Die Unnatur des Heinrich von Kleist

In „Poesie und Nichtpoesie“ versammelt Benedetto Groce in einer Zeit, in der es mit der Literatur und ihrer Kritik noch anders bestellt war als heute, vor gut hundert Jahren, Essays über zwei Dutzend Dichter und Literaten des 18. und 19. Jahrhunderts, und (neben Werner) ist es Heinrich von Kleist, der am schlechtesten dabei wegkommt. Groce verübelt Kleist, dass er den Gegenstand der Dichtung – die Leidenschaften – zwar durchaus gekannt hat, sie aber scheinbar nicht im Zaum halten und sie reflektieren konnte – dass er daher auch nicht über sie triumphieren konnte und nicht den eigentlichen Zweck der Dichtung erreichen: das sittliche Ideal zu errichten. Heute ist man viel eher geneigt zu feiern Kleist als Ahnherr des psychologischen Dramas, Menschenkenner und Metaphysiker, der Ahnung hat von einer gewichtigen Eigenschaft der Welt, die da in ihrer Instabilität und in ihrer Verhängnishaftigkeit liegt. Ja, bei Heinrich von Kleist hat man diesbezüglich schon eine Angefülltheit mit Raffinessen, dass es einen umhaut! Das Käthchen von Heilbronn, das stark/schwach, unbeirrt/somnambulent ihrer reinen Liebe folgt – zu einem unsympathischen Adeligen, der eher das männliche Ebenbild seiner/ihrer Antagonistin Kunigunde ist (oder aber auch an Kleists frühe Geliebte Wilhelmine von Zenge erinnern mag, mit der Kleist (möglicherweise auch unter dem Eindruck seiner latenten Homosexualität) ziemlich eigenartig umgegangen ist)! Adam, der mit Eve rücksichtsvoller spricht als der ungehobelte Ruprecht! Das Genie der Tat (Robert Guiskard), das, Napoleon gleich, kurz davor steht, eine tiefe Schneise in die weltgeschichtlichen Verhältnisse zu ziehen und sie signifikant umzupflügen, kurz davor aber qualvoll von der Pest niedergerafft wird und mit seinen Mannen einigermaßen sang- und klanglos verschwindet! Hermann, an dem sich die Unterschiede zwischen Recht und Unrecht, Zivilisation und Barbarei und, vor allem, Altruismus und Egoismus einebnen, im Rahmen einer schicksalshaften Konstellation, die nur mehr einen weitgehend moralfreien Dezisionismus zulässt (Ist man für die Römer? Oder gegen sie?)! Der Prinz von Homburg, der entweder in einer höheren (und extrem sozialen und geistesgegenwärtigen) Trance ist, oder in einer niedrigen (und selbstbezogenen), der Held ist, Feigling, Opportunist, der die Umstände umwirft und die Wellen bricht und dann wieder von ihnen umgeworfen wird und beinahe gebrochen! Götter, die mit Menschen eher schlecht als recht kommunizieren können und Götter- und Menschenwelten, die sich eventuell gegenseitig kaum was angehen und bei denen das Trennende über das Gemeinsame und Verbindende überwiegt – ach! Die entrückten Opfer der heiligen Cäcilie, die in einer Art Stupor leben, nachdem sie das Licht Gottes gesehen! Nicht zu reden von den extrem unheimlichen Verwandlungen (?), die diverse der Figuren im Kleistschen Kosmos durchmachen, um von unauffälligen oder gar gutherzigen Zeitgenossen plötzlich in Monster zu mutieren. Kleist ist als metaphysischer Künstler sehr groß, denn er sieht hinter das Wesen aller Dinge und wirft zeitlose, transhistorische Bilder. Auf einem so hohen Niveau der Abstraktion und des Begreifens arbeiten gar wenige. Gar viel hat Kleist verstanden. Kleist hat den Höheren Frieden verstanden, er hat den sicheren Weg des Glücks zu finden verstanden (weniger aber, auch unter den größten Drangsalen des Lebens – ihn zu genießen), und er hat das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt gelesen (Über das Marionettentheater); er hat auch somnambulent fremdgesteuerte Wesen der Liebe oder der Verklärtheit über sich selbst verstanden und Wesen des Hasses, der Rache und der Gewalt, von denen man nicht weiß, ob sie außer sich sind oder eben völlig bei sich. Er hat die Welt umrundet. Das ist allerdings nicht eben ein Kunststück, sondern es ist das, was das Genie eben tut. Der Stammtischbruder versteht (hin und wieder) den gesamten Umfang der Existenz ja auch, aber flach und unbeeindruckt; sogar der Intellektuelle tut das, wobei er sich meistens aber vor lauter großem Schreck unter den Tisch flüchtet, wenn er sich mit Manifestationen der Wirklichkeit konfrontiert findet, die ihm nicht in sein Weltbild passen: das Genie hingegen tritt dem gesamten Existenzkreis (intellektuell) unerschrocken gegenüber und lässt nichts unter den Tisch fallen. Allerdings fragt man sich auch immer wieder, inwieweit Kleist all das eben auch tatsächlich verstanden hat; sich vom höheren Frieden ein seelisches Abbild machen konnte, und von den leidenschaftsgesteuerten Wesen seiner Imagination ein intellektuelles…. Auf jeden Fall aber fällt bei Kleist die Leichtigkeit auf, mit der er seine Bahn um den gesamten Existenzumfang und um die Gesamtheit der menschlichen Verhältnisse zu ziehen imstande scheint, Wesen wie die Penthesilea einschließend, die auch für Goethe zu fremdartig und unverständlich erscheinen. Kleist war nicht allein ein Genie, er war einer der ultrakomplexen Menschen. Das Innere der ultrakomplexen Menschen ist der unendliche Saal der Spiegel, wo sich alles in allem spiegelt! Wieland bemerkt weiland „unter mehrern Sonderlichkeiten, die an ihm (Kleist, Anm.) auffallen mussten … eine seltsame Art der Zerstreuung, wenn man mit ihm sprach, so daß zum Beispiel ein einziges Wort eine ganze Reihe von Ideen in seinem Gehirn, wie ein Glockenspiel anzuziehen schien“, sowie „daß er bei Tische sehr häufig etwas zwischen den Zähnen mit sich selbst murmelte und