Nachruf auf meinen Vater Hans Hautmann (22. August 1943 – 3. Juli 2018)

Am 3. Juli 2018 am frühen Nachmittag ist mein Vater Hans Hautmann im Wiener Hanuschkrankenhaus verstorben. Er ist dort die letzten fünf Wochen gelegen, nachdem sich seine Krebserkrankung plötzlich massiv verschlechtert hat.

Vor einem Jahr wurde Lungenkrebs bei ihm diagnostiziert. Es war ein sehr aggressiver, schnell wachsender Krebs. Gleichzeitig hat es sich dabei um eine seltene Mutation gehandelt, die allein mit einem neuartigen Medikament erstaunlich unkompliziert behandelt werden konnte, und die Behandlung hat so gut angeschlagen, dass wir zuversichtlich waren, dass sie sich noch auf unbestimmte Zeit fortsetzen ließe. Als „Glück im Unglück“ hat alles nicht so schlecht ausgesehen.

Ende Mai wurde er jedoch mit Verdacht auf Metastasen im Bauchraum ins Krankenhaus eingewiesen. Dort hat er auch plötzlich starke Bauchschmerzen entwickelt, die man dann aber für eine Entzündung gehalten hat. Dann hat ein Darmverschluss gedroht, der zunächst aber auch wieder abwendbar erschienen ist. Als es dann aber – aufgrund eines Tumors im Bauchraum – fast dazu gekommen wäre, musste rasch eine Notoperation eingeleitet werden, von der gar nicht klar war, ob sie überhaupt erfolgreich sein kann und er sie überleben kann – der schlimmste Moment für uns alle. Das hat er aber, und am nächsten Tag waren wir alle wieder einmal verwundert, wie erstaunlich gut es ihm gegen alle medizinische Erwartung gegangen ist. Am Tag darauf setzten dann aber die Wundschmerzen ein, die mit starken Medikamenten, inklusive Psychopharmaka behandelt werden mussten. Von da an hat er sich nicht mehr wirklich erholt, es wurde festgestellt, dass die Metastasen im Bauchraum, die sich vorher nicht wirklich bemerkbar gemacht hatten, sehr ausgeprägt waren, so dass die Aussichten auf eine Behandlung zwar da waren, aber erfordert hätten, dass er wieder mehr zu Kräften gekommen wäre. Dafür war sein Körper aber dann schon zu schwach. Am Ende ist noch eine Lungenentzündung dazugekommen. Man hat versucht, sie zu behandeln, aber an jenem 3. Juli hat sein Körper den Kampf aufgegeben.

Als er im Krankenhaus war, war ich kurz in Linz, in Auhof, wo ich aufgewachsen bin; bin die Wege gegangen, die meine ersten gewesen waren. Habe mich erinnert, wie er mich an der Hand geführt hat oder das Fahrradfahren beigebracht hat. Eltern sind diejenigen, von denen man was bekommt, wenn man was will, und die das kapriziöse Verhalten der Kinder erdulden und uns trotzdem lieben, und das sehen wir als selbstverständlich an. So war das dann auch. Später im Leben hat mir meine Tante Luise gesagt, dass mein Vater für die damaligen Verhältnisse und Geschlechterrollenverständnisse (in den 1980er Jahren) ein erstaunlich engagierter Vater gewesen sei, der viel mit uns unternommen hat. Wir haben viele Ausflüge unternommen oder Nachtfahrten mit dem Auto, die meinen Bruder und mich als Kinder natürlich fasziniert haben. Meistens haben wir das am Samstag gemacht. Oder wir sind, neben vielen anderen Orten in der Linzer Umgebung, nach Enns gefahren und dort den Stadtturm rauf und nachher in eine Konditorei. Daran habe ich mich erinnern müssen, als ich auf dem Weg nach Linz dort vorbei gefahren bin. Bei einem Urlaub in Annaberg hat er mir den Sternenhimmel gezeigt, dessen Pracht dort für mich als Stadtkind ungewöhnlich gewesen ist. Er hat mir erklärt, was die Milchstraße ist und der Andromedanebel und sie mir gezeigt. Wahrscheinlich im Zusammenhang damit wollte ich einige Zeit später dann Astronom werden und das Universum erforschen. Das war offensichtlich der Grundstein für mich, Wissenschaftler zu werden, wobei ich durch alle möglichen Wissenschaften mäandriert bin. Die reichhaltige Bibliothek zuhause war da sicherlich hilfreich. Später, in unserer Jugend, sind wir Samstag oft in die Plus City gefahren, was essen, Billard spielen und dann ins Kino. Ich erinnere mich, wir haben dort künstlerisch wertvolle Filme gesehen wie „Dark City“ und auch so tiefsinnige und philosophische Filme wie „Independence Day“.

