Amiel und der absolute Geist

Henri-Frédéric Amiel (27. September 1821 in Genf – 11. Mai 1881 ebendort) hatte ein Herz aus Gold, ein Talent aus Silber und die Gravität eines sehr schweren, sehr selten vorkommenden Elementes. Mit so etwas kann der Pöbelhaufen Menschheit immer wieder nichts anfangen, und so erinnert sich heute kaum einer mehr an den armen Amiel. Dabei kann man bei Amiel vieles lernen und vieles sehen, denn Amiel hat in einer höhere, bessere Welt geblickt, und auch die niedere, empirische Welt begriffen;  er war eine diesseitige und eine jenseitige Figur. Amiel war der seltsame Fall eines Genies, das weder als Gelehrter noch als Künstler etwas Bleibendes hinterlassen hat (und unter dieser Unzulänglichkeit zeit seines Leben stark gelitten hat). Seine rastlose Produktivität hat sich in der Niederschrift seines (insgesamt 17.000 Seiten umfassenden) Tagebuchs manifestiert, das erst posthum erschienen ist, dann aber für einiges an Wirbel gesorgt hat – neben Hugo von Hoffmansthal waren auch Fernando Pessoa und Friedrich „Manche werden posthum geboren“ Nietzsche unter den Bewunderern; der wirkungsmächtigste Anhänger wurde aber Leo Tolstoi, der die Tagebücher in Russland herausgegeben hat und sie bis zu seinem Tod in seiner unmittelbaren Nähe bei sich hatte, stets griffbereit: hat er sie doch in eine Reihe mit den Werken von Epikur oder Marc Aurel gestellt! Gegenwärtig ist im deutschen Sprachraum nur eine Anthologie von gut 300 Seiten erhältlich. Ich habe sie vor einigen Jahren mal gelesen (ich bin auf Amiel gestoßen, nachdem Pessoa ihn in seinen Aufzeichnungen zum Thema Genie und Wahnsinn kurz einmal als „trauriges Beispiel“ erwähnt hat), und jetzt, nachdem ich mich ein wenig mehr mit Tolstoi konfrontiert habe, noch einmal. Das Genie ist im Wesentlichen mit sich selbst beschäftigt, es untersucht seinen eigenen Geist – eitel und selbstbezogen ist es deswegen nicht, denn in seinem Geist und in seinen Beschäftigungen mit dem Geist spiegelt sich, hochgradig urtümlich, die Welt; es bedeutet im Wesentlichen eine abnorme Introspektionsfähigkeit in einen Gegenstand, daher ist es introvertiert und unkommunikativ – gleichzeitig aber eben extrem kommunikativ und extravertiert, weltzugewandt. Seine Kommunikation mit der Umwelt ist paradox, und öfters wird es eben darum posthum geboren. Das alles hat man bei Amiel, dessen Unglück es dabei war, offenbar kein Talent zum künstlerischen, wissenschaftlichen oder philosophischen Ausdruck zu haben; seine Form war die intimste und am schwersten zeitgenössisch vermittelbare: eben das Tagebuch. Das war das Kreuz, das er tragen musste, wie wir alle es irgendwie tun müssen. So mag Amiel noch dazu den Hohn zu spüren bekommen von unkonstruktiven Geistern, die gerne alles herabsetzen, und die Amiel als gescheitert sehen mögen. Soweit ich das beurteilen kann (ich habe ja nur eine Auswahl von gut 300 aus den insgesamt 17.000 Seiten Tagebuch gelesen), ist er das aber eben nicht. Wie ausdifferenziert und analytisch und facettiert die Ausführungen von Amiel immer wieder sind! Bei all der schönen, synthetischen Betrachtung! Herrlich! (Wenngleich man eben sagen kann, das hier der Keim des Konfliktes liegt: der Konflikt zwischen einem kritischen Geist und einem gläubigen Menschen; besser aber eher, man spricht vom Keim einer Dynamik, die sich in der Abarbeitung am Absoluten vollzieht.) Der Herausgeber der deutschsprachigen Anthologie, Ingold, meint (was im Übrigen nicht notwendigerweise ein Vorwurf sein muss), Amiels Entwicklung sei „statisch“ gewesen; er habe sich im Lauf der Zeit und der drei Jahrzehnte, über die hinweg er das Tagebuch geführt hat, eben nicht (wirklich) entwickelt (und wie gesagt, ich kenne das Tagebuch an sich nicht, nur diese kleinodiöse Auswahl; die Beschäftigung über weite Strecken mag vielleicht schon enervierend sein). Wenn aber Amiel mehr oder weniger gleich am Beginn sagt: Für den Geist gibt es Ruhe nur im Absoluten, für das Gefühl nur im Unendlichen, für die Seele nur im Göttlichen. Nichts Endliches ist so wahr, so interessant, so würdig, dass es mich halten könnte. Alles, was besonders ist, ist exklusiv, und was exklusiv ist, stößt mich ab. Nicht exklusiv ist nur das Ganze, in der Vereinigung mit dem Wesen und durch alle Wesen liegt mein Ziel. Im Licht des Absoluten wird dann jeder Gedanke wert, dass man ihm nachgeht, im Unendlichen jede Existenz wert, dass man sie respektiert, im Göttlichen jede Kreatur wert, dass man sie liebt. (18. November 1851) oder Einzig von einem religiösen Standpunkt aus, dem einer aktiven und moralischen, geistigen und innigen Religion, können wir das Leben in seiner vollen Würde, in seiner vollen Kraft erfahren. Sie macht uns unverletzlich und unbesiegbar … Man kann die Erde nur im Namen des Himmels besiegen. Alle Güter sind dem noch zusätzlich geschenkt worden, der nichts als die Weisheit wollte. Wenn man keinen Nutzen sucht, ist man am stärksten, und die Welt liegt dem, den sie nicht verführen kann, zu Füßen. Warum? Weil der Geist Meister der Materie ist und weil die Welt Gott gehört. (27. September 1852) – wenn also Amiel das früh in seinem Leben begriffen hat, was für eine Entwicklung soll noch großartig möglich sein?! Er hat das Absolute und das positive Göttliche begriffen und ist damit in der obersten Kammer der Pyramide angelangt. Von der aus man alle Himmelsrichtungen überblickt. Alles, was man noch tun kann, ist sich in seiner notwendigen Relativität daran abzuarbeiten; sich als Subjekt am Objektiven abzuarbeiten, und daran – notwendigerweise und positiv – zu scheitern, beziehungsweise – und wie es im Leben eben allgemein so ist – mal zu gewinnen, mal zu verlieren (Win some, lose some, it´s all the same to me … That´s the way I like it, baby, I don´t want to live forever (and don´t forget the Joker), sagte der abgeklärteste und harmonischste Mensch des letzten Jahrhunderts; das ist die letzte Einsicht in die Dinge). Amiels Entwicklung bestand darin, sich am Absoluten und am Göttlichen abzuarbeiten, dabei praktisch notwendigerweise festzustellen, dass eine totale und stationäre Aufnahme in und Verschmelzung mit dem Absoluten nicht möglich ist, da von Inkonsistenzen durchzogen. Aber das Heil liegt in der Versöhnung von Glück und Pflicht, in der Verschmelzung des persönlichen Willens mit dem göttlichen Willen, im Glauben, dass dieser höchste Wille von der Liebe gelenkt wird. (6. Dezember 1869) Was aber, wenn dieser Glaube erschüttert wird? (Allgemein: Der höhere Mensch wird das Religiöse und das Heilige begreifen und sich stark von ihm angezogen fühlen; als ein Mensch des wissenschaftlichen Zeitalters wird es ihm aber schwer fallen, an Religion tatsächlich zu glauben und in ihr eine Geborgenheit zu finden, wie es höheren und extrem wissenschaftlichen Menschen der Vergangenheit möglich war – das ist tatsächlich ein sehr schwieriger Konflikt, an dem sich im Jahrhundert Amiels ja auch Schopenhauer, Kierkegaard, Nietzsche, Dostojewski oder eben auch Tolstoi abgearbeitet haben.) Solange wir zwischen der Wahrheit und uns auch noch den geringsten Abstand zulassen, sind wir außerhalb von ihr. Das Denken, das Gefühl, das Verlangen, das Bewusstsein des Lebens sind noch nicht ganz das Leben. Wir  können aber unseren Frieden und unsere Ruhe nur im Leben und im ewigen Leben finden. Und das ewige Leben ist das göttliche Leben, ist Gott. Göttlich sein, das ist das Ziel des Lebens. (27. Oktober 1853) Jung und naiv, mag man solches denken, glauben, erhoffen. Wenn man aber eben genau diese Bewegung vollzieht, sieht man, dass die Wahrheit nur da liegt, wo zwischen der Wahrheit und einen selbst eben immer ein gewisser Abstand gelassen wird. Da Wahrheit immer wieder relativ oder fraktal ist. Das Absolute beinhaltet notwendigerweise Paradoxa; die absolute Wahrheit hat man dann (am Ehesten) begriffen, wenn man erkennt, dass die Wahrheit fraktal, daher letztendlich unauslotbar ist; dass die absolute Wahrheit unendlich ist, aber eben eine fraktale, unvollständig einsehbare Wahrheit ist. Diese Einsicht ist dann eben das Ruhen in der Ewigkeit und in der völligen Identität mit sich selbst und mit der Wahrheit. Die Weisheit altert nicht, denn sie ist der Ausdruck der Ordnung selber, das heißt des Ewigen. Der Weise allein kann dem Leben und jedem Alter seinen vollen Geschmack abgewinnen, weil er seine Schönheit, seine Würde und seinen Wert fühlt (…) Alle Dinge in Gott sehen, aus seinem Leben eine Reise durch das Ideal zu machen … das ist der bewundernswerte Standpunkt von Marc Aurel (…) Das ewige Leben ist nicht das zukünftige Leben, sondern es ist das Leben in der Ordnung, das Leben in Gott, und die Zeit muss lernen, sich als eine Bewegung der Ewigkeit zu begreifen, als ein Wellengang im Meer des Seins. Das Wesen, das sich als zeitlich bedingt versteht, kann von der Substanz dieser Zeit ein Bewusstsein haben, und diese ist die Ewigkeit. Und mit seinem Bewusstsein sub specie aeterni leben heißt weise sein, wenn man das Ewige personifiziert, ist man religiös. (4. Dezember 1863) Das, was dem gewöhnlichen Verstand als entgegengesetzte Extreme erscheinen mag, muss angenähert und verschmolzen werden, so hören diese auf, widersinnig, widerstreitend und paradox zu sein (in der extremen Zeitlichkeit – dem Augenblick – liegt das Ergreifen der Ewigkeit, in einer höheren Heiterkeit liegt der absolute Ernst etc.); Amiel hat das ja gesehen, dass die wahrhaft ernsthaft erkennenden die am wenigsten ernsthaften sind: Bei meinem scharfen, durchtriebenen, komplexen und chamäleonartigen Geist habe ich das Herz eines Kindes; ich liebe nur entweder die Vollendung oder den Scherz, die zwei entgegengesetzten Extreme. Die wahren Künstler, die wahren Philosophen, die wahren Religiösen verstehen sich kaum auf etwas anderes als die Einfachheit der kleinen Kinder oder die Erhabenheit der Kunstwerke, das heißt, auf die reine Natur oder das reine Ideal. In meiner Armut fühle ich doch gleich. (18. Mai 1862) Mit dem Chamäleon (einem freilich eher, was herkömmliche Standards angeht, unschönen Tier) vergleicht sich Amiel auch an anderen Stellen: Ich fühle mich als Chamäleon, Kaleidoskop, Proteus, aus alle möglichen Arten beweglich und polarisierbar, flüssig, virtuell, folglich latent sogar in meinen Kundgebungen, abwesend sogar in der Erscheinung. (Dezember 1866) Und: Die energische Subjektivität, die sich im Selbstvertrauen äußert, die nicht davor zurückschreckt, etwas Besonderes, etwas Bestimmtes zu sein, und das, ohne sich ihrer subjektiven Illusion bewusst zu sein oder zu schämen, ist mir fremd. Ich bin, wo es um intellektuelle Ordnungen geht, im Wesentlichen objektiv, und es ist meine ausgesprochene Spezialität, dass ich jeden Standpunkt einnehmen, mit jedermanns Augen sehen kann, was heißt, dass ich nicht eingeschlossen bin in irgendeinem individuellen Gefängnis. (18. November 1851) (Das ist als Hinweis auf einen Mangel an Persönlichkeit und eigentlicher, origineller Schaffenskraft bei Amiel ausgelegt worden: eventuell kann das so sein – aber in meiner Armut fühle ich doch gleich.) Dererlei objektive, kaleidoskopartige Existenz – ja, der Wunsch, Kaleidoskop zu werden – scheint freilich irgendwie selten in dieser Welt – oder ist er das? Ich weiß es nicht! Fast jeder (oder zumindest fast jede) scheint das doch zu wollen! Amiel aber auf jeden Fall (mit seiner Stubenhocker-Weisheit, könnte man einwenden, die die Welt nicht kennt, sie sich ganz einfach nach ihrem Wunschbild zurechtmacht, solipsistisch etc.): Die Unparteilichkeit und die Objektivität sind ebenso selten wie die Gerechtigkeit, von der sie zwei besondere Formen sind. Der Eigennutz ist eine unerschöpfliche Quelle angenehmer Illusionen. Die Anzahl der Lebewesen, die die Wahrheit sehen wollen, ist außerordentlich klein (…) Die Menschheit hat schon immer diejenigen hingerichtet oder verfolgt, die ihre eigennützige Ruhe gestört haben. Sie verbessert sich nur wider Willen. Der einzige Fortschritt, den sie will, ist die Vermehrung des Genusses. Alle Fortschritte in Sachen Moral, Gerechtigkeit, Heiligkeit sind ihr durch irgendein edles Ungetüm auferlegt oder abgenötigt worden. Das Opfer, das die Lust der großen Seelen ist, war nie das Gesetz der Gesellschaften (…) Vom Standpunkt des Ideals aus gesehen ist die menschliche Welt traurig und hässlich, wenn man sie aber mit ihren mutmaßlichen Anfängen vergleicht, hat die menschliche Gattung ihre Zeit doch nicht ganz verloren. Daher die drei Arten, die Geschichte in den Blick zu nehmen. Pessimismus, wenn wann vom Ideal ausgeht; Optimismus, wenn man rückblickend betrachtet; Heroismus, wenn man bedenkt, dass jeder Fortschritt eine Flut von Blut oder Tränen kostet (…) Die Fanatiker, die sich aufopfern, sind ein anhaltender Protest gegen den allgemeinen Egoismus. Wir haben nur die sichtbaren Idole gestürzt, aber das ständige Opfer hat noch überall Bestand, und überall leidet die Elite der Generationen für das Heil der Menge. Das ist das strenge, bittere, geheimnisvolle Gesetz der Solidarität. Das gegenseitige Verderben und Gedeihen ist das Schicksal unseres Geschlechtes. (1. März 1869) Ja, das ist der ewige Kampf zwischen Geist und „Materie“, dessen Fortschreiten der Krebsgang ist. (Eine freilich idealistische, unmaterialistische Perspektive, die die eigentlichen (und größtenteils unschuldigen) Schwierigkeiten, in denen sich die materiellen, faktischen Verhältnisse befinden tendenziell verkennt (wenn die diesseitigen Probleme so leicht lösbar wären, würden sie ja gelöst werden: soziale, politische und individuelle Probleme sind in der Regel aber eben nicht leicht lösbar (und haben oft die Form von Dilemmata))). Wie konziliant aber von dem milden, allesverstehenden Amiel, dass er den historischen Fortschritt dann doch nicht verkennt! Ein ganz und gar aufrechter Mann! Und so platzt diesem ganz und gar aufrechten Mann an anderer Stelle wieder der Kragen, wenn er eine Weile in die Menschheit und in die Gesellschaft hineinhört, und unschuldig und voller Interesse, versuchtem Wohlwollen und Teilnahme wissen will, was sie zu sagen hat (doch nur, um sie zu verstehen; doch nur, um ihr mit seinen bescheidenen Kräften versuchen zu helfen…): Das Schlimmste ist, dass hinter diesem Geplapper die Eigenliebe steht und dass sich darum diese gewöhnlichen Ahnungslosigkeiten energisch behaupten, dass sich dieses Gegacker für eine Überzeugung hält und dass sich diese Vorurteile als Prinzipien geben (…) Wenn man vor den Menschen Respekt haben will, muss man vergessen, was sie sind, und an das Ideal denken, das sie verleugnen, aber doch in sich tragen… (6. November 1877) An den einen und anderen Stellen äußert er sich sogar noch pessimistischer über die Seelenhaftigkeit der mehrheitlichen Menschheit; ich will das aber gar nicht zitieren, da es mir dann doch aus irgendeinem Grund missfällt (man kann es sich ja denken, wie mieselsüchtig große Denker und Seelen sich dazu äußern könnten; diese sind freilich selten und man trifft sie kaum persönlich im Leben; aber um eine Vorstellung von der Materie zu bekommen, muss man ja nur hören, wie negativ die Menschen selbst über ihre Nachbarn reden). Mir persönlich macht das alles immer wieder sehr viel und gleichzeitig aber auch nichts, aber auch gar nichts aus. Vom Standpunkt des Absoluten, im Auge Gottes, in Gott sind alle Seelen gleichermaßen Seelen, und in Gott werden alle Seelen gleichermaßen bewahrt. Wenn ich in die Welt blicke, sehe ich einen riesigen Diamant, in dem sich alles spiegelt, wenn ich mich bewege, bewege ich mich durch ein unsichtbares, aber ganz reales Feld, wo alles mit allem verbunden ist; für mich sind alle Seelen gleich und in meinem Geist wird alles bewahrt. Der Geist trennt und ist analytisch, die Seele verbindet und ist synthetisch. Der Geist ist aristokratisch, die Güte demokratisch (…) Güte schränkt bewusst den Scharfsinn ein; es ist die Güte, die vor den allzu scharfen elektrischen Strahlen der Hellsicht einen Wandschirm aufrichtet; sie ist es, die sich weigert, die Hässlichkeiten und das Elend des intellektuellen Spitals auszuleuchten (…) Hat nicht Fénelon gesagt: Die schönen Seelen allein kennen die ganze Größe der Güte. (19. Januar 1879) Ja, der Geist trennt und ist analytisch, die Seele verbindet und ist synthetisch. Darüber hinaus aber – und es ist wichtig, diese Bewegung zu vollziehen! – ist der seelenvolle Geist außerdem synthetisch und die geistvolle Seele außerdem analytisch. Das ergibt dann einen Geist-Seele-Gesamtkomplex, der zwar irgendwie paradox ist, dafür aber eben weder vorsätzlich kritisch noch naiv. Das ist dann die Absolutheit des göttlichen Geistes, die notwendigerweise (da sie alles enthält) paradox ist, gleichzeitig jenseits des Paradoxen: meta-paradox, insofern sie mit dem Paradoxen und Anstößigen auf einer höheren Ebene der Ausgeglichenheit operiert. Das ist dann die absolute Freiheit. Doch vermag er diese Befreiung nur zu vollziehen, indem er die Dinge in ihr Gegenteil verkehrt und den Raum im Geist statt den Geist im Raum sehen lernt. Indem der Geist auf seine Virtualität zurückgeführt wird. Raum ist Streuung, Geist ist Sammlung. Und so ist Gott allgegenwärtig, ohne eine Milliarde Kubikkilometer einzunehmen und auch nicht hundertmal mehr oder hundertmal weniger. Als Gedanke nimmt das Universum nur gerade einen Punkt ein, doch im Zustand der Streuung und Analyse braucht dieser Gedanke alle Weiten des Himmels. (1. Februar 1876) … Die Ausdehnung und die Zeit werden dann zu bloßen Punkten. Ich wohne der Existenz des reinen Geistes bei, und ich sehe mich sub specie aeternitatis. (Wäre der Geist demnach nichts anderes als die Möglichkeit, die Wirklichkeit in die Unendlichkeit der Möglichkeiten aufzulösen? Anders gesagt, wäre der Geist vielleicht die universale Virtualität? Oder das latente Universum? Seine Null wäre der Kein des Unendlichen, die sich in der Mathematik durch das Unendlichkeitszeichen ausdrückt.) (13. Januar 1879) Ja, das sind dann die so genannten letzten Dinge. Die so genannten letzten Dinge sind der absolute Geist. Es gibt hin und wieder Individuen, die den absoluten Geist erreichen, die zu einer Erkenntnisebene vorstoßen, wo sich die Erkenntnisobjekte nur mehr durch Paradoxa beschreiben lassen, und die eventuell diese Paradoxa, eben gerade dadurch, überwinden; und es gibt Individuen, die sich all dem intensiver angenähert haben und damit verschmolzen sind als Amiel – diese aber können und wollen des Amiel nicht entbehren! Amiel ist ein wesentlicher Stein im Mosaik, oder besser gesagt im Hologramm des absoluten Geistes; führt vor, wie sich der absolute Geist selber begreift und prozessiert – und er führt vor, wie man die Dinge ergreift und mit ihnen verschmilzt. Wenn man die Dinge so ergreift, wie Amiel, dann ist man glücklich. Amiel lehrt uns das Glück. Amiel war kein Versager. In einer höheren Dimension, die freilich nicht alle sehen, war er ein geschlossener Kreis, und er hat alles im Leben erreicht.