dabei das Air eines Menschen hatte, der sich allein glaubt oder mit seinen Gedanken an einem andern Ort und mit einem ganz andern Gegenstand beschäftigt ist“. Hell yeah, die ultrakomplexen Menschen! Das Gute an der Ultrakomplexität (oder Allumfassenheit) ist der höhere Frieden in seiner höchsten Form, insofern sie ihre gesunde Vergegenwärtigung in der Weißen Hütte hat, in der Dichotomien nicht mehr existieren und alle Inhalte (äußerer oder innerer Natur) nur mehr, eventuell, Kräuselungen in einem angenehmen, strahlenden weißen Licht darstellen. Das ist das Reich des absoluten Friedens. Selige Öde auf wonniger Höh` (Wagner, Siegfried, Dritter Aufzug, Dritte Szene). Das schlechte ist, wenn sich durch die Ultrakomplexität die Widersprüche und Konflikte potenzieren, was vor allem der Fall sein mag, wenn der ultrakomplexe Mensch auf eine unterkomplexe, sehr simple Welt trifft, die für solcherlei Raffinessen wenig Verständnis aufbringt. Wenn er nicht stark ist, kann der ultrakomplexe Mensch da zerschellen. Vielleicht kann das Problem des ultrakomplexen Menschen aber auch in ihm selbst liegen, denn natürlich sind sich auch die Ultrakomplexen nicht alle gleich, und natürlich haben sie auch ihre individuelle Psychologie. Komisch ist, dass ich, wenn ich auf Kleist schaue, immer ein dunkles Grün sehe (das bestenfalls links oben von einem dunklen Schwarz begrenzt wird). Die Ultrakomplexität schimmert meistens in unendlichen Farben – bei Kleist sehe ich aber tatsächlich immer nur dieses tiefe, dunkle, monochrome Grün (bestenfalls eben teilweise begrenzt von (annähernd) schwarzem Rand). Ach! Das ist dann schon unheimelig. Wenn Groce vorschlägt, in Kleist einen zu sehen, der von momentanen Leidenschaften beherrscht war, die er sehr differenziert (weniger aber reflektiert) zu beschreiben wusste, und die der Anfang und auch das Ende seiner Dichtung waren, kann er teilweise schon recht haben, denn man hat bei Kleist schon eine gewisse Morbidität, die vielleicht weniger in der Extremität der geschilderten Leidenschaften liegen mag, sondern in einem offenbaren Fehlen ihres inneren Zusammenhanges. Bei Dostojewski hat man da einen leuchtenden Feuerkreis, der alles zusammenhält, und alle Figuren leuchten und treten hervor, bei Kleist hingegen wirken sie alle irgendwie eingefallen. Bei Kleist stehen die Charaktere (von (etlichen) Ausnahmen abgesehen) immer mindestens 10 Meter auseinander; bei Shakespeare hat man auch eine nebelhafte Welt und einen gasförmigen sittlichen Zusammenhang, aber bei ihm haben die Figuren durchschnittlich nur immerhin einen Abstand voneinander von gut zwei Metern; ja, eigentlich wirken sie überhaupt wie ein unauflöslicher Knäuel ineinander amalgamiert, wenn ich mir das jetzt eben zu vergegenwärtigen suche: bei Kleist sind es aber eben durchschnittlich zehn Meter; seine Welt ist so nebelhaft, dass man immer den Eindruck hat, man würde durch sie hindurchfallen. Wenn man keine entschiedene Position bezieht und skeptisch bleibt, ist das gut (und zumindest für den Philosophen auch allein angemessen), wenn man sich aber auf Positionen, auch zur Not, nicht festlegen kann, ist das schlecht, und scheint ein Hinweis, dass man sie eben gar nicht wirklich verstanden hat. – Der Ausdruck von Kleist ist einzigartig und unnachahmlich, aber er verursacht mir ein gewisses Unbehagen: Und zwar immer dahingehend, ob es auch der richtige Ausdruck ist! Das mit der eindeutig genialen Dichtung geht so: Man hat da den Kessel und undifferenzierten Quasi-Hintergrund der Imagination und als starre, robuste Formationen die Sätze und Wortflächen, in sich selbst solide gebunden und von äußerster Stabilität im (Quasi-) Vordergrund; sie mögen gleichsam als Protuberanzen aufsteigen oder über so Stangen mit dem Feuerkessel verbunden sein; es gibt da eine Verbindung, wenn nicht gegenseitige Verwachsenheit: Das dynamisiert dann die Sprache und das Bild, für immer und in alle Ewigkeit. Das Spiel und das ständige gegenseitige Verweisen von Motiv (dem Ausdruck) und Hintergrund (der Ausdrucksfähigkeit): das ist das Unendliche, das man in der genialen Dichtung hat. Ewiges Spiegeln und Ineinanderversenken der Welten und Hinterwelten. Bei Kleist hat man das recht eindeutig; ja, man hat trotz erzerner Starrheit und Solidität eine galoppierende Sprache, wie es Deleuze bei Kleist in etwa feststellt. Kleist galoppiert uns immer davon, und wir jagen ihm nach und werden nicht müde dabei. In der Prosa (speziell seiner Novellen) sehe ich einen schönen Strom, in dem sich fortwährend kleinere Wirbel bilden. Groce, der da moniert, die Novellen von Kleist wirken wie die Erzählung von Anekdoten, eine bloße Aneinanderreihung von Fakten habe man da, ohne literarische Ausschmückung bzw. Aufarbeitung bzw. Verwandlung, da Kleist die Gestaltungskraft fehle. So einfach kann man sich das nicht machen, und man kann sogar jubilieren, dass in Kleists Novellen die übertriebene „literarische“ Geschwätzigkeit fehlt, die man bei anderen ja genug und übergenug hat; allerdings wirft Groce da schon wieder eine Nuss hin, die man nicht so einfach knacken kann. Noch einmal und zusammengefasst: ist es sehr gut, wenn man im literarischen/künstlerischen Werke das Ineinanderversenken zwischen tatsächlichem Ausdruck (im Vordergrund) und dem Hinter/Untergrund/Schoß der Imagination hat, zwischen der Gestaltung und der Gestaltungskraft; das dynamisiert alles, das macht es ewig, das sind die „Tiefen“ – aber bei Kleist frage ich mich doch immer wieder, ob man die