Mao Zedong-Gedanken

Studiert die Werke des Vorsitzenden Mao Tse-tung, hört auf seine Worte und handelt nach seinen Weisungen.

Lin Biao

(Mao) verehrt sich selbst, glaubt blind an sich selbst, betet sich an, er wird für jede Errungenschaft den Ruhm für sich beanspruchen, aber für seine Misserfolge andere verantwortlich machen.

Lin Biao

Mao Zedong war einer der größten Revolutionäre aller Zeiten, eine der größten politischen Gestalten Chinas aller Zeiten und einer der größten Massenmörder aller Zeiten. Er war eine überdimensionale Gestalt, in der sich Geschichte verdichtet, in ihrer Dramatik, in ihrem gewalttätigen Fortschritt, in ihrer Irrationalität, in ihrer Komplexität. Er hat eine tiefe Furche nicht allein durch das 20. Jahrhundert gezogen, sondern durch die Menschheitsgeschichte insgesamt. Er hat mit dem Maoismus etwas Transzendentes geschaffen. Wenn wir transzendente Dinge betrachten, und wenn wir die Menschheit und ihre Geschichte betrachten, müssen wir auch Mao Zedong betrachten.

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Mao hat ein gewichtiges Werk nicht nur in der Zerstörung hinterlassen, sondern auch im Aufbau. Als Mao 1976 starb, war in China die Produktion von Stahl gegenüber dem Revolutionsjahr 1949 von 1,3 Millionen auf 23 Millionen Tonnen, die von Kohle von 66 Millionen auf 444 Millionen Tonnen, die von chemischen Düngemitteln von 0,2 Millionen auf 28 Millionen Tonnen und die von Elektrizität von 7 auf 133 Milliarden Kilowattstunden gestiegen. Der Anteil der Industrie am materiellen Nettoprodukt betrug nunmehr 50 Prozent (gegenüber 23 Prozent im Jahr 1952), der der Landwirtschaft war von 58 Prozent auf 34 Prozent gesunken. China produzierte zu Maos Tod Lastwägen, Traktoren, Flugzeuge und Hochseeschiffe und war in den Rang einer Nuklearmacht aufgestiegen. Der Bildungsgrad und die Lebenserwartung innerhalb der Bevölkerung und die Qualität der medizinischen Versorgung haben sich stark verbessert. Trotz der wirtschaftlichen Fortschritte war ein Großteil der Bevölkerung zu Maos Tod nach wie vor arm und unterversorgt, da unter seiner Herrschaft vorwiegend die Produktionsgüterindustrie ausgebaut wurde. Damit wurde jedoch auch ein solides Fundament für die weitere wirtschaftliche Entwicklung gelegt. Das alles ist die Bilanz eines Diktators, allerdings nicht unbedingt eines lausigen Diktators. Wenn man hartgesotten sein will, kann man zwar versuchen, Mao (direkt oder indirekt) für den Tod von bis zu 70 Millionen Menschen verantwortlich zu machen. Unter seiner Herrschaft kam es aber auch zur Bevölkerungsexplosion in China. Wenn man es also hartgesotten betrachtet, hat Mao unterm Strich also vielleicht mehr Leben geschaffen als Tod gebracht.

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Diese erheblichen Erfolge halten sich Kommunisten gerne zugute (übersehen dabei aber, dass zu dieser Zeit auch andere Länder, vor allen Dingen in Asien, eine solche erstaunliche wirtschaftliche Entwicklung durchgemacht haben, ohne auf den Kommunismus zu setzen). Sie können es sich auch zugute halten. Angesichts der gewaltigen menschlichen Opfer sind sie vielleicht geneigt, die Sowjetunion und Rotchina, die sie damals so bewundert haben, heute, etwas achselzuckend, als „Entwicklungsdiktaturen“ zu kategorisieren (und zu den Akten zu legen). Einige ehemalige Revolutionäre wie Gerd Koenen gehen, etwas melancholischer, so weit, in der Sowjetunion und in Rotchina dann auch nur den Versuch zu sehen, die Bevölkerung und die Ressourcen zum Zweck der eigenen nationalen Machtentfaltung zu organisieren, also einen imperialistischen Versuch, der sich vom kapitalistischen Imperialismus auch nicht großartig unterschieden habe. Wie soll man das bewerten? Trotzdem Lenin, Stalin und Mao psychopathienahe Charaktere waren, waren sie an der Entwicklung ihres Landes und an der Errichtung einer besseren Gesellschaft ernsthaft interessiert und haben diesen Zielen ihre Energien und ihr Leben gewidmet. Dass es in der russischen und chinesischen politischen Kultur eher darum geht, das eigene Land groß und mächtig zu machen und weniger die Bevölkerung und deren individuelle Bedürfnisse zu berücksichtigen, war eine Mentalität, der auch sie sich nicht entzogen haben, sich entziehen konnten oder wollten. Ebenso ging es ihnen darum, den Sozialismus aufzubauen und die Revolution zu sichern – wenn man also so will, um Ideale, um Konstruktivität und den Aufbau einer besseren Welt. Allerdings drängt sich die Frage auf, wie viel authentisches Verständnis und wie viel Tiefenschärfe ihre Verständnisse für all das hatten. Letztendlich war das (sozialistische) Weltbild von Stalin und Mao ein selbstgerechtes, paranoides Weltbild, das plump in Gut und Böse unterteilte und das von paranoiden Vernichtungs- oder zumindest Reinigungs- und Säuberungsphantasien durchzogen war. Das starke Interesse an der Entwicklung ihres Landes seit ihrer Jugend ist nichts, was bei hochbegabten, intellektuellen Jugendlichen wie Lenin, Stalin, Mao und diversen kommunistischen Führern in ihrer damaligen Zeit in ihren jeweiligen Ländern an sich ungewöhnlich oder heroisch gewesen wäre. Vielmehr entsprach es einem Geist, der in der Luft lag. Allerdings haben sie – unter lebensgefährlichen Umständen – der Revolution auch ihr Leben gewidmet. Ob diese Lebensentscheidung in erster Linie heroisch oder fanatisch war, ist schwer zu durchschauen. Inwieweit ihr Streben nach der Entwicklung ihres Landes und des Sozialismus ein authentischer Impuls für sie war, oder eher eine unbewusste Projektion ihrer persönlichen Komplexe in die Welt, und ihr Streben nach der Entwicklung ihres Landes und des Sozialismus nicht in erster Linie unbewusst der Expansion ihrer Egos und dessen pathologischer Bedürfnisse galten, ist auch nicht leicht auszusortieren. Kommunisten (und auch andere) entschuldigen die Gewaltexzesse unter ihrer Herrschaft gerne damit, dass Lenin, Stalin, Mao et al. bei der Entwicklung ihres Landes vor Problemen standen, für die es keine konziliante Lösung gegeben hätte. Allerdings haben sie diese Probleme und Konflikte auch absichtlich und lustvoll heraufbeschworen. Lenin, Stalin, Mao waren pathologische Persönlichkeiten, die sich allerdings in pathologischen Umständen bewegt haben. Sie haben sich einer Ideologie verpflichtet gefühlt, die ein erhebliches Potenzial hat, ins Pathologische abzugleiten (dem Marxismus). Wollen wir uns Mao also in all diesen Hinsichten versuchen, zu vergegenwärtigen.

Die bei ihrem Erscheinen spektakuläre, mittlerweile aber nicht mehr zentrale Mao-Biographie von Chang und Halliday widmet sich auf gut 1000 Seiten dem Versuch der Darstellung Maos als reinem Machtmenschen, der also an nichts als an Macht als Selbstzweck interessiert gewesen wäre. Etliches von dem, was an Material offeriert wird, ist (wenngleich auch so bekannt) auch beklemmend und kann schwer beiseite geschoben werden. Allen anderen Biographien zufolge erscheint Mao dann aber doch als deutlich komplexere, dialogorientierte, neugierige, an der Welt interessierte, bildungshungrige Persönlichkeit – und eben vor allem als eminent politische Persönlichkeit. Mao war kein reiner Wille zur Macht. Mao hat früh einen Personenkult um sich pflegen lassen und sich den Apparat seiner Partei hörig gemacht. Dass er in eine solche Position von Macht und Einfluss kommen konnte, hatte er aber seinem Charisma und seinem Intellekt zu verdanken. Genau gesagt, dem Umstand, dass er ein origineller, mehr noch: originärer Denker der Revolution war. Wenngleich es honorigere Marxisten in China gegeben hat und tatsächlich große marxistische Gelehrte (zu denen Mao meist in einem guten Verhältnis und in einem Verhältnis von großem wechselseitigen Respekt gestanden ist), war es die originäre Leistung von Mao, marxistisches Gedankengut mit den Erfordernissen, die sich aus den Verhältnissen in China an die Revolution ergaben, zu synthetisieren. Diese Synthese war dann eben der Maoismus, eine Ideologie, die für einige Jahrzehnte auf der Weltbühne virulent zu werden vermochte. Inwieweit Maos Streben nach der Revolution (und der Macht) primär aggressiv oder primär defensiv und reaktiv war, verliert sich im Dunkel. Ob – stellvertretend dafür – Mao tatsächlich in erster Linie unter einem tyrannischen Vater gelitten hat (bzw. ob der Vater tatsächlich so tyrannisch gewesen war, wie von Mao später beschrieben), oder ob Mao in erster Linie von sich aus ein ungehorsamer, aufmüpfiger, arroganter Sohn war, lässt sich anhand des biographischen Materials kaum entscheiden. Es ist vielleicht auch nicht so wichtig. Auf jeden Fall aber lässt das Aufeinandertreffen von solchen Dispositionen bei der einen und der anderen Partei ein erhebliches Konfliktpotential zu. Und ein solches Konfliktpotenzial lag im Großgefüge des damaligen China.

Ein gefühlskalter Machtmensch ist Mao bei alldem gewesen. Und als solcher erwies er sich im Alter immer mehr, in dem er immer paranoider wurde. So wie Stalin ist Mao ursprünglich in die Rolle des Diktators geschlüpft, weil er glaubte, es müsse sein und ginge nicht anders, um konstruktive politische Ziele zu erreichen, um das bislang Erreichte abzusichern. Das ist – wie im Fall der Selbstkrönung Napoleons (oder Julius Cäsars) und seiner Ausrufung zum Kaiser – rational nicht von der Hand zu weisen. Wie im Fall von Napoleon oder Cäsar lag es allerdings auch in der Entwicklungsbahn all dieser imperialistischen Persönlichkeiten, wie Mao, Stalin und viele andere es waren. Vor allen Dingen war es eine Entwicklung und eine Entscheidung, die neue Konflikte und Probleme erst produzierte und die, aus einem mehr oder weniger rationalen Kalkül heraus entstanden, den Boden für irrationale und erratische Politiken bereitete. Maos Leibarzt, Dr. Li Zhisui, stellt auch in den Raum, dass Maos zunehmender Größenwahn und zunehmende Paranoia im Alter die Folge einer unbehandelten Geschlechtskrankheit gewesen sein könnten. Auch in Maos Sexualverhalten scheinen Sinnlichkeit und Machtmenschentum amalgamiert gewesen zu sein. Mao hatte großen sexuellen Appetit (angeblich gegenüber beiden Geschlechtern). Als er sich auf diesem Weg Trichomanas vaginalis zugezogen hatte, lies er die Krankheit nicht behandelt, da sie für ihn asymptomatisch verlief. Es schien ihn nicht zu kümmern, dass er so aber die Krankheit an zahllose andere seiner SexualpartnerInnen weitergab. Trotzdem er aufgeklärter Marxist war, hing er dem Volksglauben an, wonach Geschlechtsverkehr mit jungen Frauen den Alterungsprozess verzögerten. Wenn man so will, kommt in all dem eine menschlich-allzumenschliche, aber auch eine eigenartige und unmenschliche, unberechenbare/unverantwortliche Persönlichkeit zum Vorschein.

Mao war früh von dem expliziten Wunsch getrieben, ein außergewöhnlicher Mensch und ein großer Führer zu werden. Das ist eine unangenehme Konstante in Maos Leben und Wirken. Zumindest einmal führte das zu der deprimierenden Selbsterkenntnis, dass für eine Rolle aber nicht geeignet sei. 1921 enthüllte er in einem Brief an einen Genossen acht Mängel, die er bei sich feststellte und die ihn, seiner Meinung nach, daran hinderten, je ein tatsächlich außergewöhnlicher Mensch und großer Führer zu sein, und zwar: 1 zu emotional und stets im Griff von Gefühlen; 2 zu subjektiven Urteilen neigend; 3 etwas eitel; 4 zu arrogant; 5 selten selbstkritisch, zu schnell im negativen Urteilen über andere und nicht bereit, eigene Fehler einzugestehen; 6 gut in großen Reden, aber schwach in systematischer Analyse; 7 zu hohe Selbsteinschätzung und allzu leicht mit Eigenlob bei der Hand; 8 „willensschwach“ … Mao war ob dieser Selbsteinschätzung sehr deprimiert, sagte aber auch: Ich möchte mein wahres Ich nicht opfern, ich möchte mich nicht in eine Puppe verwandeln. Die Biographen Pantsov und Levine merken an: „Maos Selbstverachtung verging so rasch, wie sie gekommen war. Er sollte nie mehr an seinem Recht auf Macht zweifeln. Erstaunlich ist nur, dass der Brief überlebt hat.“

Mao Zedong war ein Exzentriker. Er hasste Disziplinierung und Kontrolle durch andere, er bewegte sich selbstbestimmt, teilweise ziellos und schlendernd durchs Leben. Er besuchte staatliche Feiern in einem geflickten Schlafanzug und zwang führende chinesische und ausländische Politiker zu Audienzen in den frühen Morgenstunden. Er war ein Schürzenjäger, aber putzte sich im Leben nie die Zähne (er zog es vor, sie mit grünem Tee auszuspülen). Sein Glaube an die geschichtliche Vorherbestimmtheit des Sozialismus und andere Aspekte seiner Ideologie und auch seiner Selbsteinschätzung kommen dem magischen Denken von Schizotypischen nahe. Er war, wie für Exzentriker typisch, intensiv, neugierig, vielseitig und belesen und wollte alles genau wissen. Mao entfaltete großes Charisma, indem er Menschen, inklusive anderen Staatsoberhäuptern, in einer informellen, zwanglosen Weise begegnete oder, wie beim Treffen mit Nixon und Kissinger in seiner „Gelehrtenklause“ (wie Nixon Maos privateste Räumlichkeiten empfand), darauf bestand, anstelle von herkömmlichen politischen Gipfelgesprächen locker zu „philosophieren“. Den finsteren Mobutu begrüßte er bei einem Staatsbesuch lachend: Sind Sie das wirklich? Angesichts all der Attentatsversuche, die ich auf Sie unternommen habe, kann ich das gar nicht glauben. Nur ein Exzentriker kann letztendlich einen Großen Sprung nach vorn und eine Kulturrevolution anzetteln, und dann wieder versuchen, „Hundert Blumen blühen“ zu lassen. Nur ein Exzentriker wird permanent versuchen, etwas zu tun, was deutlich aus dem Rahmen des Gewöhnlichen fällt, so wie Mao das tat. Nur ein Exzentriker kann sagen: Die Atombombe ist ein Papiertiger. Für Exzentriker ist es typisch, dass sie aufmüpfig oder gar „revolutionär“ sind, zumindest aber in einer Welt leben, die von der herkömmlichen Lebenswelt der Menschen verschieden ist. Leider sind Exzentriker, trotz aller für sie typischen Offenheit und Neugierigkeit, oftmals auch sehr selbstbezogen, außerdem unrealistisch und weltfremd. Durch sein Exzentrikertum hat Mao seine charismatische Strahlkraft entfaltet, und Exzentriker (gefährliche und ungefährliche) hat er auch angezogen. Exzentriker glauben gerne, dass die „Normalen“ die eigentliche Gefahr seien. Aber vielleicht sind das eher Exzentriker, die die Macht erobern und ihre Exzentrizität dann als neue Normalität ausrufen, der die Normalen dann begeistert folgen. Für die Maoismus-Forscherin Julia Lovell scheint der Maoismus besonders als Ideologie für Verrückte geeignet, die mit der Gesellschaft in Konflikt treten wollen – oder aber sie beherrschen wollen.

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Mao war ein Gewaltherrscher. Aber Maos ganzes Leben war von Gewalt begleitet und die gesamte Geschichte von China ist von verheerender Gewalt durchzogen. Der Taiping-Aufstand, ein Bürgerkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts, der 20 Millionen Tote forderte, ist vergleichsweise bekannt. Aufstände entfachten dabei in China immer wieder eine verheerende Wirkung. Während der An-Lushan-Rebellion im 8. Jahrhundert könnten bis zu 30 Millionen Menschen ihr Leben verloren haben. Ähnlich katastrophal waren die Nian- und Miao-Aufstände des 19. Jahrhunderts sowie die muslimischen Erhebungen in Yunnan und im Nordwesten Chinas. Rekonstruktionen gehen in den betroffenen Provinzen von Todesraten von 40 bis 90 Prozent aus, wobei die Mehrzahl der Menschen weniger durch Waffengewalt als durch Krankheiten und Hungersnöte gestorben ist. Die Geschichte Chinas ist auch eine Geschichte von katastrophalen Hungersnöten, bei denen darüber hinaus die Obrigkeit untätig geblieben ist und keine Hilfe geleistet hat (wie effizient das logistisch zu dieser Zeit möglich gewesen wäre, ist eine andere Frage). In Maos Jugend kam es zu Aufständen der Armen und der Bauern, die sich zu mafiaähnlichen Banden zusammenschlossen. Ebenso brutal und marodierend, wie diese vorgingen, wurden sie von der Obrigkeit bekämpft. Diese Gewalt und Gegengewalt hinterließen bei Mao nach eigenem Bekunden einen unauslöschlichen Eindruck und prägten ihn ein Leben lang. Später gingen Obrigkeiten mit brutaler Gewalt gegen Gewerkschaften und gegen Streikende vor – oftmals, indem sie plötzlich die Seiten und die politischen Loyalitäten wechselten und sich als verschlagen und unberechenbar erwiesen. Das war dabei Ausdruck einer Gesellschaft, in der sich die einzelnen Gruppen feindselig bis hasserfüllt gegenüberstanden, die sich gegenseitig fremd waren und die keinen Modus der Mediation zwischen diesen Gruppen gefunden hatte. So war die Obrigkeit selbst opportunistisch, selbstsüchtig und verächtlich gegenüber der Bevölkerung. Bevor Mao 1949 China geeinigt hat, haben sich Provinzgouverneure (d.h. die Obrigkeit) teilweise wie Warlords oder Mafia-Kriminelle aufgeführt und die eigene Bevölkerung terrorisiert und erpresst, sie haben geraubt und Menschen, zu deren Schutz sie eigentlich da waren, entführt und vergewaltigt. Dann kam noch die Gewalt des Auslands dazu, vor allem die sadistische Brutalität der japanischen Besatzer, unter der die chinesische Bevölkerung jahrelang zu leiden hatte (zu einer seiner beiden großen Lebensleistungen hat Mao es gerechnet, die japanischen Imperialisten vertrieben zu haben).