Das Leben muss gleich der Geburt der Seele sein, der Freisetzung einer höheren Wirklichkeitsschicht (…) Die blinde, gierige, egoistische Natur muss sich in Schönheit und Adel verwandeln. (Dezember 1880) … Seinen eigenen Beitrag zur Vermehrung des Guten in der Welt leisten, dieses bescheidene Ideal ist genug. Zum Sieg des Guten beizutragen ist das gemeinsame Ziel der Weisen und der Engel. Socii Dei sumus, hat Seneca nach Cleanthus wiederholt. (24. April 1869)

(Anm.: Falls man diesen Text jetzt unnötig mäandernd findet, oder gar irgendein Arschloch glaubt, mir deswegen einen Strick drehen zu können, so möchte ich dazu sagen, dass ich mir hier zuerst die Textstellen von Amiel herausgeschrieben habe und sie dann irgendwie zusammengeleimt habe, und das außerdem nicht in ganz linearer Vorgehensweise. Was aber neben der Erinnerung an Amiel und dem Hochhalten seines Bildnisses hier wichtig ist, sind die Ausführungen zum Charakter des absoluten Geistes, die ich dermaßen kompakt vorher gar nicht vor Augen hatte, und die eher zufällig passiert sind. Ich will mir diesen Text, nachdem ich ihn jetzt (19. Februar 2020, 09 Uhr 18 vormittags) fertiggestellt habe, gar nicht mal mehr durchlesen, da ich ihn möglicherweise katastrophal finde. Die meisten anderen Male werde ich ihn aber wohl gut finden und zufrieden mit ihm sein. So ist das immer wieder.)

Krieg und Frieden

Krieg und Frieden von Leo Tolstoi habe ich einmal vor langer Zeit, im Alter von ungefähr 4 Jahren versucht zu lesen; bin aber nur bis zu ca. Seite 400 gekommen: dann ist mir dieses Aristokratengeschwätz einfach zu sehr auf die Nerven gegangen und ich habe es daunegehaut. Jetzt, im Exil, ist es mir gelungen, durch das ganze Massiv zu manövrieren, die ganzen 1500 Seiten; dabei glaube ich festzustellen, dass ich in meinen deutlich dünneren (und zumindest in der Hinsicht zugänglicheren) Büchern noch deutlich großflächigere Panoramen ausgebreitet habe, als eben Tolstoi in Krieg und Frieden. Das liegt offensichtlich daran, dass ich deutlich klüger bin als Tolstoi (der gemeinhin als einer der klügsten Schriftsteller gilt) und meine Aussichtsplattform, von der aus ich auf die irdischen (genau gesagt, die insgesamt kosmischen) Verhältnisse blicke, deutlich weiter oben ist. Naja. (Daher auch die Fallhöhe gewaltiger „lol“.) Zumindest aber bin ich mit Sicherheit lustiger. Auf 1500 Seiten Krieg und Frieden habe ich kein einziges Mal gelacht.