Mein Vater hatte ein akzentuiertes Weltbild und war ein politischer Mensch. Dabei hat er nicht versucht, uns ein Weltbild aufzuoktroyieren, aber versucht uns Werte zu vermitteln, die man als allgemein humanistisch bezeichnen kann. Inmitten der zeitweiligen Graben- und Fraktionskämpfe innerhalb seiner Partei hat er versucht, eine vermittelnde und mediatorische Rolle einzunehmen. Ich kann mich erinnern, wie ihn diese Grabenkämpfe belastet haben und traurig gemacht haben. In meiner Jugend habe ich dieses Weltbild auch übernommen und es auch, in einer sehr allgemeinen Weise, beibehalten. Der Kampf zwischen dem Fortschrittlichen und dem Reaktionären und die Frage nach der Gestaltung einer harmonischen Gesellschaft ist so alt wie die Menschheit selbst und stellt sich in jeder Epoche, auch jeder Generation, und inmitten gänzlich unterschiedlicher Herausforderungen immer wieder neu. Der Kampf zwischen Gut und Böse um die Vorherrschaft im Menschenreich mag womöglich noch lange unentschieden weitergehen. Was aber wohl zählt, ist, auf welcher Seite man war.

Während der letzten Zeit im Krankenhaus war mein Vater allgemein sehr schwach und oft kaum ansprechbar, unter anderem wegen der starken Medikation, wodurch er aber immerhin meistens vergleichsweise schmerzfrei war. Trotzdem ist es uns am 2. Juli noch gelungen, ein letztes Gespräch zu führen, auch wenn es danach an diesem Tag dann wieder gar nicht ausgesehen hat, da noch Vitalität aufgeblitzt ist. Es ging dabei um Bücher und um die Weltrevolution.

Womöglich hätte mein Vater den Wunsch gehabt, zu Hause, inmitten seiner Bücher und Arbeitsräumlichkeiten diese Welt zu verlassen. Dieser mögliche Wunsch war nicht mehr zu erfüllen. Dabei war aber der 3. Juli ein schöner, sonniger, klarer Tag, ohne dass es schon garstig heiß gewesen wäre. Das Hanuschkrankenhaus ist ein geschmackvoller Bau und es geht dort mit wenig Hektik zu und es ist auf einer kleinen Anhöhe im 14. Wiener Bezirk, eine weitläufige und irgendwie idyllische und lauschige Gegend. Wenn man an sein Ende nach Westen fährt, nach Hütteldorf, geht es, bei der Straßenbahnendhaltestelle, in die Natur über. Man könnte meinen, dort beginnen die elysischen Felder.

Seien wir glücklich, dass sein Leben eine sinnvoll abgeschlossene Erzählung bildet! Obwohl auch in seiner Pension voll wissenschaftlichem Tatendrang, konnte er zuletzt doch sein Werk als mehr oder weniger abgeschlossen und getan betrachten. Obwohl Angst und Besorgnis seit Bekanntwerden seiner Erkrankung natürlich da waren, ließ er sich davon nicht übermannen. Was die allerletzten Wochen in seinem Kopf vorgegangen sein mag, wissen wir nicht wirklich. Es gab aber kein sichtbares Hadern oder wütende Unzufriedenheit.

Wir sehen uns wieder in den elysischen Feldern! Auch wenn wir als dialektische Materialisten wohl nicht ganz daran glauben mögen, aber zumindest als ideellen Raum gibt es sie ja doch.

Gehab dich wohl, mach´s gut und hab eine schöne Ewigkeit.