Dazu kommt, dass China im Lauf seiner Geschichte (und daher womöglich auch in seiner Zukunft) Phasen des Zerfalls und der „streitenden Staaten“ durchlebt hat. Die autoritäre Obrigkeitsstaatlichkeit in China ist darin begründet, dass China tatsächlich instabil ist. Mein Facebook-Freund Stephen (ein Australier, also Bewohner eines Landes/Kontinents, den die Chinesen seit geraumer Zeit als Rohstofflieferanten-Kolonie unter ihre Fittiche zu bringen versuchen) hat es einmal so formuliert: Die Geschichte von China ist eine Geschichte von 5000 Jahren Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung: das nennen sie dann Zivilisation. Nach 1912 und nach der sklerotischen Herrschaft der Kaiserinwitwe Cixi war China erneut in einen Zustand der streitenden Staaten zerfallen, die oftmals von Warlord-ähnlichen Gouverneuren regiert wurden. Eine bedeutende Leistung von Mao war es, China 1949 geeint zu haben. Deswegen werden die Chinesen den Großen Steuermann nie vergessen.

Es sollte unterstrichen werden, dass die Gewalt, die Mao in seinem Leben, als Chinese, erlebt hat, vor allem in der gewissen Alltäglichkeit, in der sie aufgetreten ist und von allen Seiten gekommen ist, etwas war, von dem wir uns keine Vorstellungen machen können. Die Gewaltherrschaft Maos war nichts, was in einen friedlichen Zustand hineingebrochen wäre. Als aufgeklärter junger Mensch hat Mao ursprünglich geglaubt, mit der Obrigkeit in einen Dialog treten zu können, doch er musste erleben, dass das nicht möglich war. So gelangte er (seinerseits offenbar ziemlich schnell und unbekümmert) zu der Auffassung, dass Gewalt ein notwendiges, ein normales Mittel zur politischen Willensdurchsetzung sei. Mao selbst hat viele seiner Freunde und Genossen und vor allen Dingen Angehörige seiner eigenen Familie wie seine Brüder, seine zweite Ehefrau und auch Kinder durch brutale Gewalt verloren (sonderlich betroffen gemacht haben ihn solche Verluste allerdings auch im engsten persönlichen Bereich nicht).

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Es kommt in den damaligen Verhältnissen in China noch eine andere Form von Gewalt hinzu. Es herrschte in China die strukturelle Gewalt der Armut, der Obrigkeitsstaatlichkeit, einer repressiven Kultur, eines repressiven Patriarchats und der Stigmatisierung von bestimmten Bevölkerungsgruppen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden (wie der Hakka oder der Muslime). Vor allem gab es die Gewalt der Rückständigkeit, des eisernen Beharrens auf überkommenen Traditionen, und die Unfähigkeit von ganz China, sich zu modernisieren. Vieles von den damaligen Zuständen musste einem Beobachter – in umso schmerzlicherem Kontrast zum Bild von China, das eigentlich groß, ruhmreich und ehrwürdig ist – als menschenfeindliche Idiotie erscheinen. Und als solche erschien sie auch Mao.

Mao war ursprünglich kein Kommunist und Marxist gewesen, und dem Bolschewismus stand er skeptisch gegenüber. Er hatte auch als junger Mann keine Sympathien für die Leiden der arbeitenden Klasse. Was ihn interessierte, war die nationale Wiedergeburt Chinas, und er war ursprünglich ein Liberaler und ein Anarchist. Seine persönliche Freiheit und Selbstkultivierung interessierten ihn (in einigermaßen egozentrischer Weise), und so nahm er naturgemäß an, dass seine persönlichen Wertvorstellungen auch für die Gesellschaft insgesamt ein Modell sein könnten. Er musste jedoch feststellen, dass ein solches Gedankengut von den breiteren Massen kaum verstanden wurde und kam so zu dem Schluss, dass nur eine Art Bolschewismus das Land modernisieren könnte und die Sowjetunion als Vorbild für China zu dienen hätte.

Mao, Pol Pot oder Abimael Guzman (oder Karl Marx) waren ehrlich schockiert von der Korruptheit, dem Aberglauben und der Lethargie in der Bevölkerung und wollten dem Volk helfen, sich in seinem eigenen Interesse aus seiner Unmündigkeit zu befreien, wobei sich in diese erhebenden Gefühle allerdings auch schnell Verachtung und Hochnäsigkeit gegenüber dem Volk hineingemischt hat. 1919 schrieb Mao entnervt: Die wahre Gefahr (für China) liegt in der vollkommenen Leere und Fäulnis der geistigen Welt des ganzen chinesischen Volkes. Von den 400 Millionen Einwohnern Chinas sind 390 Millionen dem Aberglauben verfallen. Sie glauben an Geister und Gespenster, an Wahrsagerei, an das Schicksal, an den Despotismus. Es gibt absolut keine Anerkennung des Individuums, des Ich, der Wahrheit. Und zwar weil das wissenschaftliche Denken sich nicht entwickelt hat … Die Volksmassen haben nicht die geringste Ahnung von Demokratie und nicht die geringste Vorstellung davon, was Demokratie ist…

Mao wollte Politik machen – ursprünglich mit friedlichen Mitteln –, er musste aber feststellen, dass es in der Gesellschaft gar keine Grundlage gab, um Politik zu machen. Die chinesische Gesellschaft war keine politische Gesellschaft, und der Vorstellungshorizont der Menschen war so eingeengt, dass sie in allen öffentlichen Angelegenheiten nur an sich selbst und ihren eigenen Vorteil dachten, obendrein abergläubisch und in irrationalen Traditionen verhaftet dachten und handelten. So gesehen ist es vielleicht besser, wenn man China nicht regieren muss. Aber Mao wollte genau das allerdings. Das war also eine Suppe, die er sich selbst eingebrockt hat. Allerdings hat er sie auch einigermaßen ausgelöffelt. Mao hat China auf jeden Fall modernisiert und er ist als großer Modernisierer in die Geschichte eingegangen.

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George Kennan, wichtiger amerikanischer Diplomat und eine Art geistiger Vater des Kalten Krieges, meinte 1948, dass die Gesellschaften Asiens von der amerikanischen zu verschieden seien, als dass sie von den Amerikanern in adäquater Weise begriffen werden könnten, und als dass die Amerikaner eine nützliche Rolle in ihrer Entwicklung spielen könnten. Daher sollte die US-Politik das auch unterlassen. Er schrieb in Memo PPS23: For these reasons, we must observe great restraint in our attitude toward the Far Eastern areas. The peoples of Asia and of the Pacific area are going to go ahead, whatever we do, with the development of their political forms and mutual interrelationships in their own way. This process cannot be a liberal or peaceful one. The greatest of the Asiatic peoples—the Chinese and the Indians—have not yet even made a beginning at the solution of the basic demographic problem involved in the relationship between their food supply and their birth rate. Until they find some solution to this problem, further hunger, distress, and violence are inevitable. All of the Asiatic peoples are faced with the necessity for evolving new forms of life to conform to the impact of modern technology. This process of adaptation will also be long and violent. It is not only possible, but probable, that in the course of this process many peoples will fall, for varying periods, under the influence of Moscow, whose ideology has a greater lure for such peoples, and probably greater reality, than anything we could oppose to it. All this, too, is probably unavoidable; and we could not hope to combat it without the diversion of a far greater portion of our national effort than our people would ever willingly concede to such a purpose.

Vor langer Zeit habe ich einmal eine Gegenüberstellung von Mao und Indiens Nehru gelesen. Nehru wird im Allgemeinen als der viel sympathischere, humanere Politiker wahrgenommen. Doch vielleicht war der Gestaltungswahn Maos und seine Manie, sein Land zu modernisieren, trotz all der Katastrophen, die er mit sich brachte – und der irrationalen Katastrophe, der er für sich genommen war – segensreicher für sein Land, als die vergleichsweise Lethargie, die man in vielen anderen Entwicklungsländern hatte/bis heute hat. Diese Lethargie tut nichts gegen die strukturelle Gewalt und die Armut, die in einem Land herrscht. Sie ist daher ebenso für großflächiges Elend und strukturelle Gewalt verantwortlich, nur dass sie in ihren diesbezüglichen Resultaten stiller und normalisiert daherkommt. Vielleicht war so Nehru mit seiner Politik für größeres und dauerhafteres Leid verantwortlich als Mao mit der seinen. 1962 kam es zu einem Grenzkrieg zwischen Indien und China; wenn man so will, zu einer direkten Konfrontation zwischen Mao und Nehru. Angeblich hasste Mao China. In den späten 1960er Jahren kam es auch zur Formierung von maoistischen Rebellen in Indien, den Naxaliten, die bis heute in einem low intensity conflict mit dem indischen Staat verwickelt sind. Ende der 2000er Jahre war er zuletzt wieder virulenter geworden.

Gerne werden seit einiger Zeit zwischendurch Überlegungen angestellt, ob Indien China als Supermacht überholen, sogar ausbooten könnte. Dagegen ins Feld geführt werden zum Beispiel der schlechte Zustand der indischen Infrastruktur und auch die mangelnde Investition ins indische Humankapital, die schlechte Koordiniertheit der indischen Politik und die Korruption, die zwar in beiden Ländern vorhanden ist, trotz der in China die Dinge aber doch effizienter erledigt werden als in Indien. China hat solche Probleme und Rückständigkeiten zumindest nicht im selben Maße. Wie man sagt, sei China im Planen und Vorausschauen besser als Indien; die indische Art, Probleme in Angriff zu nehmen, sei ziemlich inkrementalistisch und verlasse sich erheblich auf Flickschusterei, die also dazu führe, dass die eigentliche Lösung von Problemen immer wieder verschleppt werde, und die Gewalt als strukturelle Gewalt normalisiert bleibe. Angeblich sterben tausende Menschen in Indien bei Unfällen mit den völlig überfüllten Pendlerzügen. Der Lärm, der in den Nachtzügen herrsche. In Indien herrsche kein Verständnis dafür, dass die persönliche Sphäre nicht in die öffentliche hineinreiche. Inder spielten im Nachtzug ihr Radio so laut, wie es ihnen gefällt, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Mitreisenden. Daher sei die öffentliche Sphäre in Indien in konkreter wie in abstrakter Hinsicht eine Kakophonie. In dieser Kakophonie komme die Dysfunktionalität Indiens (also der mangelnde zwischenmenschliche Zusammenhalt) zum Ausdruck, hat mal einer gemeint, der es wissen muss, und dem ich nicht unbedingt widersprechen will.

Ich begrüße die Möglichkeit, über diese Betrachtung fremder Länder und Kulturen ein bisschen eurochauvinistisch sein zu können. Der amerikanische/Eurochauvinismus ist unter den (Halb)Gebildeten heutzutage sehr schlecht angeschrieben, wenn nicht als geradezu satanisch verpönt. Daher freue ich mich über eine solche Abwechslung, die durch die Betrachtung nicht-europäischer Kulturen und Mentalitäten möglich wird. Bei der Gelegenheit können wir zum Beispiel hindische Nationalisten (und linke woke Aktivisten, die mit solchen Nationalisten eine seltsame Allianz eingehen) ärgern. Die Figur des Apu bei den Simpsons wurde vor einigen Jahren als „problematisch“ eingestuft; obwohl der eigentlich eine der sympathischsten, rationalsten und persönlich reifsten (außerdem frauenfreundlichsten) Charaktere von Springfield ist. Wenngleich natürlich ein wenig klischeehaft. Ich finde bei der Gelegenheit, man könnte über Apu einen indischen Einwanderer zeigen, der näher an der Realität ist. Also zum Beispiel einen hindischen Nationalisten und Modi-Fan. Keinen großen Freund der Demokratie. Einen Rassisten gegenüber Europäern (und diversen anderen), von denen er sich in seinem indisch kulturellen Überlegenheitsdünkel gekränkt fühlt. Einem Anhänger des Kastensystems, voller Verachtung für die ungewaschenen Armen und Unberührbaren. Der seine Frau zumindest schlägt; schließlich hat man eine so genannte Rape Culture in erster Linie in Indien. Anstelle von seinem freundlichen Ganesha könnte er mit seinen heiligen Kühen kommen, die überall hindürfen und die überall alles vollscheißen. Verkehrsregeln dürften für ihn nicht existieren. So wie John McCain einmal erwischt wurde, wie er (zur Melodie von Barbara Ann von den Beach Boys) Bomb bomb bomb, bomb Iran intonierte, könnte der realistische Apu Bomb bomb bomb, bomb Pakistan singen. Etc.

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Die Mao-Bibel kann man als etwas Unerträgliches und Trockenes ansehen. Aber auch als etwas sehr Erfrischendes, und sogar, neben dem Trost der Philosophie von Boethius, den Selbstbetrachtungen von Marc Aurel, den Büchern vom glücklichen Leben von Seneca, dem Zarathustra von Nietzsche, den Fragmenten von Epikur und Epiktet, dem Handorakel von Balthasar Gracian, dem Buch von der Nachfolge Christi von Thomas Kempen, den Predigten von Meister Eckhart, den Gesprächen von Konfuzius, oder dem Tao te king oder dem Buch vom seltsamen und unproduktiven Denken von mir, in die Reihe der großen Weisheitsbücher der Weltgeschichte stellen. Sie schildert eine Gesellschaft, einen Umgang der Menschen untereinander, ein Verhalten von Vorgesetzten zu ihren Untergebenen, von Militärführern zu Soldaten, und von revolutionären Soldaten und Führern gegenüber dem einfachen Volk, wie sie letztendlich sein sollten. Sie schildert eine ideale Welt. Dem kann man sich nicht leicht entziehen. Vor allen Dingen nicht aufgrund der ebenso einfachen und klaren, beinahe bildhaften Sprache von Mao Zedong (und seiner Redakteure), ihrem emotionalen Appell und ihrer großen Suggestivität. Eine onkelhafte Weisheit des mittleren Alters scheint von Mao auszugehen, die gleichzeitig milde und unaufdringlich ist und ebenso bestimmt und den Weg vorgebend. Diese ganz große Angelegenheit von der Schaffung der idealen Welt und dem revolutionären Umstürzen der jetzigen, altersschwachen Welt, erscheint als eine Art Märchen, als eine eben biblische Angelegenheit, die allerdings erst vor uns liegt, jedoch noch zu Lebzeiten stattfindet. Allein die kommunistische Ideologie und Gesellschaftsordnung sind voller Jugendfrische und Lebenskraft, sie gleichen einer allmächtigen Naturgewalt, die mit unwiderstehlicher Kraft über das ganze Erdenrund hinwegfegt. (Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung) Es ist die Geschichte einer ganz großen Zeit und von ganz großen Taten. Der Edelsinn und die edle Tatkraft derer, die sich an der Revolution beteiligen, machen, so wie sie in der Mao-Bibel beschrieben werden, einen für ein paar Momente durchaus ergriffen dreinschauen. Oder mögen die Beteiligung an der Revolution als Lebensaufgabe erscheinen lassen. Vor allen Dingen, da ganz einfach davon ausgegangen wird, dass der Sieg der eigenen Sache vom Sozialismus quasi gesetzlich verbürgt sei, so wie es viele Marxisten bis heute aus irgendwelchen Gründen annehmen. Das sozialistische System wird letzten Endes an die Stelle des kapitalistischen Systems treten; das ist ein vom Willen des Menschen unabhängiges Gesetz. (Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung) Solcherart sind die Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung. Die Schriften von Mao in ihren Langfassungen erscheinen als deutlich durchwachsenere Angelegenheit und von deutlich geringerer intellektueller Spannkraft. So etwas wie eine philosophische Bedeutung erlangten allerdings die Schriften von keinem marxistisch inspiriertem Revolutionsführer, mit der Ausnahme Lenins. Die grundlegenden Eigenheiten der maoistischen Interpretation des Marxismus-Leninismus – dass die chinesische Revolution sich nicht auf die Arbeiter sondern auf die Bauern stützen müsse, dass der revolutionäre Kampf nicht von den urbanen Zentren sondern vom Land aus initiiert werden müsse, u. dergl. – waren dabei aber tatsächliche geistige Kinder und originäre Leistungen von Mao. Auf so etwas konnten selbst chinesische Marxisten kaum kommen, da es zu sehr vom orthodoxen Marxismus abweicht. Mao war sehr wohl ein innovativer Denker und ein erfrischender Intellekt. Auf seine Weise war der Vorsitzende Mao Zedong dann auch tatsächlich „der größte lebende Marxist-Leninist seiner Zeit“. Später waren es immerhin Kim Il-sung und Abimael Guzman, die einen solchen Titel für sich in Anspruch nahmen.