Ich kenne wenig von Tolstoi (daher diese Annäherung hier auch nur ein wenig launisch und rhapsodisch); aber ich habe schon mal bemängelt, dass mich seine radikale Immanenz stört. Seine langweiligen, alltäglichen Figuren, mit ihren langweiligen, alltäglichen Konflikten. Kann man sagen: Ja, so ist das Leben halt einmal! (wobei: Dass das Leben dermaßen unspiritualisiert sein soll, ist mir dann in der Praxis auch wieder nicht aufgefallen; allein schon einmal die nächtlichen Konzerte im Dreiraum in der Arena sind deutlich spirituell und entrückt; im gesamten Krieg und Frieden hat man dergleichen überhaupt nicht; nichts, was irgendwie zauberhaft wäre, obwohl man dem Zauberhaften im praktischen Leben doch dauernd begegnet etc.), nun gut, das eine aber ist das Leben, das andere die Kunst. Die Kunst verleiht dem Leben Sinn, interpretiert es, spiritualisiert es. Bei Dostojewski ist keine einzige Figur ein alltäglicher Langeweiler! Die fieberhafte Welt des Dostojewski, seine Figuren, in die sich dauernd etwas schiebt, die dauernd aus sich heraustreten – die sind zwar vielleicht der Realität enthoben, aber sie machen DEN ZUSAMMENHANG sichtbar. Das Band zwischen den Menschen, die inwendige Verflochtenheit der Schöpfung. Fiebernde Welt! Es sollte doch so sein, bei genialer Kunst, dass in der Präsentation und Schilderung einer Welt noch eine andere Welt zum Vorschein kommt, durch sie hindurchschimmert. Das hat man dauernd bei Dostojewski. Bei Tolstoi – ohne dessen Fähigkeiten klein reden zu wollen – hat man das nicht. Ich habe mich auch mit dem Fanatismus des alten Tolstoi für die Bauern nicht sehr genau beschäftigt, aber in dieser Mischung aus Grandiosität und Verschrobenheit scheint durchzuscheinen, dass Tolstoi einfach die Balance zwischen den beiden Welten, also hinsichtlich des spiritualisierten Existenzvollzuges im Hier und Jetzt, nicht eindeutig gefunden hat. Eventuell eine unverschämte Bemerkung. Sollte sie das aber sein, werde ich sie, sobald ich mehr darüber weiß, einfach korrigieren.

(„Aber Tolstoi ist ein Meister des westlichen Romans — Anna Karenina wird von
keinem zweiten auch nur entfernt erreicht — , ganz wie er auch
in seinem Bauernkittel ein Mann der Gesellschaft ist, Anfang und Ende stoßen hier zusammen. Dostojewski ist ein Heiliger, Tolstoi ist nur ein Revolutionär.
Das Christentum Tolstois war ein Mißverständnis. Er sprach von Christus und meinte Marx. Dem Christentum Dostojewskis gehört das nächste Jahrtausend“.

Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, II., S. 235ff)

(Eben und noch einmal: die warme, fiebernde, irritierende, instabile Welt bei Dostojewski (die das Schließen des stabilen Kreises aber immer zumindest andeutet, indem es das höhere moralische Gesetz, das ethische Band zwischen den Menschen als Fluchtpunkt hat) – die kalte und, trotz ihrer gewaltigen Kriegs- und Friedensspektakel völlig unspektakuläre und reizlose und – in ihrer geordnet beschriebenen Weise – anarchische Welt bei Tolstoi (der als Stilist (zumindest in Krieg und Frieden) völlig uninteressant war). Welt ist bekanntlich durchaus eine Frage der Weltwahrnehmung. Kann es sein, dass der epileptische, fiebernde Dostojewski inmitten seiner fahrigen Lebensverhältnisse die dem literarischen Genie eigene Spiritualität und Religiosität im Hier und Jetzt viel besser realisiert hat, und immer vollständig präsent war, als der gefeierte Literatursalonlöwe Tolstoi, der dann, aus Beschämtheit heraus, in seinen späteren Jahren alle Kultur und Kunst, inklusive seiner eigenen, verwirft und die Einfachheit des russischen Bauernlebens feiert, in einer offenbaren Mischung aus Grandiosität und Verrücktheit? Zu untersuchen, zu untersuchen, zu untersuchen!!)

Was mir bei Krieg und Frieden intellektuell gut gefällt, ist die pessimistische Sichtweise auf die Menschheit! „Pierre hatte die unselige Gabe vieler Menschen, und ganz besonders vieler Russen, an die Möglichkeit des Guten und Wahren zu glauben und gleichzeitig die Herrschaft des Bösen und der Lüge im menschlichen Leben allzu deutlich zu sehen, um noch an diesem Leben einen ernsten Anteil nehmen zu können. In seinen Augen gab es kein Arbeitsgebiet, das nicht mit Schlechtigkeit und Trug durchsetzt war. Was er auch zu sein oder zu tun versuchte, überall stießen ihn Schlechtigkeit und Lüge zurück und versperrten ihm alle Wege zu tätiger Mitwirkung. Aber dabei musste er doch leben, musste sich doch auf irgendeine Weise beschäftigen! Es war furchtbar und unerträglich, beständig unter dem Druck dieser unlösbaren Lebensfragen zu stehen, und so überließ er sich den ersten besten Zerstreuungen, um nur diese Lebensfragen zu vergessen.“ JA, dazu möchte ich schon einen wichtigen, treffenden Kommentar abgeben, nämlich – (unleserlich)

