Estoy muy conmovido

Drei große Fragen des Menschen: Was soll ich tun? Was kann ich machen? Wo gehe ich hin? Will ich also mit Raja in die Monet-Ausstellung in der Albertina. Wir sind spät dran, da sie in ein paar Tagen ausläuft, wollen also unter Woche zu Mittag, in Erwartung, dass es dann vergleichsweise ruhig ist, dort hin. Vierte große Frage des Menschen: Was muss ich sehen? Eine unglaublich lange Schlange vor der Albertina, an Leuten, die weit über die gewaltige, allmächtige Treppe hinausreicht, bis hinter den Eingang zum Filmmuseum! Ich blieb dort eine Weile wie angewurzelt stehen, weil ich es kaum glauben konnte und mich vergewissern wollte, dass es sich dabei um keine optische Täuschung oder Fata Morgana handelt – aber es war dem tatsächlich so: die Schlange war ganz real. Und weg die Puste; also sind wir stattdessen in den Tirolerhof gegangen. Immer wieder die Menschheit! Stehen sie also in einer langen Schlange, wie die Blöden, nur damit sie sich im ebenfalls völlig überfüllten Museum beinahe über den Haufen laufen und sich in die Kunst ja nicht einmal im gewöhnlichen Maßstab, also dass man im Museum an den Bildern eher gemütlich vorbeiläuft, vertiefen und diese genießen können; und das in einer schneidenden, unangenehmen Kälte – und wenn dann einer wie van Gogh oder Nietzsche oder ich daherkommt, die also was machen von einer strahlenden, extrem auffälligen Schönheit und Intelligenz, dann kann man es ihnen täglich aufs Aug kleben, kostenlos und unschuldig, und es interessiert sie nicht und sie beachten es kaum! Ich weiß jetzt nicht, wie das bei Monet war, womöglich ähnlich. Was soll man sich für einen Reim darauf machen – es geht nicht, denn es reimt sich nicht. Das Dasein reimt sich halt in etlichen Aspekten nicht, ist eben dort und da nicht lyrisch oder episch, sondern prosaisch. Was macht man aber in einem solchen Fall? Versuchen, ihn anders zu betrachten! Sie stehen also Schlange, in schneidender Kälte, vielfach Touristen, zu den Feiertagen um den Jahreswechsel. Sie können oder wollen dort nicht weg, nicht ausbrechen – Herdenverhalten (oder so). Eigenartig auch immer, wie vor dem Würstelstand bei der Oper und Albertina stets eine Schlange von Menschen steht, damit sie eine ganz gewöhnliche Bosna bekommen, obwohl das ja an jeder Straßenecke möglich ist (und zwar genauso möglich). Da stehen sie also, bei Wind und Wetter, in einer langen Schlange vor einem Würstelstand und vor einer Kunstausstellung. Und wenn einer wie van Gogh oder Nietzsche oder — aber naja. – Wie bleibt womöglich der Verstand stehen, schmilzt aber das Herz jetzt, wenn ich mir vergegenwärtige, was sie alles auf sich nehmen: eine Stunde oder mehr in der scheidenden Kälte stehen um dann in einem völlig überlaufenen Museum den Monet zu sehen. All das nur, um den Monet zu sehen! Und meine heißen Tränen fließen, zumindest innerlich. Wie müssen die Tränen des Monet fließen, wenn er das sehen könnte? Was sie alles auf sich nehmen, nur um seine Bilder zu sehen! Während Raja und ich in diesem Zusammenhang nichts auf uns genommen haben, haben sie für die Kunst was auf sich genommen! Während Raja und ich in diesem Zusammenhang für die Kunst nicht gelitten haben, haben sie für die Kunst gelitten!  Wie rührend die Dinge dann auch immer wieder liegen auf diesem Planeten! Wie rührend Loving Vincent, der von allen geliebt wird, jetzt. Und Nietzsche weinte, sowieso. Der Mensch hätte gerne Antworten auf seine Fragen und der Yorick mag sich sicher fragen, was für eine Bedeutung die Kunst, die Philosophie, der Geist, das Ideelle, das was er macht, eigentlich hat, angesichts dieser Doppelperspektive, wo die Menschen und die Akademiker, die den Vincent und den Friedrich lieben und sich in langen Schlangen um sie anstellen, den nächsten unbekannten Friedrich Vincent wieder genauso ignorieren. Ewige Wiederkehr des Gleichen. Ist das, was man da macht, eigentlich von kaum einer Bedeutung, oder ist es von einer sehr großen Bedeutung? Spielt es kaum eine Rolle in der Welt, oder eine recht große Rolle in der Welt? Kann man die Welt eigentlich verändern, oder kann man es nicht? Allerdings, das kann sich nicht nur der nach seinem Tod gewaltige, allmächtige Künstler-Philosoph fragen, sondern auch Rockefeller, der Kaiser von China oder Napoleon; oder der Christus oder der Buddha oder der Marx, wie es um die (positiven) Effekte ihrer Wirksamkeit überhaupt bestellt sein kann, in einer Welt wie dieser. Allerdings lässt sich diese Art von Rätsel in meine Sicht vom Chaosmos ja ohne Weiteres integrieren, und gestern Nacht ist mir auch eine blendende Formulierung ins Gehirn geschossen, warum, leider nur habe ich sie vergessen; aber egal: denn das alles IST eben der sich prozessierende Chaosmos, und wenn man will, kann man sich, als keine so schwierige Übung, ja auch selber was dazu ausdenken. Einerseits gefällt es den Menschen immer wieder nicht so, wenn etwas daherkommt, dass sie an Intelligenz und guten Eigenschaften deutlich überschreitet, oder sie haben zumindest oft gemischte Gefühle deswegen; andererseits ist es aber ganz real, dass der Mensch nach etwas strebt und etwas verehrt, Ziele und Inhalte die nobler sind als er. Es gibt ja auch keine größere und authentische und dauerhaftere Verehrung, die die Menschen – und zwar die Menschen ganz allgemein – dem entgegenbringen, das große Noblesse hat, und spirituelle Wahrheit. Noblesse und spirituelle Wahrheit und Bedeutung zu erlangen, bedeutet in der Regel, dass man durch was hindurchgegangen ist, gelitten hat, in der Wüste war, um das Gegebene zu überschreiten und neue Formen und Inhalte zu werfen, so wie es Monet getan hat. Der Monetartige Mensch war in der Wüste, hat sich selbst geprüft und hat gelitten, und jetzt leiden die Menschen für ihn draußen in der Schlange und in der Kälte, nur um ihn zu sehen. Ich bin sehr bewegt und gerührt! Und ein wenig beschämt, außerdem. Die Massen vor der Albertina von vorvorgestern haben für die Kunst gelitten und sie sind wahrhaft durch etwas hindurchgegangen, während die Künstler Raja und ich in dem Zusammenhang für Monet nicht gelitten haben und nicht hindurchgegangen sind. Ja scheiß einer die Wand an.