betreffende Stelle, oder das gesamte betreffende Stück nicht ganz anders hätte schreiben können, oder, mehr noch, hätte schreiben sollen! Verfluchte Unentscheidbarkeit! – Dass Amphitryon ein Lustspiel sein soll, ist mir erst aufgefallen, als ich das nachher im Nachwort explizit so definiert gesehen habe; den zerbrochenen Krug habe ich jetzt drei Mal gelesen (um ihm endlich ganz folgen zu können), gelacht habe ich noch immer nicht, obwohl der zerbrochene Krug ja als das deutsche Lustspiel Nr. 1 gilt; da können wir Österreicher möglicherweise wieder sagen: Jaja, die Deutschen und der Humor; ei, da haben wir Österreicher den Deutschen was voraus und wir haben auch den „Villacher Fasching“; wenn Groce sagt, der Humor von Kleist sei rein intellektualistisch, hat er wohl recht; die Stücke von Moliere sind immer wieder tatsächlich sehr komisch und sie sind eine gute, hervorragende Schule für die Menschenkenntnis; die metaphysische Weite von Kleist haben sie aber nicht, und metaphysisch bestimmt wird der Mensch bei Moliere eher nicht – bei Kleist aber eben schon! Natürlich sind weder der Amphitryon noch der zerbrochene Krug tatsächlich Lustspiele, sondern sie werfen die Frage auf Ist es eine Komödie? Ist es eine Tragödie? – ohne sie jetzt allerdings tatsächlich zu beantworten; diesem allsehenden Auge/Auge Gottes, das da errichtet wird und in den Weltkessel blickt, fehlt irgendwie dann eine Teilhabe (oder so; irgendwas fehlt aber irgendwie, oder scheint (irgendwie) zu fehlen). Der zerbrochene Krug ist groß, ja; eine Ellipse, deren Brennpunkte ein volkstümlicher Schwank einerseits und die letzten Rätsel der Welt und die Mysterien der Schöpfung andererseits sind; und, um bei geometrischen Metaphern und Veranschaulichungshilfen zu bleiben, hat man bei Kleist ein negativ gekrümmtes Universum, bei dem alles ins Unendliche und Unbekannte und ins Sich-Entziehende flieht. Aber eben: beim größten deutschen Lustspiel – hätte ich mir was anderes erwartet. Am Anfang vom zerbrochenen Krug hat man Dialoge, die das seltsamste von der Welt sind – und zwar AUCH wenn man in Betracht zieht, dass „die wahrheitsbildende Kraft der Sprache“ (Günter Blamberger) dort zerbrochen sei, und AUCH wenn man das mit der allmählichen Verfertigung von Gedanken beim Reden in Betracht zieht (was ich von mir aus recht gut kenne, aber, wie mir scheint, vor allem im Buch vom seltsamen und unproduktiven Denken (und vor allem in meiner ersten Kurzgeschichte, der vom Quadrat, besser bildlich dargestellt habe). – Aufgrund des wandernden Geistes oder auch der Unkonzentriertheit, die einem Mangel an geistigen Fähigkeiten entspringt, hat man immer wieder Mühe, Theaterstücken oder auch Abhandlungen über Spezialgebiete der Differentialgeometrie zu folgen. Zumindest ich habe bei Kleist erhebliche Schwierigkeiten gehabt, seinen Dramen zu folgen, und sie mehrmals lesen müssen um sie, natürlich unter Heranziehung diverser Sekundärliteratur, einigermaßen zu verstehen und ihnen folgen zu können. Komisch, wie man bei ihm schwafelnde Umständlichkeit ohne viel Aussage hat, und dann wieder entscheidende Hinweise in einen Halbsatz verpackt, der unter seinen Kollegen keineswegs hervorragt – so wie, eventuell, im (sogenannten) richtigen Leben, aber eben auch, und dann auch wieder, nicht. Ist das eine Stärke? Ist das eine Schwäche? Man weiß es nicht. – Goethe hat sich bekanntermaßen über die „Unnatur“ des Heinrich von Kleist ereifert, und Kleist wollte Goethe zum Duell fordern. Man hat bei Kleist eine ausgeprägte Ruhmsucht, Unstetigkeit (möglicherweise nicht allein des Genies, dem die Welt immer wieder zu eng wird, sondern als etwas Grundsätzlicheres), hohe Empathie und dann wieder erschreckend niedrige Empathie, man hat die unintelligenten Provokationen im Phoebus u. dergl. mehr. Man ist heutzutage leicht geneigt, Goethe für eine Art Tattergreis zu halten, dem immer wieder entscheidende Hinweise entgangen seien – aber ich, ICH, will, nachdem ich in der Vergangenheit darauf hereingefallen sein mag, dieser Versuchung nicht mehr so einfach erliegen! Wenn die Zeitgenossen losprusten, wenn Goethe zum Beispiel urteilt: Möge das Studium der griechischen und römischen Literatur immerfort die Basis der höheren Bildung bleiben! Chinesische, indische, ägyptische Altertümer sind immer nur Kuriositäten; es ist sehr wohlgetan, sich und die Welt damit bekannt zu machen; zu sittlicher und ästhetischer Bildung aber werden sie uns wenig fruchten; so werde ich weitgehend schweigsam und nachdenklich bleiben (denn etwas anderes als eine düstere Herdenmenschencultur haben die Chinesen oder die Inder oder die alten  Ägypter ja bis auf den heutigen Tag nicht zustande gebracht). So ist das, was Goethe bei Kleist als „Unnatur“ wahrnahm, bei heutigem medizinischem Wissen möglicherweise (wie Günter Blamberger zur Debatte stellt) eine narzisstische oder eine Borderline-Persönlichkeitsstörung gewesen, an der Kleist gelitten haben mag und die dann in Verbindung mit der Anomalie des Genies und dessen grundsätzlich enorm gesteigerter Wahrnehmung und intensiven Innenlebens die eigenartigsten, und letztendlich kaum entwirrbaren, Erscheinungsbilder abgegeben hat. Was hätte Kleist an Werken wohl noch von sich gegeben, und wie wäre er und seine Entwicklung zu interpretieren, wenn er ein so ansehnliches Alter wie Goethe erreicht hätte? Genau kann man das freilich nicht sagen, da Kleist ja gleich wieder gestorben ist; wenige auch der hohen Genies erreichen einen Grad abgründiger Tiefe