Nachruf der Alfred Klahr Gesellschaft

Hans Hautmann

Heute am frühen Nachmittag ist mein Vater Hans Hautmann im Wiener Hanuschkrankenhaus gestorben. Er ist dort die letzten fünf Wochen gelegen, nachdem sich seine Krebserkrankung plötzlich massiv verschlechtert hat. Er war in dieser Zeit allgemein sehr schwach und oft kaum ansprechbar, unter anderem wegen der starken Medikation, wodurch er aber immerhin meistens vergleichsweise schmerzfrei war. Trotzdem ist es uns gestern noch gelungen, ein letztes Gespräch zu führen, auch wenn es danach gestern dann wieder gar nicht ausgesehen hat, da noch Vitalität aufgeblitzt ist. Es ging dabei um Bücher (zufälligerweise um Biographien) und um die Weltrevolution.

 

Fußball WM 2018

Was an Fußball interessant sein soll, habe ich mich oft gefragt; dass das also die große Klammer ist, die das Menschenreich zusammenhält – was sagt das über die Leistungsfähigkeit des normalen menschlichen Gehirns wohl aus? Aber es hat sich auch z.B. Beckett für Tennis interessiert und auch für das noch langweiligere Kricket – also will ich da nicht richten – und ich muss auch zugeben, dass die Spiele, die ich bislang bei der jetzigen WM gesehen habe, gar nicht mal schlechte Unterhaltung waren! Also: nicht richten (damit ihr nicht gerichtet werdet)! Ich schaue nun also auch WM, und das Abschneiden von Argentinien interessiert mich noch am meisten, aber ich habe so die Möglichkeit, an der Welt teilzuhaben, mich in den Gesamtzusammenhang einzufügen, mit der Menschheit in ein Bündnis zu treten; außerdem bin ich, wie immer, gierig darauf, die „Tiefenstruktur“ hinter dem Fußball zu entdecken und neue Einsichten zu gewinnen, auch wenn mir klar ist, dass die Tiefenstruktur hier zwar vorhanden, aber eher flach ist. Schade finde ich, dass das Publikum eher selten eingeblendet wird, denn ich sehe mir gerne Leute an, vor allen Dingen gefühlsmäßig aufgewallte, euphorisierte Leute, die sich unschuldig an was erfreuen. Da ich sehr empathisch bin, beziehe ich daraus Energien und kann mich in ein Verhältnis setzen oder so, vor allem, wenn es sich um die lieben Kinder handelt! „Ein Mann, der sich in der Menge langweilt, ist ein Dummkopf! Ich verachte ihn“, meint Constantin Guys, der „Maler des modernen Lebens“, und Baudelaire zitiert ihn so. Schade, dass ich noch keine Spiele von Saudi-Arabien, Iran oder Ägypten gesehen habe, denn insbesondere sehe ich mir gerne die weiblichen Fans an. Bei der WM kann man euphorisierte Massen aus aller Herren Länder, vulgo der Welt, sehen, und das will ich gerne tun! Sieben Milliarden Menschen auf der Welt, jeden einzelnen würde ich gerne erforschen oder zumindest in Augenschein nehmen, und die WM gibt mir tangential eine Möglichkeit dazu. Ich fände es gut, wenn ich das ganze Stadion austrinken könnte, jawohl! Austrinken und mir so einverleiben! Was soll das bringen? Kierkegaard sagt, der Wald nimmt sich am besten auf Abstand aus, aus der Nähe ist er ein gelöstes Rätsel (denn so interessant und zur Kontemplation anregend sind einzelne Bäume ja nicht), das Wasser hingegen werde interessanter, je mehr man sich in es vertieft, also denke ich mir halt die Masse als ein Fluidum, eine Weltseele, dann sehe ich sie richtig. Nietzsche sagt, gelänge es einem Menschen, das Bewusstsein der gesamten Menschheit in sich zu vereinigen, er würde mit einem Fluch auf das Dasein zusammenbrechen. Eventuell, aber dann steht er wieder auf, denn der gesunde Geist wandert, und der Geist der Menschheit wandert auch. Gelänge es einem Menschen, den gesamten Geist der Menschheit in sich zu vereinigen, wie würde sich das anfühlen? Ich kann von meiner bescheidenen Warte aus sagen, dass es sich so und so anfühlt. Das ist das tiefste Geheimnis, das So und So. Irgendeine wahnsinnige sphärische Einheit, ja, die ist zwar da, aber andere Dinge auch. Ich sage immer, wenn ich den lieben Kindern auf ihren Kinderspielplätzen zusehe, das ist zugleich mein Inneres, ein Abbild dessen, wie es in mir aussieht. In mir also die – leicht chaotische, aleatorische – Menge. Ich glaube, so ist das, so kann man das beschreiben. „Ein Mann, der sich in der Menge langweilt, ist ein Dummkopf“. Was ich, und wie ich das schon öfter mal moniert habe, bemerke, ist, dass sich Menschen in der Menge im Allgemeinen aber weniger langweilen, als gar nicht wirklich beachten. Sie rennen über die Mariahilferstraße und beachten einander nicht. Sie sehen bei Extreme-Metal-Konzerten auf die Bühne, aber niemals um sich ins Publikum, in die Menge, nur ich tue das! Die Augen mit dem nach innen gerichteten Blick seien das untrügliche Kennzeichen des Genies, so Lichtenberg, das kenne ich und kann ich verstehen; wenn ich durch die Menge laufe, habe ich den Blick in den Augen nach außen gerichtet, die anderen Leuten meistens in sich hinein oder eben ganz einfach auf den Weg vor ihnen. Denn in mir ist eben die Menge. Dementsprechend. Was ist schöner als eine schöne, bemalte Frau, die sich über ihr Fußballteam freut; vor allem, wenn sie aus irgendeinem komischen Land kommt? Sie gehen und treffen sich zu Fußballspielen, die Leute, um sich zu freuen und euphorisiert zu sein! Das können sie dann gut, vor allem in Argentinien. Und dann, obwohl ich äußerlich unbeteiligt erscheine, freue ich mich mit ihnen mit! Das ist das magische Band zwischen uns. Es ist ein tiefes Geheimnis. Es ist zutiefst magisch. Als Gotama auf der Suche nach dem Buddha war, fand er ihn schließlich nicht in mühevoller Selbstkasteiung, sondern in einer Erinnerung, als er als Kind in einem frisch gemähten Feld gesessen und dort nicht nur zerschnittene Grashalme sondern auch tote Insekten bemerkte – was ihn mit tiefer Trauer erfasste. Diese plötzliche und urtümliche Welle an Empathie und Teilhabe, begriff er im Nachhinein, war jedoch tatsächlich das, was das Nirvana ist, und das Aufgehen in seiner eigenen Befreiung ermöglicht. Mahavira, ein Übermensch, der vor Gotama lebte, erreichte inmitten von Kasteiung kevala, in dem er plötzlich „alle Realitätsebenen gleichzeitig in jeder Zeit- und Raumdimension wahrnehmen konnte, als ob er ein Gott wäre“ (Karen Armstrong: Die Achsenzeit. Vom Ursprung der Weltreligionen, München, Siedler S. 318). Auf Mahavira geht jene extreme empathische Bewegung zurück, die jedes Insekt und jeden Kieselstein achtet und von der Heinrich Himmler einmal bewundernd gesprochen hat.

