakest and most uncanny literature around. It may serve as giving an answer to one of the most pressing questions in literature and in life in general: to the question about what is probably the most central motive behind man´s actions? As we know, there are many motives behind the actions of man, yet one would be curious to find out if there truly is a most central motive; and if that should be the case, what this central motive would be? Is it the desire to help starving children in Africa? Is it the desire to dive into an oceanic feeling of togetherness and connectedness between all man and all creatures and a transcendent experience of unity? Is it the obsessive desire to know what happens at the center of a black hole? – Not quite: according to both Dale Carnegie and Francois de La Rochefoucauld the human leitmotif is vanity. I.e. somthing that is unsophisticated, annoying and ridiculous. It is inherently neurotic and unelegant and a root cause for evil. It makes people (happily) fall prey to populists, demagogues, manipulative sociopaths and cult leaders. It is where the easy, transparent and crystal clear realm of philosophy ends and the dark and opaque and convoluted realm of psychology begins. It makes people unlogical and unreflected. As Carnegie notes, few people think logically. Most hold prejudices, are subjective, are led by opinionatedness, jealousy, suspiciousness, fear, envy and pride (as you can see, mostly negative qualities). People think unlogically not only because they are not good at thinking, but because of their egoism and their vanity that tries to convince themselves that they´re the bearers of truth. As far as I am concerned, qualities like vanity, jealousy, greed, hatred or hostility are alien to me, to a degree that I simply consider them as manifestations of a primitive psychology. I do not know how such things can arise in anyone and I cannot even communicate with such a psychology. I do not want to win their friendship and I do not want to influence it. If their pits should be bottomless, I will install an Apartheid regime against them. On p. 202 Dale Carnegie quotes La Rochefoucauld btw. Apart from that, How to Win Friends and Influence People is a book that greatly empowers the good in man and that everyone should have read. Dale Carnegie was a great humanist.

Happy ever after, although both the books of Dale Carnegie and Francois de La Rochefoucauld are very worthwhile reads, they are written for certain, and limited purposes, and as you reflect on them, you may find out that they are full of flaws, and every maxime of La Rochfoucauld can easily be disputed as well as it could be taken for granted. They are not fully to be taken seriously. I know this from myself (and, after all, making generalised statements upon  the human realm is tricky per se). When I say something, it is also usually not to be taken completely seriously. The things I say are only to 93 percent meant to be serious, the rest is tongue-in-cheek and serves as leaving a room for doubt. If we assume that what is stated in the books of Dale Carnegie and Francois de La Rochefoucauld is only to 93 percent true, than the subjective overall conclusion about the true nature of man being his vanity is only to 93 percent true, reducing the truth of the original statements even further. That is sloppy maths, i.e. also not 100 percent true, etc. If we perform progressively such – sloppy as well as generous, yet, due to the flexibilty and influencability of man, justified – operations on the original assumption of vanity as the leitmotif of man, we can progressively diminish it and reduce it to a healthy degree inaswhich vanity would be reduced probably only to the degree of serving a legitimate purpose i.e. as a legitimate psychological self defense, and so could overcome endless seemigly unnecessary hardenings and conflicts between men as well as reaching a higher level of individual psychological gratification that is brought about by self-transparency, a lofty world could pop up and we could happily live ever after. The End.

Zeitlichkeit und Ewigkeit

Petrarca war sehr ruhmsüchtig, und er war, wie ich finde, ein schlechter Dichter. Pessoa hat gemeint, eine Art abstrakter Unsterblichkeit wäre ihm lieber, und er war, wie ich finde, ein guter Dichter. Petrarca hat sich viele Sorgen um die mangelnde Beständigkeit des Ruhms gemacht, Pessoa hat zu seinen Lebzeiten kaum was veröffentlicht. Ruhm erscheint als etwas Unbeständiges, da auch die Ruhmseligkeit eine subjektive Motivation ist, und daher, so scheint es, als geradezu notwendiges Korrelat, von fremder subjektiver Motivation erhalten, zerstört oder zumindest erheblich gefördert oder beschädigt werden kann. Die abstrakte Unsterblichkeit, die Ewigkeit hingegen, kann einem keiner mehr nehmen. Es ist daher besser, in der Ewigkeit anzulangen und dort vollkommen in sich zu ruhen, als nach Ruhm, der eine Sache der Zeitlichkeit und der subjektiven Motivation ist, zu streben.

Die Zeitlichkeit ist etwas Fragmentiertes und Relatives, vom Ewigen erhofft man Objektivität und erzerne Beständigkeit. Somit verweist auch die Zeitlichkeit auf das Leben, und die Ewigkeit auf den Tod, oder, hoffentlich, auf das ewige Leben; auf jeden Fall aber auf einen Seinsbezirk, der mit der Zeitlichkeit in keinem direkten Kontakt steht, nicht direkt mit ihr kommuniziert, sondern, irgendwie, jenseitig ist. Somit ist zwar das Zeitliche möglicherweise was Lächerliches und Eitles, das Ewige aber auch möglicherweise etwas Morbides und (subjektiv) nicht eben Erstrebenswertes. Wenn man, primär, die Zeichen der Ewigkeit sieht, so wie Pessoa, wird man von der Zeitlichkeit gerne ignoriert, und man hat dann halt nur seine kleine Ewigkeit. Die Zeitlichkeit hofft aber auf die Ewigkeit, um in ihr die Möglichkeit ihrer Transzendenz zu erblicken. Zeitlichkeit und Ewigkeit stehen in einem Wechselverhältnis und sind nur über dieses einigermaßen begreifbar.

Zeitlichkeit und Ewigkeit ist, scheinbar, das Zusammentreffen von Subjektivität und Objektivtät. Die Subjektivität wird im Objektiven (positiv oder negativ) aufgehoben und in ihr geborgen, die Objektivtät aktualisiert sich notwendigerweise aber eben im Subjektiven. Wenn das Subjektive so bedeutsam wird, dass es objektive Bedeutsamkeit und Gültigkeit erlangt, erreicht man die Sphäre des Ideals. Das Ideal ruht in sich selbst und ist unzerstörbar und ist ewig. Es ist geronnen und erstarrt, und es geht durch die Zeit und es ist lebendig. Es ist der Ort, wo die zeitliche Subjektivität und eine eherne, ewige Objektivität sich treffen. Das Ideal hat keine feste Form und es ist unvorhersehbar. Wer aber in der Sphäre des Ideals angelangt ist, ist, zumindest dort, frei. Es kann aber durchaus sein, dass es von dort aus komisch aussieht. Die Ewigkeit können ungute Räume sein (nichtsdestoweniger aber trotzdem interessante Räume).

„Ich sehe die wirklichen Genies und Sieger – die großen wie die kleinen – durch die Nacht der Dinge segeln, nicht wissend, was ihre stolzen Buge durchpflügen in dieser Sargassosee aus Verpackungsstroh und Korkresten.“

„Eure Argonauten trotzten Ungeheuern und Ängsten. Auch ich musste auf der Reise meines Denkens Ungeheuern und Ängsten trotzen. Auf dem Weg zu abstraken Abgrund, auf dem Grund aller Dinge, gilt es Schrecknisse zu durchstehen, unvorstellbar für die Menschen unserer Welt, und Ängste, fremd aller menschlichen Erfahrung; das Kap des gemeinen Meers, das zum Unbestimmten führt, ist menschlicher vielleicht als der abstrakte Weg zum Vakuum der Welt.

Der Heimatstatt beraubt, vom Heimweg vertrieben, Witwer für immer der Annehmlichkeit eines immergleichen Lebens, erreichten eure Sendboten endlich – ihr wart schon verstorben – das ozeanische Ende der Welt. Sie schauten – stofflich – einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Ich, fern der Wege meiner selbst, blind vom Sehen des Lebens, das ich liebe, (…), habe endlich auch das leere Ende der Dinge erreicht, das unwägbare Ufer der Grenze aller Wesen, die Pforte ohne Ort zum abstraken Abgrund der Welt. Ich trat, Herr, durch diese Pforte. Ich irrte, Herr, über dieses Meer. Ich starrte, Herr, in diesen unsichtbaren Abgrund.“

„Der Wert der Kunst besteht darin, dass sie uns aus dem Hier holt.“

(Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe)

Die Möglichkeit, die Ewigkeit zu sehen, liegt im Geist, und sie liegt in der Seele. Sie liegt, am Besten, im Zusammenspiel von Geist und Seele. Der Geist durchdringt sich selbst und frisst sich in die Dinge. Das ist sein Wesen. Er vertieft sich in sich selbst. Er korrodiert die Dinge und relativiert ihre Bedeutung und schafft neue Dinge. Durch die Reflexion über die Reflexion sprengt er schließlich die Begrenzungen und die materielle Hyle und gelangt in ein neues Reich der Bedeutungen, und gelangt in das Reich der ewigen Bedeutungen, wenn der Geist sich vollständig realisiert hat, und somit die ewigen Bedeutungen begreift.

Das Begreifen der, scheinbar starren, ewigen Bedeutungen ist dabei ein höchst dynamischer, sich ständig wandelnder Prozess, eben die Reflexion der Reflexion, als der letzten Wirklichkeit des Geistes. In dieser Ewigkeit (des Geistes) ruht nichts. Es rotiert und fluktuiert alles herum, um eben das ideale ewige Zentrum des Geistes, das in Stasis ist, da es in sich selbst ruht, und keine Bedingungen anerkennt als seine eigene reine Subjektivität und die möglichst reine Objektivität der Dinge und der Vorgänge, die der Geist beobachtet.

Wenn der Geist sich verwirklicht hat, eben indem er sich permanent verwirklicht, über die Reflexion der Reflexion, erscheinen die Zeichen der Ewigkeit und die Räume und Felder der Ewigkeit. Die Zeichen und die Räume und die Felder der Ewigkeit sind ebenso universell, wie sie privat sind. Sie sind zum Beispiel die Erleuchtung, das Satori, oder auch die unio mystica. Sie erscheinen in der großen Kunst, in den Landschaften von Tarkowskij oder Antonioni zum Beispiel hat man einen Blick auf die ewigen Felder.

Wenn mir die Zeichen und die Perspektiven auf die Ewigkeit erscheinen, ist das etwas Geistiges und es ist etwas Körperliches. Der Geist tritt aus sich selbst heraus, und nimmt den Körper mit, die starren Formen der Ewigkeit wiederum fixieren den Geist, und sie fixieren den Leib. Es sind starre, einfache Architekturen, die unendlich robusten Verstrebungen, sie wachsen aus dem Leib heraus und durch ihn hindurch, so dass der Geist und der Leib nicht wegkönnen; von ihrem in die Zeitlichkeit geworfenen Reflektieren, das die Ewigkeit zum Gegenstand hat. Was mich anlangt, so kann ich von dort nicht weg. Das ist, bei allen ekstatischen Erlebnissen, nicht immer angenehm, sondern durchaus auch dessen Gegenteil. In meiner radikalen Freiheit bin ich gefangen, in meiner Gefangenschaft in Zeit und Ewigkeit bis ich radikal frei. Die Zeichen der Ewigkeit treten vor mein geistiges Auge und in mein inneres Erleben mal so, mal so. Jetzt zum Beispiel erscheint mir folgendes Zeichen der Ewigkeit:

Dieses Zeichen der Ewigkeit erscheint vor meinem Geist, und wandert jetzt auf das Firmament, brennt sich in den Himmel ein und ist dann dort.

Das Zeichen der Ewigkeit hängt am Himmel, einigermaßen groß, und blickt stumm und ein wenig ernsthaft, ein wenig überwältigend, ein wenig durchdringend auf uns hinab. Sein metaphysisches Charisma liegt dabei nicht darin, dass es kommuniziert, denn es kommuniziert nicht. Es liegt nicht darin, dass es tatsächlich blickt, denn es ist augenlos. Inwieweit es Wissen beinhaltet, weiß man nicht. Es ist unkompliziert, es ist simpel, aufdringlich und unwandelbar. Es ist präsent. Sein metaphysisches Charisma ist es, einfach präsent zu sein. Es gemahnt an die ewige Möglichkeit einer anderen Ordnung, und damit an die Relativität der jeweiligen zeitlichen Ordnung. Es gemahnt an die Ewigkeit. Dass es sich in das Firmament eingebrannt hat, gemahnt, genau gesagt, an das Wechselverhältnis zwischen Zeitlichkeit und Ewigkeit. Von der Ewigkeit aus blicke ich auf die Zeitlichkeit und relativiere sie so (ein wenig, da ich trotzdem der Zeitlichkeit angehöre), von der Zeitlichkeit aus blicke ich auf die (sich der definitiven Kommunikation entziehende, und offenbar eigentlich dumme und stumme) Ewigkeit, und transzendiere so die Zeitlichkeit, und ermögliche in der Zeitlichkeit großen Fortschritt.