vor ihrem fünfunddreißigsten oder vierzigsten Jahr – die „abgründige Tiefe“ wird erreicht, wenn der Adler in den Abgrund des Abends fliegt und, gemeinsam mit einem hellen Morgen, hinten wieder aus dem Abgrund aufsteigt, nachdem er die Welt umrundet hat – natürlich gibt es auch Frühvollendete (die dann möglicherweise sich nicht mehr nur nicht mehr weiter entwickeln sondern „ausbrennen“), und vielleicht war ja Kleist auch ein Frühvollendeter, der am Ende seiner „exzentrischen Bahn“ (Hölderlin) angelangt ist; vielleicht ist es ja so, dass wir mit dem vierunddreißigjährigen Kleist dann eben auch den ganzen Kleist vor uns haben: vielleicht, vielleicht (ja, das würde einer schon gern wissen!) (und, auch wenn ich mich anstrenge: sehe ich bei Kleist nach wie vor immer nur ein dunkles Grün, eventuell teilweise von einem schwarzen Viertelrund begrenzt). Bei Goethe hat man das Architektonische, die Stabilität, das Ideal; bei Kleist die Bewegung des Unterlaufens; und beide waren eventuell ein bisschen zu sehr in ihrem eigenen Stück gefangen, somit also naturgemäß Antipoden. Den Eisernen Ring, der die Welt zusammenzuhalten imstande ist, schmiedet man aber über beide Bewegungen gleichermaßen. Durch die Stabilität, das Errichten, das Ideal sowie das Unterlaufen von alldem, um erneut, und ohne Sterilität, errichten zu können und Ideale glaubhaft revitalisieren zu können. Sowohl Goethe als auch Kleist haben die Welt umrundet. Aber beide haben sie nicht überschritten. Goethe hat es sich in der Welt gut eingerichtet, und wenn er nicht gestorben ist, so lebt er noch heute; Typen wie Kleist (oder Baudelaire oder Nietzsche) sind dem jeweils zeitgenössischen Bildungsphilister unheimlich, er kann sich in ihnen nicht selbst erkennen, sie werden (wie Amanshauser vermutet), womöglich immer wieder von Neuem zu Lebzeiten von ihm nur in die Gosse getreten. Ewige Wiederkehr des Gleichen und Amor Fati und Manche werden posthum geboren. Symboltriefende Rätselhaftigkeit des Heinrich von Kleist in der Frage nach dem Verhältnis zwischen Mensch und Welt. Endlosschleife? Möbiusschleife? Die Welt ist stark, und das Genie ist schwach. Allerdings ist das ja gar nicht so, vielmehr ist es die Welt, die schwach ist, und das Genie, das stark ist! Das Genie hebt die Welt aus den Angeln, da das Genie eben stärker als alle Welt ist: so sagt das auch Kierkegaard in Der Begriff Angst. Da allerdings auch das Genie, wie auch die Welt, dem Schicksal unterworfen ist, und das Schicksal mächtiger ist als alles andere, da blind und dumm, kann das Genie (und, wie man fairerweise dazusagen sollte, die Welt) Angst haben vor dem „Schicksal“, eventuell Angst vor dem Schicksal, verkannt zu werden und letztendlich nutzlos zu bleiben; diese Angst kann das Genie in den Selbstmord treiben. Auch eben nicht die Stärke, sondern die ewige nervtötende Schwäche der Welt mag das Genie dazu bringen, sich aus der Welt zu verabschieden. Normalerweise wird das aber nicht der Fall sein; jeder Mensch, und erst recht jedes Tier hat sein Kreuz zu tragen, und ganz so schlimm ist es ja meistens nicht. Kleist hingegen hat behauptet, seine sei die „qualvollste Existenz, die je ein Mensch geführt hat“. Hm. Was ist dann aber erst die Existenz von Kurt? Wenn der äußere Reichtum fehlt, hat man da immer noch den inneren Reichtum; wenn die äußere Freiheit fehlt, hat man immer noch die innere Freiheit: und die inneren Reichtümer und Freiheiten sind dabei die eher wichtigeren. Im Zusammenhang mit seiner unsicheren materiellen Situation, seiner dauernden Erfolglosigkeit, seiner hartherzigen Familie und seinem scheinbaren Schicksal, zu einem ständigen glorreichen Scheitern verurteilt zu sein, in allem, was er in Angriff nimmt, und trotzdem er es ja gut ausführt, kann schon sein, nicht nur, dass es Kleist irgendwann gereicht hat, sondern dass er all das als ungeheure Kränkungen wahrgenommen hat, infolge einer irgendwie pathologischen inneren Struktur, die er mit Penthesilea oder Michael Kohlhaas (oder Congo Hoango, oder dem Bettelweib von Locarno, oder Piachi, oder dem Vater der Marquise von O… ….) zu teilen schien, und die die andere Seite seiner, ebenfalls psychologisch nicht eben stabilisierenden, übertriebenen Ruhmsucht gewesen sein könnte. Im Selbstmord, dem er mit kindischer, ausgelassener Heiterkeit entgegengegangen ist, hat er dann nicht nur seine innere Freiheit wiedergefunden, gegenüber dem verhängnisvollen Monstrum Welt, sondern eventuell auch eine Möglichkeit, es der Welt heimzuzahlen (neben einer Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erregen und sich für die Nachwelt dauerhaft interessanter zu machen). Aus einem Mangel an organisiertem und robusten Selbst hat sich Kleist also (eventuell) erschossen, aus ausufernder Komplexität bei gleichzeitig fehlender innerer Zusammenhaltigkeit (wenngleich mir Kleist da möglicherweise durchaus was voraushat, und ich, wenn ich wüsste, wie Neid sich eigentlich anfühlen würde, eventuell auf Kleist sehr neidisch sein könnte, denn aufgrund meines starken Selbst, meinem extrem festen Haften an der Welt und meiner seelischen Verbindung mit dem Weltgeist, scheint es mir letztendlich dann nicht  möglich, Selbstmord dann auch tatsächlich auszuführen, weswegen ich mich dann immer der Perspektive der Qual eines weitgehend sinnlosen Lebens ausgesetzt sehe, ohne daran was ändern zu können). Kleist war einer der ultrakomplexen Menschen, aber er war nicht eben der Gescheiteste von ihnen. Hell yeah, die ultrakomplexen Menschen!