 

Remembering Lucrezia Buti, Marie Fel, and Company

Years ago, when I saw Quentin de la Tour`s portrait of Marie Fel (an opera singer of the 18th century – born Oct. 24, 1713, transformed Feb. 2, 1794) it moved me. A beautiful, lively, a bit secretive and mysterious face, a suggestive and eloquent physiognomy, staring at you, it has a high degree of presence and immediacy – but is long dead! Does this make me melancholic? Yes! The contours are soft, it seems like an emanation from an obscure, nebulous, eternal, undifferentiated background; well: a momentous epiphany of (distinguished) man out of the silence of eternity, into which it must pass again after some instants in time – or maybe still is there, behind the veil. Ahh, the human condition! Does this make me melancholic? Yes! Thoughful, to say the least. So it goes. Marie Fel´s heart will go on somewhere in mine and I have her on my mind.

As I wanted to write the note about Childishness in Art I borrowed a book from the library (Kinder in der Kunst) (unfortunately I did not find much else about that valuable subject). In that book I also saw Filippo Lippi´s Madonna with Child and Two Angels (1465), which moved me as well. The Madonna is supposed to have been a nun named Lucrezia Buti, who had been turned into a monastery together with her sister Spinetta by her brother Antonio. She fell in love with Filippo and fled from the monastery, causing a scandal, later giving birth to two children, Fillipino and Alessandra. Because of the couple´s courage and the sincerity of their love they later found pardon by clerical authorities. In the heavy book about Filippo´s paintings there wasn´t much information about Lucrezia, unfortunately. Maybe I can get a better book about her and the story of her life. That would interest me. At any rate I like Lucrezia´s idiosyncratic beauty. Because of this also she seems immediately present.