Das Zeichen der Ewigkeit hat sich in das Firmamen eingefressen und besteht dort. Es wird dort noch bestehen, wenn die Sonne längst verloschen ist, so mächtig ist es. Vielleicht wird es irgendwann einmal anfangen, zu verblassen. Sein Verblassen wird erst in ferner Zukunft stattfinden und der Prozess seines Verblassens wird sich noch viel länger hinziehen als die Zeit seines unverblassten ursprünglichen Bestehens. Irgendwann, in der fernsten Zukunft des Universums, mag es ganz verblasst sein. Wobei das nur eine Möglichkeit ist, es ist nicht einmal sicher. Es erscheint nur wahrscheinlich, auch weil die Zeitlichkeit in der fernsten Zukunft des Universums, in der alle Ordnungen zerfallen sein werden, eine andere sein wird, und damit auch ihr ewiger Reflex ein anderer. Das metaphysische Charisma des Zeichens der Ewigkeit wird nicht mehr in der Präsenz liegen, sondern in seiner verblassenden Absenz.

Das ist die Ewigkeit des Geistes. Dann gibt es die Ewigkeit, die in der Seele liegt. Die Substanz der Seele liegt darin, gute, empathische Bezüge zu schaffen, zu sich und zu dem, was sie umgibt. Zu dem, was in ihr liegt, und zu dem, was außerhalb von ihr liegt: zum Anderen. Die Ewigkeit der Seele ist der Himmel. Der Himmel besteht in der permanenten Kommunion mit Christus, dem Allesvereiniger, dem Hersteller des guten Bezugs und der guten Bezüglichkeit. Das ist die Ewigkeit der Seele. Sie ist, in ihrem Sinnbild, eher was Wolkenhaftes und Luftiges als was Starres.

Man sieht, die Ewigkeit der Seele zu beschreiben, ist nicht schwierig; ist weniger schwierig, als die Ewigkeit des Geistes zu beschreiben, die sich der definitiven Beschreibbarkeit und definitiven Anschaulichkeit entzieht. Angesichts der Ewigkeit des Geistes hat man nur verschwimmende Anschauungen oder eben, als Gegenteil, stumme und gänzlich unterkomplexe (allerdings hochsuggestive) Zeichen. Die Ewigkeit der Seele ist etwas Emotionales (und Moralisches!), und nicht etwas Intellektuelles oder Anschauliches. Das Emotionale hat seine Präsenz nicht in Anschauungen oder Zeichen, sonden in sich selbst. Das ist der Himmel.

Petrarca wäre aber dann doch nicht Petrarca, wenn nicht – trotz aller Besorgnis um Zeitlichkeit und weltlichen Ruhm – auch er zur Ewigkeit vorgedrungen wäre! Petrarca beschäftigt sich, als Universaldichter und Universaldenker und Universalmensch, zeitlebens mit dem pensare, der Ausdehnung des Geistes, um die horizontale Mannigfaltigkeit der Welt zu erfassen, die disparat und gottlos ist (im Gegensatz zu (dem ebenfalls sehr rumsüchtigen und daher folgerichtig von Petrarca getadelten) Dante, der die vertikale Mannigfaltigkeit der Welt erfassen will, also der göttlichen Seins- und Heilsordnung (und bei dem sich das Denken und die Anschauung angesichts der höchsten Instanz, des Göttlichen, auflösen; was bleibt ist die „Liebe, die bewegt die Sonn und Sterne“, also eben die Essenz des Himmels)). Das absolute pensare dringt einerseits in sich selbst, und ist andererseits von grenzenloser Ausdehnung (die aber nichtsdestoweniger einen Horizont hat, hinter dem das ewig Unbekannte liegt: die absolute Zukunft und das Wissen (in) der absoluten Zukunft, die von keinem Denken der Welt antizipiert werden können; das absolute Denken beherrscht es aber, so gut es geht, indem es das nicht antizipierbare Wissen antizipiert und sich darauf vorbreitet: insofern das absolute Wissen und das absolute Denken eben permanent auf neues Wissen und neues Denken sich vorbereitet). Der sich intensivierende Kraftakt des Denkens hat schließlich zum Lohn, dass es zum Stillstand kommt, und die „Welt in unbeweglichem und ewigem Zustand erblickt“, und Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft zusammenfallen; die unüberblickbare Vielheit der Welt wird im Rahmen einer überweltlichen Einheit der Weltanschauung und –introspektion begriffen. Die Sukzession der Zeit (und die disparate, gottlose Vielheit, die sich über die Suzession der Zeit entfaltet) wird aufgehoben und du erblickst dann ihre Vielfalt im Raum, in dem die Ereignisse der Welt zusammentreffen: eine Versammlung der Ereignisse der Zeit im Raum der Anschauung. Da tanzen sie also alle an, die Ereignisse und die Großen und die Kleinen der Weltgeschichte! Ich sehe sie alle wieder! In diesem Raum triffst du auch Petrarca wieder (ich nannte diesen kommunalen Raum schon mehrmals „das Kontinuum“). Ich treffe, genau gesagt, nicht Petrarca wieder, sondern seinen ewigen Geist. Dieser Raum, oder „das Kontinuum“, ist kein Raum des Triumphes des Ruhmträchtigen, der in der Zeitlichkeit stattfindet, sondern es ist der imaginäre Raum des Triumphes der Ewigkeit, eben über die Zeitlichkeit. Es ist der Raum des Ideals, das unzerstörbar ist, der Raum der abstrakten Unsterblichkeit. Abstrakte Unsterblichkeit heißt, dass etwas Sinn im Universum macht. Dass sich ein Text in die Struktur des Universums einbrennt. Das ist ein viel tieferes Ereignis als jeglicher Ruhm.

Ohne das jeweils andere sind beide nichts, ohne die Zeitlichkeit zerfällt die Ewigkeit, und umgekehrt. Das versteht ein jeder und eine jede. Vielleicht existieren beide auch nur, objektiv, als Wechselverhältnis. Doch das ist kaum beantwortbar (da es schon schwer genug ist, als zeitliches Wesen in der Ewigkeit anzulangen – wie also das Wechselverhältnis Zeitlichkeit – Ewigkeit möglicherweise auch noch transzendieren? (hier wird es „aufgelöst“, indem es wechselseitig immanent gemacht wird) Wie lässt sich, möglicherweise, ein solcher Raum betreten? Zu untersuchen!!; Anm.). Was wir hier versucht haben, war, das metaphysische Verhältnis zwischen Zeitlichkeit und Ewigkeit zu beschreiben, angesichts dessen die letzten Beschreibungen versagen, da es, inhärent, hinter dem Horizont liegt. Sein Rest ist Schweigen. Und diese Ausführungen hier eben sind beredtes Schweigen. Damit schließt sich der überdimensionale Zirkel. Und ein Zirkel läuft eben ewig fort. Ich bin schon gespannt auf das nächste Zeichen der Ewigkeit, das mir früher oder später erscheinen wird. Denn die Ewigkeit gibt mir (und auch dir) Zeichen. (Und wie sollte ich verstehen, was er meint, überlegt Wittgenstein, ich sehe ja nur seine Zeichen. Und wie sollte er verstehen, was ich meine, überlegt Wittgenstein weiter, er sieht ja nur meine Zeichen.) Momentan bin ich aber mit diesen drei Balken und der Art Türklinke drüber ganz zufrieden.

Petrarca und die angeschissene Wand

Ich bestreite nicht, dass ich von Natur aus aufs höchste nach Ruhm begierig bin, bestreitet der alte Petrarca nicht, und geht mir damit auf den Arsch. Bin ein armes Mägdelein, hab in mein` Leben kaum was erlernt, doch mein Herz ist rein, und eins weiß ich: dass die Eitelkeit und die Selbstsucht alles versaut. Ruhm – mit Handschuhen fasse ich diese Münze an, mit Ekel trete ich sie unter mich … Wer will bezahlt sein? Die Käuflichen… sagt der alte Nietzsche, der auch weiß: Und niemand lügt so viel wie die Dichter! Der Dichterfürst, der Petrarca, posaunt auch noch hinaus: Das Verlangen nach Ruhm ist nicht nur den gewöhnlichen Menschen, sondern ganz besonders den gelehrten und herausragenden eingeboren. Votze, Titte, Pimmel, Arsch! Der Sinn von Kunst, von Wissenschaft, von Religion, von Philosophie, ergo: der Sinn vom Geist ist die Schaffung einer Epiphanie der Wahrheit, des Schönen, des Guten, der Ordnung. Und das kann nur über Entäußerung geschehen, nicht über dessen Gegenteil, die Ruhmsucht. Das ist das Einzige, was ich weiß; das ist das einzige, was ich im Leben mitbekomm` hab! Beim Petrarcalesen muss ich immer so komisch schaun. Was ist da der Sinn dahinter? Aber was kann ein alter Geck wie son Petrarca auch schon zu sagen haben, welche Sinnhaftigkeit soll die Ruhmsucht schon haben? Zuviel der Worte, zu wenig der Inhalt, und rektal gedrechselt wirken diese Dinger außerdem, so wie die Anal Staircase von Coil, wie soll man sich da raufmühen, ohne dass einem scheißschwindlig wird und man dauernd die Orientierung verliert? Was für eine dünne Scheiße, das:

Lebt noch, Apoll, das an Thessaliens Wogen

Dich einst entbrannt, dein seliges Verlangen,

Gedenkst du noch, ob Jahre schon vergangen,

Des blonden Haares, dem du einst gewogen,

So schütze dieser heiligen Zweige Bogen,

Die dich zuerst und mich darauf gefangen,

Vor Frost und Wettern, die am Himmel hangen,

So lang dein Antlitz trübe sich umzogen.

Bei deiner Hoffnung fleh ich, deinen Flammen,

Die aufrecht dich erhielten einst im Leiden,

O nimmt die böse Luft von unsern Matten!

Dann sehen voll Verwunderung wir zusammen

Sitzen im Gras die Herrin von uns beiden

Und selbst mit ihren Armen sich beschatten.

Sagen Sie das meinem Arsch! entgegnet darauf Angeklagter Pimmel zu Richterin Votze im Jahr 1374, in der Gerichtsverhandlung, in der er zum Tode verurteilt wird, weil er die Kokosnuss geklaut hat, und das aufplatzende Gelächter des zuschauenden Pöbels ist unendlich – das ist es, was die guten Leute hören wollen! Ja, scheiß einer die Wand an, ich kotz gleich halb Europa voll!

Den 29. März anno 2020

Addendum: HA, was für eine göttliche Fügung, dass ich bei der Suche nach Manni über FB nach etwas dazu passendem gerade AUF DAS DA stoße: 

Gestern Abend, kurz vor dem Einschlafen, also zu dem Zeitpunkt, wo ich immer meine besten Ideen habe, schießt mir folgender Blitz durchs Hirn: Zwei matt glänzende schwarze metallene Quader, 5x5x2cm: Wenn die Katze sie frisst und sie wieder rausscheißt, wie soll das gehen, ohne dass sie sich dabei das Arschloch aufreißt? Ja, da raucht der Kopf, so eine schwere Denkaufgabe! Wenn mir die Lösung des Rätsels gelingt, wie soll das gehen, ohne dass mir vor Intensität das Arschloch explodiert? Wenn der B mich noch einmal, wie dauernd, einen Homo nennt, werde ich zu ihm sagen: Und du bist ein sehr schlechter Hetero! Yorick locuta, causa finita.

(Aus dem Buch vom seltsamen und unproduktiven Denken)

(Den Comic, wo das Murmeltier täglich grüßt mit den Worten: Ja scheiß einer die Wand an, das ist doch Manni, der alte Ficker! Mensch, grüß dich du alte Fickfotze! wenn Manni unten aufm Weg zur Arbeit bei ihm am Balkon vorbeikommt, und der sich dann frustriert denkt: Jeden Tag dasselbe…, habe ich leider nicht gefunden.)

Twin Peaks and Ethics

Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.

Immanuel Kant

Twin Peaks, created by Mark Frost and David Lynch, is, among other things, about „the battle between Good and Evil“. Many films, stories, fairy tales etc. are. Mankind seems to be obsessed by that. Men seem to like to see themselves within a battle between Good and Evil, as heroes. Usually, they like to see themselves as the good hero, not as the villain. That indicates: there is hope. Humans usually don´t, psychologically, thrive off conscious wrongdoing. There is hope.