Doch so, wie sich der Durchschnitt zweier Linien, auf der einen Seite eines Punkts, nach dem Durchgang durch das Unendliche, plötzlich wieder auf der andern Seite einfindet, oder das Bild eines Hohlspiegels, nachdem es sich in das Unendliche entfernt hat, plötzlich wieder dicht vor uns tritt: so findet sich auch, wenn die Erkenntnis gleichsam durch ein Unendliches gegangen ist, die Grazie wieder ein; so, daß sie, zu gleicher Zeit, in demjenigen menschlichen Körperbau am reinsten erscheint, der entweder gar keins, oder ein unendliches Bewusstsein hat, d.h. in dem Gliedermann, oder in dem Gott.

Mithin, sagte ich ein wenig zerstreut, müßten wir wieder von dem Baum der Erkenntnis essen, um in den Stand der Unschuld zurückzufallen?

Allerdings, antwortete er; das ist das letzte Kapitel von der Geschichte der Welt.

H. v. K. (Über das Marionettentheater)

Der ist der glücklichste Mensch, der das Ende seines Lebens mit dem Anfang in Verbindung setzen kann.

Goethe, Maximen und Reflexionen

Metaphysical Note about Extreme Metal

More recently I purchased the following CDs:

  • Abyssal: Antikatastaseis
  • Adverserial: D.E.N.A.T.B.K.O.N.
  • Mitochondrion: Archaeaon
  • Pyrrhon: Growth Without End
  • Sarpanitum: Blessed Be My Brothers
  • This Gift Is A Curse: All Hal The Swinelord

I welcome it that after a period of stagnation there are fresh and fruitful developments in extreme metal again! While extreme metal bands of former generations like Morbid Angel or Meshuggah sounded like if they came from another planet, bands like Abyssal, Pyrrhon or Mitochondrion sound as if they directly came from the depths of outer space (maybe from close to the region where Azathoth dwells). I call this progressive. Within those song structures we have nice chaos invocation and abstract beauty amalgamated with uncanniness giving an impression of the sublime. It gives you a sense of place – of belonging and forlornness. Of your attachedness and your seperatedness in the universe, etc. It´s a borderline, exurbia and edge phenomenon; look at how ambiguous it is and how much enigmatic meaning it carries, permanently shifting the Great Frontier! It´s metaphysical.

What I always liked about extreme metal is that it definitely confronts you with other, strange worlds (that aren´t so strange after all and for instance the occasional lyrics about Satan etc. are much more realistic and less phony than the love songs you hear on the radio). – It is both strange and surreal, and hyperrealistic and more human than human. It adds a (or multiple) dimensions to your perception. It confronts you with that that is the other and that that is unexpected. It unites the hemispheres.

„WESTERN“ METAPHYSICS

Let us, ideally, say that the „Western“ mind is analytical, scientific. It is about isolating and analysing things to gain rational knowledge about the thing, with the possibility (or the permanent horizon) to get to know the „thing in itself“. It strives for knowledge to manipulate things and transform civilisation via technology. It is concerned with the possibility of solid knowledge.

„EASTERN“ METAPHYSICS

Let us, ideally, say that the „Eastern“ mind, exemplified e.g. in the metaphysics of Zen, is more about getting to know and experiencing the faculty of perception and rationalisation itself. It is about dissolving the subject and amalgamating it with the object world, into a state of (for the sake of simplicity) productive mimesis. However, this state will involve serenity and sedateness, an acceptance of a certain resistance of things against manipulation and an acceptance of fate. It is concerned with the possibility of solid awareness.

UNPRODUCTIVE SYNTHESIS

Bhagwan says, people in the East have soft, fragmentary egos, and they are able to surrender and devotion (Hingabe) easily – yet their surrender is not very deep: it remains superficial. People of the West have strong and solid egos, and they are resistant towards surrender and spirituality. He concludes that a person that synthesises East and West may become something that is really interesting and transformative, but that is difficult.

„Eastern“ metaphysics somehow was designed as a pacification from unproductive upheaval and turmoil in a pre-scientific age i.e. when things could not fundamentally be changed. „Eastern“ metaphysics does not „solve“ the metaphysical problems but dissolves them, but unfortunately may also dissolve physics respectively the scientific mind, and its relaxedness may result in apathy, the insight that some things cannot be changed may make people forget to try to. The „Western“ metaphysics of the rational mind may lead to a tunnel vision and feelings of estrangement and disconnectedness from a greater whole, a disrespect for „soft“ sciences and arrogance. The „Eastern“ downside is being unscientific, the downside of the „West“ is being soulless. From a sociological point of view, Eastern societies are collectivist societies whereas Western societies are individualistic societies (with both easily abhoring each other or finding each other uncanny, although the productive synthesis includes the better elements of both).

THE CONSCIOUSNESS OF THE OVERMAN (PRODUCTIVE SYNTHESIS)

It is said East and West are very different and difficult to unite. They are respective others. However, if you approach the other you can gradually internalise it. The trick is not to make the other a toy of your ideology and accomodate it to you, but to take it serious. The full internalisation of the man´s world is the overman. It can also be described as the so-called unitary consciousness where all forms of life, where reality, dream, fiction, time, space, matter unite into a single, fluid, penetrating experience, where contours of individualities do not dissolute but become osmotic. The analytical mind is not pacified but intensified and empowered. There is not perfect exchangeability of background and motif as you have it in the vision of Zen, rather a fractal geometry of the universe, i.e. where the „deep structure“ can be progressively revealed and calculated and where there is no stubborn resistance against „inconvenient“ truths or discoveries, since nothing is truly „inconvenient“.

By permanently approaching and confronting the other, you increase your experience and widen your perception. By trying to integrate the other and internalise it, you widen your intellect and your personality, and you reduce your indoctrinations and your ego (if, however, you don´t have much of an ego in the first place). You transcend personality into the transpersonal and become open space. It is very profound.

Meaning of life – and meaning in general – lies in establishing connections (and pathological/endogenous depression means inability to establish true connections to anything). By connecting to the other, the most wide-ranging and permanently evolving connectivity is possible. Overmen usually appear „otherworldly“ (whereas they are also the most realistic persons) because they primarily relate to the other and to their respective counterpart (Socrates and Kierkegaard talked to anyone in the streets, T.W. Hickinson noticed that obscure Emily Dickinson was very aware and concerned about him as her counterpart, Shakespeare is hardly tactile as an individual but rather seems a transpersonalised consciousness over the tapestry of life, Wittgenstein, Kafka and Beckett were also very concerned about others including the possibility of self-sacrifice, etc.). Therefore, they include otherness and the Great Other in themselves and therefore they carry and execute the so-called divine law in themselves. They appear „alien“ as nothing is alien to them. And why? Because they actually relate to the other!

 

(Written 2015-2017)

Postsciptum: If you think this is stupid and esoteric wait for the various Postscripts to the Metaphysical Note about Extreme Metal which shall appear over time since of course I am able to discuss Kripke and Quine as well, as well as Gadamer and Ricoeur et al.

Prelude to the Metaphysical Note about Extreme Metal

Nikolaus Lenau´s Faust, Gilles Deleuze´s Proust, and Second Prelude to a Note about the Hyperset