„Alle Erzählungen und Schilderungen, die dieser Zeit gelten, sprechen ausnahmslos von nichts anderem als von der selbstlosen Hingabe, der Vaterlandsliebe, der Verzweiflung, dem Leid und Heroismus der Russen. In Wirklichkeit lagen die Dinge ganz anders (…) Die Mehrzahl der Menschen jener Zeit kümmerte sich um den allgemeinen Gang der Dinge überhaupt nicht, sondern ließ sich von persönlichen Gegenwarts- und Augenblicksinteressen leiten. Und gerade damit (fügt Tolstoi hinzu, Amn.) haben diese Menschen damals der Allgemeinheit den denkbar größten Nutzen gebracht … Diejenigen aber, die den allgemeinen Gang der Dinge zu verstehen suchten und mit Heroismus und freiwilliger Selbsthingabe an ihm teilnehmen wollten, waren die nutzlosesten Mitglieder der Gesellschaft;  sie sahen alles verkehrt und alles, was sie für nützlich hielten und daher taten, erwies sich als nutzloser Unfug…“ Ach, die Schilderungen des Jahres 1812! Wie sie in Krieg und Frieden eine der großen Katastrophen der Menschheitsgeschichte vor Augen führen, allerdings auch, dass auch während großer Katastrophen oder zum Beispiel innerhalb von Diktaturen das allgemeine Leben seinen Gang geht, von aller Autorität unbeeinflusst, unpolitisch, und ebenso gelacht und gescherzt wird, wie geliebt, getrauert und geweint (im losen Zusammenhang damit auch: „… er hatte erkannt, dass es auf der Welt nichts Furchtbares gibt. Er hatte erkannt, dass, wenn es auf der Welt keine Situation gibt, in welcher der Mensch glücklich und vollkommen frei ist, es ebenso wenig eine Situation gibt, in welcher er unglücklich und unfrei ist. Er hatte erkannt, dass es eine Grenze der Leiden und eine Grenze der Freiheit gibt, und dass diese Grenze sehr nahe liegt…“). Wie Tolstoi einen gewahr werden lässt, dass auch die mächtigsten und tatkräftigsten Akteure und Auslöser von weltgeschichtlichen Prozessen dem anonymen, schicksalshaften weltgeschichtlichen Prozess unterworfen bleiben, in ihrer Macht reduziert, ihn nur teilweise beeinflussen und lenken können, hin und wieder auch von ihm zermalmt werden. Gewaltige Ereignisse des Jahres 1812! Ich sollte mehr über 1812 erfahren! In der Bibliothek meines seligen Vaters stand ein Buch, das nur 1812 gewidmet ist, verfasst von dem eminenten sowjetischen Historiker Eugen Tarle. Daneben steht die ebenfalls von Tarle verfasse Biographie über den höchst interessanten Talleyrand. Die Biographie über Talleyrand habe ich gelesen (sogar zweimal!), das Buch über 1812 nicht – also sollte ich das beizeiten tun. Der eigentliche Held und die eigentlich große, überdimensionale Persönlichkeit der gesamten Ereignisse von 1812 sei nicht der tragische Napoleon gewesen (habe ich bei Tolstoi gelernt und höchst interessiert zur Kenntnis genommen), sondern der unprätentiöse, verkannte, (im eigenen Land) geschmähte Kutusow: ein wirklich guter Geist und in sich selbst ruhender Mensch, deswegen aber leider auch dazu angetan, die Frechheit der Menschheit auf sich zu ziehen, während rohe Gewaltmenschen wie Napoleon idealisiert werden: „Für einen Lakaien kann es keinen wirklich großen Menschen geben, weil der Lakai eben seinen Lakaienbegriff von Größe hat.“ Ich sollte also dringend über Kutusow in Erfahrung bringen, ihn studieren und ihm gegebenenfalls ein Denkmal setzen, da mich stille, einfache menschliche Größe zutiefst begeistert und berührt (auf Wikipedia zumindest aber kann ich zunächst mal erfahren, dass die idealisierte Darstellung Kutusows durch Tolstoi „(h)istorisch bedeutsam … eher nicht (ist), da die russisch-patriotischen Elemente im Vordergrund stehen“ (sowie außerdem, dass ihm, zumindest in Russland, eh viele Denkmäler gesetzt worden sind)). Die Lektüre von Krieg und Frieden hat mich außerdem daran erinnert, bald wieder Claude Simon lesen zu wollen, Die Akazie und Die Straße nach Flandern zum Beispiel; eindringliche Bilder vom Krieg hat man bei Simon, der die zwei Weltkriege miterlebt hat (und vor allem eben Bilder, da Simon sehr immersiv und impressionistisch ist). Mit Tschaikowsky kann ich immer wieder eher wenig anfangen, aber der Anfang von der 1812 Ouvertüre – das betende russische Volk in der Kirche angesichts des wütend heranrückenden Napoleon und seiner Horden – gehört zum Besten was es gibt. Der ganze Sinn des Lebens und der eindringlichen Erfahrbarkeit der Existenz liegt da darin!

Unabhängig davon weiß ich: Tolstoi war ein begeisterter Leser der Tagebücher von Amiel. Amiel war der seltsame Fall eines Genies, das weder als Gelehrter noch als Künstler etwas Bleibendes hinterlassen hat (und unter dieser Unzulänglichkeit zeit seines Leben stark gelitten hat). Seine rastlose Produktivität hat sich in der Niederschrift seines (insgesamt 17.000 Seiten umfassenden) Tagebuchs manifestiert, das erst posthum erschienen ist (auch Friedrich „Manche werden posthum geboren“ Nietzsche war von Amiel dann sehr angetan). Eine sehr schöne Seele, Amiel, die in eine höhere, bessere Welt geblickt hat und die Dinge im Wesentlichen begriffen hat und von der man einiges lernen kann. Tolstoi hat die Tagebücher von Amiel in eine Reihe mit den Werken von Epikur oder Marc Aurel gestellt und bis zu seinem Tod immer wieder darin gelesen. Amiel ist heute praktisch unbekannt (und aufmerksam auf ihn geworden bin ich auf ihn nur, weil Pessoa in seinem (seinerseits wenig bekannten, und ja auch sehr spezialisierten) Werk Genie und Wahnsinn Amiel an einer Stelle als „trauriges Beispiel“ erwähnt. Was zur Folge hatte, dass ich sofort was von Amiel lesen musste!). Im Deutschen ist zeitgenössisch nur eine einzige Anthologie dieser Tagebücher erhältlich; die, die weiland von Tolstoi selbst  herausgegeben wurde. Der Herausgeber und Übersetzer der deutschen Ausgabe ist ein Universitätsprofessor, von dem ich in Erinnerung habe, dass er sich in seinem Nachwort dauernd an die Brust des schöpferischen Genius Tolstoi geworfen hat (um den es ja auch gar nicht wirklich geht in dem Zusammenhang), den scheinbar unproduktiven Gelehrten Amiel (um den es primär dabei geht) aber dauernd schmäht und abwertet, scheinbar völlig unzugänglich für dessen schönen Geist und seine erhebende Seele. Kurios und kurioser! Wieso ein solches Nachwort? Da hat wohl jemand Mist gebaut, habe ich mir gedacht. (Das ganze habe ich mir jetzt wieder ausgeborgt und gelesen. Naja, jenes Nachwort ist dann doch nicht so geartet, wenngleich eine gewisse Tendenz da schon gegeben ist, glaube ich jetzt feststellen zu können; jetzt ist es Sonntag, 8. Februar 2020, 12 Uhr 03 mittags. Ich werde mich jetzt ein paar Zerstreuungen hingeben, und als nächstes will ich mich wieder zusammennehmen, um Amiel ein Denkmal zu setzen.)

DENKMAL FÜR ROZA SHANINA “ The war correspondent Pyotr Molchanov, who had frequently met Shanina at the front, described her as a person of unusual will with a genuine, bright nature.[22] Shanina described herself as „boundlessly and recklessly talky“ during her college years.[10] She typified her own character as like that of the Romantic poet, painter and writer Mikhail Lermontov, deciding, like him, to act as she saw fit.[7] Shanina dressed modestly and liked to play volleyball.[66] According to Shanina’s sister-in-arms Lidiya Vdovina, Roza used to sing her favourite war song „Oy tumany moi, rastumany“ („O My Mists“) each time she cleaned her weapon.[22] Shanina had a straightforward character[67] and valued courage and the absence of egotism in people.[7] She once told a story when „about half a hundred frenzied fascists with wild cries“ attacked a trench accommodating twelve female snipers, including Shanina: „Some fell from our well-aimed bullets, some we finished with our bayonets, grenades, shovels, and some we took prisoners, having restrained their arms.““ [22] https://en.wikipedia.org/wiki/Roza_Shanina

KW 6, Februar 2020

Nachbemerkung zu Büchner vs Goethe

“I was within and without, simultaneously enchanted and repelled by the inexhaustible variety of life.“