In contrast to more simple-minded productions, Twin Peaks shows how demarcation lines between good and evil are blurred; as well as how their in-between, mediocrity, may kill off both just like as it might get corrupted by one as well as by the other, either in a stable or a more unstable, ever-changing fashion. Whereas the orginal series, aired at the turn of the 1990s, presents a more innocent, naive and easy-going world, that may be infected by evil, but not truly corrupted by it, Twin Peaks: The Return, aired a quarter of a century later, seems to entertain a more sinister and disillusioned perspective on humanity. In Twin Peaks: The Return you have a gallery of decent as well as indecent as well as mediocre characters as well, but the idea of a community between them – as you had it, nevertheless, and with all its twists and turns, in the original series – seems to be absent. People´s individual idiosyncrasies and quirks don´t appear as so funny or charming anymore, rather as something degenerative, and people, in general, as idiotic. In this world of disconnectedness where humans live in indifferent surroundings (also nature, so prominent in the original series, considerably has lost its charm), hardly anyone achieves anything, men are hardly able to transcend their circumstances, and failure is more prominent (actually, it is not – there are spectacular successes due to the effort of good people as well as the considerable, supernatural powers of the White Lodge and those associated with it : Killer BOB gets destroyed, Cooper/Dougie reconciled with his family, seemingly forever, the assassins get assassinated or into jail, the grotesque killer couple Hutch and Chantal get killed by an even more grotesque ad hoc assassin, the insurance company gets saved and its honest boss rid of his parasites, the warm-hearted criminals, the Mitchum brothers, get their compensation and thrive off philanthropy, Bobby Briggs has been redeemed (though lives a shockingly modest life now), Ben has become a businessman and a person of integrity, Norma and Ed get married (and Norma „saves her soul“ by resisting the temptations of capitalism), Nadine has been successful in „shoveling her way out of the shit“ thanks to the simple-minded ideology of Dr. Jacobi who seems to have become more successful and more caring for other people than in the original series, even Anthony Sinclair gets redeemed from his bad conscience as he confesses his previous crimes and gets ready to face the consequences; the psychopathic Richard gets destroyed (with a little help from his own father, the evil Cooper), and the trouble-making Steven Burnett disappears — it is just that, when Cooper, the Agent of the Good, leaves the worldy scene again (in Episode 17) which he just before had entered, to confront Evil in itself and to save Laura, very quickly relapses into a world of gloom and of failure, with Laura´s fate being paralleled by the incomprehensible sufferings and degenerative states of Audrey Horne or former child prodigy Gersten Hayward: overally, „Twin Peaks“ has become a seemingly gloomier place). Good and evil have become even more cryptic and the relationships between cause and effect even less clear (if they exist at all). More questions are left unanswered than at the end of the original series. Maybe there will be another season, maybe not, so that inconclusiveness and disappointment – that the Good cannot, finally, triumph (yet neither can Evil: shown in the scenes how Joudi/Sarah Palmer may be able to dislocate Laura and create confusion, but being unable to destroy the image of Laura, despite all her frantic efforts) – is meant to be the final statement. The world in Twin Peaks: The Return seems to finally be under the shadow of the Black Lodge (although that has also been stated in the original series), with the glimpses of light rather being something isolated and occasional than something overally or overarchingly effective. That cannot be tolerated and cries for resolution. If you think or feel like this, there is hope for you. Because the world is threatened by the shadow of the Black Lodge, counterbalancing via the powers of the White Lodge seems even more urgent. And: the more you are associated with one of the Lodges, the more prevalent the influence of the other Lodge will appear to you. After the good Cooper has created goodness everywhere by the end of Twin Peaks: The Return, it is just that because he never wants to rest in doing so that he is bound to confront a world of darkness time and again. (Note, however, that the ending could be interpreted quite differently as well, as the visceral scream of Laura Palmer/Carrie Page seems to immediately kill the powers/electricity of Joudi all in an instant before the series closes, so that we would have an almost sarcastically staged happy end where good magically and practically without true effort triumphs over evil (to fulfill the audience´s expectation).)

In Twin Peaks you have „good“ and „evil“ spirits that dwell in extradimensional places. The demarcation lines between their true character features are, as well, blurred (with former evil spirit MIKE having taken a U-turn to the good after he had an epiphany and the unclear identitiy of most other spirits that are not featured so prominently throughout the series), their functions and their motives are, to a considerable degree, unclear, they seem to cooperate as well as to compete with each other, and they have their own, although obviously not very deep, personalities. Their language is cryptic, and maybe they do not even understand themselves very well. In a way, they seem to resemble the gods of ancient Greece, including their cryptic communication to man via the oracle. They do not seem to be able to achieve so much, either against each other, or in their interactions in the human world. They seem to need humans, and need to possess humans, because in themselves, they are too one-dimensional. They seem to be more powerful, and less powerful than humans. It is true that they inhabit not exactly the same dimensions than humans. They seem a condensation of human qualities – BOB being, as Albert refers to him, „the evil that men do“ – as well as forces that are both more conscious/powerful and less conscious/powerful than humans in their entirety. BOB seems to resemble the id, the Giant/Fireman the super-ego; neither the id nor the super-ego are very deep, as desires, good or bad, just form ad hoc without a truly deeper reason (within the „id“), and the super-ego tries to ban or allow them for no deeper reason. The ego as the mediating instance is the interesting instance. The spirits – as they are representations or manifestations of „Good“ and „Evil“ – are no (or not much of) egos. They are entities (with the apparent master spirit of Evil – Joudy – being an „extreme negative entity“ (and, apparently, also an extremely unhappy entity that seems to be in a deadly conflict even with BOB/the evil Cooper)). As such they cannot, truly, think. They just are, and behave, according to their nature. In doing so, and in being so, they seem to play an indefinite chess game against each other and also try to influence and corrupt (or destroy) each other. Although fairly incomprehensible to us, there is no mystery behind that at all, much rather, an absence of mystery. They behave according to their nature (and are trapped inside theit nature). BOB as „the evil than men do“ is a force as well as a parasite that needs a host. It is the image of Laura Palmer that symbolises the good while, both in the original series as well as in The Return, as a human being she is prone to corruption, either in a more or in a less innocent fashion.

What is Good, and what is Evil – and what is their mitigation: ethics, ethical reflections and ethical principles? Are they something „outside“ and external to humans (with the possibility of being something divine), or are they just something entirely within, even beneath, humans (since „good“ and „evil“ are only elements within a wider range of things at the disposition of man, who can, as a conscious and complex being, manipulate and evolve notions of good and evil, and who is, in general (for these reasons and for others), „beyond good and evil“)? Are Good, Evil and ethics something „objective“, objective (quasi-) entities, or Platonic ideas, which, as such, may even govern the world? Or are they „forces“ that may consume and absorb men? As such, they are, all too often, experienced (with, for instance, people struggling with dysfunctional behaviour patterns often referring to them as their „demons“). As an educated person, you may refute such a notion – that Good and Evil are true forces or principles beyond human reach and understanding – as something archaic. Subjectivist notions, in one way or the other, refer to ethics as someting that arises from within humans, and that does not have objective existence. Thinking that ethics, or good and evil, were something objective would have to be considered as a man-made projection. Yet if this is so, and ethical considerations only arise within humans, how can it be ensured that they are not completely arbitrary or delusions (or, at least, completey culturally relative)? Although there is great subjective flexibility in interpreting notions of good and evil and ethical principles, it is strange to think about them as mere delusions. Ethics, good an evil have many aspects, and one of them is that they have normative implications, that they are normative by nature. Something that is normative by nature cannot really be thought as something merely subjective. It needs to, in essence, transcend subjectivity. By contrast, Ethical Realism means that ethics is not something that soley arises within the individual, but that ethical principles are actually inherent to the world and a part of objective reality. (Subjectivist) opponents of this view may argue: if ethical principles are an element of objective reality, where are they „located“? How are they substantialised, if we are not to believe in god or the devil? (And, apart from that, if ethical principles objectively exist, how can they exercise influence over humans and their considerations?) More recently deceased philosopher Derek Parfit offers compelling analyses that, if they should make any sense, ethical principles cannot be subject to human subjectivity and (therefore) subjective arbitrariness alone, but need to be something objective (that is, nevertheless, enlivened by subjective behaviour and subjective arbitrariness). Parfit proposes to see ethical principles and ethical truths not as platonic ideas, substantialised forces or divine intervention but as something comparable to logical truths or mathematical truths, as something that arises within the world but is neither an idea, a force or a substance and that is unlocated. Hell yeah, one of the most glorious notions I have come across in recent years is Parfit´s notion of ethical truths being someting resemblant to logical or mathematical truths! (The nature of logical and mathematical truths is not entirely clear neither, however; but that their true nature and substance would be something so confusing seems an overinterpretation as well to me.)

Ethical behaviour is something that is encoded within our genes. In this respect, it is actually both something objective and subjective; something more ancient than we as well as something, to a considerable degree, inferior to the powers of our intellect and our overall personality; something that determines our (free) will to a degree we cannot even truly oversee nor transcend as well as something that has to succumb to our (free) will. It is both beyond and beneath us. Not only humans but also animals, plants and even viruses exhibit „altruistic“ behaviour, even is this apparent „altruism“ is just some sort of cooperative group behaviour to increase the chances of survival or prosperity of that respective group (at the expense of others) (for instance, if a virus attacks a body, this means war with the body´s immune system; within that you may witness „heroic“ behaviour of the virus as it forms small „suicide squads“ and kamikaze commandos to attack the immune system at certain points and, likely, lethally fail, yet in order to distract the immune system and ensure the triumph of the overall attack). It is, from that perspective, true that „the realm of ethics“ is both something transcendent and out of our reach as well as it is primitive and archaic/atavistic, and something that can, within some limits, get overcome by human agency.

Good is associated with connectedness, altruism, light; evil with disconnectedness, egoism, and darkness. You may have the mental image of „the Good“ as being something of great cohesiveness and great undifferentiatedness (the „divine light“, etc.) Undifferentiatedness, however, cannot be truly thought as being able to process itself (therein resembling its apparent counterpart: total chaos/maximum entropy). Creation, per se, refers to creatures. Creatures are differentiated from each other and they need to struggle for existence, within cooperation with other creatures, and at the expense of other creatures. Therein lies their potential for altruism and egoism (as well as for self-saturated mediocrity). Because of them being creatures, they are vastly different from their creating principle (both larger and smaller, both more liberated and less liberated, etc.) and they are tiny and small. That is, finally, creation. That creation carries relative „darkness“/egoism and relative „light“/altruism within itself is its inherent quality (philosophically, this view can most definitely be attributed to Friedrich Schelling). Creation manifests itself in (differentiated) creatures, which are, per se, individuals as well as parts of a larger collective. Therein, they behave in egoistic and altruistic ways, as individuals as well as a (part of a) collective. Ethics adresses the optimal state of balancing individual and collective welfare. For conscious beings, who can manipulate their environment and who have the power to create themselves, ethical considerations derive from the structure of being. Ethics is inherent to existence. We, as conscious beings, have some flexibility to manage (or neglect) ethics, we can create (or at least derive) exuberant virtue, but it also, and substantially, refers to something that is above us, to a coordinate of our existence or a dimension in which we are trapped in. As the confession of Kant illustrates, there are some people who see and internally experience THE LAW. They have a distinct mental represenation of THE LAW. Respectively, THE LAW is not an actual, and distinct, law, it is a distinct mental represenation of the ethical structure of the world, or of creation. Holy men are absorbed by THE LAW (a mental image of THE LAW might rather not be undifferentiated light, but an simple but extremely solid structure before the inner eye, and experienced as being within, or affecting, the body).

The good is transcendent as it always seeks to improve itself and become better. Therein, it refers to a potential that is actually infinite, as it is always beyond our reach. (Therein also lies the possibility of its own corruption: in the striving for goodness becoming a zealous and unempathetic quest for its own sake, something that may be overly guided by principles, something resembling obsessive-compulsive behaviour, spiritual pride (and prejudice) or megalomania, or an (inherent) pleasure principle: at the very end of Twin Peaks: The Return Cooper obviously has become such an obstinate, unempathetic zealot, therein alienating Diane/Linda and, maybe because of this, being unable to „save“ Laura Palmer, due to him himself having become impure). Striving for the good means becoming and self-transcendence, finally having achieved virtuousness, nevertheless, means having ceased to (seemingly endlessly) „become“ but to finally have arrived at the state of Being. From a theological perspective, having achieved an undivided state of Being is somehow resemblant to being God-like (and therefore, from a Leibnizian perspective (or other perspectives), man, and all creatures, necessarily must be fragmented and incomplete, otherwise they were God themselves and, if so, there would be no creation). Having arrived a state of completeness and of Being means something absolute. Yet, this absoluteness gets only confirmed in acknowledging its own relativity. Kierkegaard (respectively one of his (distant acquaintances of one of his) alter egos) raves about the joy that lies within the thought that against God we are „always in the wrong“. The highest level of virtuousness and absoluteness of Being lies within acknowledging the notion that against God it is „always in the wrong“ (i.e. acknowledging its very own relativity), and raving about it (i.e. that it supposes the existence of an instance infinitely superior – be it only a hypothetical instance – against which one is always „in the wrong“ for good, therein the possibility for self-purification being infinite. And as such an instance would serve THE LAW). Evil may also strive for its own intensification, yet that would mean degradation and perversion. Perversion may be bottomless and transcenting the limits of ordinary human understanding, yet it is hard to imagine its trajectory of intensification as infinite or unlimited or excessively open. Rather, the more perverse it gets, and the more shocking and the more harm it may inflict, the more it seems to get segregated, comprised and trapped within its own tiny box. (Note however, that this may only appear so from the perspective of the good. From the perspective of evil it may just appear the other way round: note however furthermore, that this usually does not seem to be the case. And note that „infinite“ perversion may of course be possible if, like Shakespeare´s/Verdi´s Jago, we were thinking about creation as being the work of a malicious and scornful god where anything good is just an illusion and its purpose just feeding us with false hope. Such a worldview is not logically inconsistent. Maybe it is even the truth. But it does not seem ultimately being infinite, since such a god would appear, eventually, idiotic).