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1949 kam Mao in China an die Macht. Der anhaltende Bürgerkrieg in China war damit beendet. Gleichsam aufgrund der dynamischen Natur der Weltrevolution wurde China aber gleich in einen anderen Bürgerkrieg hineingezogen: den in Korea. Der Koreakrieg wurde hauptsächlich von Stalin angezettelt. Stalin sah eine große Konfrontation zwischen dem kapitalistischen und dem kommunistischen Lager als unvermeidlich an und er wollte mit dem Koreakrieg die Amerikaner ablenken und ihre Kräfte binden. Mao war an einer solchen Eskalation nicht sonderlich interessiert; Stalin hingegen umso mehr, auch China in den Konflikt reinzuziehen und es, wenn möglich, zu einer direkten Konfrontation zwischen den USA und China kommen zu lassen. Für Stalin selber war der Koreakrieg ein risikoarmer Stellvertreterkrieg. China wurde tatsächlich durch die Gravitation der Ereignisse in den Krieg hineingezogen und opferte seine eigenen Leute in großer Zahl um den nordkoreanischen Brüdern zu helfen. Stalin war daran interessiert, dass der Krieg möglichst lange dauern und möglichst blutig sein würde. Bereits 1951 hätte die Möglichkeit bestanden, den Krieg zu beenden, aufgrund der Erschöpfung bei allen involvierten Parteien. Stalin drängte jedoch auf dessen Fortsetzung. Dass der Krieg möglichst brutal geführt werde, helfe den chinesischen und koreanischen Genossen auch, „Kampferfahrung“ zu sammeln, so eine weitere seiner Begründungen. Tatsächlich wurde der Koreakrieg dann 1953 beendet, nach Stalins Tod – allerdings nur mit einem Waffenstillstand. Dies hilft dem nordkoreanischen Regime bis heute, das Land in eine Festung umzuwandeln, eine Art permanenten Notstand bzw. eine Art Militärdiktatur auszurufen und der Bevölkerung gegenüber so zu tun, als sei man nach wie vor „im Krieg“ gegen die „Imperialisten“.

360.000 chinesische Soldaten wurden nach offiziellen Angaben im Koreakrieg getötet oder verwundet. Kim Il-sung war jedoch nur bedingt dankbar. Er blieb eher der Sowjetunion als China hörig, nicht zuletzt um sich dessen natürlicher Dominanz zu entziehen. Auch wenn er Elemente des Maoismus übernahm, setzte er mit seiner Juche-Ideologie auf nationale Eigenständigkeit und Eigenstaatlichkeit. Auch wenn das eine gewisse rationale Grundlage hat (nicht allzu sehr unter die Fittiche fremder Großmächte zu gelangen), scheint abermals die Pathologie eines Führers als wesentliches Motiv hinter einem politischen Gesamtprogramm. Kim Il-sung sollte bald schon seinen eigenen Personenkult im Land (und auch auf der internationalen Bühne) in einem Maße aufblähen, das auch den Personenkult um Mao in den Schatten stellte. Er bzw. sein Propagandaapparat begann ihn, mit noch geschmackloseren Superlativen („genialer Führer“, „Rote Sonne der unterdrückten Völker in aller Welt“) zu belegen. In den 1970er Jahren begann er auch direkt mit Mao auf der internationalen Bühne als Führer der Weltrevolution zu konkurrieren oder generierte sich zumindest als „Führer aller asiatischen Menschen“. Gleich den Mao-Zedong-Gedanken gab er Kim Il-sung-Gedanken heraus. „Ihr habt Kim Il-sung gefördert. Wie einen kleinen Baum habt ihr ihn gepflanzt. Die Amerikaner haben ihn ausgerissen. Wir haben ihm am selben Ort wieder eingepflanzt. Jetzt ist er extrem aufgeblasen“, bemerkte Mao gegenüber Anastas Mikojan, einem alten sowjetischen Bekannten aus der Stalinzeit. Glaubt man der westlichen Berichterstattung, scheint die Kim-Dynastie, mit dem „Geliebten Führer“ an der Spitze, allem Kommunismus zum Trotz, das Land Nordkorea als eine Art Privatbesitz zu betrachten, und ihren Besitzanspruch über die „Genialität“ des „Ewigen Führers“ Kim Il-sung und seiner Rolle in der Befreiung Nordkoreas zu rechtfertigen. Heute herrscht ein Nordkorea ein bizarres paranoides und größenwahnsinniges Regime, das im Hinblick auf die Menschenrechtssituation weltweit annähernd den letzten Platz belegt. Das ist allgemein bekannt. Es wird dabei nur noch von dem Regime in Eritrea unterboten. Das ist praktisch nur großen Spezialisten bekannt, da im Gegensatz zu Nordkorea nie über dieses Regime berichtet wird.

Die Kommunisten nehmen gerne für sich in Anspruch, friedliebend zu sein und dass sie die beiden Weltkriege verhindert hätten. Stalin wäre aber offensichtlich so weit gegangen, über den Koreakrieg einen Dritten Weltkrieg zu provozieren, den er sowieso als „unvermeidlich“ ansah, und den er lieber gleich, in einem Augenblick der relativen Stärke führen wollte, als später. 1950 hatte sich die Sowjetunion von den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges relativ schnell wieder erholt, sie war in den Rang einer Atommacht aufgestiegen und hatte halb Europa unter ihr Herrschaftsgebiet gebracht. China war rot geworden. Es bestand die Möglichkeit, den Kommunismus in Asien zu verbreiten. In dem sinistren, agonalen Weltbild von Stalin tauchen solche Kalkulationen auch naheliegenderweise auf. Abgesehen von den persönlichen Pathologien Stalins offerieren der Marxismus-Leninismus und der Maoismus Möglichkeiten auf solche Sichtweisen aber auch ganz allgemein. Maos launenhafte Bemerkungen über die Atombombe als Papiertiger und dass China einen Atomkrieg nicht zu fürchten brauche, da seine Bevölkerung zu zahlreich sei um dabei restlos ausgelöscht zu werden, waren Provokationen eines Exzentrikers. Aber so ferne scheint ihm all das dann doch nicht gelegen zu sein. Ende der 1950er Jahre brach er allerhand Streitigkeiten vom Zaun, um die internationale Lage und die „friedliche Koexistenz“ zu destabilisieren. Vor allem wollte er einen Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion heraufbeschwören und schließlich auch einen direkten Konflikt mit den USA, als er im Jahr 1958 Jinmen bombardieren ließ, einer von Nationalisten kontrollierten Inselgruppe zwischen dem Festland und Taiwan. Wenngleich er kein Interesse hatte, diese Inseln tatsächlich zurückzuerobern, manövrierte er sein Land in eine potenziell so gefährliche Situation, wie es später die Kubakrise für die Sowjetunion war. Das Ziel war, die Amerikaner unter Druck zu setzen und sich als „Revolutionsführer“ zu gerieren – vor allem aber wohl, um Druck im eigenen Land aufbauen zu können und China in eine Festung umwandeln zu können, die sich umso rascher industrialisieren müsse um „wehrhaft“ zu bleiben (was dann im Großen Sprung nach vorn versucht wurde). Das Risiko, das Mao mit dieser Verschärfung der internationalen Lage heraufbeschworen hatte – ein weltweiter Atomkrieg – war hoch. Und Mao schien einer solchen Konfrontation auch tatsächlich nicht abgeneigt. Seinem Leibarzt gestand er, dass er es auf eine umfassende Konfrontation abgesehen hatte, ohne Rücksicht auf die menschlichen Konsequenzen: „Vielleicht lassen sich die USA dazu bewegen, eine Atombombe auf Fujian abzuwerfen. Vielleicht werden dadurch zehn oder zwanzig Millionen Menschen getötet“. Auf Chruschtschow blickte Mao nicht zuletzt auch wegen dessen Entspannungspolitik mit den USA herab (auch wenn er eine solche dann später gemeinsam mit Nixon einleitete).

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Nach dem Tod Stalins verschlechterten sich die Beziehungen zwischen der Sowjetunion und China, bis sie schließlich von einer irrationalen Feindseligkeit bestimmt waren. Eine solche Dynamik liegt konkurrierenden Großmächten wohl in einem erheblichen Grad inne. Trotzdem war diese Degeneration hauptsächlich ein Werk Mao Zedongs.

Mao Zedong hatte große Ehrfurcht vor Joseph Stalin. Ohne die wirtschaftliche und militärische Hilfe, die die chinesischen kommunistischen Rebellen während der Jahrzehnte des Bürgerkriegs von der Sowjetunion erhalten haben, wären sie wohl untergegangen. Insofern verdankten die chinesischen Kommunisten den sowjetischen vielleicht nicht alles, aber doch sehr viel. Seit Beginn ging diese Hilfe aber damit einher, die chinesischen Kommunisten unter die Fittiche Moskaus zu bringen und sie zu einem (oftmals schamlos als solchen ausgenutzten) Instrument der sowjetischen Außenpolitik zu machen. Stalin benahm sich schließlich, auch nachdem Mao zum Herrscher von China aufgestiegen war, sagenhaft arrogant, wenn nicht niederträchtig gegenüber ihm. Das rationale Kalkül, einen potenziell gefährlichen Konkurrenten klein zu halten, hat dabei ebenso eine Rolle gespielt, wie die irrationale Seltsamkeit von Stalins Charakter. Auch in ganz praktischer Hinsicht gab Stalin Mao in seinen hochfliegenden Industrialisierungsplänen fortwährend Dämpfer. Er wollte, dass sich China bescheidenere Ziele setzte als Mao es vorhatte. Das war wahrscheinlich auch gut gemeint, denn aufgrund der eigenen Erfahrungen wussten die Sowjets, was für hohe menschliche Kosten ein solcher Kurs fordern würde, und dass eine überhitzte wirtschaftliche und industrielle Entwicklung die Gefüge im Land insgesamt auseinanderbringen würde (was sich spätestens beim Großen Sprung nach vorn für China entsetzlich bewahrheiten sollte).

Nach Stalins Tod bemühte sich die sowjetische Führung hingegen, Mao mit allen nur erdenklichen Mitteln entgegenzukommen. Sie hatte Angst, dass sich Maos China, bei einer Fortsetzung der bilateralen Beziehungen im Stile Stalins, beleidigt aus dem sowjetischen Orbit bewegen könnte. Das passierte dann tatsächlich – allerdings gerade deswegen. In Chruschtschows übertriebener Jovialität begann Mao eine Schwäche zu wittern – etwas, das er bei Politikern verachtete. Die Geheimrede von Chruschtschow 1956, in der er mit dem Stalinismus brach und sich von ihm loszusagen suchte – womit er indirekt auch eine Richtung für alle anderen kommunistischen Regierungen vorgab – stieß Mao abermals sauer auf (unter anderem, da es ja auch seinen eigenen Herrschaftsstil unterminierte). Der Stalinismus war vor allem aber kein Modell für die Sowjetunion der 1950er und 1960 Jahre mehr, für eine einigermaßen fortgeschrittene, aufgeklärte, urbanisierte Gesellschaft, die zunehmend dynamischer wurde. Und in der die Bevölkerung an der wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben wollte, die unter Stalin erfolgt ist, die aber der Produktionsgüterindustrie gegolten hat. Die sowjetische Bevölkerung wollte, nach Jahrzehnten der Entbehrung, endlich auch konsumieren. Die sowjetische Führung musste daher auch die Konsumgüterindustrie ausbauen (was ihr, bis zuletzt, nur in unzureichendem Maße gelungen ist – da das Insignium und die Zuliefererindustrie für die Staatsmacht eben die Produktionsgüterindustrie war: das hat mit zum Untergang der Sowjetunion beigetragen). Vor allem waren die Ineffizienzen der Planwirtschaft nur allzu deutlich. Daher versuchte die Sowjetführung die Wirtschaft und auch die Gesellschaft zu liberalisieren.

Mao war in eigentümlicher Weise nicht in der Lage, dergleichen nachzuvollziehen (wie es allerdings auch etliche andere Kommunisten in aller Welt nicht waren). Er sah im sowjetischen Kurs eine „bourgeoise Restauration“, die es im Sinn der echten Revolution immer und überall zu bekämpfen galt. Es ist bemerkenswert, wie schematisch Mao dachte und wie wenig Tiefenschärfe seine Wahrnehmung hatte, wenngleich solche Anti-Leistungen Marxisten und ideologisch denkende Menschen freilich immer wieder mit Leichtigkeit aufzubringen imstande sind. Auch Lenin hält 1920 fest (in Der „linke Radikalismus“ als Kinderkrankheit des Kommunismus): Solange die Bourgeoisie nicht gestürzt ist und solange ferner die Kleinwirtschaft und die kleine Warenproduktion nicht völlig verschwunden sind, solange werden bürgerliche Zustände, Eigentümergewohnheiten und kleinbürgerliche Traditionen die proletarische Arbeit von außerhalb wie innerhalb der Arbeiterbewegung schädigen … in ausnahmslos allen kulturellen und politischen Wirkungskreisen (…) Man muss es lernen, alle Arbeits- und Tätigkeitsgebiete ohne Ausnahme zu meistern und zu beherrschen, alle Schwierigkeiten und alle bürgerlichen Praktiken, Traditionen und Gewohnheiten überall und allerorts zu überwinden. Eine andere Fragestellung wäre einfach nicht ernst zu nehmen, wäre einfach eine Kinderei. Etwas darauf musste Lenin all das Gewicht seiner Autorität in die Waagschale werfen, um seine bolschewistischen Genossen von der Notwendigkeit der Neuen Ökonomischen Politik zu überzeugen. Die schließlich dann auch wieder abgeschafft wurde. Indem der Marxismus sich gegen das Bürgerliche und gegen das Kapitalistische insgesamt wendet, ist es naheliegend, passiert es beinahe gezwungenermaßen, dass er das auf allen Ebenen tut (auch wenn heutige Marxisten das, im Großen und Ganzen, natürlich nicht mehr tun würden). Ohne die Vergesellschaftung der Landwirtschaft kann es keinen vollständigen, gefestigten Sozialismus geben. (Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung) Bei Mao wurde diese Haltung nur auffälliger und welthistorisch wirksam. Auffällig und welthistorisch wirksam wurde auch das Zerwürfnis zwischen den sozialistischen Supermächten China und der Sowjetunion. Es sorgte für erhebliche Irritationen innerhalb des kommunistischen Lagers. Mao steigerte sich immer mehr in eine Verachtung gegenüber der „revisionistischen“ Sowjetunion hinein, es kam zu einem Grenzkrieg, einer bisweilen gefährlichen Zuspitzung der Hostilitäten, zum Leidwesen der Bevölkerung auch zu einem Ausbleiben von sowjetischen Hilfslieferungen an China, als China sie am nötigsten gebraucht hätte. Während Mao in den Sowjetführern gleichsam Antikommunisten sah, sahen die Sowjetführer in Mao einen unverantwortlichen Abenteurer.

Das Festhalten vieler Kommunisten am Stalinismus hat auch damit zu tun, dass der Stalinismus als etwas von Kompliziertheiten Gereinigtes erscheint, etwas – dem Faschismus Ähnliches – ästhetisch Einwandfreies, Unkontaminiertes. Er kommt der schematischen Wahrnehmung entgegen. Er beruht auf eindeutigen Freund-Feind-Unterscheidungen, indem er selbst in einem hohen Maß auf Feindseligkeit, Paranoia und Frontstellung beziehen beruht. Indem er selber der Feind ist. Der Kommunismus/Marxismus hat einerseits eminent konstruktive Elemente, andererseits erhebliche, die sich über Feindseligkeit konstituieren. Wie das eine und das andere dann gewichtet ist, hängt vom individuellen Kommunisten ab. Bei Mao gab es ein starkes Bedürfnis nach Konstruktivität. Aber vielleicht war das, was noch stärker in ihm waltete, die Feindseligkeit. 

Allerdings war die Entscheidung für eine Übernahme stalinistischer Politik eine pragmatisch angezeigte. Bei all ihrer abstoßenden Brutalität hatte die Industrialisierung nach stalinistischem Vorbild eine entscheidende Attraktivität: sie funktionierte als Industrialisierung und Modernisierung. Sie war als solche ein Erfolgsmodell, das Ländern, die vor ähnlichen Problemen standen wie Russland, als Vorbild und Leitfaden zu dienen vermochte: also eben auch China. Das Schwarzbuch des Kommunismus wird teilweise als übertrieben antikommunistisch kritisiert. Aber auch dessen Herausgeber Stéphane Courtois ruminiert in der Einleitung, dass Stalin wohl als größter Politiker des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen werde. Er habe aus einem unbedeutenden Agrarland, der Sowjetunion, eine Industrie- und Atommacht gemacht. Das halten sich Kommunisten und Stalinisten gerne zugute (übersehen dabei aber, dass solche Erfolgsgeschichten im 20. Jahrhundert eigentlich Legion waren und auch immer wieder von konservativen, kapitalistisch orientierten, antikommunistischen Politikern angeführt wurden). Mao war aber kein konservativer und kapitalistisch orientierter Politiker, er wollte nicht nur die Wirtschaft seines Landes entwickeln, sondern auch den Sozialismus.

Die beiden katastrophalsten, unheimlichsten Entscheidungen, die Mao dabei zu verantworten hatte, waren der Große Sprung nach vorn und die Kulturrevolution.

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Ein besonders radikales „Lebensraum im Osten“-Kolonialisierungsprojekt der Nazis hatte den Tod von 30 Millionen Menschen in Osteuropa im Laufe von mehreren Jahrzehnten einkalkuliert. Beim Großen Sprung nach vorn Ende der 1950er Jahre in China könnten bis zu 45 Millionen Menschen gestorben sein.

