Das Buch vom seltsamen und unproduktiven Denken

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Das Buch vom seltsamen und unproduktiven Denken versammelt neuartige literarische wie essayistische und philosophische Texte. Es tritt aus dem Reich der Dämmerung hinein in strahlendes Licht. Ein Buch voller Epiphanien und Halluzinationen. Aus dem Urgrund. Maulwurfsgänge werden unter die Literatur und das Denken gegraben, so wie bei Kafka oder Nietzsche – wo man wohl wieder rauskommt? Das Antlitz des deus absconditus.

 

 

„Um die Wende zu diesem fantastischen Jahrtausend, in dem der Begriff „Menschheit“ wohl neu definiert werden wird, und zwar schon bald, war ich bei einer spätnächtlichen Veranstaltung nahe der Donau, in der Linzer Stadtwerkstatt dabei … Inhalt und Ziel dieser Veranstaltung war die Verulkung einer dieser Talent-Castingshows. „Wer von den Anwesenden hier ist Künstler?!“ hat da der Moderator bei einer Gelegenheit ins Publikum geschrien, und fast alle haben zurückgeplärrt: Ich! Ich! Ich! (denn es handelt sich bei der Linzer Stadtwerkstatt um einen Kunst- und Kulturverein). Nur ich bin in einer Ecke gestanden, von meinen eigenen Gedanken besessen, wie fast immer, außerdem war ich jahp2 gar kein Künstler, damals. Zwei Mädchen, die an der Show teilgenommen haben, haben aber den Fehler gemacht, sich (ehrlicherweise) als Studiosi der Betriebswirtschaftslehre auszugeben – dafür haben sie Häme und Beschäme bekommen und so waren sie für den Rest der Nacht ganz unglücklich! Nun – heute haben sie den Spieß umgekehrt und die Betriebswirtinnen sind an der Macht, nicht die Künstler, in einer Zeit wo obendrein, ganz ungeachtet dessen, dass alle Künstler sind, der Gesamtzustand der schönen Kunst nunmehr einer Salzwüste gleicht!

Mao Tse-tung, der große Steuermann, hat jedoch gemeint: Auf einem unbeschriebenen Blatt lassen sich die schönsten Zeichen malen! Und das heutige Zeitalter ist geistig und spirituell ein ausgesprochen unbeschriebenes, oder halt eben schlecht beschriebenes Blatt. Und so machen wir Tabula Rasa und tauchen hinab zum ewigen Urgrund, um neue Zeichen hervorzuwerfen, die all dem, ALL DEM um uns herum und in uns selbst, Sinn und Bedeutung geben! Das sei eine Aufgabe, für die es sich zu leben lohnt. – Ich nenne diese Tätigkeit seltsames und unproduktives Denken. Es unterscheidet den Menschen vom Tier und vom Tier- und Registrier-Menschen. Seltsam und unproduktiv – so denkt der Künstler und der Existenzerheller, der mit dem Dunkel ringt, um es zu bezwingen; außerhalb der Bahnen, die die Mächte der Finsternis in der Welt vorgeben. Was der Künstler und der Existenzerheller macht, ist die Welt zu erneuern, Werte zu schaffen, eine spirituelle Transformation einzuleiten; das Zeitalter zu definieren und mit ihm alle Zeitalter zu definieren. Das wollte auch Mao, doch Mao war innerlich kein gut ausgebildeter Mensch. Lasst uns also das gute Innere ausbilden – auch das ist Aufgabe des seltsamen und unproduktiven Denkens.

In diesem Jahrtausend wird wohl einiges verrückt werden am Menschen, doch das Ewigmenschliche nicht. Und der einzige Modus, sich dem Ewigmenschlichen anzunähern, ist der des seltsamen und unproduktiven Denkens. Dieses Denken sieht durch den Chaos und den Schutt des Zeitalters hindurch und bringt uns zu reinen Anschauungsformen und zu reinen Begriffen. Das ist wahr und echt und kein Gott kann es ändern, denn es gehört dem Urgrund an und schießt sich, wenn die Bewegung gelingt, und das wird sie, von dort aus ins Firmament. Wer in den silbernen Hainen des seltsamen und unproduktiven Denkens weilt, der wetteifert an Glückseligkeit mit den Göttern.

Y., 2014“

Die seltsame und unproduktive Leseprobe

Rezension im Falter

Interview in der Versorgerin

Besprechung im OÖ Kulturbericht

„Ich kam nie zur Ruhe: Am Tag danach, Fr: 11:12:2015, schob mich Sir eze mit dem 57A in die Galerie „Karenina“ nach Wien 1., Opernring 21/2. Stock/Tür 12, zur Lesung der heute unvorstellbar großen Dichterpersönlichkeit PHILIP HAUTMANN.
Er las aus seinen Texten: Erstens: „Yorick. Ein Mensch in
Schwierigkeiten“ (2010), zweitens: „Der uninterpretierbare Traum“ (2015),
drittens: „Das Buch vom seltsamen und unproduktiven Denken“ (2015). Sir
Philip Hautmann’s Hirn thront auf seinem Körper, vollbegossen mit Sperma.
Unvorstellbar, dass soetwas Göttliches heute noch aufblühen kann! Philip
sitzt unter seinem Hirn und schreibt sekundenpenetrant mit, was sich gerade
durch sein Hirn schießt.
Es ist also ein unmittelbarer Prozess in meinem Geist, den ich abbilde, wenn
ich sage: Ich male ein Quadrat. Ich weiß also nicht, was ich tue. Die
anderen da draußen wissen nicht, was ich tue. Sie sehen nur die Wortfläche.
Das Rechteck. Das Quadrat. Es ist gut, dass die nicht wissen, was ich tue.
Es ist gut, dass die nicht sehen können, wie ich aussehe. Ich glaube, wenn
die sehen könnten, wie ich in Wirklichkeit aussehe, verschissen, verkotzt
und Spermakrusten überall, dann wären sie ruiniert.“ (S. 96, „Das Buch vom
seltsamen und unproduktiven Denken“).“

Hermes Phettberg