Evil is, or may be, a labyrinth. And, as concerns its intensification and ego-syntonism, it may strive for becoming ever more a labyrinth. Its language, the way it talks to us, may be difficult to understand, not least because it is degenerated and beyond (or beneath) ordinary understandig, but also because it is manipulative and deceitful. It likes to mask itself. It does not want tob e truly understood (also since that would reduce its power). Many people are fascinated by evil (note that there is also a quite consistent interpretation of the entire series as playing, and being sarcastic, with the audience´s voyeuristic desire to see evil unfold and also desire for closure and simplicity that has both killed the original series as well as the film Fire Walk With Me (that got very negative reviews at its time); so that in The Return Lynch and Frost purposefully present an overly lifeless, evil and unattractive world, where all the postive that happens gets overlooked in the desire for the next sensational unfolding of evil, and with finally presenting a true mystery wrapped in an enigma). What I find truly fascinating, nevertheless, is the good. The good is not labyrinth-like, it is complex. It does not wear masks, it is authentic. Because of that, it is outside the norm and does not accord to ordinary patterns and therefore frustrate ordinary pattern recognition. Because of its complexity and authenticity, and its transcendent appeal, it may be difficult to understand as well. Both (great) good and evil escape the ordinary. Therefore also their powers are limited. Mediocrity, at times, seems to be the true governing force. To see it in such absolute terms is, of course, inappropriate on all accounts. What you have, in this world, is a chaosmotic balancing of forces. You may think that the world is an eternal struggle, a grand chessgame between good and evil, that seems to go on, without a clear result, indefinitely. Neither good, nor evil, nor mediocrity seem to truly understand themselves. As entities they just are. Beyond the Black and White Lodges and the mediocrity of Twin Peaks, in the icy mountains, there lives the intellectual balancer, who observes, and calculates. In serenity, in agitatedness, in confusion.

Herbert Marcuse und der eindimensionale Mensch

Die meisten Menschen können kaum denken. Aber sie sind gerne eingebildet, größenwahnsinnig und rechthaberisch, außerdem ziemlich feindselig. Sie können die Realität nicht eigenständig intellektuell interpretieren und, da sich ihr Denken und Empfinden auf keiner abstrakten Ebene abspielt, auch keine Abstrakta bilden, d.h. wenn, dann sind es sehr simplifizierende Abstrakta wie „die Juden“, „der Islam“, „der Kapitalismus“, „das Patriarchat“, „der Werteverfall“, „die Konsumgesellschaft“ oder eben „das System“, von denen sie sich dann einbilden mögen, dass diese an ihren wirklichen oder eingebildeten Problemen schuld seien. Das ist offensichtlich zu kurz gedacht. (Kritisches) Denken bedeutet, dass man zu dem, was man gerade im Kopf hat, ein hinterfragendes Negativ errichten kann; bei diesem sehr plakativen alltäglichen Denken fehlt diese Fähigkeit aber, zu viele Schritte einer logischen Schlussfolgerung können nicht unternommen werden, und so benennt die jeweilige Kategorie – „die Juden“, „die Islamisierung des Abendlandes“ etc – dann eben eine Negativität, die, ins Positive substantialisiert, dann eben ein Feindbild ergibt, an dem man sich abarbeitet und zu dem man sich dann auch noch einen „Guten“ ausdenkt: sich selber, der dann ebenfalls in dieser Eigenschaft nicht hinterfragt wird.

Einem solchen Habitus fehlt es offensichtlich an Dimensionalität. Jetzt habe ich eben „Der eindimensionale Mensch“ von Herbert Marcuse gelesen, eine sozusagen populärphilosophischere Pointierung des Denkens der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule; eine „Studie zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft“, ursprünglich erschienen 1964, das für die 68er Generation wichtig wurde. Dort steht in der Vorrede an und für sich: „Gegenüber dem totalen Charakter der Errungenschaften der fortgeschrittenen Industriegesellschaft  gebricht es der kritischen Theorie an einer rationalen Grundlage zum Transzendieren dieser Gesellschaft. Dieses Vakuum entleert die theoretische Struktur selbst, weil die Kategorien einer kritischen Theorie der Gesellschaft während einer Periode entwickelt wurden, in der sich das Bedürfnis nach Weigerung und Subversion im Handeln wirksamer sozialer Kräfte verkörperte. Diese Kategorien waren wesentlich negative und oppositionelle Begriffe, welche die realen Widersprüche der europäischen Gesellschaft des neunzehnten Jahrhunderts bestimmten. Die Kategorie „Gesellschaft“ selbst drückte den akuten Konflikt zwischen der sozialen und politischen Sphäre aus – die Gesellschaft als antagonistisch gegenüber dem Staat. Entsprechend bezeichneten Begriffe wie „Individuum“, „Klasse“, „privat“, „Familie“ Sphären und Kräfte, die in die etablierten Verhältnisse noch nicht integriert waren – Sphären von Spannung und Widerspruch. Mit der zunehmenden Integration der Industriegesellschaft  verlieren diese Kategorien ihren kritischen Inhalt und tendieren dazu, deskriptive, trügerische oder operationelle Termini zu werden. Ein Versuch, die kritische Intention dieser Kategorien wiederzuerlangen und zu verstehen, wie diese Intention durch die gesellschaftliche Wirklichkeit entwertet wurde, erscheint von Anbeginn als Rückfall von einer mit der geschichtlichen Praxis verbundene Theorie in abstraktes, spekulatives Denken: von der Kritik der politischen Ökonomie zur Philosophie.“

Das Interessante ist nun aber, dass, entgegen dieser Einsicht, der gesamte „eindimensionale Mensch“ einen solchen Rückfall darstellt!  Das Dilemma: Man will also was Nonkonformistisches machen, man will in die Opposition gehen – und wenn das also erfolgreich ist, verschmilzt es mit dem Mainstream, und wird scheinbar kontaminiert oder korrumpiert (verändert aber eben auch gleichzeitig den Mainstream). Wenn sich irgendein Phantasma von der absoluten Reinheit nicht erfüllt, muss man daraus dann den Schluss ziehen, dass überhaupt alles Bestehende falsch ist? Diesen Gestus hat man aber eben in der Kritischen Theorie, und im „eindimensionalen Menschen“ vom Marcuse (oder auch im späteren „Empire“ von Negri und Hardt). Die westlichen Industriegesellschaften diesseits der Eisernen Vorhanges haben in der Nachkriegszeit ihre Probleme im Wesentlichen recht gut gelöst. Wenn man grundsätzlich gegen die westliche Industriegesellschaft oder gegen den Kapitalismus oder gegen die Demokratie ist, bleibt einem da nur mehr wenig anderes als die Ohnmacht und das Verharren in der Dimensionslosigkeit. „Zu dem Zeitpunkt, da die letzten Verbote verblassen, reden zahllose Intellektuelle nach wie vor über sie, als seien sie immer erdrückender. Oder sie ersetzen den Mythos des Verbots durch den Mythos einer allgegenwärtigen und allmächtigen „Herrschaft“ – eine neue mythische Übersetzung der mimetischen Strategien“, sagt Renè Girard; und „sehn doch viele von ihnen schon aus, als hätten sie immerfort nur Einen und denselben Gedanken, unfähig irgend einen andern zu denken“, sagt Schopenhauer über die „allermeisten Menschen“. Allein schon einmal deswegen mag es Leute mit bestimmten prononcierten Ansichten und politischen Anliegen immer nur in die eine Richtung treiben, gleichgültig, wie intensiv die entsprechenden realen Missstände praktisch noch vorhanden sind. (Natürlich mag sich aus dieser Dimensionslosigkeit, oder aber dimensionalen Undefiniertheit vieles Interessante ergeben, wie etliche schöne Blüten der (damaligen und permanenten) Protestkultur zeigen. Allerdings hat man in den Protestkulturen aller Art auch Biotope der Eigensinnigkeit, in denen das seltsame und unproduktive Denken (in der negativen Art) kultiviert wird. Wie Zizek einmal launisch bemerkt hat, ist es ja viel eher der Mainstream, der offen und freundlich und unvoreingenommen und aufnahmebereit erscheint, während die Oppositionellen griesgrämig, egozentrisch und höchst possessiv im Hinblick auf ihre (geringen) Besitztümer wirken (worauf Zizek übrigens in seiner bisweilen hellsichtigen und lehrreichen Fundamentalopposition gegen die heutige Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung eigentlich hinauswill, weiß ich ebenfalls nicht). „Die Schizos, die wahren wie die falschen, finde ich inzwischen dermaßen zum Kotzen, dass ich mich fröhlich zur Paranoia bekehre. Es lebe die Paranoia“, antwortet Gilles Deleuze einem strengen Kritiker (bereits im Jahre 1973, also nur ein Jahr nach dem Erscheinen des „Anti-Ödipus“).) Die Welt hat einen schizoiden und einen paranoiden Pol. Man muss sie beide so gut wie möglich begreifen. Interessant ist, wie im Fall von Marcuse die Schizo-Dynamik so weit getrieben wird, dass sie in Wirklichkeit, und von ihrer Grundlage her, als was Paranoides erscheint; als etwas sogar Totalitäres, als die Eindimensionalität selbst. Als ein eindimensionales Menschsein, dass seine Eindimensionalität in etwas anderes paranoid projiziert.

Marcuse konstatiert in der Vorrede zum „eindimensionalen Menschen“ also die „zunehmende Integration der Industriegesellschaft“, also die zunehmende politische, wirtschaftliche und soziale Integration ihrer Mitglieder „in die etablierten Verhältnisse“. Es ist richtig, dass durch Integration allgemein was verlorengehen kann, bestimmte Ursprünglichkeiten und mehr oder weniger gute Impulse, die sich aus ihnen ableiten könnten. Aber es scheint eher, oder häufiger, der Fall zu sein, dass die Integration das Richtige und Produktive ist. Marcuse löst nun aber die Dialektik dieser Integration immer nur in das Falsche auf, den gegebenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang nicht in etwas, das sich positiv verändert, sondern negativ in ein immer umfassenderes und rein manipulatives „Empire“ des Bösen, in die Verabsolutierung von (irrationaler und sachlich unbegründeter) „Herrschaft“. Schreibt er zum Beispiel: „Die abstoßende Verschmelzung von Ästhetik und Wirklichkeit widerlegt die Philosophien, die die „poetische“ Einbildung der wissenschaftlichen und empirischen Vernunft gleichsetzen. Der technische Fortschritt ist von einer zunehmenden Rationalisierung, ja Verwirklichung des Imaginären begleitet. Die Archetypen des Grauens wie der Freude, des Krieges wie des Friedens verlieren ihren katastrophischen Charakter. Ihr Erscheinen im täglichen Leben der Individuen ist nicht mehr das von irrationalen Kräften – ihre modernen Ersatzgötter sind Elemente technischer Herrschaft und ihr unterworfen.“ Oder (da natürlich auch die Sinnlichkeit nicht verschont bleiben darf): „Diese Gesellschaft verwandelt alles, was sie berührt, in eine potentielle Quelle von Fortschritt und Ausbeutung, von schwerer Arbeit und Befriedigung, von Freiheit und Unterdrückung. Die Sexualität bildet keine Ausnahme.“ Nun ja, man kann ja auch sagen: von Ausbeutung und Fortschritt, von Unterdrückung und Freiheit, und sozusagen die positiven, transzendenten Aspekte als die realeren, höherinstanzlichen begreifen. Vielleicht wäre das die eigentlichere Freiheit, der eigentlich – zwar nicht „kritische“, aber – schöpferische Akt. Über die zunehmende Verwirklichung des Imaginären (obwohl die eigentlich gar nichts Neues, sondern eher so alt wie die Welt ist) kann man sich freuen; man sehe sich einmal an, wie herrlich und schön sich diese Architektoniken in den Filmen von Antonioni ausmachen! Wenn Kritische Theoretiker von einer Verarmung der Wahrnehmung sprechen, und von einem verdinglichenden, verobjektivierenden, herrschaftlichen Blick, kann das ja vielleicht daran liegen, dass ihre eigene Wahrnehmung verarmt ist, und ihr eigener Blick verdinglichend und verobjektivierend (und herrschaftlich). Schau, noch einmal, wie schön die Architektoniken und Landschaften der fortgeschrittenen Industriegesellschaften sind (im Zusammenhang mit dem ich eben auch den „eindimensionalen Menschen“ gelesen habe)! Gut, sie haben auch was Beklemmendes, eine Weitläufigkeit, die ihrer selbst nicht sicher ist, Jeanne Moreau flaniert in La notte durch diese Landschaften, die scheinbar gleichermaßen Freiheiten servieren, wie von Unfreiheit und Machtlosigkeit. Aber diese stummen Architekturen sprechen nicht und wissen nicht (was auch ihren eigentümlichen Reiz ausmacht), uns häppchenweise Freiheiten zu servieren und dann wieder Sackgassen, das tut das Dasein selbst. Das ist die ontische Struktur. Gibt es ein tatsächliches Außerhalb? In einer Geschichte des „exzentrischen“ Science-Fiction-Autors R. A. Lafferty gelangt einer immer wieder von neuem an die Grenzen des Universums. Mit der Zeit stellt er fest, dass es in den entlegensten Winkeln des Universums überall etwa gleich aussieht. Die Wiedererkennbarkeit ist wohl auch notwendigerweise so, das „ganz andere“, von dem Eskapisten träumen, ist ja nicht notwendigerweise was Gutes, das Gegenteil von Ordnung ist Chaos, und im reinen Chaos und der reinen Mannigfaltigkeit kann es schwer Ordnung geben. Ja, das ist ein Problem. Aber es ist ein letztendlich unlösbares Problem. Man kann es so lösen, indem man die Landschaften bei Antonioni als etwas außergewöhnlich Schönes sieht. Das ist der geheime Kern der Kunst. „Das Unbehagen der modernen Zeit ist das Unbehagen jeder Zeit. Es fehlt den Menschen der Zugang zu ihrem Geist … Neunundneunzig Prozent der Menschen haben keinen Zugang zu ihrem Geist … Die Geschichte ist für mich ein schwarzes Loch. Was zählt, ist der GEIST. Der Rest ist Schnickschnack“, (so einer der größten Künstler, Beckett, im Gespräch mit Patrick Bowles, Nov. 1955). Natürlich sieht Marcuse auch in der Kunst und der Schriftstellerei einen ursprünglich „kritischen“ Kern (der in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft ebenfalls korrumpiert werde), eine Abarbeitung an der „Entfremdung“; ja, gut, aber diese Welt der Kunst ist doch viel tiefer, als der Tag von Marcuse gedacht wird, und reicht tief in die Aporien des Seins hinab. Kritische Theoretiker, die eine ursprüngliche und latent manifeste „Brüderlichkeit“ unter den Menschen angenommen haben, die leider nur von irgendwelchen ephemer herrschenden Verhältnissen korrumpiert werde, und die ganz leicht wiederhergestellt werden könne, wenn man nur diese Verhältnisse ändere, waren große/tiefsinnige Künstler eher selten – wenngleich sie vielleicht die einzigen sind, die dieses brüderliche Band unter den Menschen tatsächlich sehen und als Ideal begreifen (daran aber eben melancholisch verzweifeln, dass es eben ein Ideal bleibt). James Baldwin sagt: Die Poeten (damit gemeint sind Künstler generell) sind die einzigen, die die Wahrheit über uns wissen. Soldaten wissen sie nicht. Politiker wissen sie nicht. Priester wissen sie nicht. Gewerkschaftsführer wissen sie nicht. Nur die Poeten wissen sie. Viele (kritische) Intellektuelle scheinen sie bekanntlich auch nicht zu wissen, und auch nicht wissen zu wollen. Sie verharren in normativen Vorstellungen vom Menschen, und können und wollen von dort auch nicht weg (was vielleicht auch ganz gut ist, da normative Vorstellungen genauso ein Element, und ein Steuerelement, in der Realität sind, wie eben die „harte“ Realität). Gasdanow wundert sich auf seinen „Nächtlichen Wegen“ wie selten es sei, dass Menschen versuchen würden, tatsächlich andere Menschen, die aus tatsächlich anderen Milieus kämen, tatsächlich zu verstehen, wobei Intellektuelle da keine Ausnahme machen würden (nur die Schriftsteller wären eben anders, sonst wären sie ja auch keine Schriftsteller).