I have stated elsewhere (in the Book of Strange and Unproductive Thinking) that I find Faust a quite strange, annoying and unconvincing figure (as well as that Goethe < Büchner). Likewise – despite Faust is a character through which humanity is individualised (like Don Quixote, Yorick, K., Malone, Ishmael or Peer Gynt) – Nietzsche said that, upon reflection, probably all that remains of Faust is a bizarre, degenerated example of scientific man. Ibsen wrote his Peer Gynt as an allusion to Faust and someone said Ibsen´s Peer Gynt is a bizarre satire upon Goethe´s Faust. I find Peer Gynt a more convincing, direct epitome of humanity, also given the ethical implications of Peer Gynt, although I somehow think that the mirror image of Faust (who is, of course, the much more comprehensive character) is somehow necessary to make Peer Gynt truly shine. Otto Weininger was very fond of Peer Gynt and it was Otto Weininger who made me understand Peer Gynt so that I wrote my Rompf as an allusion and a bizarre satire upon Peer Gynt. Otto Weininger (wrongly) was somehow dismissive of Ibsen´s later plays and said that, if he had wanted, Ibsen could have become greater than Goethe (because he somehow didn´t like Ibsen´s progressive attitude towards women). Otto Weininger was also dismissive of Nietzsche and called him a genius of seventh (lowest) grade (because he missed the ethical component in Nietzsche´s philosophy). Otto Weininger mourned that there was no one around like Goethe anymore in his days. I think if Otto Weininger had stayed alive he would have become greater than Goethe and Nietzsche, but he was psychologically troubled and did not survive. I partially understand Otto Weininger´s psychological troubles (in the dimension of overexcitabilities common among geniuses) and as far as I can see I am the only one around who actually understands Otto Weininger as a philosopher. I also think Ibsen was at least a more convincing and powerful playwright than Goethe. I have written one play so far and it was a bizarre satire upon theater and theater audience. I wonder what would have become of Büchner if he had stayed alive. I think Büchner would have become a major existential philosopher like Weininger or Nietzsche, not a theorizer of colours like Goethe. Enter Nikolaus Lenau.

 

Nikolaus Lenau denied Goethe possessing a „monopoly“ upon Faust, instead understood the archetype of Faust as a creative common of mankind and wrote his own version of Faust (like Christopher Marlowe had already done before Goethe). Nikolaus Lenau is relatively obscure today although Wikepedia bluntly states that he was the greatest Austrian poet of the 19th century. His Faust is a somehow more dire figure than Goethe´s and is frantically and desperately motivated to understand the presumed „truth of it all“. As he gets thrown into the world of the living by the devil he neither finds fulfilment in elementary constructiveness (love, giving birth) nor in destructive passions and finally finds himself cut off from everything so that, in a metaphysically deluded reflection upon his emotional alienation, he kills himself (and falls prey to the devil´s plot). Lenau´s Faust finds himself in a heterogenous, emotionally detached world and, as long as he cannot be omnipotent, omniscient, omnisentient and sovereign rather chooses death, his endeavour to „weld together himself, world and God“ („Dich, Welt und Gott in eins zusammenschweißen“) a failure. Lenau´s Faust indeed does not have the universality of Goethe´s Faust, it is rather a reflecion upon Lenau`s inner world as he finds himself torn between a longing for a protective God and being embedded in nature and being an autonomous god himself, unable to find reconciliation and consolation between the two extremes. As Faust is an archetype for (metaphysically) struggling man, Lenau was right to weld his alter ego together with the Faust archetype. I came across Nikolaus Lenau´s Faust when Alexander Nitzberg and his companion Peter Sendtko made a theatrical performance of the poem/play at Roman´s atelier some weeks ago; it was really lovely.

I still have not read Proust´s Recherche, I bought a copy of Swann´s Way when I was 19 or so and finally managed to read it some years ago. As far as I understand, Proust is longing for closure within intensity too which he tries to achieve via realization of memory. Proust´s Recherche is also archetypical. Gilles Deleuze bluntly announces (in Proust and Signs) that the Recherche is not an undertaking directed into the past and into autobiographical memory but into the future and into learning where memory is the material through which the subject enriches itself and comes to itself. Neither the subject nor the world does express itself directly, the chiffres of the world are the signs (for instance social signs, romantic signs, etc.), and via understanding the signs the subject progressively deciphers the world. The purest signs are the signs of art as they are immaterial and spiritual. The signs of art are deeper than the subject or object that carries and sends out the signs and more elementary as they reveal the essence. The essence of an object is its true embeddedness in the world, that what is actualised about it and its potentialities, it is, with reference to the note about Deleuze and Rancière and as Angell de la Sierra puts it, the „meta-noumenon … nothing less than the existential ontology of the object, another way of expressing its circumstantial semantic content, now and later on, a mind´s view of ,objective reality`“. The essence of the subject is to become a „point of view“ upon the world, finally, as Deleuze notes, a de/transpersonalised „spider“ which reacts to and acts upon the vibrations within the world-net. In becoming a „point of view“ the subject becomes objectified, eternal and immortal and it is eventually via the artwork via which man is able to make sense of the world and establish identity. It is associative intelligence, not logical intelligence (which is the intelligence of Faust) which reveals essence. – Trying to live in this world with a pronounced artist´s intelligence is not easy of course, but I have to say that Faust´s problems are to a considerable degree alien to me. The arid character of the world gets compensated as before my inner eye as lose graceful gestures I occasionaly witness (for instance by birds, by twinkling stars or by children) get inflated into a graceful world and potentialities seem to pour out everywhere (despite being aware that that´s a kind of bluff package, yet only partially). I do not communicate much with people but I feel, in a way, in a communion with them much more than the chatterboxes out there commonly do. Memory is virtually present not in a fotographic, textual way but via a hypertextual monitor on which I can recall memories to a given sensual or intellectual stimulus via association, enriching both the stimulus and the memory content with additional meaning. That monitor kind of enwraps and cocoons me and gives me presence. Faust obviously lacks such a thing.

A while ago I have started to ruminate about the „hyperset“. The occasion was a diagram I saw which made me think of a, say, meta-diagram as a necessity to competently understand and process the diagram, as a, so to say, conscious reflection over the diagram. Likewise, I have observed that I seem to belong to many groups within the human realm which often venn very thin and marginally, or not at all, making the final intersection a set to which seemingly only I belong, in solitude, on this earth, maybe also in this history. However, I also seem to understand all the sets at a higher level than those who only belong to the respective sets, I have higher awareness, I have higher consciousness of them. That diversification and pluralism is a good thing is commonplace, that the one who only understands a single discipline actually doesn´t understand that discipline either is what they say. Pluralistic understanding is good. Deleuze (and Guattari) refers to transversality as a mode of establishing connection between heterogenous sets that make up reality. Transversality does not try to totalize and normalise heterogeneity but is affirmative towards difference, lets them resonate and explores interdependencies. It is experimental and reflects anti-logos and becoming, the associative method of the Recherche, the instability of the world and the object as well as the emergence of essence through the process of art. Artistic style (i.e. a subjective mode of expression which is of objective substance) is what holds heterogeneity together and is the correlate to the logos (Welsch takes „transversal reason“ as a model for reason in postmodernity). This is vibrant and humming and makes us think of a microcosmic reflection of macrocosm (which also Deleuze does in Proust and Signs). Remember, Otto Weininger says: „The ego of the genius accordingly is simply itself universal comprehension, the centre of infinite space; the great man contains the whole universe within himself; genius is the living microcosm. He is not an intricate mosaic, a chemical combination of an infinite number of elements; the argument in chap. iv. as to his relation to other men and things must not be taken in that sense; he is everything. In him and through him all psychical manifestations cohere and are real experiences, not an elaborate piece-work, a whole put together from parts in the fashion of science. For the genius the ego is the all, lives as the all; the genius sees nature and all existences as whole; the relations of things flash on him intuitively; he has not to build bridges of stones between them.“ That is, well, the purest emanation of the hyperset, not somehow clumsily (or, if you want, more cautiously and operational) as it appears before my inner eye or that of Deleuze, Guattari or Proust (not to speak of Faust). Unfortunately Otto collapsed psychologically under its airy weight.