EM

Liliana Medina no puedo decir nada porque esta mi bandera allí ,y…como sabes fanatica del futbol ,el futbol es religión en Argentina,pero como toda religión tenemos alguna oveja descarriada o vendida ,como el actual d.t. de mi equipo ,pero ,bueno ,esto va a pasar y ya jugaremos el próximo mundial ,no como chile e que lo mira por t.v.

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Liliana Medina maldito perro¡¡¡

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Anderes Präludium zu einer Notiz über Kiekegaard

Ach ja.

(Joakim Garff: Sören Kierkegaard. Biographie)

Philip Hautmann So finde ich ja auch nicht den Faust als das eigentliche Menschheitsdrama, sondern den Peer Gynt (von Ibsen als eine „bizarre Satire“ auf den Faust geschrieben (wobei mein Rompf wiederum eine bizarre Satire auf den Peer Gynt ist und daher wahrscheinlich einen noch höheren Grad an Realität aufweist ☺️)).
Philip Hautmann Faust, Peer Gynt, Ishmael, K., Malone oder Yorick der Narr sind literarische Figuren, in denen sich die Menschheit individualisiert. Faust erscheint als die übergreifendste und dramatischste, aber beim besten Willen auch als die bizarrste und inadäquateste, auch Nietzsche denkt laut nach, was vom Faust eigentlich überbleibt und was er letztendlich sein soll als halt die Entartung des nach Erkenntnis strebenden Menschen. Die radikale Transzendenzbestrebung des Faust hat man im Allgemeinen ja nicht unter Menschen, die radikale narzisstische Immanenz, die über nichts hinausweisen will als sich selbst, dann schon eher, oder zumindest hin und wieder. Der Faust hat aber Substanz, ist vielfältig verwend- und interpretierbar und macht uns ahnen, während der Peer Gynt keine große Substanz aufweist und uns nicht ahnen macht. 