Die Kritische Theorie, wie linke und (geschlechter)emanzipatorische Befreiungsideologien leiden an dem Widerspruch, dass sie einerseits die individuelle Selbstermächtigung und Artikulierung der Subjektivität ihres jeweiligen Klientels begrüßen und fordern und fördern, andererseits aber ratlos sind, wenn sich dann was anderes artikuliert, als sie politisch im Sinn haben. (Wenn man so will, leiden sie an dem Widerspruch, dass sie einerseits Programm der individuellen Selbstermächtigung sind, aber auch der politischen; individuelle Selbstermächtigung bedeutet aber eben Freiraum von Politik und einen individuellen Rückzugsraum, wo man von der Politik auch gerne in Ruhe gelassen wird.) Nun, das lässt sich, aufgrund der doppelten (bzw. vielfältigen) Natur von Selbstermächtigung (mit ihren individuellen und politischen Implikationen) auch gar nicht ändern. Es ist eine Sache der Enge oder Weite der BefreiungsideologInnen, wie viel Spielraum sie da zulassen wollen, und es gibt solche, die da enger sind und solche, die da weiter sind. Allerdings haben Befreiungsideologien halt mal einen gewissen, mehr oder weniger absoluten, mehr oder weniger apodiktischen Anspruch, der, wenn es um die Wurst geht, schlagend werden kann, so dass sich die Freiheitsideologie realiter als Gulag-Ideologie erweist. Das Verstörende (das gegen die übermächtige Herrschaft von einzelnen schnell eine übermächtige Herrschaft des Kollektivs oder eben der Reinheitsideologie gesetzt wird) hat man in diversen Befreiungsideologien und Utopien ja überall. Eine letztendliche rechthaberische und machtverliebte Disposition kommt auch immer wieder zum Vorschein, wenn subjektive Äußerungen, die nicht ausfallen, wie es die Befreiungsideologie vorsieht, als irrelevant abgetan werden, oder als Ausdruck eines „falschen Bewusstseins“. Wenn die Leute, die Proletarier, die Unterdrückten, die Frauen, was tun, ist das aus der Sicht der Befreiungsideologen selten das Richtige. Das bedeutet aus ihrer Sicht dann: sie lassen sich manipulieren, und von ihren „wahren Interessen“ ablenken. Da sehen sie zum Beispiel fern (und lassen sich direkt wie auch indirekt manipulieren). Also sollen sie doch aufhören, fernzusehen und sich ablenken zu lassen, und stattdessen „innehalten“ und „nachdenken“ (und, am Besten, „das System infrage stellen“). Die Penetranz, mit der Kritische Theoretiker und Befreiungsideologen immer wieder einfordern, die anderen sollten doch mal „innehalten“ und „nachdenken“ ist ein Hinweis darauf, dass sie es eben von sich selbst nicht kennen, das mit dem Innehalten und dem Nachdenken und dem kritischen Hinterfragen, und dass die gedankenlose Übernahme von Gedankengut, das einem Realitätscheck gar nicht wirklich gewachsen ist, die sie also bei den anderen vermuten, halt mal der Rahmen ist, durch den sie selbst in die Welt blicken.

Natürlich besteht dann aber die Möglichkeit, Realitäten überhaupt gleich „kritisch“ wegzudenken und zu entsubstanzialisieren: „Wenn wir auf der Tiefe und Wirksamkeit dieser Kontrolle bestehen, setzen wir uns dem Einwand aus, dass wir die prägende Macht der „Massenmedien“ sehr überschätzen und dass die Menschen ganz von selbst Bedürfnisse verspüren und befriedigen würden, die ihnen jetzt aufgenötigt werden. Der Einwand greift fehl. Die Präformierung beginnt nicht mit der Massenproduktion von Rundfunk und Fernsehen und mit der Zentralisierung ihrer Kontrolle. Die Menschen treten in dieses Stadium als langjährig präparierte Empfänger ein….“ Unter kritischen Theoretikern und Linken ist der Habitus stark verbreitet, handfeste Realitäten (weniger kritisch zu hinterfragen als) zu delegitimieren, wonach sie (tatsächlich oder angeblich) einfach nur (von einer bösartigen Instanz) „gemacht“ seien, wodurch sie die Konfrontation mit unliebsamen Realitäten ideell einfach beliebig hinausschieben kann, und den Fehler einfach immer nur beim anderen verorten, aber niemals bei sich selbst. Marxisten behaupten (zumindest indirekt), dass das „wahre Wesen“ des Menschen der „bessere sozialistische Mensch“ sei, wie auch, dass es ein „wahres Wesen“ des Menschen gar nicht gibt, da dieser einfach die Summe der gesellschaftlichen Verhältnisse sei. Das ist jeweils in etwa gegenteilig (und außerdem ist beides falsch), was sie aber in der Praxis kaum daran hindert, mal so, mal so zu argumentieren (genauso wie Feministinnen gerne mal genderdekonstruktivistisch, mal biologistisch/essentialistisch argumentieren, je nachdem, wie es die Frauen in der momentanen Situation besser dastehen lässt). Die marxistisch geprägte „wissenschaftlich sozialistische“ Linke klopft sich gerne auf die Brust, (dialektisch) „materialistisch“ zu denken („denken“), und nicht „idealistisch“. (Dialektisch) „materialistisch“ müsse man denken, nicht „idealistisch“ etc., lautet die Devise! Mit ihrer gleichzeitigen Fixierung darauf, dass vorgefundene soziale, wirtschaftliche, politische oder Geschlechterverhältnisse (sofern sie ihnen nicht in den Kram passen) „nichts Naturgegebenes“, sondern (nichts als) „sozial konstruiert“ seien, glaubt sie dann aber wieder, ganz reale Faktizitäten, die (gleichsam) materiell vorhanden und in der Wirklichkeit verankert sind, idealistisch in Luft auflösen zu können. Ihren Fluchtpunkt errichtet sie in einem reinen Imaginarium wie dem Kommunismus, dem „Reich der absoluten Freiheit“, einem „Reich Gottes“ oder einem Dritten Reich, dessen Überlegenheit gegenüber den bestehenden Verhältnissen gar nicht bewiesen ist, das gar nicht theoretisch ausformuliert ist, und das auch gar nicht theoretisch ausformuliert werden kann: Aufgrund der Verschiedenartigkeit der Menschen gibt es keinen Kommunismus und kein Reich der Freiheit oder ein herrliches Reich, in dem alle Konflikte abgeschafft sind. Es gibt die liberale Demokratie und die soziale Marktwirtschaft, die das bislang Beste sind, was der Menschheit passiert ist – eben die „fortgeschrittene Industriegesellschaft“, gegen die Marcuse sich in einer totalisierenden Geste wendet. Was bestimmte, radikale Teile der „kritischen Linken“ wollen, ist diese Gesellschaft durch etwas zu ersetzen, das offensichtlich schlechter ist, als das „System“, gegen das sie sich wenden, was sie aber in ihrem revolutionären Elan gar nicht wahrnehmen oder eben kritisch hinterfragen wollen. Im schlimmsten, allerdings durchaus herkömmlichen Fall führt das dann dazu, dass die materialistischen Idealisten nie intellektuell und moralisch die Verantwortung übernehmen wollen, wenn sich ihre Realsozialismen in der Realität als was durchaus nicht so Positives erweisen, wie sie es sich – in ihrer Gedankenlosigkeit – erwartet hätten. Dann ist nicht die Idee (des Sozialismus) falsch, sondern halt leider, unglücklicherweise (immer wieder) nur die Umsetzung.

Marcuse nennt die Mitglieder der fortgeschrittenen Industriegesellschaft „Sklaven“, wobei (meines Wissens) weder Marx noch Engels bei der Beschreibung der gesellschaftlichen Verhältnisse hundert Jahre zuvor solche Begrifflichkeiten in Anspruch genommen haben (die nicht einmal auf die damalige Feudalgesellschaft in Russland korrekt angewendet werden könnten). Allegorien oder Metaphern (oder auch ganz buchstäblich gemeinte Bezeichnungen) kann man anwenden, um gewisse Symptome hervorzuheben und schärfer zu bezeichnen, genauso gut kann man damit aber auch daneben greifen bzw. aus der Fokussierung auf einen bestimmten Gegenstand den Gesamtzusammenhang, in den er eingelassen ist, verkennen (ein allgemeines Charakteristikum und Problem ideologischer und tendenziöser Sichtweisen: einerseits erkennen diese bestimmte Probleme schärfer und hellsichtiger, andererseits ignorieren sie andere oder aber größere Zusammenhänge, die nicht unmittelbar auf ihrem Radar erscheinen). Oder aber die Verwendung solcher Bezeichnungen ist überhaupt falsch – oder verlogen. Und wenn man die Mitglieder der fortgeschrittenen Industriegesellschaft als Sklaven bezeichnet, so ist das eben falsch, oder verlogen. Übertriebene, utopische, transzendente Freiheits/Befreiungsideologien sind, an und für sich, inhärent verlogen. Im „eindimensionalen Menschen“ hat man Ausführungen zur „Rationalisierung“ der Sprache in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, von wegen, wie Begriffe ihrer Konnotationen beraubt werden, beschönigende, verharmlosende, ästhetisierende Begriffe verwendet werden, u. dergl. mehr (allerdings übrigens in keiner Weise aus feministischer Sicht oder im Hinblick auf gegenderte Sprache). Wenn man jetzt einmal unvoreingenommen an Diskurse wie den über den eindimensionalen Menschen aus kritischer Sicht herangeht, wird man glauben, feststellen zu können, dass man eine derartige Totalisierung und Hermetisierung, ideologische Versiegelung der Sprache und der Begrifflichkeiten in erster Linie in den Werken der Kritischen Theorie selbst hat. Dahinter steckt ein totalisierender, versklavender Geist, der sich sozusagen an seiner eigenen Neurose abarbeitet und sein eigenes Spiegelbild auf Verhältnisse wirft und projiziert. Die Wahrnehmung der Ontologie ist mehr oder weniger durch die jeweilige Epistemologie bestimmt, und die beklemmende Enge und Aussichtslosigkeit, die die Kritische Theorie überall und in allem, was mit der „fortgeschrittenen Industriegesellschaft“ zu tun haben will, erblickt, erscheint so (irgendwie) als Emanation der eigenen beklemmenden Enge und Unfreiheit. Was, wenn Marcuse et al wilde Angriffe gegen die fortgeschrittene Industriegesellschaft reiten, die dann aber nur sagt: „Du gleichst dem Geist, den du begreifst; nicht mir“?