F. Scott Fitzgerald

Das Universalgenie ist nicht notwendigerweise erleuchtet, und die Erleuchtete nicht notwendigerweise künstlerisch oder wissenschaftlich. Beides sind eher seltene Erscheinungen, und dass beides in einer (oder einem) zusammentrifft, eher noch seltener. Erleuchtet sein bedeutet: der Geist ist der offene Raum, das Subjekt verfügt über volle Manövrierfähigkeit und Navigationsfähigkeit über den offenen Raum, ist eins mit den Dingen, die Fähigkeit zur mentalen Rotation ist maximiert; außerdem kann man es mit Worten nicht ganz genau beschreiben oder definieren. Man erkennt es, wenn man es sieht. Erleuchtet sein ist Transzendenz, das Durchstoßen der materialen Hyle. Allerdings führt der (oder die) Erleuchtete in seinem Geist, der dem offenen Raum gleicht, nicht notwendigerweise analytische  bzw. wissenschaftliche oder künstlerische oder philosophische, vielleicht auch nicht mal explizite moralische Operationen durch. Erleuchtung ist ein anderer Zustand, der sich vom fragmentierten Normalbewusstsein unterscheidet. Er bezieht sich nicht auf die wissenschaftliche Physik und (eigentlich) auch nicht auf die Metaphysik (sondern er ist vor- wie meta-metaphysisch). Allerdings wird zumindest die Metaphysik viel interessanter, wenn sie aus einem Zustand der Erleuchtetheit betrieben wird. Goethe war Universalmensch und man sieht da eine scheinbar schön abgerundete Aura von großem Radius, wenn man (als Erleuchteter zumindest) auf ihn blickt. Allerdings stand er immer nur an der Schwelle zur Transzendenz. Weder seine Dichtung noch seine Wahrheit sind positiv entrückt und machen höhere Dimensionen (irgendwie) sichtbar. Aufgrund seiner extremen Wahrnehmungs- und Erlebnisfähigkeit ist Dichtung und Wahrheit so angefüllt mit Weltwahrnehmung, dass es mir noch gar nie gelungen ist, sie zu lesen. Die geistige und sprachliche Flexibilität des früh verstorbenen (daher auch nicht gut definitiv beurteilbaren) Büchner hatte Goethe aber nicht! Dessen Lenz ist eine Über-Dichtung und Über-Wahrheit hinsichtlich der Weltwahrnehmung und, anzunehmenderweise, auf seinen dreißig Seiten reichhaltiger und ungewöhnlicher als die vielen hundert Seiten von Dichtung und Wahrheit. Einfach, weil Büchner die Welt offenbar von einem deutlich höheren Blickwinkel aus betrachtet, als Goethe, von einem höheren Niveau der Analyse und der Integration von Wahrnehmung und von Wissen. Panoramic ability hat ein Engländer dem Goethe beschieden, wofür Goethe sich geschmeichelt schön zu bedanken wusste. Allerdings ist auch das Panorama, wenngleich nichts Fragmentiertes oder Segmentiertes, was Begrenztes. Im Lenz kommt zum Vorschein, was ich als das Einheits-Bewusstsein bezeichne. Eine vollständige, intensive, einheitliche Erfahrung des gesamten Wirklichkeitsfeldes, auch hinsichtlich seiner Illusionen, wie Hinter- und Überwirklichkeiten, seiner Träume und seiner Potenziale; seiner Virtualität und seiner Aktualität. Der Geisteszustand des schurkischen Joker wird dann und wann als „Super-Sanity“ bezeichnet. „I see it all! The whole game! Ahahahahaha!“, sagt der Joker an einer Stelle. So eine Perspektive hat man bei Büchner. Büchner beherrscht auch alle Dialekte innerhalb der „stammelnden Mannigfaltigkeit der Welt“ (F. Hebbel) – und zwar besser als Goethe, wenn es um die Sprache der niederen Schichten im Faust geht – er durchdringt sie intensiv und spiritualisiert sie (macht also eine „Kunstsprache“ aus ihnen, die allerdings gänzlich ungekünstelt ist). Jetzt ist es vielleicht seltsam, dass man einen symbolträchtigen Psychopathen wie den Joker hernimmt als Vorbild für eine bessere Wahrnehmung, die es anzustreben gilt – aber das Charisma des Joker liegt darin, dass er eine vollständig autonome, aus sich selbst heraus gebärende und von außen nicht beeinflussbare, allerdings scheinbar massiv unter ihren Eindrücken stehende und diese verarbeitende Figur ist. Lenz ist zwar auch verrückt, aber er navigiert, während die Wogen der Wirklichkeitswahrnehmung auf und nieder gehen, durch diese Wirklichkeit; er selbst einmal größer als das All wird, dann wieder gegenüber dem All zu einem winzigen Punkt zusammenschrumpft u. dergl. mehr. Der Geist von Büchner ist ohne Weiteres erleuchtet. Mich interessiert die Möglichkeit bzw. das eventuelle Vorhandensein der Möglichkeit, ohne Kasteiungen und Übungen in Zen-Koan den Zustand der Erleuchtung zu erreichen, und zwar eben nur, eigentlich, über das Studium der Wissenschaft bzw. der wissenschaftlichen Weltwahrnehmung. Das Studium des Koan hat etwas wissenschaftliches ja an sich, da es versucht, das Paradoxe zu begreifen, und damit die Facetten, die Mannigfaltigkeit, das ständige Wechseln der Perspektive zwischen Motiv und Hintergrund. Ein Geist, der das vollständig beherrscht, besitzt Satori. Er ist vollständig flexibel. Das Erreichen von Erleuchtung, Satori, des Einheits-Bewusstseins bedeutet das Durchstoßen der materialen Hyle der Dinge wie der Konzepte über die Dinge – und dieses Durchstoßen erfolgt,  mit Leibniz gesprochen, über die Reflexion der Reflexion, also über das absolute Denken. Zunehmende Intelligenz bedeutet auch, dass komplexe, systemisch zu begreifende Inhalte wie Wissenschaft oder Philosophie für einen einfach werden, das (scheinbar) Einfache, wie alltägliches Verhalten der Menschen, Sittlichkeit oder Politik, in der Wahrnehmung des Intelligenten zunehmend komplex erscheinen (er bisweilen eine Komplexität an ihnen wahrnimmt oder in ihnen vermutet, die gar nicht besteht). Das Komplexe wird für den (wirklich) Intelligenten einfach, das Einfache komplex. Ich habe gesagt, das Einheits-Bewusstsein bedeutet eine demokratische Wahrnehmung aller Dinge (bei gleichzeitigem Vorhandensein der Möglichkeit ihrer analytischen Unterscheidung und Trennung). Das ist wahrscheinlich so, weil auf der Ebene des Einheits-Bewusstseins alles gleich einfach und gleich komplex geworden ist. Es gibt nichts wirklich Gescheites und nichts wirklich Dummes mehr. Das Komplexe wird einfach und das Einfache komplex. Das ergibt, inmitten dieser Homogenität freilich auch immer wieder eine ungewöhnliche Perspektive, denn es bedeutet auch, dass man, gleichsam mit einem Auge wie mit einem Teleskop in die Welt blickt, und mit einem anderen wie mit einem Mikroskop (wenn man so will, hat man hier die Gleichzeitigkeit von analytischem und synthetischem Geist). Ständig steigt irgendwas auf, und fällt irgendwas ab. Flächen erheben sich, Plateaus senken sich. Dynamische Geysire brechen aus. Es ist somit eine wabernde Homogenität (die freilich teilweise durchaus unheimlich sein kann – wie es aber eben die Realität an sich ist). Diese wabernde Realität bzw. der Eingelassenheit des Subjektes in die objektive Welt hat man im Lenz. Einen solchen Geist – den des Einheits-Bewusstseins – hatte der Büchner, der sehr wissenschaftlich war. Bei Goethe hat man immer wieder Figuren – den Faust, den Werther, den Tasso – die sich in der Wirklichkeit auf erstaunliche Weise nicht zurechtfinden, und in eigentümlicher Disharmonie mit ihr leben (oder eben sterben). Sie sind neurotisch; als der krankhafte Ausdruck des normalen, fragmentierten Bewusstseins (Lenz und der Joker sind psychotisch, als der krankhafte Ausdruck des Einheits-Bewusstseins). Das Einheits-Bewusstsein hingegen bedeutet ewigen und absoluten Frieden, da man in der Überwirklichkeit angelangt ist, und die Welt beherrscht. Man sieht zwar das Chaos, vor allem aber unglaublich robuste, unzerstörbare Verstrebungen und Architekturen – das ist der Blick auf die Ewigkeit und das Absolute – und das ist der Blick auf den eigenen, ewig gewordenen transzendenten Geist. Das ist das Konx Om Pax, sind die elysischen Felder. Schau, wie autonom der Träger des Einheits-Bewusstseins geworden ist (oder eben die Trägerin)! Sie sind etwas ganz anderes als die immer wieder grotesken Figuren von Goethe. Das Einheits-Bewusstsein steht über aller Welt und ist stärker als alle Welt. Es ist unsterblich und ewig.