Zentrale Randbemerkung über Politik

Ach, vielleicht sollte man die Weltpolitik einfach mir überlassen? Obwohl, ob dann was großartig anderes rauskäme, weiß ich auch nicht, denn die Boom-Bust-Zyklen sind Teil des Laufs der Dinge (was dann natürlich nichts aussagt, wie die Dinge dann konkret verlaufen). Das war das erste Wort, das man in der Geschichtswissenschaft hat und in der Soziologie, bei Ibn Khaldun, und es wird wohl auch das letzte sein. Omar Chajjam, ein anderer großer Universalgelehrter von in etwa damals, ist heute vor allem durch seine Vierzeiler-Gedichte bekannt, wo er, quasi als letztendliche Summe seiner mannigfachen Erkenntnisse und Überlegungen sich darüber auslässt, dass er gar nicht verstanden habe, worum es bei der irdischen Existenz eigentlich letztendlich gehen soll. Politik ist eine ärgerliche Mischung aus unsäglicher Primitivität und unübersehbarer Komplexität (u.a. aufgrund von Chaos-Einwirkung) sowie allem, was dazwischen ist und ist zur Hälfte Geheimdiplomatie; Hannah Arendt sagt, Politik ist das Management von Pluralität, kann man auch sagen von Heterogenität und also teilweise Inkompatibilität. Den politischen Knoten löst niemand. Einige Länder sind besser darin, ihre Probleme zu bewältigen als andere; als besonders gute Beispiele mögen einem Dänemark oder die Schweiz einfallen. Da hat man ein hohes Maß an individuellem wie an kollektiven Verantwortungsbewusstsein, und das ist der Schlüssel zu allem. Allerdings haben diese Länder auch mit nicht so schwierigen Problemen zu kämpfen und sie sind klein und wie weit sie sich verallgemeinern lassen, ist wieder eine andere Frage.

Wenn man sich jetzt um geschichtstheoretische/philosophische Heuristik bemüht, gibt es mehr oder weniger ideologisch motivierte Denker, und ein weniger ideologischer historischer Denker wie Braudel hat befunden, dass die Geschichte in Kontradiew-ähnlichen Zyklen zu verlaufen scheint oder zumindest, dass solche permanent in ihr stattfinden. Es ist mir leider nicht gegenwärtig, wer das getan hat, aber es ist erwiesen, dass man, wenn man eine Menge von Beobachtungen macht, auch alle möglichen Muster darin finden kann, wenn man nur will, sprich, dass postulierte Verlaufsmuster möglicherweise arbiträr sind und also unter der Oberfläche von beobachteten oder postulierten Verlaufsmustern/strukturen andere Trends verlaufen können, die dann die eigentlich wichtigeren sind. Seit einiger Zeit stellt man in der Wissenschaft der Internationalen Beziehungen fest, dass die Welt komplexer wird, als es die standardmäßigen Modelle erfassen könnten, und 2016 hat das Foreign Policy Magazin gemeint, das sei ein Jahr, für das eigentlich keine Heuristiken oder Modelle mehr greifen (im Zusammenhang freilich auch mit der Chaos-Einwirkung, aus dem der geschichtliche Verlauf zur Hälfte (oder so) besteht). Es gibt da das gute Buch von Dietrich Dörner: Die Logik des Misslingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen, aus dem man vielleicht geschichtstheoretisch (und in anderer Hinsicht) was ableiten kann. Aufgrund seiner Komplexität wirkt das Genie auf die Zeitgenossen monströs und unverständlich, doch das wird geschichtlich nicht dauern, denn indem das Genie durch die Komplexität hindurchgeht, wird es, wie Pessoa sagt, der Stifter einer neuen Einfachheit und Klarheit, sprich einer neuen Heuristik. Das kann dann mittelfristig zu Vereinfachungen und trügerischen Klarheiten führen, incipit ein neuer Zyklus.