Der Große Sprung nach vorn sollte ein gigantisches wirtschaftliches Entwicklungsprojekt sein, ein Industrialisierungsprojekt in einem nach wie vor hauptsächlich agrarwirtschaftlich dominierten Land. Zu diesem Zweck wurden massiv Ressourcen umgeleitet: um die Industrialisierung zu befördern wurde die Landwirtschaft vernachlässigt. Von Enthusiasmus getrieben, bzw. von den Kadern angeordnet, haben Bauerndörfer Hochöfen errichtet, in der Annahme, man könne damit Stahl in hoher Qualität herstellen (Mao hat sich allen Ernstes gewundert, warum die amerikanischen Kapitalisten riesige und kostspielige Stahlwerke konstruieren würden, wo die chinesischen revolutionären Bauern doch zeigen würden, dass es viel einfacher ginge – er würde bald erfahren, worin der Unterschied liege). All das hat dazu geführt, dass massiv Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft abgezogen wurden – für Industrialisierungsprojekte, die wenig Nutzen brachten. Konfrontiert mit einer mageren Wirtschaftsleistung – und vor allem geringen landwirtschaftlichen Ertrag – haben die lokalen Kader geschönte Zahlen an die nächsthöhere Instanz weitergegeben, die die Zahlen wiederum geschönt haben – bis schließlich ein völlig verzerrtes Bild entstanden ist, das die sich anbahnende Gefahr einer katastrophalen Unterversorgung verschleiert hat. Ausgerechnet zu dieser Zeit kam es in China zu den schwersten Wetterextremen seit Menschengedenken: einer verheerenden Dürre, begleitet von sintflutartigen Regenfällen und Taifunen, die für Überschwemmungen und Zerstörungen sorgten. Als die Katastrophe bereits offenbar war, hat die chinesische Führung sie wiederum versucht vor dem Ausland zu verbergen, und trotz des allenthalbenen Hungers im eigenen Land Getreide exportiert. Genaue Zahlen sind unbekannt, aber man geht davon aus, dass der Große Sprung nach vorn 45 Millionen Todesopfer mit sich brachte.

Der Große Sprung nach vorn erscheint als eine katastrophale Überschätzung der eigenen Möglichkeiten. Für einen Narzissten wie Mao ist so was immer wieder charakteristisch. In seinem Enthusiasmus und seiner ehrlichen Begeisterung war er aber nicht allein, ein solcher Enthusiasmus und eine revolutionäre Begeisterung herrschte im ganzen Land, in weiten Teilen der Bevölkerung. Leider entsteht Enthusiasmus immer wieder, wenn als Grundlage Dilettantismus und Inkompetenz herrscht. Weder Mao noch die meisten anderen in der chinesischen Führung hatten Ahnung von Wirtschaft. Dazu kommt noch das Potenzial zu enthusiastischer Selbstüberschätzung und Fehleinschätzung der Realität, das im Marxismus und in der revolutionären Mentalität selbst liegt. Und nicht zuletzt eine krasse Rücksichtslosigkeit gegenüber menschlichen Opfern.

Nach der Machtübernahme hatte Mao die Möglichkeit, China nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Der Sozialismus und der Kommunismus sind an und für sich utopische Projekte; vor allem für ein damals sehr rückschrittliches Land wie China stellte sich die Frage wie der Sozialismus in der Gegenwart verwirklicht werden könnte. Es gab in der KPCh liberalere Kräfte als Mao und es gab in den 1950er Jahren Phasen einer „Neuen Demokratie“. Mao stand all dem im Wesentlichen ablehnend gegenüber. Er entschied meistens zugunsten der sozialistischeren Optionen. Es wurde (mit terroristischen Mitteln) eine Agrarreform durchgeführt und eine Enteignung der Großbauern, bevor man sich den städtischen Besitzenden zuwandte. Privates Unternehmertum bestand bis 1953. Als die Wirtschaft hinreichend stabilisiert war, wurde der Erste Fünfjahresplan beschlossen, der eine Umstellung auf Planwirtschaft beinhaltete. Das Handwerk wurde in Kooperativen organisiert, die Industrie wurde verstaatlicht. Vor allem in den ersten Jahren stand die chinesische Führung vor dem Problem, die Wirtschaft zu organisieren und die Grundversorgung zu sichern. Notgedrungenermaßen musste eine solche Organisation zentralisiert, bürokratisch und von oben herab erfolgen – entgegen aller Romantik von der sozialistischen „Selbstorganisation“ der Massen und ihrer Betriebe. Ein solcher autoritärer Top-Down Sozialismus, wo Betriebsführer und Kader die Macht über wirtschaftliche Betriebe hatten, wurde jedoch beibehalten. Die Arbeiterselbstorganisation wurde abgewürgt und durch eine Einheitsgewerkschaft ersetzt, die eher die Interessen des Staates vertrat als die der Werktätigen. Damit – über die Betriebsführer, die Kader, die Funktionäre – entstand an und für sich eine neue Ausbeuterklasse in China (noch dazu eine sehr korrupte). Die Revolution schuf eine neue Ausbeuterklasse und eine neue Klassenherrschaft. Das führte vielerorts zu Protesten. Vielleicht hat Mao das gedämmert, dass die Resultate seiner Politik den eigentlichen ideologischen Intentionen dieser Politik zuwiderliefen und sie konterkarierten. Vielleicht war das ein Grund, warum Mao die Kulturrevolution anzettelte.

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Die wahren Helden sind die Massen, wir selbst aber sind oft naiv bis zur Lächerlichkeit; wer das nicht begriffen hat, wird nicht einmal die minimalen Kenntnisse erwerben können. (Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung)

Den Volksmassen wohnt eine unbegrenzte Schöpferkraft inne. (Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung)

Das verheerende Scheitern des Großen Sprungs nach vorn führte zu einem Machtverlust Mao Zedongs. Der spätere Reformer Deng Xiaoping und Liu Shaoqi übernahmen das Ruder und versuchten, wirtschaftsliberale Reformen einzuleiten. Lange war Mao aber nicht weg. Mitte der 1960er Jahre war seine Macht wieder zementiert (die Interpretation, dass die Kulturrevolution als Machtkampf gegen Gegner in der Partei intendiert war, scheint daher nicht unmittelbar stichhaltig). Trotzdem leitete Mao Ende der 1960er Jahre die Kulturrevolution ein.

Die proklamierte Idee der Kulturrevolution war, die revolutionäre Energie der Volksmassen freizusetzen. In der Reichskristallnacht der Nazis schien es deutlich zivilisierter zuzugehen, wie in der Kulturrevolution, in der großflächig unglaubliche Fälle von Mordlust und Sadismus sich ereigneten, die vorwiegend junge (jugendliche) Chines:innen an Personen auslebten, die sie störten. Schüler zwangen ihre Lehrer, Nägel und Exkremente zu essen, folterten sie zu Tode, vereinzelt kam es zu Fällen von Kannibalismus (bei denen Kulturrevolutionäre stolz darauf waren, „Klassenfeinde“ verspeist zu haben). Mao war ob dieser Ausbrüche der revolutionären „Energien“ – und auch der revolutionären Gewalt – begeistert. Man könne keinen Vorwurf machen, „wenn gute Menschen schlechte Menschen töten“. Wie so viele Kommunisten und Revolutionäre in ihrer mangelnden intellektuellen und moralischen Tiefenschärfe, sah er im Tumult, im Chaos, in der Freisetzung der „revolutionären Energien“ etwas Positives, etwas, das Verkrustungen aufbreche.

Etliche Kommunisten und Revolutionäre stieß Mao mit seiner Kulturrevolution aber auch vor den Kopf, vor allem in der Sowjetunion. Auch dem einstmals loyalen Ho Chi Minh waren seit einiger Zeit Zweifel an Maos Unfehlbarkeit aufgekommen. „Ist hier irgendjemand im Saal, der China besser versteht als ich?“, fragte Ho Chi Minh bei einer Parteiversammlung in die Runde – worauf keiner antwortete. „Und nicht einmal ich kann begreifen, was diese „Kulturrevolution“ wirklich ist.“ Dabei wurde es ja überdeutlich erklärt. Maos Gefolgsmann Lin Biao brachte es zum Beispiel auf den Punkt: Das Ziel der Großen Proletarischen Kulturrevolution ist die Ausrottung der bürgerlichen Ideologie, die Entfaltung der proletarischen Ideologie, die Umformung des Innersten des Menschen, die Revolutionierung ihres Denkens, die Ausrottung der Wurzeln des Revisionismus und die Festigung und Entwicklung des sozialistischen Systems. So einfach und offensichtlich war das ja. Die große chinesische Kulturrevolution ist eines jener abgründigen Ereignisse in der Geschichte, dessen Unergründlichkeit und Abgründigkeit vorwiegend in seiner mangelnden Tiefe lag.

Seiner Frau, einer Hauptinitiatorin der Kulturrevolution, erklärte Mao in einem Brief die Kulturrevolution als „Übungsmanöver“, das „alle 7 bis 8 Jahre“ abgehalten werden müsse, um restaurativen, bourgeoisen Tendenzen in der chinesischen Gesellschaft und in der eigenen Partei entgegenzuwirken. Mit zunehmendem Alter wurde Mao zunehmend paranoider im Hinblick darauf, dass überall die Gefahr der „Restauration“ lauere. Es ist eigenartig, wie kategorisch, genauer gesagt schematisch Mao in seiner Ablehnung der „Restauration“ und des „Bourgeoisen“ war, wenngleich diese schematische Haltung für den Marxismus typisch ist. Trotzdem war und ist eine derartige Starrsinnigkeit keine Haltung von allen Kommunisten, sondern eine gewisse Idiosynkrasie Maos gewesen (die er freilich nach wie vor mit etlichen Kommunisten teilt). Aber Maos gesamtes Denken und Empfinden baute – neben seinen konstruktiven Elementen – eben stark auf einer elementaren Feindseligkeit auf. Und auf einem starken Konkurrenzkampf der Eitelkeit. Vielleicht konnte Maos Eitelkeit es nicht ertragen, dass der liberale Kurs seiner Genossen um Deng Xiaoping die bessere Idee war. Die Revolution war Maos Erbe, und er wollte sein Erbe bewahren. Der revolutionäre Impuls bei Mao hatte immer irrationale Elemente gehabt, und es gibt keine Garantie, dass Menschen statt altersweise und -milde immer noch irrationaler werden.

Der Kommunismus will eine „klassenlose Gesellschaft“ errichten. Die Kulturrevolution zielte aber vielmehr darauf ab, neue Klassenverhältnisse zu zementieren, genauer gesagt, kastenähnliche Verhältnisse. Angehörige der feudalen oder bourgeoisen Klasse – und deren Kinder – wurden als politisch unzuverlässig abgestempelt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Die neue Kader- und Funktionärsschicht, und vor allem ihre Kinder, sahen hingegen in der Kulturrevolution die Möglichkeit, sich als politisch zuverlässige, gewünschte Klasse zu positionieren. Ihr Enthusiasmus und ihr revolutionärer Elan scheinen nicht zuletzt aus diesem ganz eigennützigen Motiv erklärbar.

Der Widerspruch des Maoismus, dass er sich einerseits an der „revolutionären Energie der Volksmassen“ erfreut, am Chaos und an der Instabilität, anderseits aber für strikt geordnete, repressive Verhältnisse sorgen will, trat auch mit der Kulturrevolution zutage. Anderen Mächten im Staat wurden die marodierenden Roten Brigaden zunehmend unangenehm, vor allem dem Militär. Mao musste schließlich die Roten Brigaden zurückpfeifen. In den kommenden Jahren setzte Repression und Terror gegen sie ein. Dabei ging der staatliche Terror weit über das hinaus, was die Roten Brigaden angerichtet hatten. Bis zu zwei Millionen Opfer forderte die Kulturrevolution. Nicht allein durch direkte Gewalt oder staatliche Repression, sondern auch durch die erneute Desorganisation, die die Kulturrevolution im Land hervorgerufen hatte. Vor allem in Hunan kam es im Zusammenhang mit der Kulturrevolution und der durch sie bedingten Umleitung von Ressourcen zu Hungersnöten.

Die Kulturrevolution ist den Chinesen dabei nicht nur in schlechter Erinnerung. Neben der echten revolutionären Begeisterung und der Woge des Optimismus brachte sie starke Gemeinschaftserlebnisse mit sich. Die meisten der Roten Brigaden marodierten nicht, sondern nutzten die Gelegenheit, um durch China zu reisen (nichtsdestotrotz wurden sie trotzdem dafür bestraft und lernten ihnen unbekannte und unattraktive Regionen Chinas dann auch so kennen, indem sie für Jahre dorthin deportiert wurden). Arbeiter protestierten im Rahmen der Kulturrevolution für bessere Bedingungen. Mao wollte mit der Kulturrevolution einen neuen, anti-bourgeoisen Menschen erschaffen. Kissinger zufolge fragen sich heute, in einem vom Kapitalismus durchdrungenen China, nicht so wenige Chinesen, ob Mao mit Bestrebungen nicht doch vielleicht irgendwo Recht hatte.

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Mao und Stalin wurden von ihrer loyalen Umgebung aufgrund von ihrer Intelligenz geschätzt, wenn nicht als eine Art Superintelligenz-Mysterium verehrt, und so wurde ihnen blind gefolgt. Tatsächlich waren sie im landläufigen Sinn ja auch recht intelligent. Ich schätze Mao und Stalin hatten einen IQ von um die 150. Was allerdings heißt das? Obwohl intellektuelle Höchstbegabung sehr selten ist, ist sie gleichzeitig ein weites Feld und breites Spektrum. Sie reicht von einem IQ von 145 bis zu vielleicht 200. Marilyn vos Savant, die als intelligenteste Frau der Welt gilt (IQ 186), meint dass unter den historischen Persönlichkeiten unter den Höchstbegabten, bei denen der IQ entweder bekannt war oder geschätzt werden kann, am unteren Ende der Skala politische Revolutionäre angesiedelt sind. Politische Revolutionäre sind also tatsächlich „volksnah“, indem sie nicht von erlauchtester Gescheitheit sind. Die Verheerungen, die politische Revolutionäre anrichten, stehen also sicher damit im Zusammenhang, dass es sich bei ihnen um die vergleichsweise unintelligentesten Höchstbegabten handelt, deren Einsichten in die gesellschaftliche Totalität vergleichsweise mangelhaft sind, und die im Denken zu wenig vorsichtig sind, zudem zu sehr dazu neigen, sich selbst zu überschätzen. (Ferguson hat einmal ruminiert, die intelligenteste Herrschergestalt der Geschichte könnte der Großmogul Akhbar der Große gewesen sein. Akhbar der Große hatte wohl einen Intelligenzquotienten um die 170. Seine Herrschaft war tatsächlich segensreich für Indien.)  Am oberen Ende der Skala, bei Intelligenzquotienten von 190, vermutet Marilyn vos Savant hingegen „Schriftsteller“. Das wären dann also Leute wie Karl Marx.

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Wie ich vor vielen Jahren einmal einen der Vier Großen Klassischen Romane der chinesischen Literatur – Die Räuber vom Liang-Schan-Moor – gelesen habe, habe ich mir gedacht: Wie ähnlich sich die Menschen doch über alle Zeiten und Kulturen hinweg letztendlich sind! Das sind sie zwar, aber sie sind auch über Zeiten und Kulturen hinweg einigermaßen voneinander verschieden. Chinesische Menschen haben, durch die Akkulturation bedingt, andere Hirnstrukturen als z.B. Menschen im Westen.

China ist (wie man sagt, durch den in größeren Sozialverbänden stattfindenden Reisanbau begünstigt) eine kollektivistische Kultur, die sich von der vergleichsweise individualistischen Kultur des Westens einigermaßen unterscheidet. So haben Chinesen einen weniger ausgeprägten Begriff vom Individuum: sie erleben sich zunächst als Angehörige einer Familie. Das hat erhebliche Auswirkungen. Der Individualismus ist weniger ausgeprägt. Während Chinesen aufgrund von bestimmten Kulturleistungen, die sie erbringen müssen, wie das Erlernen ihres komplizierten Schriftsystems, bei bestimmten kognitiven Leistungen besser abschneiden als Westler, haben chinesische Schüler die meiste Angst nicht vor Prüfungen in Mathematik oder Fremdsprachen, sondern im freien Aufsatz. Also im Formulieren einer eigenen Meinung.

Die eigene Familie ist auch die Zelle des moralischen Zusammenhalts – der außerhalb der Familie nicht unbedingt existiert. Fremden gegenüber fühlen sich Chinesen moralisch nicht verpflichtet – ebenso wenig Vertrauen haben sie also in Fremde, die sich umgekehrt also auch ihnen nicht verpflichtet fühlen. Das Fehlen von einem echten Gemeinsinn und von einer Zivilgesellschaft in China hat hierin eine ihrer Wurzeln. Die ständige Angst der chinesischen Herrschenden, dass die Gesellschaft zerfallen könnte, es zu Aufständen oder einer plötzlichen Illoyalität der Bevölkerung kommen oder dass irgendetwas Unvorhergesehenes (Individuelles) passieren könnte, und ihr Kontrollfetischismus mögen uns irrational und barbarisch erscheinen – aber so unberechtigt bzw. grundlos ist das nicht.

Überhaupt sind das chinesische Denken und das moralische Empfinden einerseits ganzheitlicher, holistischer und mit großem geschichtlichen Sinn, der sich auf Erfahrungen in der Vergangenheit beruft (daher allerdings auch vergleichsweise inflexibel). Andererseits sind sie aber auch unschärfer. Eindeutige Trennungen zwischen Gut und Böse treten hinter die Facettierungen, in denen moralisch zu bewertende Handlungen wahrgenommen werden, zurück. Chinesen leben, so gesehen, in einer fortwährenden moralischen Grauzone. Der geschichtliche Sinn und das ganzheitliche Denken beeinträchtigen das fortschrittliche Denken. Das „ganzheitliche“ Denken tritt auch so in Erscheinung, dass Chinesen überall Politik (zugunsten Chinas) hineinbringen, auch in Bereiche, wo man Politik in anderen Kulturen nicht haben will. Etliche Konfuzius-Institute, mit denen die Chinesen kulturellen Austausch betreiben und ihre Kultur vermitteln wollen, wurden in Deutschland bereits wieder geschlossen, weil sie ihre kulturellen Aktivitäten dauernd mit politischen Aktivitäten verquicken.