Jetzt ist es nun allerdings nicht so, dass das das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt wäre. Das Einheits-Bewusstsein steht über aller Welt und ist stärker als alle Welt. Es ist unsterblich und ewig. Das heißt nun aber nicht, dass es in der Welt herrscht und irgendeine Macht haben muss. Das Einheits-Bewusstsein ist gut, und mit den Worten von Bhagwan, hat der Träger des Einheits-Bewusstseins den Zustand des ewigen Werdens (also des produktiven, allerdings auch gehetzten Zustand des entwicklungsfähigen Menschen) unter sich gelassen, und ist in einem unerschütterlichen Sein angelangt – „der Alptraum ist zu Ende“. Das Ego, das die Perspektive verzerrt und verengt, ist abgefallen – da ist eben nur mehr der offene Raum. Allerdings ist das eine eben das Bewusstsein, das andere ist das Sein, und wie Goethes Freund Schiller (im Wallenstein) dichtet:

Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit

Leicht beieinander wohnen die Gedanken,

Doch hart im Raume stoßen sich die Sachen

Da ist es nun allerdings doch so, dass das großartige Einheits-Bewusstsein, das die elysischen Felder sieht, in Wahrheit auf eine kompartmentalisierte Wirklichkeit blickt und sich bezieht, und wenn man die spiritualisierte Perspektive wegrechnet, worüber sich alles an ihr als eine schöne, farbenprächtige Mannigfaltigkeit und Vielheit ausnimmt, eben auf eine vielfach unangenehme, heterogene bis einander feindselige Wirklichkeit, eine empirisch-sittliche Wirklichkeit, von der Goethe (in den Maximen und Reflexionen) sagt:

Die empirisch-sittliche Welt besteht größtenteils nur aus bösem Willen und Neid.

Im Wallenstein heißt es weiter:

Dem bösen Geist gehört die Erde, nicht

Dem Guten. Was die Göttlichen uns senden

Von oben, sind nur allgemeine Güter,

Ihr Licht erfreut, doch macht es keinen reich

Von den Reichen heißt es immer wieder, ihr Leben sei dann doch nicht so beneidenswert; Alexander wusste einst (doch eher glaubwürdig) zu berichten, dass in der Welt der Hollywood-Stars, in der er sich eine Zeitlang aufgehalten habe, ein doch deutlich empfundenes Sinndefizit herrsche. David Bowie, der alles erreicht hatte, hat in späteren Jahren gemeint, wenn er noch einmal auf die Welt käme, würde er ein spirituelleres Leben führen wollen („ein Mönch sein, der allerdings viel Gitarre spielt“). Das Einheits-Bewusstsein ist das Höchste, was an diesseitiger Spiritualität erreichbar ist. Es ist wahrscheinlich das, was alle wollen. Allerdings halt einmal das Einheits-Bewusstsein allein zu haben, ist auch ungemütlich, noch dazu, wenn es den Neid und die gekränkte Eitelkeit unter den Mächtigen hervorruft, also dazu beiträgt, den Außenseiterstatus zu zementieren. Bhagwan hat gemeint, von seinem Rolls Royce aus (den ihm reiche Bewunderer geschenkt haben), der letzte Sinn liege nicht unbedingt in der Askese allein – der Sinn liege darin, ein materiell wie ideell reiches Leben zu führen. Bhagwan hat die Erleuchtung selbst erfahren. Sloterdijk nennt ihn einen „Wittgenstein der Religion“ Gegen Ende seines Lebens hat Bhagwan pessimistisch gemeint, dass er keine großen Hoffnungen für die Menschheit mehr habe. Mit einer großen Hoffnung habe er zu lehren angefangen, doch ganz allmählich habe die Menschheit diese Hoffnungen zerstört. Jetzt habe er nur mehr für einen kleinen Teil der Menschheit Hoffnung. „Ich nenne ihn: meine Leute“. Im Einheits-Bewusstsein kommen seltene und höchst qualitative Sachen und gute Eigenschaften zusammen. Das Problem ist, dass es einen in eine intensivere Verbindung mit der Welt bringt, allerdings eben auch von der empirisch-sittlichen Welt entfernt. Diese Paradoxie muss man dann doch erst einmal aushalten; vor allem für den Träger des Einheits-Bewusstseins mag das eine besondere Herausforderung sein (nicht allein, weil sein Empfinden ja allgemein viel intensiver ist, sondern eben auch, weil es ihn – und ihn ganz allein – ja auch persönlich betrifft). Was sind die Mächte der Geschichte? Das kann man nicht übergeschichtlich sagen, vielfach sind sie anonym. In seinen Weltgeschichtlichen Betrachtungen sagt Jacob Burkhardt:

Gegenüber von solchen geschichtlichen Mächten pflegt sich das zeitgenössische Individuum in völliger Ohnmacht zu fühlen (Problem des Woyzek, Anm.); es fällt in der Regel der angreifenden oder der widerstreitenden Partei zum Dienst anheim. Wenige Zeitgenossen haben für sich einen archimedischen Punkt außerhalb der Vorgänge gewonnen und vermögen die Dinge „geistig zu überwinden“ und vielleicht ist dabei die Satisfaktion nicht groß, und sie können sich eines elegischen Gefühls nicht erwehren, weil sie alle anderen in der Dienstbarkeit lassen müssen. Erst in späterer Zeit wird der Geist vollkommen frei über solcher Vergangenheit schweben.

Das Einheits-Bewusstsein ist überweltlich und überzeitlich. Durch seine überzeitliche, ewige Perspektive ist es in der späteren Zeit bereits heute angekommen. Also können ihm die Kämpfe der heutigen Zeit ein wenig egal sein (unter anderem auch, weil sie sowieso so dumm sind, und im Einheits-Bewusstsein gibt es eben keine Kämpfe). Es sieht allerdings auch – und empfindet vor allen Dingen auch – , dass die spätere Zeit der heutigen irgendwie ähneln wird. Allerdings kann man Einsicht in die Ewigkeit ja auch nur haben, wenn es ewiges, das heißt einigermaßen identisches gibt. Transzendenz und Erleuchtung bedeutet, dass es eben etwas niederer Ordnung geben muss, über das sich die Transzendenz erhebt, und auf das sich die Transzendenz, in einer schwer beschreibbaren und nicht eindeutigen höheren Dimension aus bezieht. Wenn jetzt einer in zusätzlichen räumlichen und zeitlichen Dimensionen lebt, lebt er aber eben doch auch in denselben Dimensionen wie alle anderen. Büchner ist erst Jahrzehnte nach seinem Tod bekannt geworden, sein Geist erst relativ spät vollkommen frei über solcher Vergangenheit geschwebt. Aber er hatte Recht, auch in seinen Einsichten in den geschichtlichen Gang, auch als zunächst radikaler, dann gemäßigter, reformerischer Revolutionär. Lemmy von Motörhead sagte einmal, er und John Lennon seien letztendlich darin gescheitert, die Welt zu verändern (zumindest bezogen auf ihren ursprünglichen, naiven Idealismus), denn sie wollten das Geld bekämpfen. Aber man kann das Geld nicht bekämpfen. Nun denn, aber das Geld und jegliche wirtschaftliche und politische Macht können auch das Einheits-Bewusstsein nicht bekämpfen und ihm nicht den geringsten Schaden zufügen, selbst wenn sie es wollten. Macht hat man letztendlich nur dann vollständig erlangt, wenn man die nicht allein die äußerliche, sondern die innere Freiheit des Anderen auslöscht oder korrumpiert. Das Einheits-Bewusstsein ist aber nicht mal allein unkorrumpierbare innere Freiheit, sondern die absolute Freiheit des chaosmotischen Prozesses der Welt. Es ist unbesiegbar, weil die Welt in ihrer Totalität, die es abbildet, unbesiegbar ist. Es ist so unbesiegbar wie das Geld. Es richtet sich auch nicht notwendigerweise gegen das Geld, so wie das Geld sich ja nicht notwendigerweise gegen das Einheits-Bewusstsein richtet. Sollten diese beiden Mächte gegeneinander kämpfen, geht es unentschieden aus; unter anderem, da sie ja zu einem guten Teil unterschiedlichen Sphären angehören. Schau, da oben, über der Erde, in der Exosphäre: da ist die Möbiusschleife des Einheits-Bewusstseins, und die Möbiusschleife des Laufs der Welt. Das ist das Sinnbild, wie sich, in Einsamkeit, die Welt und das Welt-Bewusstsein prozessiert. Das ist die Ewigkeit der Dinge. Büchner hat das alles verstanden; Goethe auch; jeder versteht das, aber die Vision bei Büchner finde ich am besten und am Intensivsten. Büchner war erleuchtet. Es kommt im Leben einfach darauf an, nicht bloß Universalgenie, sondern eben auch erleuchtet zu sein. Dann hat man ein gutes Beispiel gegeben; war allerdings auch eine prekäre Erscheinung.