Als ein weiteres Beispiel dafür, wie man etwas, das eigentlich nur als Redensart Gültigkeit beanspruchen kann, trotzdem ungeniert als wissenschaftliches begriffliches Instrumentarium gebraucht, bezeichnet Marcuse die fortgeschrittene Industriegesellschaft gerne als „irrational“. Aber an welchem Maßstab könnte man die Rationalität oder Irrationalität einer Gesellschaft messen (wenn man sich nicht in ein idealistisches, unverifizierbares „Außerhalb“ schmeißen will, das eben kein wirklicher Maßstab sein kann)? Man kann vielleicht sagen, das Ziel einer Gesellschaft sei, sich zu reproduzieren; qualitativ gesehen, sich jeweils auf einem höheren Level zu reproduzieren. Das Ziel einer Gesellschaft sei, dass Positivsummenspiele gespielt werden, dass Win-Win-Situationen entstehen und gefördert werden. Tatsächlich gibt es viele Gesellschaften, in denen das weitreichend nicht der Fall ist; korrupte Gesellschaften, in denen kein kollektives Verantwortungsgefühl herrscht, Laxheit gepaart mit Selbstüberschätzung, ein Misstrauen gegenüber dem Staat und ein betrügerischer Staat, gegenüber dem ein solches Misstrauen sogar gerechtfertigt ist; im schlechtesten Fall Gesellschaften, in denen die Mentalität verbreitet ist, den anderen übers Ohr zu hauen (was dann in eine gesamtgesellschaftliche Lose-Lose-Situation führt). Die fortgeschrittenen Industriegesellschaften sind aber solche Gesellschaften, in denen diese Charakteristika vergleichsweise wenig ausgeprägt sind (falls man jetzt Umweltzerstörung hernimmt, sei dazu gesagt, dass die Verantwortungslosigkeit gegenüber der Umwelt in Ländern, die nicht den fortgeschrittenen Industriegesellschaften angehören, oftmals noch viel sensationeller ist, in einigen Fällen, wie z.B. in der Sowjetunion oder in Rotchina unter Mao im Zusammenhang mit der sozialistischen Industrialisierungs- und Fortschrittsideologie sogar regelrecht psychopathische Züge angenommen hat). Eine Gesellschaft ist gut und rational, wenn sie dem Individuum viele Freiheiten ermöglicht, gleichzeitig die freien Individuen ein hohes Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem gesellschaftlichen Ganzen aufweisen (wenn also die Tugenden und die guten Eigenschaften von Gesellschaften mit individualistischer und solcher mit kollektivistischer Ausrichtung zusammengeführt werden, und deren jeweilige Negativa dadurch kompensiert werden). Wie mir scheint, ist das in der Schweiz am Idealtypischsten der Fall. Allgemein: Wenn man sich dafür interessiert, wie eine Gesellschaft im Rahmen ihrer Möglichkeiten am besten ihre Probleme lösen kann, ist es vielleicht am Hilfreichsten, wenn man mehr die Schweiz studiert und weniger (kritische oder auch andere) Theorien. Wenn das theoretisch hochtrabende „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ dann in der Praxis auf ein „sie tun so als würden sie uns bezahlen, wir tun so, also würden wir arbeiten“ hinausläuft, ist das eine Lose-Lose-Situation.

„Ich habe das Düstere übertrieben, der Maxime folgend, dass heute überhaupt nur Übertreibung das Medium der Wahrheit sei. Missverstehen Sie meine fragmentarischen und vielfach rhapsodischen Anmerkungen nicht als Spengelerei: die macht selbst mit dem Unheil gemeinsame Sache (…) vieles spricht dafür, dass die Demokratie, samt allem, was mit ihr gesetzt ist, die Menschen tiefer ergreift als in der Weimarer Zeit. Indem ich das nicht so Offenbare hervorhob, habe ich vernachlässigt, was doch Besonnenheit mitdenken muss: dass innerhalb der deutschen Demokratie nach 1945 bis heute das materielle Leben der Gesellschaft sich reicher reproduzierte als seit Menschengedenken, und das ist dann auch sozialpsychologisch relevant. Die Behauptung, es stünde nicht schlecht um die deutsche Demokratie und damit um die wirkliche Aufarbeitung der Vergangenheit, wenn ihr nur Zeit genug und vieles andere bleibt, wäre sicherlich nicht allzu optimistisch…“, gesteht Adorno 1959 am Ende einiger seiner üblichen, düsteren Ausführungen ein. Ja also: die Festigung der Demokratie und der liberalen Gesellschaft hat man also der fortgeschrittenen Industriegesellschaft zu verdanken! Dass die Leute nicht in irgendwelche Extremismen verfallen, hat man der Konsumgesellschaft zu verdanken! Etc. Adorno ist also skeptisch, inwieweit die kritische Position die richtige sein kann. Das ist gut. Hauptaufgabe und Habitus eines Intellektuellen sei doch eigentlich, dass er skeptisch ist, nachdenklich und vorsichtig; nicht notwendigerweise kritisch (was in der Praxis dann oft bedeutet: vorsätzlich polemisch). Von unendlichem Tiefsinn sei der Intellektuelle, optimalerweise! Im unendlichen Tiefsinn liegt das intellektuelle (und spirituelle) Optimum! Natürlich hat der unendliche Tiefsinn aber auch was (scheinbar) Unbewegliches. Daher ist es auch gut, ja, notwendig, wenn es weniger tiefsinnige, also eben kritische – Intellektuelle gibt, die sich an den Sachen stoßen, während wir unendlich Tiefsinnigen uns an allem stoßen und an nichts, indem wir die Sachen transzendieren. Das ist eine gute, notwendige intellektuelle Arbeitsteilung. Das, was hier unternommen wird, ist eine kritische Kritik an der Kritischen Theorie, die vor den Reaktionären zwar beschützt gehört, nicht aber vor sich selbst. Ich will nur nicht, dass die Kritische Theorie (oder irgendjemand sonst) allzu stolz wird und apodiktisch. – Am Schluss vom „eindimensionalen Menschen“ steht: „Die kritische Theorie der Gesellschaft besitzt keine Begriffe, die die Kluft zwischen dem Gegenwärtigen und seiner Zukunft überbrücken könnten; indem sie nichts verspricht und keinen Erfolg zeigt, bleibt sie negativ. Damit will sie jenen die Treue halten, die ohne Hoffnung ihr Leben der Großen Weigerung hingegeben haben und hingeben. Zu Beginn der faschistischen Ära schrieb Walter Benjamin: Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns die Hoffnung gegeben. Die „Hoffnungslosen“ sind aber keine einheitliche Kategorie. Sie erregen das Mitgefühl, sie sind die Ersten, denen man helfen sollte. Was aber eben, wenn sie das nicht wollen, wenn ihre Hingabe an die Große Weigerung kein schöner lebensästhetischer Ausdruck oder ein produktiver Nonkonformismus ist, sondern ein moralisches Mäntelchen für einen beklemmenden Fundamentalismus, der eigentlich gar nichts wirklich will, als sich immer nur in der Opferrolle zu sehen, und, vor allem, der deswegen gegen (eine als quasi totalitär angenommene) bestehende Herrschaft und Macht ist, weil er selbst nicht an der Macht ist, der deswegen gegen (eine als quasi totalitär angenommene) bestehende Herrschaft und Macht sich positioniert und gegen sie polemisiert, weil er in seinem eigenen neurotischen Machtstreben sich frustriert fühlt (und der darin auch die anderen Charakeristika von Machtmenschen aufweist: Neid, Paranoia, ständiges Misstrauen, der Wunsch, sich zum großen Helden zu stilisieren etc.)? Wenn also der Hoffnungslose, den man gerne an die Brust nehmen will, der Ressentiment-Mensch ist? Die Hilflosen und Schwachen erregen, wie gesagt, das Mitgefühl; die Starken sollten den Schwachen mehr helfen – man sollte aber nicht vergessen, dass die Schwachen noch viel gefährlicher werden können als die „Starken“, wenn sie in eine Position falscher Stärke kommen. Marcuse formuliert zwar keinen Machtkomplex, sondern einen Freiheitskomplex. Ständig will er mehr Freiheit, in allem aber, was in der Welt passiert, sieht er perfide und totale Unfreiheit, die sich allein verwirkliche und triumphiere. So hat man den Eindruck, dass hinter dem schrankenlosen, gar nicht mehr spezifischem Freiheitsstreben, das bei Marcuse zum Ausdruck kommt, eine fundamentale mentale Unfreiheit und Unbeweglichkeit steht. Und dass Freiheit (bisweilen durchaus enge) Grenzen hat, der Gestus und der Wunsch nach einer „totalen“ Freiheit auf etwas hinzielt, was gar nicht existiert, Herrschaftzeiten, das weiß doch, ganz grundsätzlich, jeder Depp! Wenn akademische Intellektuelle sich immer wieder, zumindest heimlich, eingedenk sind, dass sie von saufenden Stammtischgenossen durchaus unter den Tisch geredet werden können, hat das seinen Grund darin, dass sie in ihrer intellektuellen und moralischen Weltflucht entscheidende Sachen vergessen.

Aber ach, scheiß drauf, die Kritische Theorie, die Frankfurter Schule, die Hippies, die Studentenproteste, die Verweigerungshaltung, der Nonkonformismus, sind natürlich gut! Wenn es in der Realität nicht auch das Element „Kritische Theorie“ geben würde, wäre sie eine schön blödsinnige und stumpfsinnige Realität. Ihr Gestus ist es, Öffnung anzuzeigen, Hoffnung, Mut zur Selbstermächtigung, sie steht in der Tradition der Aufklärung und des Humanismus, und stellt, in ihrer konkreten Form, zumindest für die Vergangenheit, eine brauchbare Ideologie und ein gesellschaftliches Selbstverständnis dar. Wenn man das glaubt, runtertun zu können, soll man erst mal was Vergleichbares auf die Beine stellen! Jetzt ist die Kritische Theorie eine einigermaßen politische Philosophie, aber Politik ist eine Domäne, wo die meisten Karrieren im Versagen enden und wo ständig unvorhergesehene Dinge passieren. Ich nehme, trotz meiner gewaltigen geistigen Fähigkeiten und meiner großen Lauterkeit, nicht notwendigerweise an, ein besserer POTUS sein zu können als Trump, dessen historisch positive Bilanz es eventuell sein könnte, dass er die größte Gefahr für unsere Zeit – China – richtig erkannt und bekämpft und besiegt hat, während wir Liberalen uns irgendwelchen Illusionen hingegeben haben und uns auf irgendwas Unwichtiges fokussiert haben. Politik, und Versuche, den Weltenlauf zu beeinflussen, sind überhaupt etwas ziemlich seltsames (das gilt freilich nicht für Lokalpolitik, die ja auch nicht versucht, den Weltenlauf zu beeinflussen; aber zur Lokalpolitik kann man sich übergeordnet intellektuell kaum äußern). Ich werde mich vor der Politik eher hüten. Ich bin auch nicht unbedingt ein politischer Denker. Ich weiß auch nicht so genau, inwieweit ich ein gesellschaftlicher Denker bin (aber das muss ich ja auch nicht, denn als Schriftsteller bin ich ja auch der Einzige, der die Gesellschaft und die Menschen letztendlich tatsächlich versteht). Laut Burkhardt stehen die Menschen den geschichtlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen, in die sie geworfen sind, ohnmächtig gegenüber, und erleben ihre Herrschaft als erdrückend. Vielleicht tun sie das, vielleicht tun sie das auch nicht. Vielleicht sind sie das, vielleicht sind sie das auch nicht, und die Macht der gesellschaftlichen Verhältnisse ist auch zu einem gewissen Grad Einbildung, der man auch mit mehr Gelassenheit gegenübertreten kann. Auf mich selber üben die Gesellschaft und ihre (angeblichen) Normierungen praktisch keine Macht aus; ich bin kein Wesen der Gesellschaft, insofern kann ich vielleicht sehr viel und sehr wenig zur Gesellschaft überhaupt sagen. Ich sehe die Gesellschaft auch gar nicht wirklich, ich sehe nur (ha! „nur“!) die Unendlichkeit, inklusive der Fallen, die sie bereithält. Die Vorkommnisse in der Welt nehme ich als Farben- und Formenspiel wahr, als Statiken und Dynamiken, von denen ich nicht einmal genau sagen kann, ob sie besonders gescheit oder ziemlich blöd sind. Wenn jetzt ein Vulkan ausbricht hat man da auch Asche, Schwefel, Lärm, Eruption, Lava, die rauf spritzt und die vor sich hin mäandert: und man kann auch nicht sagen, ob das besonders gescheit oder ziemlich blöd ist; es ist ein Naturphänomen. Ein anderes Referenzsystem, ein anderer Bezirk des Seins. Und Politik ist für mich auch so was wie ein Vulkanausbruch, einfach ein ganz anderer Teil der Welt, mit dem man auch nicht wirklich kommunizieren kann (und von dem man besser, beobachtend, Abstand nimmt). Ich verstehe (ha! „verstehe“!) meine Position. Ich bin ein absoluter Sonderfall. Aber gleichzeitig bin ich auch äußerst universal, und keineswegs „exzentrisch“. Ich frage mich, ob ich alles zur Gesellschaft sagen kann, oder nichts. Ich frage mich, ob ich unzählige sinnvolle Beiträge leisten kann, oder keinen einzigen. Ob mein Geist, ob das Einheits-Bewusstsein, das alles begreift, was Gutes ist, oder was Sinnloses. Naja. Wahrscheinlich liegt der Effekt irgendwo in der Mitte. Und überhaupt. Meine Strategie scheint es eher zu sein, und meine Aussage scheint es eher zu sein, dass man sich über die Kritische Theorie der Frankfurter Schule, und über alle Theorien aller Schulen, bei genauer Kenntnis derselben, einfach so weit überheben soll, dass alle diese zu Elementen auf einem gigantischen Monitor werden, in die man sich beliebig rein- und rauszoomen kann; und dass man die Politik – also (laut Hannah Arendt) das Management der Vielheit und Diversität unter den Menschen – einigermaßen überwinden soll, indem man selbst zu einer gigantischen Vielheit und Diversität wird (und das Ego als der zentrale politische Akteur also abfällt). Einfach, dass man die menschlichen Verhältnisse insgesamt überwindet, während man zu selbst zu einem Punkt am Monitor verschwindet, der allerdings die komplette Information über das Ganze enthält. Oh ja, ich finde, so sollte man das machen! Und so wird es geschehen. – Es soll doch jeder machen, was er am besten kann, und was ich am besten kann, ist eben das mit der Allwissenheit. Das ist, soweit ich sehen kann, sogar mein Alleinstellungsmerkmal. Also sollte ich das weiter vertiefen. Vielleicht stiftet es ja sogar noch mal irgend einen Nutzen.