Despite having written the First Prelude to a Note about the Hyperset months ago it seems that I have not progressed a lot about thinking about it further and deeper, which is, however, excusable since I have done other things. I wonder whether the „hyperset“ can be a mathematical object and how it could be modelled, maybe it could shed light on the incompleteness theorem. I also wonder whether consiousness could actually be understood as a hyperset, or what we refer to as the soul, or processes of „emergence“ in nature (which are, so far, little understood). It reflects however an elevated state of mind which is, in the same fashion, „grounded“. Maybe I also lose interest in the hyperset, though I don´t really think so because first I like the name and second I think it is actually a name and category that refers to something real and one day, after I am gone, they will jubiliatingly scream „the hyperset, the hyperset!“ when they´ve done something dilettante; but that does not differ from what I do and how I came to think of the hyperset.

Prelude to Note about the Hyperset

Wols

Wols said to Ione Robinson that van Gogh is the end of paining, in the paintings of van Gogh everything explodes; and I said elsewhere (in the Books of Strange and Unproductive Thinking) that – as it occurs to me – while in the paintings of Vincent everything explodes into an outer space, in the paintings of Wols everything seemingly explodes into an inner space; I may have failed to thorougly describe it: They are maybe the projections of explosions/happenings that materialise in a higher dimensional spacetime into man´s limited dimensional prison, or they, so to say, capture the inner intensity of explosions, make the inner intensity of explosions visible, show these explosions/happenings in a kind of phase space. Wols is a reincarnation of Vincent some decades later and the projection of Vincent into an enlarged, respectively more complex inner phase space (or so). I may have failed to thoroughly describe it.

(Like Vincent) Wols was exceptionally intelligent, an extremely divergent thinker, very handy with making associations; his life was chaotic, impulsive and he lived intuitively, he repelled organisation and institution and regulation and unfortunately progressed into a heavy drinker which may have contributed to his untimely death at age 38 (due to a meat poisoning). He was an outsider from early on and discribed his adolescence as „horrific“ („After a rather unfortunate youth, at odds with myself, nowhere homogenous, I faced at the same time all kinds of problems. I have never been particularly well up to date about what happened with me and in my surroundings despite all efforts of work and contemplation.“)

Sartre, who knew Wols, supported him financially and tried to help him, called Wols a „hybrid between a human and a Martian“ – and it is true that fellows like Wols are both most at the center of the human experience as well as they are aliens who try to communicate with the Earthlings, with mixed responses, and to not very much avail – Sartre tried to understand Wols as an incarnation of existentialist nausée who would fit into his philosophy, Wols however was always heavily reluctant to offer explanations to his work or to his approach, in his encounters with Ione Robinson he announced that he does not know what he is doing, he may be a microbe („I am a victim, by natural history. A microbe, probably observed through a telescope by inhabitants of an atom, or by the secret service of the milky way“, he said in one of his aphorisms), he said to her that it is of no use trying to explain his paintings to her (Ione Robinson was a figurative painter) since she would not understand it anyway („Often I observe with my eyes closed, what I observe. Everything is there, it is beautiful, it exhausts“; „Those who dream when they are awake have knowledge of a thousand things, which slip the attention of those who dream only when they are asleep“; „Observerving means closing the eyes“, as he noted in his aphorisms), most famously, while having a walk with Ione, he immediately drew his attention to a crack in the pavement and announced that this crack would resemble his art: the crack would live and grow, it is an expression of the forces of nature – which lead to the interpretation that Wols is a kind of microbe which recognises the invisible, or other universes than ordinary (and even extraordinary) man does.

Because of being a mismatcher par excellence, Wols never felt at home in the art scene. His endeavour reached into the creation of a kind of Gesamtkunstwerk, the Circus Wols, with not only his paintings but also his aphorisms and scrapbooks being an integral part of it (and unfortunately the ultimate realisation of Circus Wols was made impossible by his early death). In his aphorisms and scrapbooks a vision and understanding of everything being connected and every thing being a window through which one can see eternity (for those who CAN see) is prominent. He liked Kafka, Baudelaire, Lautréamont, Poe, Rimbaud, van Gogh and others he called „Irrlichter“ (ghost lights) … me, I also had this vision of these guys (especially when thinking of Kafka) being Irrlichter, a light that illuminates the human condition reluctantly, ponderingly, flickering (I have also called them Negative Buddhas) … because the only true, and upright, light in the circus humanum (and therefore always threatened with extinction) are they, the Ultracomplex. – At his time and after his death Wols had influence on art informel and tachism but his popularity became soon overshadowed by pop art and the like. It is true that Wols´ art is not an extroverted art. It is true that it is singular. And it is true that it comes from the shadow realms of human thought, it even comes from the shadow realms of the Continuum (where the geniuses and their eternal ideas/creations dwell), as an mixture of explosion and implosion, explosions that happen in the exurbia regions and then maybe get sucked into, implode into the unknown, the uninhabitable … „ahhh, the exurbia regions of human thought, , where the dances of signifiers and the signified become most dislocated and most elementary, hyper-authentic, hyper-innocent, ready to return to base again … after that the seam of infinity, which we love“, as I put it elsewhere; Wols may have put it differently, in another language, in other „symbols“, then he disappears…

It got noted  by Dominique de Menil that Wols was „a rebel who did not even care about rebellion“ (and „Painting or not painting, it is equal to Wols. But it is strange how he wanders about like Poe´s „Man of the Crowd“, and from time to time may leech off a glass of booze, whereas the Guilty comfortably relish literature and their beefsteak“, was one of his aphorisms), and it got noted that Wols´ paintings are beyond any truly comprehensive intellectual interpretation. I happened to browse to the tables of painting in that book and saw, on a double page, Vert cache rougé (1947) and Ohne Titel (1946/47). Especially in Ohne Titel I saw a kind of face which presents itself in a grotesque and confusing way to the intellectuals, or to humanity in general, to those who want to decipher it, and also to those who would like to make an intellectual toy out of Wols, but will never succeed.

And I had to really laugh about this <3

It made my day.