India’s Democracy Is More Delicate Than It Seems

In Europe, the Only Choice Is Right or Far-Right

Italy Needed a Government. It Got a Circus.

Mauricio Macri Was Supposed to Be Different

JÜRGEN HABERMAS: “FOR GOD’S SAKE, SPARE US GOVERNING PHILOSOPHERS!”

Occasional Remarks About the Nirvana

Let us, for practical reasons in life, say that Nirvana is not a world beyond but that you break the cycle of rebirth and karma as via the reflection of the reflection you break through the material hyle and gain transcendent knowledge. I have labelled this state of the mind/soul the White Lodge. Bergson (and others) says in order to gain knowledge and familiarity with the world an enormous amount of stuff needs to be reflected and amalgamated (not only the seemingly intellectually important stuff but also the seemingly intellectually unimportant stuff), gradually the turbulent ultradialectics of the reflection over the reflection will (of course remain but also) transcend into a flatness and evenness of the mindfield that becomes pacified – which is then, in its fluorescent white – the Nirvana. Desire will not stop, and as we have already seen via the confessions of such distinguished mystics like Teresa of Avila or Marguerite Porete, the vision of pure white light – if you can ever reach it – is only a temporary one before you fall back into a lower state of consciousness as your mind permanently wanders. Via Zen-meditation you can reach a state where the observation of the wandering of mind becomes the state of the mind, i.e. one of meta-perception, yet also as the Zen masters say, they have not gained a lot via enlightenment. The flatness and the purity of the mindfield is reached via the great fluidity of the mind and the empathic knowledge of things (leading to the internalisation and introjection of them things). You will not refute ideals but you will also not be fooled by them, be neither a dreamer nor a fatalist nor cynic, you will act and think according to the order and the flow of things, that is then (as limited as it is ever possible) mastery over the things and therefore liberation. Nirvana, in the practical sense, is not reaching for a world beyond, but creation of interior and opening of the inner world that becomes realigned with the outer world.

Despite you may have broken the cycle of rebirth and karma and reached completion, you may easily find yourself wandering fragmentedly through the Samsara of the man´s world, as not many people will truly understand you. Sometimes they will of course understand you better than you do and offer glimpses of insight. That is, and will remain, strange, as „strangeness“ is inherent to the world – but it will be, as you have introjected strangeness, also inherent to yourself. People that reside very at the center of the Nirvana will also not be super impressed by it. As Goethe says to Eckermann, founders of religions like Jesus Christ or the Buddha have extroverted their inner richness, i.e. their subjective spirituality and transformed it into (objective) religion (respectively, others like Paulus have done so and likely watered it down). As in such cases, their subjective spirituality, their acquisition of cosmic consciousness, is of objective importance, it may well be that they fall prey to their spirituality and become an instrument of their spirituality/religion (like also many enlightened and rational minds like Newton or Pascal did) (at lower levels of spirituality, or when personality is distorted it may become the other way round and inflate their narcissism). Thou shalt not be fooled by thy spirituality and your messages and become an instrument of it, but remain in control of it, not become instrumentalised by it but make it instrumental for you. That will probably, or apparently, not make you (appear) very enchanted or happy, as is seemingly the case within the religious/spiritual enthusiast. You will be neutral most of the time. Some say the tragic of the truly spiritual/religious man is that he neither truly lives in this world nor the next. That may appear so, but the center of the Nirvana means you perfectly live in both of them worlds – a condition that, due to its essential strangeness, often leads to essential confusion. Essential confusion is the essential state of the true philosopher.

(Iron Maiden sing in Hallowed Be Thy Name that, facing death, you will realise that „life down here is just a strange illusion“. Therefore, what I just said above, advanced as it is nevertheless, may also just be a bizarre illusion, but this is so because as long as you wander through the world and your mind is wandering you have some attachments. Therefore, no need to worry. That´s how subjectivity is constituted. Via some attachments my subjectivity has been constituted in the past and now, in the present, by some others. Apart from that, we´re rather hollow. That´s how the story goes, that´s what is „the flow“, as long as the world concerns you to some degree. At the end of Jim Jarmusch´s Dead Man, as Nobody sends „William Blake“ to his last journey on a boat to the sea, he smiles at him and says: This world will no longer concern you (in German: Von nun an wird dich diese Welt nichts mehr angehen). Dead Man has one of the most epic endings of any film. When I am going to die, I also want to float away like this – and to experience my loss of attachments. That is not a great effort of course when you die. However, see it as a message from the future and a glimpse of insight. The world actually only partially concerns me.)