8. – 14. März 2020

(Anm.: Dieser sehr nichtlinear verfasste Text hat stilistisch vielleicht was Furchtbares. Aber es würde mich interessieren, wie man das noch viel weiter treiben könnte. Auch ist dieser Text ziemlich fahrig. Aber wie soll der korrekte und eindeutige Kommentar zur Frankfurter Schule anders sein als fahrig?)

The Wisdom of Motörhead

Lemmy from Motörhead was a bearer of huge charisma, a god for heavy metal fans. Charisma (as well as godliness) is mysterious and difficult to explain, even more so in the case of Lemmy; probably due to his unique mixture of a straightforward and „what you see is what you get“ person and the complexities of his irony and his wit and his many characteristics in general. How would you define him in a single line? To refer to him as a force of nature somehow neglects his distinct humanness, to speak of him of an iconic figure also does not seem to excactly get it neither, as he was too much alive to resemble something rather static. To speak of his distinct humanness, singularity and sharp personality does not pay tribute to the complexities within his personality and the softness associated with the easiness and naturalness he was able to handle them. A simple man of humble origins (that would not even qualify him as a working class hero) he nevertheless carried too many facettes and too much wit to be possible to catch, in his sharp autonomousness also an elusiveness; if you tried to nail him down, he would already be somewhere else and, likely, make you look stupid. Heavily participating in the vibrancy of life, he never seemed to get suprised, perplexed or overwhelmed by the occasional complexities and abysses of the life game, much rather, he remained above, even aloof of them. In his amalgam of a counterintuitive charm and a mild sarcasm, he remained untouchable, and undefeatable. Although he impersonated the angry man, Ute, his promotor for many years, says she had never seen him getting angry with anyone; despite his signature feature being the extended middle finger, he also never became impolite with anyone (although he likely had to deal with a lot of unpleasant stuff throughout his life and career), rather, he would walk away. Despite of his heavy consumption of cigarettes, drugs, alcohol and his excessive way of life in general, there were – over a period of many decades – no grave incidents, near-death experiences or need for rehab as he obviously always remained in control over these passions, a user but not actually an abuser of drugs and booze; despite of his sex, drugs and rock n´ roll lifestyle he never produced any scandals. Never mind his unfortunate appearance and usually displaying a (mildly) sarcastic outlook on the great theme of romance (and sometimes also on women) in his songs he was a major womanizer who had become romantically involved with more than a thousand women in his life, because women loved him. A party animal and obvious great extrovert, people close to him described him as personally rather being an introvert and a lone wolf guy who does not need many friends but is self-sufficient (his bandmates nevertheless referred to him as a great friend and a father-like (or at least paternal) figure). Despite being the essential promotor of loudness, during long trips on the tour bus he would remain quiet and a reader of books, interrupting the tranquility only occasionally, for instance when they passed through a region where battles of wars from the past had happend; then he would explain the incidents in great detail. Apart from his passion for war and military history, he was an educated and interested man in general. Slash sums Lemmy up in his own words: “There’s so many guys out there that think you have to, you know, wear your leather jacket and be the tough guy, be rude and a fucking slob and break shit, to be rock’n’roll. And Lemmy dispelled all that because he was a perfect fucking gentleman. Very considerate and polite to everybody around him, and yet he was as hard-core a fucking rock’n’roller as you’re ever going to find … He’s a complete bad-ass yet always thoughtful. We need more people like this!” 

Motörhead´s signature song is Ace of Spades. Therein, it says, it opens:

If you like to gamble, I tell you I´m your man

You win some, lose some, it´s all the same to me

Ace of Spades has been interpreted as being about the „game called life“ (although Lemmy has dismissed such thoughtful interpretations, insisting that it was merely inspired by his passion for gambling). Irrespective of that, it says something about the most central aspects of life: diving into it, and taking its vicissitudes lightly – to a point where they do not even matter or become experienced as such. Way too often, if you lose some on the life game, anger, frustration, trauma and revengefulness set in, may even hollow out the personality and become a life theme for the respective individual. If you win some, instead, other vices may come out („If you want to find out what a man is to the bottom, give him power“, as it says). Maybe this is so because ego and vanity play a big, all too decisive role in ordinary human psychology. Therefore the Buddha teaches us to leave the ego behind. Motörhead seem to always have known –

I don´t share your greed,

The only card I need

Is the Ace of Spades,

The Ace of Spades

LaRochefoucauld says, the surest sign of nobility of character is the innate absence of envy (or, also, if you may, greed, that is the same egoic passion in another disguise). Lemmy does not share envy nor greed nor egoic passions and is not interested, his only passion and the only thing he is interested in is the Ace of Spades, that is to say the Joker of the life game, the magic jewel that is able to represent the essence or signficance of any other card.

You know I´m born to lose,

And gambling is for fools;

But that´s the way I like it, baby,

I don´t wanna live forever

…. And don´t forget the Joker!

Gee, I think that´s the way it should be done.

What added to the enigmatic charisma of Lemmy and his larger-than-life persona was that his psychological and intellectual indestructibility seemed to have been gladly accompanied by physiological indestructibility. Even more than Keith Richards he seemed to epithomise physical immortality regardless of a very unhealthy lifestyle. I wanted to see Motörhead in 2013; yet just on that day the cancellation of the show had to be announced, due to health issues of Lemmy Kilmister. Although he recovered and continued to play a lot, his fragility had become visible and that day initiated the final act of the comedy that came to an end more hastily than anticipated. Although he had been investigated and treated medically in various ways, it did not become obvious that he suffered from cancer that was, then, already in its very final stage. When he got informed about the vast progression of his cancer and that he would only have some weeks left to live, he reportedly reacated with the reaction of a true man: with an outburst of anger. He died two days later, reportedly while playing a computer game. Some weeks after that, in February 2016, Motörhead were expected to come to Vienna, with Saxon and Girlschool as support. I wanted to see them then. Again, it could not happen. The day he died, shortly after his 70th birthday, was a sad day all over social media. Years before, he had said in an interview: „I´m gonna play until I´m seventy. Then I will drop dead from the stage!“

„The most important thing in life? A sense of humour. Lose it, and you´re done. You might as well take a bullet in the head.“ Kierkegaard said somehow the same; that the only attitude that might triumph over the necessary vicissitudes of finiteness, is humour. And Kierkegaard was praised as „by far the most profound philospher of the 19th century“ by Wittgenstein (himself by far the most profound philosopher of the 20th century). Kierkegaard (as well as Wittgenstein) was exalted as well as depressed about life. Lemmy was beyond that. My extremely careful study about Kierkegaard I ended with the expression that Lemmy was God, and Kierkegaard was his prophet (if you think that I´m stupid or employ stupid jokes all the time, take into consideration that I´m by far the most profound philosopher of the 21st century. Thus spake Zarathustra). The only time I´m easy is when I am killed by death.

Else Lasker-Schüler und Sappho

„Ich kann ihre Gedichte nicht leiden, ich fühle bei ihnen nichts als Langweile über ihre Leere und Widerwillen wegen des künstlichen Aufwandes. Auch ihre Prosa ist mir lästig aus den gleichen Gründen, es arbeitet darin das wahllos zuckende Gehirn einer sich überspannenden Grossstädterin. Aber vielleicht irre ich da gründlich, es gibt viele, die sie lieben, Werfel z. B. spricht von ihr nur mit Begeisterung. Ja, es geht ihr schlecht, ihr zweiter Mann hat sie verlassen, soviel ich weiss, auch bei uns sammelt man für sie; ich habe 5 K hergeben müssen, ohne das geringste Mitgefühl für sie zu haben; ich weiss den eigentlichen Grund nicht, aber ich stelle mir sie immer nur als eine Säuferin vor, die sich in der Nacht durch die Kaffeehäuser schleppt.“ So schreibt Franz Kafka an Felice Bauer über Else Lasker-Schüler. Ich bin, wie Kafka oder Beckett, überhaupt nicht gerne kritisch, da sich in der Kritik etwas Herabsetzendes und möglicherweise was Ungerechtes verbirgt. Aber ich kann mir leider nicht helfen, auch nach einer mehrmaligen Lektüre der Liebeslyrik von der Lasker-Schüler ganz ähnlich zu empfinden! Man hat da keine intensiven Bilder (ja, eigentlich überhaupt keine Bilder – allerdings den offenbar ausgeprägten Willen (irrationale, intensive, eben poetische) Bilder zu schaffen); trotz einer gewissen Enge der Motive und Symbolismen nichts Kompaktes, aufgrund auch der Sprunghaftigkeit innerhalb auch der einzelnen, eher kurzen Gedichte – Sprunghaftigkeit und Assoziation, die normalerweise für die gute Öffnung sorgen (des Geistes, des Auges, des Herzens, der Imagination), hier aber nur von einer Verlassenheit in die andere führen; genau gesagt: man spürt in diesen Liebesgedichten irgendwie nichts von einer Liebe; was man vor sich hat, scheint Wortklauberei. Das oftmalige Problem des Expressionismus, dass er eigentlich nur expressiv ist, und sonst nichts (also Ausdruck ohne Inhalt). Nur Narr! Nur Dichter! – Ich geniere mich! Anders als praktisch alle anderen, die gerne kritisch sind und so gern autoritative Urteile fällen im Sinne von einer letztinstanzlichen Beurteilung – aufgrund ihres beschränkten Verstandes und ihrer beschränkten Aufnahmefähigkeit einerseits und ihrer vermaledeiten Eitelkeit andererseits, die dann aus der Not des beschränkten Verständnisses eben auch noch eine Tugend machen will, indem sie ihre beschränkten Verständnisse als letztinstanzlich zementieren will – anders also als das, liebe ich es weder, letztinstanzliche Urteile (noch überhaupt Urteile) zu fällen, und auch nicht, kritisch zu sein. Es befällt mich so große Scham, dass ich mich am liebsten unter dem Bett verkriechen würde, dass meine Anschauungen von der Lyrik der Else Lasker-Schüler so ungünstig ausfallen; vielleicht irre ich mich, ja, ich hoffe sogar, ich irre mich! Kafka räumt ja auch die Möglichkeit ein, dass er sich irren könnte. Klar, wenn sich Kafka nicht fragen würde, ob er sich nicht gründlich irre, wäre er – in seinem gesunden wie in seinem kranken Sinne – nicht Kafka; aber eben weil er Kafka ist, und nicht Werfel und all die anderen, ist seine Auffassung eben vertrauenswürdiger, da Kafka nicht, wie Werfel und Literaten im Allgemeinen, ein Handwerker war, sondern, wie Beckett oder van Gogh oder Pessoa, die Urphänomene gesehen hat. Kafka oder Beckett oder van Gogh wussten auch viel besser, was Liebe ist, so haben sie auch wenig Worte darüber verloren. Das Urteil von Kafka hat Gewicht. Wenn ich mich an die Kafka-Biographien recht erinnere, hat die Lasker-Schüler einmal ihrerseits ein Porträt von den Literaten im Kaffeehaus gezeichnet: Und Kafka war als einziger mit einer Art Heiligenschein versehen! Ach Else, arme, ewig wandernde Jüdin, mit deiner Sehnsucht nach dem neuen Jerusalem! Kann es nicht doch eine Verbindung zwischen uns geben? Ich war ja auch lange eine Säuferin, die sich in der Nacht durch die Kaffeehäuser schleppt. Mein Geist war dabei aber vollkommen klar und weich wie Diamant. Deswegen ist es gut, dass es ein Sozialsystem gibt, da ich ansonsten schon längst verendet wäre oder von Almosen leben müsste. Ob Literatenzirkel mir 5 K geben würden, weiß ich nicht, da ich keinen angehöre, sondern ein Einzelgänger bin, wie Kafka. Im Elysium werde ich die Else Lasker-Schüler wiedersehen, falls sie dort ist; vielleicht, wahrscheinlich, werde ich mir dann ein genaueres Bild von ihr machen können. Allein von jemandes sprachlichen Ausdruck her ist das nämlich nicht zielführend. Man sollte davon Abstand halten.