In Kinder in der Kunst there is also the fresco Leucothea and Dionysos, which was painted in the year 20 A.D. in a villa in Rome. What a gracious lady! And so you may ask yourself: How did the ancient Romans look like? How did Messalina look like? Were they graceful and, occasionally, vulgar as well, like people in our times? A while ago I read Quo vadis? by Sienkiewicz. The depiction of the massacres of Nero against the Christians are colourful, although I cannot actually tell how exactly. It is a horrible book as concerns the (exaggerated) portrayal of Nero´s holocaust-like atrocities, but the depiction of the Christian´s strong and transcendent faith and of their nice (actually, a bit faded) personalities had an impression on me. A main character of Quo vadis? is Petronius Arbiter, author of the Satyricon, the product of a very free and independent mind – Nietzsche loved it, I do it as well. Someone like the Arbiter occurs very rarely among humans. And hence it is alleged in Quo vadis? that Petronius was the only person in the culturally most high standing Rome who actually understood what poetry is about (whereas the others all took it as an extension of their ego or an instrument to flatter the emperor or so). When Petronius was sentenced to death by suicide by Nero he would say that the loss of life is not actually something to be sorry about: as things in this world are beautiful, but men are, in their majority, so wicked that an escape from them into the void is not regrettable. Long ago I was very impressed by Robert Graves´ I, Claudius, a historical novel that brings ancient Rome triumphantly to life. Graves was massively intelligent and had a stupendous output. I also read his White Goddess – although the specific anima of the White Goddess has not been a direct muse for myself, I like Graves´concept of analeptic thought: throwing one´s mind into the past to receive impressions. Indeed, it is good to have everything on the monitor, yes.

In the book there was also a portrait of young Mozart by Jean-Baptiste Greuze, a painter who painted in the style of rococo. In the book it was said that while Greuze enjoyed great success in his earlier days, he increasingly came to be seen as outdated, could not live from his sales anymore and had to become a teacher and finally died in great poverty. That moved me a lot and I got me a book about Greuze (since I also like the name „Greuze“). To be correct, Greuze´s influence declined in later years, but not substantially and he died in poverty mainly because of mismanagement and embezzlement by his wife. When I look at this Portrait of a Young Lady I wonder about her, like I wonder about Marie and Lucrezia. There is mysterious life in this face, evanescent but still very present and stronger than decay. What would the young lady have to tell? – Greuze was a painter of sentiment. His paintings usually carried a message respectively tought a lesson in moral. He lived in an age of sentiment, where a spirit of moral responsibility and enabling a good, decent life for everyone was in the air (and stood in relation to the bourgeoisie as a (proto-) revolutionary class – the cult of sentimentality could, in a Foucaultian sense, be understood as a formation of identity and self-awareness by internalising the moral codex of the state). Greuze´s most distinguished pupil was Constance Mayer, who would later commit suicide. Unfortunately I could not find much about her neither in the library nor on the internet. (Also Quentin de la Tour was associated with a female painter, Rosalba Carriera, as Rosalba made pastel-coloured painting popular again in Paris at his time. So I got me a book with Rosalba´s paintings. But I have to say that I hardly find in this book such glimpses of eternity as you have it in the portrait of Marie Fel et al. Indeed, that is rare in the domain of human physiognomy respectively art anyway.) The abbé de La Porte said: „I am sure that Moniseur Greuze is a man attentive to all that surrounds him: he is an observer who keeps nature constantly in view, and knows how to capture it in its most interesting aspects… What nobility!“