Während bei uns (vielleicht ein wenig dekadent) Bürgerrechte im Fokus der Wahrnehmung stehen, sind es in China Bürgerpflichten. Das alles durchdringende „konfuzianische“ Pflichtgefühl der Chinesen kompensiert den Mangel an eindeutigen Rechten, Rechtsstaatlichkeit (und deren Durchsetzung) und Rechtsansprüchen. Der Mangel an Rechtstaatlichkeit und Rechtsansprüchen (und auch an abstraktem Rechtsdenken) führt dazu, dass sich Chinesen in der Durchsetzung ihrer Ansprüche und Interessen viel mehr auf persönliche Beziehungen verlassen. Das wiederum führt zu Patronage, Klientilismus, Ineffizienz und Korruption. Auf der anderen Seite führt es zu einer großen Verlässlichkeit in dieser austauschhaften Beziehungshaftigkeit. Das soziale Kapital des Chinesen ist „Guanxi“, seine (von anderen als solche wahrgenommene) Fähigkeit, Gefallen zu erwidern und zu erweisen (was bei uns unter anderem auch den „Vitamin B“ entspricht). Da Gunaxi die eigentliche soziale Währung in China sind, scheuen sich Chinesen, ihr Gunaxi zu verlieren. Damit einhergehend räumen sie auch ungern Fehler oder moralische Versäumnisse ein. Es gilt, das „Gesicht“ zu wahren. Angeblich ist Reue kein großartig internalisiertes Gefühl bei den Chinesen.

Während im persönlichen Verkehr das Guanxi gepflegt wird, sind Chinesen im anonymen öffentlichen Verkehr oftmals ohne Höflichkeit, Manieren, Etikette und Distanz. Die „konfuzianische“ Unterdrückung ihrer Gefühle nach außen scheint auch dazu zu führen, dass Wut- und Gewaltausbrüche von Chinesen in der Öffentlichkeit häufig vorkommen. Während das vergleichsweise harmlos bleiben kann oder, mitgefilmt und auf TikTok veröffentlicht, sogar komisch wirken kann, war es das während der Kulturrevolution oder anderer von Maos Kampagnen, die den „revolutionären Volksgeist“ aufrufen wollten, durchaus nicht.

Für diese wertvollen Einblicke bin ich dem Buch Die Chinesen: Psychogramm einer Weltmacht von Stefan Baron und Guangyan Yin-Baron dankbar. Außerdem muss ich, um, wie ich hoffe, viele andere Dinge besser zu verstehen, unbedingt mal Die seltsamsten Menschen der Welt: Wie der Westen reichlich sonderbar und besonders reich wurde von Joseph Henrich lesen. Darin geht es darum, dass die Menschen des Westens durch lange Akkulturation besondere Hirnstrukturen ausgeprägt haben, auf deren Grundlage sie dann wieder entsprechende Lebenswelten geschaffen haben, die dann wieder die Hirnstrukturen geprägt haben. Der westliche Mensch mit seinen speziellen kognitiven Fähigkeiten und Dispositionen sei also nicht der Mensch an sich.

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Wir müssen aber bescheiden sein, und zwar nicht nur heute, auch nach 45 Jahren, für alle Zukunft. In den internationalen Beziehungen müssen die Chinesen den Großmacht-Chauvinismus entschlossen, gründlich, restlos und vollständig beseitigen. (Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung)

Seit einigen Jahren zeigt man sich besorgt darüber, dass China weite (wenn nicht praktisch alle) Teile der Welt neokolonialisieren will. Aber dieser Prozess hat schon unter Mao begonnen. Im Rennen um Afrika zum Beispiel war schon Mao bedacht darauf, gehörig mitzumischen. Allerdings sind die Chinesen damals schon wie heute auf spezifische Widrigkeiten gestoßen. In Sambia (wie auch anderswo) wollten die Chinesen z. B. in geheimer Sache Rebellen ausbilden bzw. maoistische Rebellen heranzüchten. Aber anstatt die Chinesen mit einem Gastmahl zu empfangen, haben die Sambianer die Chinesen selbst fortwährend um Essen, Trinken und Zigaretten angeschnorrt. Die Afrikaner achteten während des Kurses nicht auf ihre Ausrüstung, zeigten wenig Durchhaltevermögen, „sie wurden gerne gelobt, hatten aber für Kritik wenig übrig“, und wollten nach drei Monaten nach Hause. So waren Maos Unternehmungen in Afrika für China hauptsächlich ein teurer Spaß. Die afrikanischen Regierungen waren geschickt darin, ihre Sponsoren auszuquetschen und die Rivalitäten zwischen den Supermächten auszunutzen. Die Chinesen haben ihrerseits Tonnen von Getreide nach Afrika geliefert, Kredite bereitgestellt, Agrar- und vor allem medizinische Hilfe geleistet. Diese Hilfsleistungen waren echt, im Sinne von ernst gemeint, vor allem sind sie aber unter einem politischen Vorzeichen (der eigenen Interessensvertretung) gestanden. Das galt nicht zuletzt für die politische Unterstützung und die Militärhilfen für genehme Regierungen (wie die von Kwame Nkrumah, Julius Nyerere oder Robert Mugabe) oder Rebellentruppen. Viele Afrikaner waren vom Maoismus und seiner antiimperialistischen Strahlkraft begeistert. Auch zur Ausrüstung der Black Panther in den USA gehörten neben schwarzen Lederjacken, Sonnenbrillen und Barrettmützen eine Mao-Bibel. Die chinesischen politischen Entwicklungshelfer wurden in Afrika auch als weniger arrogant wahrgenommen als die sowjetischen. Sie erschienen „brüderlicher“. Etliche Afrikaner, die China zur politischen Schulung besucht haben, zeigten sich jedoch nach einer Weile abgestoßen vom Rigorismus und Autoritarismus, von der Armut und der Öde des sozialen Lebens, die dort herrschten. Und nicht zuletzt vom chinesischen Suprematismus und Rassismus.

Niemals dürfen wir die hochmütige Haltung von Großmacht-Chauvinisten annehmen und wegen des Sieges unserer Revolution und einiger Erfolge bei unserem Aufbau überheblich werden. Jedes Land, ob groß oder klein, hat seine Vorzüge und Mängel. (Worte des Vorsitzenden Mao Tse-tung)

(Vor gut zehn Jahren habe ich wo gelesen, wie die alten Kader in China Angst haben vor ihrer eigenen Parteijugend. Sie selber haben China als armes Land erlebt, dass mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat – während die Jugend nur den beispiellosen Boom und Aufstieg kenne. Und deswegen extrem selbstbewusst bis größenwahnsinnig sei. In der nahen Zukunft wird diese Kaderjugend an die Macht kommen. Davor haben die heutigen hohen Kader eine Heidenangst.)

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Zu den letzten politischen Taten Maos zählte, dass er die Roten Khmer in Kambodscha unterstützt und sie in ihrem besonders radikalen Kurs bestärkt hat, in dem er offenbar die tatsächliche Verwirklichung seiner kulturrevolutionären Ambitionen gesehen hat. Nachdem die Roten Khmer in Kambodscha die Macht übernommen hatten, trafen Pol Pot und Ieng Sary (ein ranghoher Roter Khmer) Mao im Juni 1975 in China. Wenig ist über das Gespräch bekannt, unter anderem, da die Akten von beiden Seiten unter Verschluss gehalten werden und Pol Pot später seine Dolmetscher hinrichten hat lassen (einer der beiden dabei anwesenden Dolmetscher hatte Glück und konnte entkommen und berichten). Soweit man weiß, hat sich Mao bei den Roten Khmer damals darüber beklagt, dass „böse Kräfte“ den Kommunismus und die Kulturrevolution in China blockieren würden. Auf die Verwirklichung seines politischen Ideals hoffe er nun in Kambodscha. Pol Pot bekräftigte seinerseits, wie viel er Mao ideologisch zu verdanken habe.

Pol Pot war ein mittelmäßiger Intellektueller (ein Lehrer), der im persönlichen Umgang durch Liebenswürdigkeit und Charme auffiel. Er kam als Student in Frankreich mit revolutionärem Gedankengut in Berührung und schloss sich in Kambodscha den Kommunisten an (dass er nach Frankreich konnte und eine gute Ausbildung genoss, hatte er Verbindungen seiner Familie zur kambodschanischen Königsfamilie zu verdanken). Durch den Kampf im Untergrund wurden Pol Pot und die Roten Khmer fortwährend radikalisiert. Noam Chomsky weist auf die Bombardierung Kambodschas durch die Amerikaner im Vietnamkrieg hin, um eine weitere ideologische Radikalisierung der Roten Khmer und die alptraumhaften, auf Traumatisierungen beruhenden späteren Entwicklungen im Land erklärlich zu machen.

Auf jeden Fall traten die Roten Khmer gleich nach ihrer Machtübernahme 1975 an, das radikalste kommunistische Regime zu errichten, das die Welt je gesehen hat. Die Hauptstadt wurde innerhalb weniger Tage evakuiert (wobei um die 20.000 Menschen starben), die Bewohner aufs Land getrieben und zu Agrararbeitern umfunktioniert. Intellektuelle oder auch nur Personen, die die Insignien der Intellektualität trugen (z.B. Brillen) wurden getötet. Das unbegreifliche Ziel war es, (entgegen der fortschrittlichen Stoßrichtung und des Industrialisierungsoptimismus des Marxismus) eine agrarkommunistische Gesellschaft zu verwirklichen, in der zudem die alte kambodschanische Kultur wiederauferstehen würde. Im Schwarzbuch des Kommunismus wird versucht, das so zu erklären, dass der weltweite revolutionäre Elan Mitte der 1970er Jahre seinen Zenit hinter sich hatte und – in der Wahrnehmung radikaler Kommunisten – sämtliche kommunistischen Länder mit der Zeit einer Verkrustung oder Entwicklungen der Restauration anheimgefallen sind. Der Kommunismus der Roten Khmer sollte daher eine besonders radikale Flucht nach vorn sein. Das liegt nicht völlig außerhalb einer revolutionären Logik, zumal einer solchen, die sich bereits radikalisiert hat (und dann noch dazu von außen – in dem Fall eben von Mao – materiell und ideell unterstützt wurde).

Abgesehen von solchen Rationalisierungen (die solche Phänomene, wie man den Eindruck nicht loswird, nur ungenügend erfassen) kommt in der Person von Pol Pot offenbar der Charakter der Roten Khmer insgesamt zum Vorschein: intellektuelle Inkompetenz gepaart mit haarsträubender Paranoia und Größenwahn (noch dazu eventuell ein Charme und ein Schmeichlertum, das letztendlich auch sich selbst erliegt und sich auf sich selbst anwendet). Pol Pots Mitstreiter hielten ihm nachher zugute, ein „Patriot“ gewesen zu sein, der den bösartigen Einfluss Vietnams draußen halten wollte (zwischen Kambodscha und Vietnam besteht eine historische Feindschaft). Tatsächlich war Pol Pot ein (vietnamfeindlicher) Nationalist und eine Art Suprematist, was die eigene alte kambodschanische Hochkultur angegangen ist. Auch der – dem naheliegende – Rassist scheint in Pol Pot schließlich Bahn gebrochen zu haben. Das Regime der Roten Khmer war so rassistisch, dass einige Forscher in ihm sogar primär ein rassistisches (und nur irgendwie unter ferner liefen ein kommunistisches) Regime sehen wollen. Ziel war es, Kambodscha gegenüber der Außenwelt völlig zu isolieren, mit Ausnahme der Beziehung zu China, und eine glorreiche „neue Gesellschaft“ zu schaffen. Ein grenzenloser Hochmut und eine grenzenlose Selbstüberschätzung scheint darin zum Ausdruck zu kommen – und eine grenzenlose Paranoia, die den Terror, den Autoritarismus und den Sadismus, als Ausdruck ihres eigenen Gefühlslebens, nicht allein funktional einsetzt, sondern außerdem auch liebt und genießt (auch wenn sie letzteres wahrscheinlich verleugnet). Als aufgrund der Zerstörungen, die die Roten Khmer an der Gesellschaft und ihrer Infrastruktur anrichteten, die Wirtschaftsleistung des Landes schnell massiv sank und Versorgungskrisen auftraten (und er sich deshalb wohl auch naheliegenderweise in seiner Stellung bedroht sah), machte Pol Pot an allen Seiten Sabotage dafür verantwortlich und begann mit Säuberungsaktionen und Massenexekutionen innerhalb der eigenen Partei. Ganz anders als Mao, und praktisch alle anderen Politiker, war Pol Pot so verschlossen, dass er in der Bevölkerung lange anonym blieb, gleichzeitig aber – umso selbsterhöhender – als „Angkor“ („Organisation“) oder „Bruder Nummer 1“ auf sich referieren ließ. Erst kurz vor dem Ende seiner Herrschaft trat er aus dem Schatten und identifizierte sich in der Öffentlichkeit als eigentlicher politischer Führer – zur Überraschung selbst seines eigenen Bruders, der davon gar keine Kenntnis gehabt hatte. Das Ende der Herrschaft der Roten Khmer kam dann tatsächlich mit dem Einmarsch des Erzfeindes Vietnam in Kambodscha 1979. Bis zu einem Viertel der kambodschanischen Bevölkerung sind dem Regime der Roten Khmer zum Opfer gefallen, der Großteil davon durch die Entbehrungen aufgrund der Versorgungskrisen. Aus irgendwelchen Gründen, die zu beleuchten wären, blieb die Massenbasis der Roten Khmer in Kambodscha aber fortwährend keine kleine. Pol Pot starb 1998, nachdem er mit engen Mitstreitern im schwer zugänglichen Grenzland zwischen Kambodscha und Thailand gelebt und nach wie vor Schulungen für junge Rote Khmer abgehalten hatte. Bis zuletzt blieben alle beeindruckt von seiner Freundlichkeit und seiner inspirierenden Art.

Finanziert wurde er dabei von China, das ihn als Druckmittel gegen Vietnam aufrechterhielt (wie es auch die USA getan hatten). Und außerdem wohl wenig Interesse hatte an einer Aufarbeitung der Verbrechen der Roten Khmer-Herrschaft, an der es selbst seinen Anteil hatte. Kurz vor seinem Tod 1976, als einen seiner letzten politischen Akte, sandte Mao Zedong ein Glückwunschtelegramm an die kambodschanische Führung: Das chinesische Volk ist überaus erfreut darüber, die gewaltigen und tiefgreifenden Veränderungen zu sehen, die sich in Kambodscha abspielen. Wir sind zuversichtlich, dass unter der korrekten Führung der revolutionären Organisation Kambodschas das kambodschanische Volk noch größere Siege erringen wird. Kämpfen und Siege erringen, alles tiefgreifend und gewaltig verändern – Konstanten in Maos Denken und Empfinden, die im Alter (und eingedenk des eigenen relativen Scheiterns aufgrund der unrealistischen Ansprüche, die damit verknüpft sind, sich aber nicht eingestanden werden) bei ihm immer starrsinniger in Erscheinung getreten sind. Wie es aber auch heißt, wird der Mensch im Alter immer mehr und ist der Altersstarrsinn nur ein Ausdruck davon, dass er immer mehr zu dem wird, was er immer schon war.

Mao scheint im Alter melancholisch gewesen zu sein, dass die Revolution und sein „eigentliches“ politisches Ideal sich nirgendwo verwirklicht haben. Überall seien sie, sofern überhaupt in Angriff genommen, stecken geblieben. Er scheint es aber dann in Kambodscha unter den Roten Khmer erblickt zu haben. Wenn nach Maos Tod nicht Deng Xiaoping sondern die Viererbande die Macht in China übernommen hätte, wäre dort dann vielleicht – vielleicht sogar wahrscheinlich – dasselbe passiert wie unter den Roten Khmer in Kambodscha.

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Bereits in den letzten Lebensjahren Mao Zedongs bereite Abimael Guzman minutiös und geduldig den Angriff seines Leuchtenden Pfads auf den peruanischen Staat vor, der schließlich 1980 erfolgte – just in dem Jahr, als Peru nach 12 Jahren einer (linksgerichteten) Militärdiktatur wieder zu einer Demokratie wurde (weswegen die neue Regierung und Verwaltung aber heillos desorganisiert war – ein Umstand, den der Leuchtende Pfad ausnutzte). Guzman war selbst in den 1960er Jahren in China gewesen und hatte dort Mao zu verehren gelernt. In den 1960er Jahren war das linke Revoluzzertum in Peru, damals dem zweitärmsten Land Lateinamerikas, in der Luft gelegen, und Guzmans Sendero Luminoso war eine sozialrevolutionäre/maoistische Gruppierung unter vielen anderen. Spätestens ab den 1980er Jahren – und auch schon zuvor – schien Peru aber durchaus kein Territorium für eine maoistisch inspirierte Revolution abzugeben: es war eine Demokratie, es war von keiner fremden imperialistischen Macht beherrscht, die Verstädterung und das Bildungsniveau waren relativ hoch und vergleichsweise viele Peruaner gehörten der Mittelschicht an. Gleichzeitig waren aber viele Regionen des Landes unterentwickelt, die Verhältnisse waren (auch ideologisch und kulturell) halbfeudal und die Indigenen waren politisch nicht repräsentiert. Die Bedingungen für eine Revolution lagen also einerseits in der Luft, andererseits, und vor allem, aber auch nicht. Und keine andere der zahllosen linken Gruppen im Land ist von ihrer Rhetorik tatsächlich zur Aktion übergegangen. Der Sendero Luminoso hingegen zettelte praktisch einen langjährigen Bürgerkrieg mit verheerenden sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen an und stand zuletzt davor, Lima zu erobern, bevor er 1992 mit der Verhaftung von Abimael Guzman wie ein Papiertiger in sich zusammenfiel.