31.1. + 2.2. + 4.2.2020

Mi Diosa

No fue fácil para mí, el genio literario, describir mi Diosa en detalle, aunque la conozco desde hace unos años. Describir mi Diosa en detalle es algo que incluso elude mis habilidades analíticas, las habilidades de un genio literario muy alto. Pero esto es, por supuesto, muy, muy bueno, porque la sustancia es, por su propia naturaleza, algo que elude la descripción final y definitiva, sino que continúa avanzando, o se sumerge en las profundidades. Eso es muy, muy bueno; cuando estás lidiando con algo así, ¡sabes que estás tratando con la sustancia! Las cosas buenas eluden la descripción completa y la mente analítica (mi Diosa, por otro lado, puede que no le importe mucho, porque es idéntica a sí misma). Siempre fue predecible que si alguna vez encontraba un alma gemela, probablemente sería algo completamente inesperado e impredecible. Y eso es en la práctica, porque por ejemplo mi Diosa vive en otro extremo de la tierra. ¡Así que tuve que volar a otro extremo de la tierra para encontrar mi diosa! Mi Diosa, por otro lado, es completamente idéntica a sí misma. Mi Diosa es un fenómeno completamente natural y un ser natural. Goethe dijo de su Christiane Vulpius que ella es su ser natural (mein Naturwesen), y mi Liliana es sólo mi ser natural. Me encanta mirarla cuando recoge piedras, a su manera pausada, y más aún cuando saca las piedras recogidas de su bolsillo y las esparce delante de ella. También me encanta mirarla cuando está viendo la televisión. Llegamos a conocernos a través de los medias sociales, que los sabios dicen cosas separadas y aíslan a la gente. Mientras que la gente en Facebook supuestamente tiene muy pocos amigos internacionales o „amigos“ que no conocen en la vida real, tengo en Facebook muchos amigos de todos los países diferentes del mundo y que no conozco en la vida real. Porque para mí, Facebook es mi ventana al mundo. Es mi monitor sobre el que observo los acontecimientos mundiales en todas sus facetas; porque soy curioso y curioso (¡igual que ella!). Un grupo más grande de mis amigos internacionales proviene de la comunidad internacional de alta inteligencia, el otro de círculos donde la gente tiene un ojo para el especial, una supuesta percepción excéntrica. Disfrutan de impresiones hermosas, extrañas, divertidas, fuera de lugar, sin sentido. Tienen el sentido de la posibilidad, es decir, una percepción creativa (los altamente inteligentes, por otro lado, tienen el sentido de la realidad – y desafortunadamente no hay casi ninguna distinción entre estos mundos, que están habitados por pequeñas minorías). Conozco mi Diosa de los círculos de personas con una percepción excéntrica (o más precisa, correcta). Ella también es una excepción allí, ya que su visión del mundo es muy diversa. Mientras que la mayoría de los percedes excéntricos se centran en una cosa (hermosa o divertida, etc.), es receptiva a las cosas hermosas, así como extrañas y fuera de lugar, a la belleza de las mujeres, así como a la de los hombres. „A mi, mis cosas gustan las buenas y las cosas malas“, dice. En general, y sobre todo, expresa una amplia gama de perspectivas; una red que se eleva por encima de la tierra inmediata o el suelo y se cierne sobre ella a una y a la altura de la otra („ein Netzwerk, dass sich über die unmittelbare Erde bzw. die Bodennähe erhebt und darüber in der einen und der anderen Höhe schwebt“). „Cuando era niño, tenía mucha curiosidad.“ Pero sobre todo, todo esto revela un enfoque completamente natural de las cosas. En todo esto, mi Diosa es completamente idéntica a sí misma, es la naturaleza. Así que los dos no tenemos muchos amigos. Aunque la mayoría de la gente en Facebook, al menos la gran mayoría de la gente de la comunidad de alta inteligencia, así como de la comunidad excéntrica, me parecen encontrar me disuasoria, mi Diosa rápidamente me reconoció como un aliado y buscó mi cercanía. De nuevo es imposible describir la comunicación exacta con ella, pero ella es muy sentida, incluso si está enojada o muy celosa. El secreto de su comunicación, a su vez, es que es completamente natural e idéntica a sí misma. Puedes hablar con ella con normalidad. Ese es el gran secreto, y aparentemente la gran rareza. Aunque también tiene sus adorables inseguridades, tuvo un gran poder y audacia cuando me dijo que me ama (pero, debido a sus celos argentino, odia a todas las mujeres que me rodean). ¡Sí, la magia de todo esto es que es como una niña grande! Sólo quien llega a ser, o es, como los niños entrarán en el reino de los cielos. Y así vivo con mi Diosa en un reino de los cielos, donde todo es encantador, repentino y sin complicaciones. Nuestros registros de chat pueden pasar fácilmente a la historia literaria como el intercambio más hermoso de cartas de amor; y somos una de las parejas más importantes de la historia literaria. He leído una serie de cartas y cartas de amor, algunas de las cuales han sido leídas por los grandes de este mundo, tal vez todavía no he penetrado en el fondo y en su fondo, sino que me parece que incluso los grandes de este mundo no siempre ha tenido un auténtico acceso a él. sus sentimientos – o no sentimientos auténticos – sí, simplemente no puedo preguntarme lo suficiente. Ella es, como se mencionó, muy celosa y no le gustan muchas cosas, y muchas personas; a diferencia de mí, que todavía está atrapado en sueños ingenuos sobre la gente. Pero ella es el centro de su familia, y solía ser camarera porque le gusta hablar con la gente. Ella siempre elige a los comunistas, y conoce al jefe del Partido Comunista, pero no le gustan los musulmanes, no le gustan las feministas y, sobre todo, no le gustan las mujeres chinas (en algún momento, cuando los chinos tratan de imponer sus reglas al mundo, nosotros, los europeos super tolerantes, también nos volvemos entienden lo previsible que era esto!). Tiene arte chino en casa, y dice que le gusta el arte y la cultura chinos, pero no le gustan los chinos. Con el fin de provocar y burlarse de ella en sus celos, sigo publicando fotos de mujeres chinas, y ella se venga publicando imágenes de machos musculosos vulgares, lo que luego me pone celoso y consternado – porque son machos musculosos tan vulgares (increible!). ! Pero así es como funciona entre nosotros. Me encanta verla sentarse en la parte de atrás de su sofá amarillo y beber a su pareja mientras mira en el aire. Me toca aún más cuando cocina o hace jardinería, a su manera pausada pero concentrada. Me encanta y yo amo esta extraña criatura única! Si deja de ser, una visión cierta y única del mundo ya no será, una perspectiva, una percepción que no es tan fácil mente reproducible, y que tiene mucho que ensare. Hay muchas otras cosas que se pueden decir, pero me doy cuenta de que esta es una tarea difícil de transmitir algo completamente natural y sin mediación. También tengo que seguir organizando y revisando mis impresiones (ella misma también está leyendo  Corrección de Thomas Bernhard; me gustaría mostrarle mi hermosa Viena, no sólo en fotos y videos, sino que le gustaría tenerlos en Viena, pero ella está feliz de que ella está en los libros de Thomas Bernhard siempre recibe hermosas descripciones de lugares en Austria). El rasgo que más une a la gente es el humor y mi diosa es muy divertida. Es un horizonte grande y amplio que se abre, una melodía abierta y anhelada que suena. Me encanta y yo amo esta extraña, única criatura mucho!

23. – 26. Januar 2020