As you see, these (mostly ordinary) folks have long since passed and left no other trace in history, but they´re on my mind. Their presence is, actually, heavy. You see, I am not very talkative and I feel profoundly isolated from society (actually: from humanity), even from the high IQ societies, since these structures never seem to be resemblant to me, yet actually/but on the other hand I am so attached to and affected by the world that for instance when I look at the tree in front of me, it seems to immediately come near, even overrun me. The most common feeling I have (or had, especially when I wrote the Book of Strange and Unproductive Thinking) is that I am drawn, absorbed into the universe, and stick on it (a feeling that was, when I wrote the Book of Strange and Unproductive Thinking, quite painful as I felt literally enchained and grown together with the universe/the totality of being and unable to detach myself from the pain and the impositions existence includes). And so, although I am quite alone I am always surrounded by people, maybe even grown together with them, and Marie Fel and company are an expression of that. They reach into the depths of myself. When I look up, Lucrezia Buti may sit on the bench next to me. I live in a heavily populated world. Where does my self end and that of other begin? And ghosts are, in this respect, real (and more human than human).

Because of this, I am an unemployed social reject. When I was waiting for my adivisor in an institution for unemployed people recently I asked myself: When I somehow say that: after my death I am still a part of the flow/the continuum of life or so (I cannot remember the exact wording): is this a rational allegation, an emotional one, or a spiritual one? This is actually not easy to distinguish and it is correct in all those dimensions. I´ve been thinking for a while how rational, spitirual, emotional etc. sentences can be seperated, i.e. in the Wittgenstein manner. But maybe there´s some Quine to the whole problem who said that the analytical and the synthetical are not so easily to be seperated (if I remember correctly). The thing is, if your attachment to the living world/creature and capacity to get immersed in it is profound and not as superficial as in the case of ordinary man, respectively if you´re the overman, such distinctions are superfluous, indeed. But what it means among man is to be philosophised upon.

Beauty in colours

This is the coolest face I´ve seen in a while (within a cool mix of colours)

These are the coolest hands I´ve seen in a while (within a cool mix of colours)

This is the coolest butterfly on face I´ve seen in a while (within a cool mix of colours)

This is the coolest scenery I´ve seen in a while (within a cool mix of colours)

The sentient, creative inner child rejoices upon them impressions (and this is the cutest redhead I´ve seen in a while)

(Although I also dig that one)

 

Update about Jennifer/Ryonen

Relating to the post below, I want to state that I find idiosyncratic beauty the highest form of beauty. Kinda manufactured beauty of popular models does not particularly attract me, since it usually lacks individuality. Jennifer Sullins/Ryonen Cava I find one of the most interesting aesthetic phenomena on Earth. She embodies one of the highest idiosyncratic beauties. Her beauty comes in an unexpected way, I have not thought about her specific beauty before, it did not approach me in my mind. What can you ever desire more?

Jennifer Sullins | Anthony Maule | CR Fashion Book #1, F/W 2012/2013 | ‚The White Mughal‘

Alice Séthe

Den stärksten Eindruck in der Pointillismusausstellung hat auf mich van Ryesselberghes „Porträt der Alice Séthe“ gemacht.

Vielleicht schau ich extra deswegen noch ein zweites Mal da hin. Andererseits sehe ich eh dauernd was von enormer ästhetischer Strahlkraft und Perfektion, die Welt ist diesbezüglich ja auch reichhaltig; warum an meinen Mitmenschen, inklusive der Kulturbeflissenen, das alles einfach immer nur so vorbeizieht, weiß ich auch nicht; ist mir aber auch wurscht, was die machen.

(Die Person mit der interessanten Physiognomie ist Jennifer Sullins/Ryonen Cava)

Update about Something Perfect

Philip Hautmann

August 2 at 12:46pm ·

 I swear, this is one of the most perfect things I have ever seen.

ballerina

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Philip Hautmann
Philip HautmannThe innocent girl child! The ballerina! Who ties herself to art (at a young age)! Who defeats gravity! The self confident countenance, assertive to openness, to what lies ahead! The colours of dress! The whiteness of the fan! From above right, the light (resolving the scene into the ethereal)! The wooden Sinnloszaun! And, ahhhh, the manhole cover, as an additional element, making reality more dense, interesting, senselessly value added, full of information, etc. <3
UPDATE: One of the most perfect things I have ever seen, and, like practically always, 4 Likes on Facebook. HAHAHAHAHAHA! People are so „weird“ <3 Let´s dance
dancer1 dancinggirl ballett