Abimael Guzman war ein Universitätsprofessor für Philosophie an der Universität in Ayacucho gewesen. In einer abgelegenen, benachteiligten, vor allem aber von der staatlichen Obrigkeit kaum berührten Gegend gelegen, wurde diese Universität zu einer Brutstätte für Revolutionäre (auch insofern die Absolventen der Universität sich schwer taten, Jobs zu finden, nachdem sie in ihre Ausbildung so viel investiert hatten). An Guzman habe sich früh eine hohe Intelligenz und ein gewaltiger Bildungshunger bemerkbar gemacht – allerdings auch eine beklemmende Verrücktheit: Ideen, die er sich in den Kopf gesetzt hatte, verfolgte er mit einem religiösen Eifer und unter dem Gefühl einer höheren Berufung. Inspiriert durch die Lektüre von Marx, Lenin und vor allem Mao, und dem Geist der Zeit entsprechend, wurde er zum Revoluzzer, der die Indigenen und die Bauern befreien und das Land in einen paradiesischen Zustand überführen wollte. Oder aber, der vielleicht hauptsächlich „alles in die Luft sprengen wollte“ (wobei, wie Guzman es formulierte, der Maoismus lehrte, wie man alles in die Luft sprengen könnte und diesbezüglich konkrete Ziele sowie eine Mission dafür vorgab) und sich am Gefühl übermenschlicher Macht berauschen wollte. Ebenso seltsam und scheinbar widersprüchlich, wie er politisch verwurzelt war, war der Sendero Luminoso als politische Organisation. Als solche glich er eher einer Sekte, mit Abimael Guzman als Sektenführer. Während der Maoismus und Mao selbst, trotz allem Maokult und der Betonung der Genialität Maos, primär „die Volksmassen“ als eigentliche kreative und formende politische Kraft identifizieren, ist in der Ideologie des Leuchtenden Pfades die Person des Abimael Guzman das einzige politische Subjekt, der einzige Wille und die einzige Intelligenz, der sich jedermann zu unterwerfen habe. Der Individualismus aller anderen wird ausgelöscht. Der Sendero Luminoso eroberte bzw. „befreite“ von seiner ländlichen Basis her Bauerndörfer, indem er sie terrorisierte. Da es keine massive Ungleichheit gab, was den Landbesitz betraf und keine eigentlichen „Klassenstrukturen“, die sich als solche marxistisch oder maoistisch interpretieren ließen, nutzte der Sendero Luminoso vorhandene Zwistigkeiten in den Dörfern, um sie zu einem Klassenkampf hochzustilisieren und so dort Fuß zu fassen und ein Terrorregime zu installieren. Aufgrund der methodischen Planung durch Guzman, der Brutalität der Bewegung und dem Mangel an Alternativen, die er zurücklies, gelang es dem Leuchtenden Pfad in den jahrelangen Kämpfen tatsächlich, bis zur Hauptstadt vorzurücken und sie zu bedrohen.

Vor allen Dingen möglich gemacht wurde das jedoch durch das nicht allein stümperhafte, sondern ebenso unheimlich brutale, gewollt sadistisch anmutende Handeln des Staates und seiner Exekutivgewalt. In dem Bestreben, Rebellennester auszuräuchern, mordeten, terrorisierten und vergewaltigten Polizei und Militär in den ländlichen Regionen über Jahre hinweg, als hätten die Ereignisse ihrerseits bei ihnen eine latente Neigung zum rassistisch und sexistisch motivierten sadistischen Gewaltrausch freigelegt (wohl nicht zuletzt aufgrund der starken misogynen Traditionen im Land waren ihrerseits viele – und die brutalsten – Kämpferinnen des Leuchtenden Pfad und auch viele im innersten Zirkel rund um Guzman Frauen). Gedeckt wurde das auch durch eine eigenartige Indifferenz und Verständnislosigkeit der Regierungen und der städtischen Bevölkerung bzw. der Mittelschicht, die sich so verhielten, als würde sich der Konflikt gar nicht im eigenen Land abspielen. Angeblich wurden bis zu 30.000 Tote in den ländlichen Regionen von den städtischen Zentren gar nicht bemerkt bzw. registriert. Das half dem Leuchtenden Pfad und führte ihm neue Anhänger zu, die er seinerseits blutrünstig für seine Ziele opferte. Anfang der 1990er Jahre begannen Teile der Exekutive endlich, dem Problem nicht mit roher Gewalt sondern mit Polizeiarbeit zu begegnen. Nach einiger Detektivarbeit konnten sie Guzman 1992 in einem Haus in Lima aufspüren und verhaften. Rasch nach seiner Verhaftung rief Guzman den Leuchtenden Pfad dazu auf, die Waffen niederzulegen und erklärte, nachdem das Spiel  selber verloren war, den revolutionären Kampf, dem er Jahrzehnte seines Lebens und so viele Menschenleben geopfert hatte, kurzerhand für beendet. Der Sendero Luminoso brach wie ein Papiertiger in sich zusammen. Trotz der eigentümlichen Unsentimentalität, mit der Guzman den Sendero Luminoso dazu aufrief, den Kampf einzustellen, hielt er im Hochsicherheitsgefängnis weiterhin schwungvolle revolutionäre Reden. Er starb dort 2021, bis zuletzt bewundert und umrundet von seinen Frauen und weiblichen Mitstreiterinnen.

Einige Beobachter meinen, die Verbrechen des Sendero Luminoso hätten die aller anderer revolutionärer Bewegungen übertroffen und dass Peru ein ähnliches Schicksal wie Kambodscha geblüht hätte, hätte der Sendero Luminoso dort tatsächlich die Macht erobert. Auch wenn sich Guzman abfällig über Pol Pot äußerte, war der Leuchtende Pfad in einer gewissen Hinsicht tatsächlich noch radikaler als die Roten Khmer, indem er alle anderen, auch linke Gruppierungen und NGOs, die innerhalb der peruanischen Bevölkerung helfen wollten, ausnahmslos angriff und nichts tolerierte neben sich selbst – was man als weiteres Indiz dafür sehen könnte, dass der Sendero Luminoso gar keine eigentliche politische Gruppierung war. Wenn auch die meisten Revolutionäre von revolutionärer Gewalt sprachen und sie zu rechtfertigten suchten, sprach niemand außer Guzman von einer „Cuota“, einem notwendigen erheblichen Blutzoll, und einem Zoll von Menschenleben, die der Revolution gleich einem Todesgott unabdingbar und gleichsam mechanisch geopfert zu werden hätten. Wie es scheint, hatte Guzman offenbar Gefallen daran, Menschenleben in großer Zahl für ein Programm opfern zu können, was so ausdrücklich bei kaum einem anderen Ungeheuer der Geschichte deklariert wird. Der Sendero Luminoso hatte Züge einer endzeitlichen Bewegung, noch dazu kombiniert mit denen eines Todeskults. Im Sendero Luminoso scheinen sich eine Sekte, eine politische/sozialrevolutionäre Bewegung, eine Rebellenarmee und ein millenaristischer, chiliastischer Todeskult zu einem einzigen Ganzen vereinigt zu haben. Auch wenn sie nur als Fußnote in die Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts eingegangen sind, waren der Sendero Luminoso und Abimael Guzman die vielleicht unheimlichste Erscheinung des Jahrhunderts.

Ebenso unheimlich legte der Leuchtende Pfad aber auch eine beklemmende Dysfunktionalität und Brutalität innerhalb einer scheinbar funktionierenden Gesellschaft frei. Der peruanische Präsident zur Zeit der Verhaftung Abimael Guzmans, Alberto Fujimori, war ein korrupter Despot, der wegen zahlreicher Verstöße gegen die Menschenrechte zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde und der allein Stoff für eine eigene Betrachtung sein könnte. Wie auch in anderen lateinamerikanischen Ländern (wie z.B. Guatemala) besteht Peru aus keiner Gesellschaft, sondern aus mehreren, die sich mit feindseliger Indifferenz gegenüberstehen, die schnell gefährlich und ausnehmend gewalttätig werden kann. Wiederum hat die Welt (und haben selbst wir in Argentinien) um den Jahreswechsel 2022/23 wenig davon mitbekommen: aber die tödliche Gewalttätigkeit, mit der die (irgendwie im Rahmen eines Kuhhandels) ausgetauschte peruanische Regierung und ihre Exekutive auf (friedliche, aber vorwiegend indigene) Demonstranten losgingen, haben verblüfft. Ebenso, wie die neue Präsidentin, die eigentlich eine (opportunistische) Linke war, schnell eher als extreme und gewaltbereite Rechte aufgefallen ist. Verblüffen tut beim Studium der Geschichte auch, wie leicht und unkritisch sich allerhand Peruaner(innen) für den Leuchtenden Pfad begeistert und sich ihm angeschlossen haben, und wie viele, eigentlich sehr gebildete und scheinbar selbstständig im Leben stehende Menschen sich Abimael Guzman sklavisch und selbstzerstörerisch unterzuordnen bereit war. Guzman galt im persönlichen Umgang als inspirierend, (aufgrund seiner apodiktischen Haltung) überzeugend und mitreißend. Seine Schriften und Pamphlete sind von einer (eigentlich schwer zu ertragenden) plastischen und dramatischen Sprache. Wie meine argentinische Familie meint, lieben die Peruaner das Drama und das Überreagieren.

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Als Mao 1976 starb, waren die Energien des Maoismus im Wesentlichen verbraucht, die letzten Jahre unter Mao, nach der Kulturrevolution, waren in China eine „bleierne Zeit“. Die Phase der antikolonialen Befreiungskämpfe auf der Weltbühne hatte sich in den 1970er Jahren im Großen und Ganzen abgeschlossen, die Abenteurerstimmung der 1960er Jahre in diversen Winkeln der Welt war einem nüchternen Pragmatismus gewichen, der Marxismus war ab den 1980er Jahren kein glaubwürdiges Framework mehr, mit dem Wirtschaft, Geschichte und Gesellschaft erklärbar schienen. Auch wenn die Viererbande, die Maos Politik fortsetzen oder gar verschärfen wollte, nicht ungefährlich war, waren weitere Kulturrevolutionen nichts, an denen eine Mehrheit innerhalb der chinesischen Bevölkerung und der chinesischen kommunistischen Partei interessiert waren. Mit Deng Xiaoping kam jene Politik ans Ruder, die Mao so entschlossen bekämpft hatte und deren Gefahr er überall witterte: die der „bourgeoisen Restauration“, bzw. der wirtschaftlichen und auch gesellschaftlichen Liberalisierung. Auch wenn letztere weit weniger forciert wurde, ist China heute gesellschaftlich deutlich liberaler als zu Maos Zeiten (oder in seiner gesamten Vergangenheit). Da es seiner Vergangenheit und seiner grundsätzlichen sozialen Organisation letztendlich nicht wird entkommen können, ist eher nicht zu erwarten, dass China mittelfristig ein tatsächlich liberales Land werden könnte. In erheblichen Aspekten wird sich die chinesische Kultur, Politik und Mentalität antithetisch zu unseren Verständnissen im Westen verhalten. Wie groß und wie gefährlich das Konfliktpotenzial mit China tatsächlich ist, ist aber ungewiss: ebenso wie die weitere interne Entwicklung des Landes. Nach wie vor ist China fragiler, als es nach außen hin den Eindruck macht.

Wahrscheinlich kommt es auch deswegen unter der gegenwärtigen Regierung Xis zu einer Stärkung des Autoritarismus und einem Rückbau des Liberalismus. Die Xi-Regierung reaktiviert das Andenken Maos: allerdings aus nationalistischen Gründen und um einen Führerkult zu stärken. Eigenartig bleibt aber, dass Xi tatsächlich über die Vollmachten eines diktatorischen Herrschers verfügt. Das Erfolgsgeheimnis des China der Gegenwart wird unter anderem darin gesehen, dass sich die oberste Führung darauf geeinigt hat, nie wieder einen Diktator wie Mao mit all seinen irrationalen und gefährlichen Anwandlungen aufkommen zu lassen: die tatsächliche Führung liegt beim Kollektiv des Politbüros (etwas Analoges tat die Sowjetführung nach dem Tod Stalins). Wieso die chinesische Führung dieses Prinzip im Fall von Xi wieder aufgegeben hat, ist rätselhaft – weist aber auf nichts Gutes hin.

Als Gründer des modernen China ist Mao naturgemäß Bestandteil der chinesischen Folklore. Die Kommunistische Partei Chinas ist bedacht, Mao nicht wirklich vom Podest zu stürzen – sie würde sich dadurch ja selbst infrage stellen. Schon nach Maos Tod hat sie sich – ähnlich wie die Sowjetführung in Bezug auf Stalin – auf die Formel geeinigt wonach Maos Politik „zu 70 Prozent gut, zu 30 Prozent schlecht“ gewesen sei.

Maos Geist schwebt aber auch noch über der chinesischen Bevölkerung. Maoisten, die den kapitalistischen Kurs seit Deng Xiaoping ablehnen, gibt es in China seit Maos Tod; ihr politisches Gewicht unterliegt dabei Konjunkturen. Insofern Mao zwar Diktator war, aber auch Revolutionär, ist er Inspirationsquelle für alle, die sich gegen die chinesische Staatsmacht und die Ungerechtigkeiten des chinesischen Kapitalismus auflehnen, die sich für den Schutz der Werktätigen und von Minderheiten einsetzen. So sympathisch und rosig das auf den ersten Blick anmutet, handelt es sich bei diesen Maoisten aber um das, um was es sich bei Maoisten schon immer handelte: um doktrinäre, intellektuell beschränkte, an und für sich absurde Gruppen; keine fröhlichen Revoluzzer. Um etwas Intransigentes, Militantes. Um etwas einigermaßen – Böses. Was nicht heißt, dass das, wogegen sie sich wenden, gut ist.

Die Geschichte des Maoismus ist noch nicht vorbei. Aber sie war keine echte Erfolgsgeschichte. Die Misserfolge des Maoismus, und die der Versuche, den Maoismus zu exportieren, waren zahlreich; die Erfolge waren unvorhersehbar. Mao selbst war enttäuscht, dass es ihm nicht gelungen ist, den Maoismus tatsächlich auch nur in ein Land zu exportieren, geschweige denn im Weltmaßstab, trotz der Präsenz, die er überall hatte. Und dass es ihm auch nicht gelungen ist, China tatsächlich zu „maoisieren“. Was die Vorstellungen Maos von einer gelungenen Revolution eigentlich gewesen seien sollten, ist dabei so unklar, wie beim Marxismus selbst, dessen Vorstellung einer grenzenlosen Befreiung des Menschen notgedrungenermaßen eine zwar grelle, aber inhaltlich leere Halluzination bleibt. Auch insofern sich der Marxismus zu stark an einem Feindbild orientiert bzw. um ein Feindbild rotiert, von dem er sich abzugrenzen versucht – was dann aber etwas Negatives bleibt, auch wenn es sich als strahlende Positivität (vom „besseren sozialistischen Menschen“) ausgibt. Mao war – wahrscheinlich mehr als von allem anderen – besessen, ein „völlig neues“ China, einen „völlig neuen“ chinesischen Menschen zu schaffen. Dabei spielten paranoide Phantasien einer „Reinigung“ vom unsauberen Bestehenden eine zentrale Rolle. Bekämpft wurden so „bourgeoise“ und „restaurative“ Tendenzen im Menschen. Ohne sich aber die Frage zu stellen, inwieweit solche bourgeoisen Tendenzen beim Menschen normal und auch wünschenswert seien. Damit sind der Maoismus, der Marxismus, der Kommunismus etwas erheblich Menschen- und Lebensfeindliches.

Mao und der Maoismus haben eine tiefe Furche durch die Geschichte und durch das menschliche Sein gezogen. Heute aber gibt es nur ein Land, das von Maoisten regiert wird: Nepal. Jeder, der will, kann das näher beobachten. Der Maoismus, der Marxismus, der Kommunismus erscheinen, wenn schon, dann für zurückgebliebene Gesellschaften adäquat. Dementsprechend zurückgeblieben sind heutige Gesellschaften aber nicht mehr. Damit war insbesondere der Maoismus wohl eine Angelegenheit des 20. Jahrhunderts, und blieb auf dieses Jahrhundert beschränkt (der Marxismus ist dabei breiter aufgestellt und wird als Referenz (wenngleich nicht als echte Macht) im politischen Denken und innerhalb des Weltanschaulichen wohl erhalten bleiben). Aber trotzdem beinhaltet der Maoismus ein starkes Prinzip der Transzendenz. Der Maoismus überschreitet daher potenziell auch sich selbst, und hat daher die Möglichkeit, dass er wiederkommt, oder eben als Prinzip offen und erhalten bleibt. Er adressiert das politisch Imaginäre, kraftvoll, wie eine Saugglocke scheint er einen imaginären Himmel und Horizont aufzuspannen. Das ist nicht schlecht und scheint wie ein ewiger Wert. Inwieweit er, in diesem Jahrhundert und in folgenden, so noch einmal aktiviert wird, können wir nicht wissen. Bislang scheinen in diesem Jahrhundert eher bewahrende Prinzipien – die Religion und der Nationalismus –, die man bereits als etwas beinahe Erledigtes geneigt war anzusehen, ihre Resurgenz zu feiern.