By second observation/upon reflection, the face presented seems to be neither particularly happy or unhappy, as well as it is neither particularly loosened and unchained from the space it emerges from nor particularly spilled by it and submerged. Wols was considered by some as an unhappy artist, an artist who paints, displays and represents „damaged life“. Wols, of course, was aware of this, the misera conditio, but refuted interpretations of him as an artist who mourns about the horrors of existence. „I am a lover of life“ (depite all that, and despite his own miserable condition), he confirmed to Ione Robinson. It was noted that in his encounters with Ione Robinson Wols remained evasive, overly associative and metaphoric, and enigmatic. Grohmann noted that Wols constitutes upon multiple and eternal contradictions (and through this, may achieve completeness). I have called them elsewhere the Ultracomplex People, and we are actually not evasive, metaphoric or enigmatic at all, our minds just appear somehow bizarre to others – while in reality we are overly sane. In our inner life, due to absence of ego, there are no true inner anchors, just, more or less, fluidity. What others see as contradictions, battles or explosions within us – well, maybe on the vast wide sea: there are two ships colliding, maybe there is even a sea battle… but there is, first and foremost, the vast wide ocean, with all sorts of life and things happening in no way ever affected by them, being of a different logic or embedded into another subsystem, like the fishes and the deep sea fishes, and the good morays… there is also land and shit, and sky, and open space… that is the arena! The inner life of the ultracomplex person is its own phase space. So to say. The ultracomplex person may only appear to be complex, because the UP is the all, the „living microcosm“, there is perfect fluidity; the complexity may come into being by the circumstance of the UP being thrown into an intractable, internally segmented world, which therefore makes the efforts to communicate and the efforts to establish communion of the UP with his surroundings apparently convulsive and seem like apparently enigmatic explosions. Wols was one of us, of the Ultracomplex.

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Update about Ultracomplex People

“And if we can build machines that are even more complex than humans, then they might have experiences and abilities that we can’t even imagine.”

“Pain in the Machine” investigates whether pain and suffering are as essential for machine learning as they are for human cognitive development.
MOTHERBOARD.VICE.COM
Micheal Chappelle haha my comment is still on there i forgot about that
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LOL due to me being ultracomplex I will explain in more detail the overman to you and teach you the overman. Posthumous we might be born. Maybe it will not be very spectacular in my case, since we might get overtaken by machines and shit soon and rendered useless. That will feel good.
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Prelude to Note about the Hyperset

Therefore it is necessary to establish/to become the Hyperset. Makes you a member in every group, and a (temporary) reject in any lol. Like consciousness is a hyperset over the brain functions, the hyperset over this would then be the emergence of the consciousness of the overman, who, basically, is the intellectual and psychological superconductor.

hyperset

Philip Hautmann Maybe this could also be put into mathematical terminology, but a hyperset intuitively seems to be the conscious reflection of a set, the info-cognition. There is an understanding emerging about the universe/reality as a set, respectively procession of a set; deep down is mathematics the underlying structure of reality?, but mathematics does not process anything, if so it would be a hyper-algorithmic procession; „metaphysics“ an integral part of reality, of the physical – but how can the interlink be thought about or be formalized and rationalized? The metaphysical as a shadow of the mental?

Anyway there are the obviously seperate realms of nature/reality: the mathematical, the physical, the chemical, the biological (and this does only account for the realm of nature; not eg the social realm, which may have to be reflected entirely differently so that, in the end, also the philosophical is a disctinct category of reality); eminent biologist Robert Lanza has proposed the universe is actually, at the root, biological, like an organism, I need to get into this.

Failed Note about Ultracomplex People

A while ago I made some plans about writing a note about ultracomplex people who seem to operate at the trans-infinity level, people who spend their life trying to figure out what they´re actually doing, people like Nietzsche, Wittgenstein, Kierkegaard, van Gogh, Shakespeare, Kafka, Pessoa, Faridoddin Attar, Georg Büchner, Otto Weininger, Emily Dickinson or Heinrich von Kleist, but I don´t seem to be so occupied with that any longer; originally I have written a long note in my head, bright like sun, but, within the complexities, it has somehow shrunk to a white dwarf, shining nevertheless (for those who´re able to see afar off and that´s sufficient). To put them in one category those people seem to transcent categories so let us simply mention on this behalf the categories #ultracomplexity #supersanity #hypergenius and what I have labelled as the #whitelodge, respectively the level of profound giftedness in terms of complexity of intellect, soul and spirit. Since they often are to a reasonable degree troubled and sad as well as likely to be devoid of robust identity I want to offer support and encouragement and remind them that although they are occupied with the total sum of problems they also (should) know that, in reality, there are no problems at all, problems only exist for the entertainment of our mind, all that there is is the eternal peace  of the mind; they will be busy trying to deliver a message to humanity, that is their primary occupation, only to find out they have huge difficulties doing that because they are not really a part of humanity (because, as I said, they´re ultracomplex people), so they can deliver no direct message to humanity, only an indirect one, but that is the BEST part of it; because of their eternal eccentricity towards humanity they are situated at the very core of humanity and the human experience at all, maybe ultracomplex people are the only people who ever have truly lived, a woman who knew Kafka said that this seemingly highly neurotic and dysfunctional man was the only man who thought like a human should think and who felt like a human should feel; since they directly stare into the abyss and are terrified by life and existence and horrified by what people do they are also determined to and preoccupied with establishing harmony; usually they are warm-hearted and concerned about others and love will save you. There may be ruminations whether they just are wandering spirits who have failed to reach Satori (although at an intellectual level they have reached Satori; they constantly see things anew and from fresh perspectives, they are independent from traditions and institutions and they are able to create original worlds, autonomously), yet maybe Satori would not pacify them either, because of their intensities (and, remember, the true Zen master acknowledges that he has truley gained nothing by Satori), so let us say that their Satori shall lie in finding out new ways, new exits to heaven, to make everything more interesting and colourful, that shall be their path, although theirs is not „the path“, neither the pathless path but what Hölderlin calls the eccentric pathway/exzentrische Bahn, twist and shout; at the end of it all lies the unio mystica with God. So, concluding this, I will write down no additional material on ultracomplex people (at least not for now). I will however, when I manage to get my relatively comfortable ass up, soon eventually write the Metaphysical Note about Extreme Metal in which I shall teach you the overman. (I am also not in a hurry about that affair since after that my relatively brief writer´s career might be over, similar to that of Rimbaud who also was an ultracomplex person (similar to Lautréamont).)

Comments

Micheal Chappelle I agree with the statement that the ultracomplex are the core of humanity and make up the body of individuals who have truly lived. They are the center of stasis around which everything revolves and everything is measured, by bearing all problems and all ideas they have the greatest impressions of reality, having it seared into their soul as they interact in it.