Die Feministinnen schreien immer wieder laut auf, wie unterdrückt die Frauen seien und wie schmachvoll verkannt ihre künstlerischen Großtaten. Das ist zwar immer wieder Fall (im Übrigen auch bei Männern), es ist immer wieder aber auch nicht der Fall (zumindest eher nicht dann, wenn eine echte künstlerische Großtat vorliegt). Auch wenn ihr Werk größtenteils verlorengegangen ist, wandert die Sappho durch die Zeiten. Im alten, misogynen Griechenland war sie beliebt, der alte Weiberfeind Platon hat sie als „zehnte Muse“ bezeichnet. Eine mystische Figur, und eine Muse, ist sie bis heute geblieben. Die Lyrik der Sappho ist das erste Beispiel, wo ein literarisches Ich eingeführt wird, das von seinen Gefühlen, Wahrnehmungen, inneren Regungen etc. spricht (wie Frauen das halt tun). Das in einer ungekünstelten Sprache, so dass ihre Poesie den „Charme der absoluten Natürlichkeit“ hat (wie Frauen das halt mal idealerweise haben). Ein unvollkommenes Bild kann man sich davon leider nur machen, wenn man es nicht im Original versteht; außerdem war die Lyrik der damaligen Zeit dafür bestimmt, vorgesungen zu werden, wie Frauen das halt tun, daher fehlt uns diese, möglicherweise wichtige Dimension. Die Dichtung der Sappho habe ich anfänglich auch nicht so gut gefunden, mangelnd an Substanz und an starken, greifbaren Eindrücken, es fehlt an überraschenden Wendungen und spektakulären Einfällen, aber vielleicht wirkt sie gerade deswegen eher langsam und subtiler. Sie hat, bei all der Leichtigkeit, auch etwas Erhabenes und etwas hintergründig lächelnd Unbesiegbares, nicht mehr Transzendierbares, so wie Frauen das eben haben. Ehrfurcht gebietend auch, da es das Werk einer Griechin ist; also einer praktisch Unberührbaren. Es ist uralt, es stammt vom Apex, vom Olymp der Menschheitsgeschichte, überhelle Sonne strahlt von weit oben auf das fröhlich-schaurige Treiben der griechischen Erwachsenen-Kinder, mit ihrer eigentümlichen Allwissenheit kann es keiner aufnehmen (selbst Nietzsche schreibt in seinem späten Buch darüber, wie man mit dem Hammer philosophiert, dass ihm die Art der alten Griechen „zu fremd“ sei); unberührbare, unantastbare Sappho also, entrückte Figur. Hölderlin, den man gerne verehrt, war ein großer Verehrer der Sappho, und große Ähnlichkeiten sind da. Leider scheint die Sappho dagegen abzufallen, da sie die charismatische Verworrenheit und die sich daraus ergebende absorbierende Sogwirkung, die erschreckende Absolutheit, das gleichermaßen bannende wie gebannte Auge der Hölderlinschen Dichtung nicht hat. Die Dichtung von der Sappho ist ja auch keine metaphysische Dichtung, wenngleich der Glanz der flirrenden Sonne, die elysische griechische, ideale Landschaften bescheint, da ist. Die Bilder sind flirrend, aber das optische Instrumentarium ist gut und brauchbar, und man hat da eben die Sonne und die griechischen Landschaften. Man hat da, wie bei Hölderlin, was, was ich noch immer nicht richtig ausdrücken kann: aber man hat in dieser Sprache innere Verstrebungen, die sie höchst dichterisch machen, in dieser Mischung aus freier Rede und erzener Form, die vom Genius zusammengehalten wird, der dann auch die charismatische Grenze ihrer Verständnismöglichkeit ist, von der dann eben die absorbierende Sogwirkung ausgeht. Obwohl ich die Sappho anfänglich nicht so gut gefunden habe, zieht sie mich langsam in ihren Bann (das heißt, möglicherweise, denn es kann ja auch sein, dass diese wachsende Faszination instabil ist). Es ist sehr schade, dass nur sehr wenig von ihr erhalten ist, und das wenige Erhaltene meistens außerdem nur in Fragmenten vorliegt. Ja, schade, denn ich glaube, Gesamtausgaben von der Sappho würde ich schon kennen wollen. Halten wir inne: In unserem Zeitalter und mit unseren Möglichkeiten sind wir gewöhnt, dass die Archive ständig anwachsen, ins Hypertrophe, ins Gigantische. Aber wir müssen uns damit abfinden, dass in Wirklichkeit auch vieles verloren gegangen ist und für immer der Rekonstruierbarkeit und dem wissenschaftlichen Zugriff entzogen bleiben wird, die Wissenschaft daher auch für immer unvollständig bleiben wird, da sich entscheidende (zum Beispiel erd- oder evolutionsgeschichtliche) Daten im Dunkel der Vergangenheit vollständig verlieren. Sie sind verloren! Nicht mehr existent! Unwiederbringlich! Halten wir feierlich und erschüttert inne! (Zumindest ich fühle mich danach, feierlich und erschüttert angesichts dessen inne zu halten.) Im dreizehnten Jahrhundert bereits vermerkt der Gräzist John Tzetzes in Byzanz: „Der Lauf der Zeit hat die Sappho und ihr Werk zerstört.“ Das hat schon irgendwas Erhabenes und gibt einem zu denken. Da besiegt so mancher die Zeit, indem er was Ewiges macht oder was Ewiges ist, so wie eben die Sappho, und dann kann aber doch der blinde Lauf der Zeit daherkommen, und das effektiv zerstören und annullieren! Da mag sich einer denken: er besiegt die Zeit, und dann besiegt die Zeit ihn! Wird der Kampf zwischen Gut und Böse, vielmehr: der Kampf zwischen den Dimensionen immer unentschieden weitergehen? Ich bin immer wieder nervös und beängstigt, da ich in der realen Welt ganz, ganz klein bin und mein Werk in der realen Welt sinnlos sein könnte und verloren gehen könnte und alles umsonst gewesen sein könnte, die realweltliche Erfahrung suggeriert mir das ja recht stark; gleichzeitig aber auch völlig beruhigt, insofern ich mein Werk weiß als außerhalb von Raum und Zeit, jenseits von Leben und Tod und als mächtiger als alle Welt: denn mein Werk ist der Geist. Stelle ich mir aber eben den Lauf der Zeit vor, einen ächzenden Strom, wie irgendeine mächtige, brutale Hand da rausfährt und an einer anderen Stelle hineingreift und mich und mein Werk rausreißt aus dem Lauf der Zeit und wegwirft, so dass ich vergessen wäre, ausradiert, zerstört, unwiederbringlich; aus dem Lauf der Zeit entfernt und aus der Ewigkeit. – Also, ich muss schon sagen, dass diese Vision als spontane Reaktion ein ironisches Lächeln bei mir hervorruft.

(Der Zusammenhang ergibt sich hier deshalb so, weil ich mir in der ehemaligen Zentralbuchhandlung eben einen Band mit den Gedichten der Sappho und der Liebesgedichten der Lasker-Schüler mitgenommen habe, als Spontankauf. Die Zentralbuchhandlung beim Stephansplatz war eine geistig hochstehende linkslinke Buchhandlung, in die mein seliger Vater immer gegangen ist, wenn wir in Wien waren. Nachher wurde sie dann vom Frick übernommen, blieb aber eine geistig hochstehende, bemerkenswert gut sortierte Filiale – in der übrigens auch meine Bücher verkauft wurden (zunächst erfolgreich, dann nicht mehr erfolgreich; je besser und geistig hochstehender sie eben geworden sind). Seit ein paar Jahren ist sie auch das nicht mehr, sondern es werden dort Restposten und Mängel- und Billigexemplare verscherbelt, allerdings von teilweise geistig hoch- und höchststehender Literatur. Etliche Bücher von/über die christlichen MystikerInnen (über die ich bereits berichtet habe) habe ich von dort (gegenüber ist die Dombuchhandlung, wo es auch Bücher von/über MystikerInnen gibt, allerdings teurere, und im Hinblick auf die islamische Mystik sind sie leider gar nicht gut sortiert; irgendwann werde ich mich zurückziehen in ein Kloster und dort die Mystik studieren (vor allem die frühchristliche finde ich zur Zeit recht interessant)); und jetzt eben auch die von der Else Lasker-Schüler und der Sappho (und dem Petrarca). Das sei doch eine sehr gut sortierte, geistig hochstehende Buchhandlung gewesen, habe ich den Herrn dort gefragt, mit fuchtelnden Händen, als ich mich eines Tages eben verblüfft in der Restpostenbuchhandlung wiedergefunden habe, warum gibt´s die also nicht mehr? Ja leider, hat er gemeint, gute Bücher hat´s da gegeben, viel Philosophie – aber Philosophie und so, das lesen die Leute eben nicht mehr, und so sei es jetzt eben eine Restpostenbuchhandlung. Da habe ich wieder einmal meine Position und meinen Auftrag verstanden: Mein Auftrag ist es, die Leute, die breiten Massen wieder zur Kunst und zur geistig hochstehenden Philosophie zu bringen! (Dass die Leute von der Kunst und von der Philosophie wenig nur mehr wissen wollen, erscheint einleuchtend, da diese seit geraumer Zeit kraftlos sind und defensiv, und nicht mehr wirklich an sich selbst glauben. Also muss man ganz einfach etwas dermaßen Kraftvolles an Kunst und Philosophie in die Welt setzen, dass die Welt erzittert. Wenn China erwacht, erzittert die Erde; das ist heute das Thema; also muss man eben was machen, was den Verstand von ganz China überschreitet und erzittern lässt. Dann wird man die Leute, die breiten Massen, wieder zur Kunst und zur Philosophie bringen. Au ja! So wird das sicher funktionieren!))

Ich habe schon dann und wann ruminiert, dass mir die Poesie generell suspekt ist. Die Poesie, die Lyrik ist die höchste Konzentriertheit des sprachlichen Ausdrucks; auch der am höchsten konzentrierte künstlerische Ausdruck der menschlichen Subjektivität. Die menschliche Subjektivität ist aber eher etwas zu Verschrumpeltes, als dass ein höchst konzentrierter Ausdruck ihrer selbst anzunehmenderweise gut gelingen könnte. Ich mache mit mir selber da ja gar keine Ausnahme, denn auch ich bin die meiste Zeit, und so auch jetzt, leer. Es gibt nichts, was mich jetzt dazu verleiten würde, eine Ode an den Himmel zu dichten, an die Vögel, die vorbeifliegen, an die Bäume, die da draußen stehen oder an die Liebe, die ich empfinde. Und das, obwohl ich ein hochpoetischer Mensch bin! Ich glaube also, jemand, der Oden an die Bäume und an den Himmel und an die Liebe dichtet, sich dauernd dazu verleitet fühlt – der lügt (wie es ja auch Nietzsche über die Dichter sagt). Denn es gibt da nichts darüber zu dichten. Aber wie auch immer es sei. – Als ich mit meiner geliebten Liliana neulich am Ende der Welt war, auf einem Boot in den Beagle-Kanälen, haben wir Fotos von uns durch das Fenster gemacht (ich von draußen, sie von drinnen), die dann einen interessanten, mehrmals gespiegelten Ausdruck ergeben haben, sodass die Situation überhaupt nicht leicht dechiffrierbar ist. Wer was wie wo?? Meine geliebte Liliana mag keine Chinesinnen und ist sehr eifersüchtig auf sie und meint, ich hätte ständig was mit Chinesinnen. Also habe ich ihr gesagt, dass jenes Foto die gesamte weibliche Hälfte von China ganz konfus machen werde. Die gesamte weibliche Hälfte von ganz China observiere und studiere nämlich alles, was ich mache und publiziere, und wenn die lasterhaften Chinesinnen jenes unerklärliche Foto sehen würden, wäre die Aufregung und die Konfusion und Bestürztheit in ganz China riesengroß; ??Tsching tsching tsching??? Tsching tsching tsching???!!?? würden sie dann alle, bestürzt und konfus, rufen; ??Tsching tsching tsching??? Tsching tsching tsching???!!?? Wenn ich mir jetzt aber Gedichtbände durchlese (wie jetzt zum Beispiel eben den von Petrarca), und versuche, in die Essenz, in den lodernden Feuerkern, in das künstlerische, nein, das seelische Geheimnis einzudringen, das dort anzunehmenderweise irgendwo verborgen sein muss, listig versteckt – also, ich kann mir auch nicht helfen: Da sitze ich doch immer wieder da, mit konfusem Gesichtsausdruck, und scheine mich zu fragen ?Tsching tsching tsching?? Tsching tsching tsching??? Es kann gut sein, dass manche Dinge eben auch besser ein Geheimnis bleiben.

??Tsching tsching tsching??? Tsching tsching tsching???!!?? Ayayayayyy!!