„So sieht sie aus, unsere Welt. Ein Kosmos voller Narben. Und ein Ende der Verstümmelung ist nicht abzusehen.“ – steht am Ende von Waldherrs Bruttoglobaltournee, einem von mir geschätzten Buch mit Reportagen von den Beschädigtheiten, die man in diversen Winkeln der Welt heutzutage findet. Jetzt, als ich diese Mao Zedong-Gedanken mit dem 12. Dezember 2023 in Argentinien abschließe, habe ich dieses Buch gerade nicht bei mir und kann mich nicht erinnern, ob da auch was über China drinnen steht. Über Argentinien steht was drinnen, es wird illustriert anhand von der melancholischen Rückwärtsgewandtheit seiner Gauchos und deren Kultur und Mentalität. Vorgestern, ausgerechnet zum 40. Jahrestag der Demokratie in Argentinien, kam ein neuer argentinischer Präsident ins Amt: Javier Milei; ein offensichtlicher Psychopath, so wie sie in jüngerer Zeit auf der Weltbühne als Politiker wieder in Mode gekommen sind.

https://dangerousminds.net/comments/the_revolution_will_be_glamorized_sharon_tate_models_mao_tse_tung_1967

Die Kunst denkt nicht

Jörg Immendorff, Daniel Richter, Albert Oehlen, Katharina Grosse, Arnulf Rainer oder Sigmar Polke, die derzeit in der Albertina Modern präsentiert werden, sind zweifelsohne erhebliche künstlerische Talente und echte Maler. Sie haben ihren Platz; das kann man nicht bestreiten. Allerdings kann das, was derzeit in der Albertina Modern gezeigt wird, nicht mithalten mit dem, was derzeit im BaCA Kunstforum hängt (Robert Motherwell). Während im Kunstforum Kunst hängt, die sich auch radikal will und sucht, hat sich die Kunst in der Albertina Modern ein wenig aufgegeben oder zumindest vernachlässigt; sie ist zwar Kunst, aber als Begleiterscheinung innerhalb der Gesellschaft; nicht eine, die sich triumphierend über die Gesellschaft erhebt und die Gesellschaft und ihre lärmende Aufdringlichkeit in die Schranken verweist. Allein bei Albert Oehlen scheint man da was aus dem Urgrund – bzw. dessen epistemologischem Korrelat: den Geistestiefen bzw. dem transzendentalen Imaginationsvermögen – aufzusteigen haben; etwas, das sich noch dazu in einer rätselhaften Überdimensionalität, in die wir nur partiell Einblick haben, zu entfalten scheint, so wie das bei letztgültiger Kunst ja ist (bei Albert Oehlen scheint man also, gemein gesprochen, etwas Aufsteigend/Emporkommend authentisch-voraussetzungslos Schöpferisches zu haben). Aber ich weiß nicht, ob Albert Oehlen das auch so versteht, oder aus dieser Intention heraus malt. Heidegger hat vor geraumer Zeit gemeint: Die Wissenschaft denkt nicht. Rettung (einen Ausweg für die Philosophie und für die Entfaltung des Geistes, für das authentische Denken) hat er dann deswegen in der Kunst gesucht, freilich in ihrer vergeistigtsten Form (Hölderlin). Seit in etwa dem Tod von Heidegger in den 1970er Jahren kann man aber wohl sagen: Die Kunst denkt nicht. Man kann allgemein nicht feststellen, wo die Kunst heutzutage groß oder tief denkt. Das ist ein Substanzverlust, der nicht einmal genau bestimmt ist. Er wird von den Kunsttheoretikern (die korrelativ dazu ihre beste Zeit auch hinter sich zu haben scheinen oder die zumindest nicht die gegenwärtige ist) in ziemlich äußerlicher Weise umkreist. Sie scheinen vergessen zu haben, dass Kunst eine Erscheinungsform des Geistes ist und dass ein Aufstieg oder Abstieg der Kunst daher notwendigerweise ein Aufstieg oder Abstieg des Geistes ist bzw. ebendarin zu suchen ist. So kommt in der besonderen Malerei von Robert Motherwell der Geist zum Vorschein, der sich selbst begegnet – deswegen ist sie außerdem auch rein als Malerei besser als Malerei, die weniger Geist verkörpert. Damit der Geist sich selbst begegnen kann, muss er sich extrem vertiefen. Der Geist muss in die Malerei stürzen und in den Abgrund der Möglichkeiten, die in ihr liegen. Nur dann kann Malerei den Geist des Betrachters absorbieren und ewig lebendig sein. Indem in ihr ein ahnungsvoller Abgrund gähnt – der aber das reine Imaginationsvermögen und dessen offener Raum und dessen lebendige Sogwirkung ist. Die Malerei muss also denken, die Kunst muss also denken, nur in dieser Bewegung eröffnet sich in ihr der abgründige, absorbierende Raum in all seiner unermesslichen Tiefe, aus der dann Motive an die Oberfläche gespült werden und das ganze dann einigermaßen fixiert wird. Man hat im echten Kunstwerk das einigermaßen Fixierte und Eindeutige, das im Offenen oszilliert, die klare Konturiertheit und intellektuelle Präzision in der Bestimmung der Gegenstände der Welt, die dann aber gleichzeitig wieder in der Offenheit und Rätselhaftigkeit des Welthintergrundes verschwimmen bzw. mit ihm verschmelzen – gleichzeitig wird durch diese Beleuchtung aber auch der tiefere, rätselhafte Welthintergrund fassbarer und konkreter gemacht, der Scheinwerfer auf ihn draufgehalten. Durch die Kunst wird also Licht, in der Kunst erscheint die Welt. Indem sich die Kunst z.B. bei Motherwell durch das intensive, suchende Denken geklärt hat, erscheint sie in ihrer reinen Form. Das Charisma der Malerei von Motherwell bzw. aller so genannter großer Malerei und großer Kunst liegt darin, dass in ihr scheinbar voraussetzungslos und unmittelbar was erscheint. Dem Künstler ist es gelungen, zum transzendentalen Imaginationsvermögen vorzustoßen und das transzendentale Imaginationsvermögen anzuzapfen, das dann der reine Hintergrund ist, in dem das reine Motiv erscheint. Und beide verweisen unmittelbar aufeinander. Das ist dann die Perspektive der Erleuchtung. Dass ein Motiv in einem Hintergrund erscheint, ist die Struktur der Welt. In der Perspektive der Erleuchtung erblickt man, wie sich Motiv und Hintergrund ständig wechselseitig durchdringen, interdependent sind, sich ineinander spiegeln und dadurch ihren jeweiligen rätselhaften Wesenskern ein wenig erhellen. Das heißt: man sieht dann die totale, dichte Struktur der Welt, in ihrer fraktalen, aufeinander verweisenden „Unendlichkeit“. Man meint vielleicht, die Erleuchtung sei etwas Undurchsichtiges, Geheimes, ein Geheimnis aus dem fernen Osten. Aber im Wesentlichen sieht man in der elementaren Kunst die Welt aus einer solchen erleuchteten Perspektive. Es sind reine Motive, die in einem reinen Hintergrund erscheinen und sich beide wechselseitig durchdringen. Die Erleuchtung ist die höchste Stufe des Denkens und der Verwirklichung des Geistes. Heidegger hat sie gesucht, sie aber nie ganz gefunden, dafür aber in interessanter Weise in all seinem philosophischen Streben umkreist. Heute scheint es nicht mehr so zu sein, dass nach einer solchen Möglichkeit gesucht wird, in der Kunst und anderswo. Bei Basquiat begegnet sich (vielleicht nicht ganz das Denken aber) zumindest die expressive Fähigkeit zum Malen selbst. Basquiat war scheinbar das einzige gewichtige Genie, das nach dem Tod von Heidegger in der Malerei aufgetreten ist, während vorher dauernd gewichtige Genies in ihr aufgetreten sind. Es ist aber zu früh gestorben, als dass man sein Gewicht tatsächlich beurteilen könnte. Ich frage mich, warum solche Vertiefungen in der Kunst nicht mehr stattfinden, angestrebt werden oder zumindest nicht gelingen. Trotz allem Nachdenken über diese Frage habe ich immer noch keine befriedigende Antwort gefunden, warum die Kunst nicht mehr denkt. Die herkömmlichen Erklärungsversuche – der Überdruss der Kunst an sich selbst angesichts einer unästhetischen Realität; die Erschöpfung der inneren Möglichkeiten der Malerei; die Nivellierung durch den Kunstmarkt; die Gravität und Pfadabhängigkeit des Niveauverlustes in der Kunst und in der Kunstrezeption, der sich verstetigt; der sozialistische/feministische Unsinn von der Überflüssigkeit des Genies – scheinen letztendlich ungenügend (auch insofern das alles Mächte sind, die als solche Gegenmächte produzieren würden), da sie äußerlich sind, und scheinbar nicht das Zentrum der Kunst betreffen. Denn das Zentrum der Kunst ist das Denken, ist die Begegnung des Geistes mit sich selbst und ist die authentische Begegnung mit dem transzendentalen Imaginationsvermögen, aus dem alles entspringt und aus dem heraus alles originär erscheint. Das Zentrum der Kunst liegt im Subjekt und im Geist, also in Territorien, die von der Gesellschaft und vom Zeitgeist relativ wenig beeinflussbar sind/sein sollten. Damit liegt das Zentrum der Kunst aber auch im Gehirn. Vielleicht haben die Mediennutzungsgewohnheiten und die Akkulturationen in den letzten Jahrzehnten die Gehirne verändert und die Subjekte deformiert, dass aus ihnen kein Tiefsinn mehr rauskommt/entspringt. Oh ja, so wird das sicher sein! Aber –

Robert Motherwell and the Dweller on the Threshold

Tension, forces, confinement and liberation are transcendental categories. In his signature works, Robert Motherwell paints ovals and thick bars that seem to express just these transcendentals, although they officially are Elegies to the Spanish Republic (the ovals are meant to be testicles of a bull, likely in a fight). They are breakthrough paintings, at any rate. An artist has managed to break through the wall and construct his own territory, or energy field. Another one of Motherwell´s series are the Opens: largely monochromous paintings with rectangular interferences that truly open stuff up and dynamise things (they would become more complex over the course of the years). Another transcendental category, very basic, probably that of encounter. Although Robert Motherwell had initially studied philosophy and likely was the most philosophically educated among the Abstract Expressionists, the metaphysics expressed in his paintings seems to come more tacit than in those of many of his peers. They are, probably, metaphysically less strong, bold and important than the paintings of Pollock, Rothko or Newman. But Motherwell was, above all, a supreme abstract painter, i.e. an artist. His intellectual purity expresses itself in the purity of his painting. He is a dweller on the threshold were art remains art and art becomes metaphysics. Or, he dwells in both of them territories.

Mark Rothko and Purity of Vision

The truth-seeker strives to get to know ultimate reality, the most fundamental reality. If this quest is philosophical and metaphysical, it will also involve introspection. Therein, the truth-seeker will also encounter the truth of his own mind, as an integral element of that reality. Such a quest for truth will lead to purification. If you are lucky, you will finally encounter a purified vision of fundamental reality and a purified vision of the mind. Mark Rothko aimed at expressing “universal truths”. In the world of his time, there were no universal truths anymore. Actually, only in medieval, in ancient, in atavistic times there have been lifeworlds and experience realms that were wholly integrated in themselves, unitarian and universal (or so we are inclined to think). Ours is a time of partial truths and accumulations of expert knowledges. Since man cannot bear living in an environment of partial truths, Rothko sought for expressing universal truths, yet at the basis of a contemporary, appropriate worldview and knowledge about the world. (And, I reiterate, what is likeable about the Abstract Expressionists, respectively about modern artists, is that, in apparent contrast to contemporary artists, they wanted such things.) For Rothko, the artist has the task to create a “plastic equivalent to the highest truth” and not to reproduce the specific details of a certain object. Since he was also seeking for truth in art, i.e. the medium in which truth can be expressed in specific ways, he was seeking for an absolute power of painting in itself, revealed not in reference to something, but in reference to itself. Rothko struggled a lot. Like the other major Abstract Expressionists it took him many years, decades to come up with the ultimate results that then became his signature paintings. (Because of this, the art of the Abstract Expressionists, and of the moderns in general, has the charisma of being born out of a transcendent effort, of having been through something, whereas contemporary art has not and therefore deems intellectually powerless.) If you want to get to know reality and the reality of your mind in a fundamental way, you have to be very active and contemplative. It will require great effort. You have to progressively deconstruct traditions, inherited knowledge, ideologies, affiliations, etc. You will finally encounter a vision in which there will be not very much to see. It will be some rather undifferentiated primal ground. Yet out of the primal ground emerges everything; virtually, the primal ground contains everything. In terms of the reality of your mind, you will encounter the primal ground of the power of imagination, the basic capacity of imagination. If you have managed to encounter this in such a fundamental way, you will finally be in control of reality and of the power of imagination. You will have achieved versatility. You will be enlightened. The signature paintings of Rothko are expressions of fundamental reality and epiphanies of the purification of mind.

The primal ground is something primitive and tranquil, but also, and foremost, something extremely sophisticated and very active, agitated. The individual visions of the primal ground are somehow similar to each other, but they are also different and differentiated from each other. Also Ad Reinhardt and Barnett Newman came up with visions of the primal ground (respectively practically all the Abstract Expressionists sought to come up with such a kind of thing, with something primordial). I personally prefer Newman over Rothko. Newman´s signature paintings contain the “Zip”, a narrow vertical flash that emerges over an undifferentiated ground. Such truly is the basic structure of the world: a motif emerges out of, or within, a background. With the right mindset, you understand them both. (“Enlightenment” means: you can permanently switch between motif and background, you oscillate between motif and background: this is then the desired vision of (an internally highly differentiated) “unity” of all things.) Rothko´s paintings are more unclear. They are less internally differentiated. It is said that Rothko wanted to express the Sublime, the Divine, or that he wanted to express harmony. He wanted to create pacifying environments. He wanted to do something  purely meditative. In contrast to this, Newman´s paintings are actually unsettling, even terrifying. They express the IN THE BEGINNING was the word, the Let there be light. They express basic creation, they express the event, something that rips, something that tears apart. Newman´s paintings express the Logos. With the “Zip”, the possibility of narration, of rationality, and therefore of eternal agitation, uneasiness, turmoil and tumult enters. Rothko´s paintings are pre-narrative. They are more oceanic or, if you may, they are more mud-like. Rothko´s paintings are more formulaic, they are more boring, they are weaker. They are, in their repetitiveness, even a bit silly and a bit stupid. But Rothko´s paintings are considerably more popular than Newman´s. Rothko is some kind of household name; Newman is not. If you are into sarcasm you may think this is so because Rothko is “less intellectual” than Newman. People do not want to be confronted with the Logos, especially not if it comes as an aggressive flash. They want to be lulled. Yet, first and foremost, Rothko, maybe more than Newman, actually has managed to create something truly iconic. Rothko´s paintings are more like – paintings (Newman´s actually are more conceptual). Maybe more than Newman´s, Rothko´s signature paintings are iconic, like Warhol´s soup cans, Dali´s Camembert watches, Raphael´s little angels in the Sistine Madonna, Michelangelo´s Creation of Adam, Leonardo´s Mona Lisa, or Duchamp´s urinal. If you have managed to come up with something iconic, then you have most likely triumphed over other frailties that there might be. In his comparative superficiality, Rothko is perhaps more profound, deeper, universal than Newman. (Superficial as I am, I still prefer Newman over Rothko.)

Clyfford Still and Radical Otherness

Clyfford Still makes the rest of us look academic.

Jackson Pollock

I reiterate: If you want to see the world aright, you need to get in mimetic touch with that that is different from you, you need to embrace the other. By permanently and consecutively embracing the different, the other, your vision will become more and more complete, your vision will become more and more one. There will be no more internal stratification inside you, just an open field (with, to be true, largely heterogenous elements, yet their boundaries will become fuzzy and blurred, i.e. open for interaction). E pluribus unum, or so they say. Clyfford Still was very different, very otherwise. Clyfford Still stands in the corner of another room, enigmatically. It is not easy to decipher what such a figure actually wants to say, it does not directly communicate; it is vibrating and humming in itself, obviously it is alive, but most obviously it is something different from us and from anything we commonly know. Clyfford Still is very original and very different, very unlike anything we know. Maybe it is us who are different – and forsaken – , and he is the one more close to the Real Thing, to the real Real. Or so we might think. Jackson Pollock said, Clyfford Still made the rest of the American painters look academic. He was a forerunner of Abstract Expressionism, developed his “style” in reclusiveness, and he disliked Abstract Expressionism once it had become fashionable, and, as he saw it, sterile and formulaic. So he withdrew from the scene. Ideally, Still´s largely monochromous paintings contain flame-like, wedge-like or eye-like elements that shake up the silence of the undifferentiated primal ground, but add another silence into it, or a language that mumbles, partly comprehensibly, partly unintelligibly. They are the (relative) silence of Otherness, the enigma of Otherness. While the other Abstract Expressionists come up with something vivid, or Barnett Newman comes up with a flashing Zip, out of Clyfford Still´s primal ground emerges some primal, originary Otherness. Silent, though not mute, reclusive. An all-over eye, that seems to envision the entire scene and its beyond. It is face-like, like the paintings of another one who was a radical Other: Wols. The paintings by Wols and by Clyfford Still are like faces of Otherness. We gaze into them, they gaze into us. In some way we do meet, in some other way we don´t. Very different, very otherwise, all that. What is striking is the in-your-face character of these painted faces, of the paintings both by Wols and by Still. They come unfiltered and unmitigated. The poststructuralists (Derrida) say that presence does not exist, but the paintings by Clyfford Still and by Wols are of an unmistakable presence. They seem to be presence itself. They shake up poststructuralism. They confront any systems of meaning with some strange, evasive super-meaning; or with an ultra-meaning and an infra-meaning. They are an extension to ordinary meaning. Clyfford Still probably was the best abstract painter who ever existed (or, upon reflection, Mondrian might have been). Yet, maybe therefore, he is not, or cannot be, a household name like Pollock, Rothko or de Kooning. There seems to be an additional level of abstraction to his paintings; in his paintings there seems to be a meta-level of abstraction and Abstract Expressionism. This is what the ordinary eye cannot truly bear: the eye of radical Otherness, the faces of radical Otherness. The art of Clyfford Still exemplifies radical Otherness.

Concerning Lacan´s “Great Other”, I do not know how individuals like Clyfford Still could be intimidated by the uncanny complexity and intransparency of any “Great Other”. Rather, it will be them who intimidate any other Great Other. If we take the “Great Other” to be language, customs, artistic styles – in the final instance: God – i.e. stuff that preforms and predetermines the individual and its modes of thought and expression, then individuals like Clyfford Still function in some way as the register of the Real to the Symbolic register that holds the Great Other. I.e. they are what evades the register of the Symbolic and predetermined language and modes of expression. They are something else. They are the Great Other to the Great Other. They are originary, and they seem to be primary to the register of the Symbolic (or, they seem to be an uncanny return of the Symbolic that has digested itself and now confronts the Symbolic that is still in place with the radical alterity that lies (not only) within the Symbolic (but in all the registers) – so, in some way they are near to the closure of the entire system of the registers). Lacan says the Great Other is barred. Although we may be inclined to think so, the Great Other is not complete and not identical to itself, just as we aren´t. The Great Other is barred. This kind of non-identity you seem to have in the art of Clyfford Still as well. But this non-identity seems to be much more natural and identical to itself, not as helpless as the non-identity in the Great Other, or inside us, whose non-identity evolves out of our inability to come to terms with ourselves. This is so because otherness is the inherent nature of it, and of such individuals who serve as the Great Other to the Great Other. Their otherness and alterity is primary. They are their own Great Other. They embody their own alterity, they are the embodiment of alterity. They are in natural touch with the other – and therefore with the entire universe. The common categories are: the self and the non-self (the other). But inside them, the self and the other are not separated. (You gotta keep em separated, sing The Offspring. But such individuals, who serve as Great Others to the Great Others, they do not.) Frank Stella says that Clyfford Still´s art seems to come effortless, originating from another place. In this effortlessness, it is unlike any other painting, and Clyfford Still is unlike any other painter. Clyfford Still himself says, in his paintings there should be expressed the amalgamation between life and death. What could be more different, more otherwise to each other than life and death? In the paintings of Clyfford Still you gaze into radical alterity, into radical Otherness.