Liberating oneself from a cycle of rebirths might seem irrelevant to the non-believer. But nirvana is a radical undertaking: it represents a liberation from an endless cycle of rebirth; or liberation from the utterly human, persistent desire for things to be different. There is something useful there for anyone http://ow.ly/VdHt30jVzbi

Liberating oneself from rebirths might seem irrelevant to the non-believer. But nirvana is also a profound psychological goal
AEON.CO
(Kommentar zur Monadologie von Leibniz)

Marcel Proust Goes to the Rocky Horror Picture Show

I found something lovely  (gives me some terrible thrills)

Philip Hautmann I especially like this song and the lyrics as they transport – well – nostalgia for a more perfect world within a mind that is otherworldy and that is at home in outer space repectively that lives in the future which is, paradoxically, the subject of his inverted nostalgia. It leaves open room for various other interpretation as well. It somehow makes you feel such secureness and embeddedness in something that cannot be explicitly described and Patricia Quinn as the nostalgic as well as timeless Usherette looks very cute. It is Proustian as recovery of memory and lost time, the climax of the Proustian enterprise to achieve total information awareness and completion of self as Time Regained. What is especially admirable is that does not stand at the end point of the geniuses quest, something he has won after hard effort of creating a hyprcycle out of his own self, but as a somehow light and fluffy introduction to the enterprise, thereby clearly taking Proust unexpectedly and by surprise. Hail Richard O´Brien!

Stephan S
vor 4 Monaten
Does anybody know if this is really the voice of young Patricia Quinn?
However, it is badly sung but so genuine and authentic that I wish I’d been there in 1973. Times of craziness and creativity. So sad it’s all over.

happytree68
vor 5 Jahren
I wish they had kept the usherette to introduce the movie. I think she’s just so delightful. She’s so adorable, she seems to represent an age to true movie escapism. You could almost imagine her being yelled at by her boss because she keeps lingering in the theater to watch the movie instead of working.

Meta-Philosophen

Die Intelligenz von Meta-Philosophen wie Sokrates, Nietzsche, Kierkegaard, Wittgenstein oder Otto Weininger ist so hoch (oder zumindest so radikal), dass sie auch die der großen philosophischen Systematiker wie Hegel, Heidegger oder Marx übersteigt – weswegen es eben keine Philosophie mehr ist, was sie machen, sondern Meta-Philosophie. Ihr Denken findet auf einem höheren Level der Analyse und Integration statt, der Abstraktion sowie der Fähigkeit, Individualitäten und Aberrationen wahrzunehmen (und durch sie beunruhigt zu werden); es bewegt sich entlang einer Fluchtlinie, die negativ gekrümmt ins Unendliche und Unbekannte verläuft; das Erstellen von (notwendigerweise beschränkten) Systematiken ist nicht mehr möglich oder findet nicht mehr statt, und wenn, dann nur um gleich wieder subvertiert zu werden. Hegelsch gesprochen hat man da die Realisierung des Absoluten Geistes, allerdings in seiner absoluten Form. Die Realisierung des Absoluten Geistes in seiner absoluten Form wird keine Philosophie mehr sein, sondern ein Bewusstsein über alle Philosophien. (Ob sich die Realisierung des Absoluten Geistes in seiner absoluten Form für dessen Träger im Leben auszahlt, ist freilich eine andere Frage.) Jemand, der sowohl Kafka als auch Otto Weininger gekannt hat, hat gemeint, beide wären „verrückt“ gewesen: Beide hätten einen Satz bereits durchgestrichen, bevor sie ihn überhaupt erst niedergeschrieben hätten. Rimbaud hat gemeint, sein Zeitalter sei zu dornig gewesen für seinen großen Charakter und seine Weisheit werde „ebenso verachtet wie das Chaos“. Hell yeah!

The enduring brilliance of Ludwig Wittgenstein

Remarks on the Relentless Honesty of Ludwig Wittgenstein

Additional Remarks on the Relentless Honesty of Ludwig Wittgenstein