Jackson Pollock and the Wormhole of Creativity

I reiterate: the goal of the creative process is to enable a transformation. The supreme creator attracts matter of all kind, internalises it, makes it his interior; via heavy intellectual concentration, via introspection, under its own weight and gravity it collapses into a black hole; this will open up a hyperdimensional channel through ordinary spacetime fabric, a wormhole; which will then eject the transformed, channeled, dimensionally challenged, warped interior in a complete other region in space and time, via a white hole. This is, then, a true transformation. Though we have recently managed to detect black holes, no one has ever seen the astronomical object of a white hole. But in creative processes, in the arts, you can, from time to time, encounter white holes. The signature paintings of Jackson Pollock, the drip paintings, are probably most exemplary of such white holes.

Pollock, a ruminative, cautious, uncommunicative fellow, seeked to gain access to the spiritual, the “unconscious”, via ancient symbols, totems, and the like. He was less interested in “figuration” or “abstraction” per se but wanted to express his interior via painting. He also wanted to paint “American”, for which there had been no actual template at that time. Well before he had come up with his drip paintings he already had been the only American artist who was able to free himself from the hitherto predominant European influence and to paint in a truly independent manner. He was the only American painter at this time who was able to achieve this. Like Picasso, Pollock was a great painter in the classical sense. Laypersons may suspect Pollock´s or Picasso´s paintings as “something a child could do”. But it can not. Both Pollock and Picasso were great painters that were in need to push boundaries. Via their breakthrough inventions, they seemingly eliminated boundaries and created a new spacetime, a new dimensionality, where stuff unfolds in all kinds of manners, according to the logic of these dimensionalities. That´s when they became greater than just “great”.

Pollock was explosive and highly energetic all along, but he was also highly introspective and creatively introverted. He was sucked into the abyss of his own creative introspection. When he finally channeled through the wormhole and released his energy through the white hole of his drip paintings, he actually managed to “fully express himself” and “turn his inside out”, to fully deliver, via his action painting, his “unconscious”. There is no distance anymore between himself and his paintings, between his expressions and that what is expressed. That was something new again. From a black hole nothing gets out and into a white hole nothing gets in. A white hole is a permanent explosion. Pollock´s drip paintings are said to be both ecstatic and monumental. They are both dynamic and frozen in a statuariness; they are, creatively, tranquil and calm. The are complete. They are, maybe, the world process from a God´s perspective. From a more mundane standpoint – which is yet extremely elevated and something in its own right as well – Pollock managed to do paintings that cannot be counterfeited or duplicated. What a wormhole! What a white hole!

Black holes, white holes and wormholes are logical, though dimensionally different from spacetime as we know it, or they are spacetime in reverse. Their core, their most interior, remains mysterious nevertheless. Scientists suspect that around a singularity anything can happen, as the common laws of the physical universe break down at this point. In the drip paintings of Jackson Pollock, anything happens.

Pollock, they noted, had a unique perception. He could see moving things and movements per se. He could see things from all angles. He had a superdimensional perception. Art, they demand, should let you gaze into another dimension. In the case of Pollock you see the entire dimensionality of the creative process. That is to say: let your stuff, via introspection, collapse into a black hole, dimensionally channel it though a wormhole, and release it through a white hole, unexpectedly, in some completely other part of the universe. This makes, then, a true transformation.

Allahs trunkene Poeten (Hafis, Rumi und Chajjam) (in memoriam Wiener Zeitung)

„Gesteht´s! Die Dichter der Orients sind größer als die des Okzidents“, forderte Goethe einst ein. Und meinte damit die drei persischen Großen Hafis, Rumi und Omar Chajjam.

Wie so einiges, was der deutsche Dichterfürst Goethe veröffentlicht hat, war seine letzte und umfangreichste Gedichtsammlung, der „West-östliche Divan“ (in seiner endgültigen Fassung erschienen 1827), kein Bestseller: Über Jahrzehnte hinweg kam sie über ihre erste Auflage nicht hinaus, auch heute erscheint sie selbst für eingeweihte Leser voluminös und nicht leicht zugänglich. Dennoch ist es jenes Werk, welches innerhalb des stets sich wandelnden Zeitgeistes seinen „östlichen“ Elementen ein sicheres Fundament im Westen zu verschaffen wusste: den drei großen persischen Dichtern Omar Chajjam, Dschalaludin Rumi und vor allem Hafis, denen Goethe in diesem Werk seine jauchzende Referenz erweist. Was Goethe wiederum bis heute einen Ehrenplatz als Dichter und vor allem als „Kulturvermittler“ in der persischen Bevölkerung eingetragen hat.

Umgekehrt tun es sich die drei Perser im Westen schwerer: Ihre Namen sind den Gebildeten, wenn überhaupt, dann hauptsächlich vom Hörensagen bekannt, ihre Werke werden zu wenig gelesen, falls Teile aus dem jeweils umfangreichen Gesamtcorpus aktuell überhaupt aufgelegt werden, dann vorrangig über Spezialverlage. Seit ihrer Entdeckung durch westliche Übersetzer zu Goethes Zeiten kämpfen sie sich durch Konjunkturen, in denen das Interesse an ihnen mal stärker ist, mal schwächer, und möglicherweise wären sie ohne den Einsatz Goethes mehr oder weniger gänzlich bei uns in Vergessenheit geraten. Dabei muss jedem, der in ihre Poesie eintaucht, ins Auge springen, dass es sich bei diesen vor vielen Jahrhunderten, zur Zeit der Hochblüte der islamisch-arabischen Kultur verfassten Werken, abgesehen von der Kraft, Schönheit und formalen Stringenz, durch die sie sich auszeichnen, um hochgradig „modernes“ Gedankengut – und sogar auch um „moderne“ Poesie handelt. Was allerdings zu eng bemessen ist: In Wahrheit handelt es sich um Ewigkeitswerte par exellence.

Tatsächlich lassen sich die drei Dichter wie eine Dreifaltigkeit begreifen: Ihre Themen sind dieselben, der Raum, den sie schaffen und in dem sie sich bewegen, ein einheitlicher, allein auf der Ebene der formalen Mittel findet sich von Omar Chajjam ausgehend über Rumi bis hin zu Hafis eine fortlaufende Entwicklung und vor allem Intensivierung. Gleichzeitig erscheint wie kaum in der Literaturgeschichte einer von ihnen wie eine Reinkarnation des anderen, sodass man glaubt, es gleichsam mit einer einzigen Geist-Persönlichkeit zu tun zu haben, die zwischen dem 11. und dem 14. Jahrhundert nach unserem Kalender herumwandert: der des tanzenden Derwisches, eines Anhängers des Sufi-Ordens, der über eine ekstatische, mystische Schau zu einer Einheit des Denkens, des Gefühls, der Wahrnehmung und des Lebens, schlechthin also des Seins insgesamt zu gelangen versucht. Denn wenn man die Vielzahl der Thematiken der Poesie dieser drei Dichter und die Gegensätzlichkeiten  innerhalb der Weltanschauung und Philosophie, die in ihr enthalten ist, auf einen einheitlichen Nenner herunterbrechen müsste, so ist es das, wohin man letztlich gelangt.

Omar Chajjam (1048-1131) stammte aus einfachen Verhältnissen und entwickelte sich dabei zu einem der bedeutendsten Gelehrten und Wissenschaftler seiner Zeit. Als Mathematiker fand er eine Lösung kubischer Gleichung über geometrische Methoden, mit der er Descartes vorgriff,  und verfasste ein Lehrbuch über Algebra, das lange Zeit gültig war. Als Astronom schuf er einen Kalender, dessen Berechnungsmethode noch heute herangezogen wird. Obwohl kein Arzt, wurde er bei besonders schwierigen Fällen, wo die damalige ärztliche Kunst nicht mehr weiterwusste, herangezogen. Anfeindungen und Denunziationen blieben ihm deshalb selbstredend nicht erspart, doch ebenso reichhaltig wie sein Wissen war seine Persönlichkeit.

Im Alter verfasste er eine Sammlung von Rubijat – vierzeiligen Gedichten – die in ihrer scheinbaren inneren Gegensätzlichkeit kaum zu überbieten ist. Was seinen einfachen Grund darin hat, dass es in ihnen um das Rätsel des Daseins in allen seinen Manifestationen schlechthin geht: das Machen von Plänen und ihre Durchkreuzung durch das Schicksal; die Suche nach Wahrheit, die, konsequent verfolgt, letztendlich unauffindbar ist und daher nur in umfassendem Skeptizismus und in einer Bekenntnis zur Unwissenheit münden kann; der unmittelbare Drang zur Selbstvervollkommnung und deren Hinfälligkeit durch den Tod; die Ehrfurcht vor den Seinsmächten und dem Fatum, kurz: dem Himmelsrad, gepaart mit der Einsicht, dass dieses noch „tausendmal hilfloser“ sei als der Mensch. Angesichts so viel, wie man meinen könnte, desillusioniertem Materialismus jedoch eine tiefe Einsicht in die göttliche Durchwirktheit der Natur – denn Sufi und allgemein ein Mensch, der die höchste Daseinsstufe und Seinsqualität erreicht hat, ist einer, für den Tod und Leben, Leid und Freude, gleich geworden sind, und in der Göttlichkeit aller Qualitäten aufgehen.

Ungeniert transformiert Omar Chajjam den Rahmen seiner dunklen, metaphysischen Grübeleien, die seine Dichtungen zumeist sind, dadurch, indem er stets bekräftigt, dass es eben gerade angesichts der Unlösbarkeit der letzten Probleme des Daseins nichts Besseres gäbe als „den Weinrausch“, beziehungsweise den geistigen wie sinnlichen Genuss des Moments. Etliche Rezensenten haben sich immer wieder darum bemüht, zurechtzurücken, dass die Hochschätzung des Weinrausches, die die Dichtungen von Chajjam wie Rumi und Hafis gleichermaßen durchzieht, Symbol sei für das freie Denken und die mystische Vereinigung mit Gott. Das ist sie natürlich – angesichts der schelmischen Lebensfreude, mit der sie bekräftigt wird, sieht man aber unmittelbar, dass solche Versuche, die Trinklieder dieser drei vollständig zu „vergeistigen“, auf verlorenem Posten stattfinden: Natürlich sind sie bei aller Symbolik auch genauso gemeint, wie es ausgedrückt und gesagt wird.

Dschalaludin Rumi (1207-1273) huldigt in seinen von der Form her meist komplexeren Gedichten nicht allein des Weines und der Sinnesfreuden, sondern auch des mystischen Freundes. Die Begegnungen, Freundschaften und (platonischen?) Liebschaften zu mehreren Sufi-Meistern und der Schmerz über ihren Verlust durch Tod waren die eigentliche Inspirationsgrundlage für den Gelehrten Rumi für seine Dichtung. Anders als bei dem eher düsteren Chajjam steht die Dichtung Rumis ganz im Zeichen der umfassenden Liebe, freilich ebenso auf dem Grund der unlösbaren Welträtsel, die aber durch die von der Liebe geleiteten mystischen Schau in die Persönlichkeit des Suchenden aufgenommen und verinnerlicht werden. Die Liebe zum Freund ist gleichzeitig die Liebe zu Gott beziehungsweise zur Fülle des Daseins, und transzendiert deren Widersprüche. Die Sprache wird bei Rumi vieldeutiger, ausdrucksstärker und symbolhafter – wie eben die Welt selbst. Sein umfangreiches Werk soll Rumi der Legende nach als fröhlicher Poet bei allen möglichen Gelegenheiten geschaffen haben, im Weinhaus sitzend oder durch die Straßen ziehend. Seine Anhänger schrieben es dabei für ihn auf. Durch Neuübersetzungen haben es die Dichtungen und die Lebensphilosophie Rumis gegenwärtig in den USA zu einer hohen Popularität gebracht, 2007 wurde Rumi sogar über BBC als „populärster Poet Amerikas“ bezeichnet.

Über das Leben des größten persischen Dichters, Hafis (um 1320-1379), ist wenig bekannt. Als Dichter und Freigeist damals wie heute hochgeachtet, stand er, wie auch seine Vorgänger, in wechselseitiger Opposition zu den orthodoxen und lebensfeindlichen Theologen und Theokraten seiner und aller folgenden Zeiten (freilich aber hat Ayatollah Khomeini höchstselbst ein Traktat verfasst, in dem er die anzüglicheren und freigeistigeren Elemente in Hafis` Dichtung als „vereinbar mit dem rechten Glauben“ interpretiert – Hafis ist im Iran so hoch geachtet, dass dort angeblich kein Regime der Welt ihn verbieten könnte, ohne eine Revolution heraufzubeschwören). Den grausamen Welteroberer Tamerlan, der ihn persönlich aufsuchte, um Steuern von ihm einzufordern, soll er wiederum durch seine Persönlichkeit und seine Schlagfertigkeit so beeindruckt haben, dass ihm dieser nicht nur die Steuern erließ, sondern ihn mit allen möglichen Ehrengaben überhäufte.

Die Dichtung von Hafis unterscheidet sich thematisch nicht von der Chajjams und Rumis, die Haltung, die er einnimmt, beziehungsweise das Persönlichkeitsmerkmal, das bei ihm die Führung einnimmt, ist das des souveränen, gelassenen Subjekts. Hafis Gedichte sind so wortgeladen und bedeutungsmächtig, dass sie beinahe alle andere Poesie beschämen, ja, tatsächlich nichts ihnen auf Erden gleicht. Die Sprache ist dicht und kompakt und frei von allem Überflüssigen, Symboliken und Sinnschichten werden übereinandergelagert, wenn dabei der innere Sinnzusammenhang eines Gedichtes auf der Strecke bleibt, so im Dienste der höheren philosophischen und poetischen Wahrheit. Shakespeare im Drama, Cervantes oder Gogol in der Romankunst scheinen zumindest potenziell übertreffbar, bei Hafis schafft man es hingegen nicht, sich das vorzustellen. Was man bei ihm hat, ist also tatsächlich die Sprache des Absoluten.

Absolut ist die Sprache wohl auch deshalb, weil Sprache ein Abbild des Denkens ist. Und tatsächlich ist der Dreiheit Hafis, Rumi und Chajjam das gelungen, wofür ansonsten alle Philosophie und Religion, alle Weisen und Wahrheitssucher, Poeten und Literaten bis hin zu den ultimativen Grenzgängern wie Nietzsche, Sokrates oder den Zen-Meistern keine Lösung gefunden haben: das scheinbare Chaos und die scheinbaren Aporien des Daseins in sich widerspruchsfrei in einer absoluten Einheit des Denkens zusammenzufassen und auszudrücken. Daher sind sie so groß. Der Rest bleibt tatsächlich Versuch – löblich oder auch nicht -, Gestammel oder Schweigen.

Einen guten Überblick über die Dichtungen Omar Chajjams, Rumis und Hafis´ bietet der Sammelband „Die schönsten Gediche aus dem klassischen Persien“, übertragen von Cyrus Atabay, erschienen bei C.H. Beck, 3. Aufl. 2009

Artikel erschienen in der Wiener Zeitung am 15. Februar 2013. Die Wiener Zeitung war die gescheiteste österreichische Zeitung, die älteste Tageszeitung der Welt und wurde heute von der Regierung eingestellt.

Gianni Vattimo: Das Tao des schwachen Denkens

Das Weiche siegt über das Harte.

Das Schwache siegt über das Starke.

(Tao te king)

Gianni Vattimo ist der wichtigste Vertreter der italienischen Postmoderne in der Philosophie. Die Postmoderne in der Philosophie versteht sich als Abgesang an den Gedanken der Letztbegründung, daran, dass das Sein ein stabiles Fundament hat und es eine letztgültige Wahrheit „da draußen“ gäbe, an die Idee einer Metaphysik der starren, ewigen und starken, verbindlichen Strukturen – die von einem starken, umfassenden, mit normativer Verbindlichkeit auftretenden Denken erfasst und deklamiert werden könnten. Vattimos Innovation in der Philosophie ist das „schwache Denken“. Das schwache Denken reagiert auf eine „Ontologie des Verfalls“, einem Verfall der Absolutheitsansprüche, des religiösen oder des Platonischen Ideenhimmels und auch der Subjektzentriertheit, des Humanismus in der Philosophie und in der Lebenswelt. Die Sphären sind eingestürzt. Gott ist tot und es gebe keine Verbindlichkeit mehr in der Kunst und im geschriebenen Wort, erkennt Vattimo mit Nietzsche an, und die Herrschaft des Ge-stells dezentriere den Menschen aus dem Sein und sei eine gleichsam ironische Verwirklichung des Anspruchs der Metaphysik, alle Seienden in ursächlichen, vorhersehbaren und beherrschenden Verhältnissen tendenziell miteinander zu verbinden, übernimmt Vattimo als Diagnose von Heidegger. Die Lebenswelten haben sich in der Moderne ausdifferenziert (könnte man mit Max Weber sagen), daher habe sich auch die Vernunft pluralisiert (über die Stimmen der Marginalisierten und Ausgeschlossenen und deren Vernünftigkeiten und Gegenmächte nähert sich Vattimo, anders als Foucault oder Derrida, an die Zusammenhänge allerdings nicht an, und auch nicht über nicht-westliche Stimmen: er betrachtet das schwache Denken und die Ontologie des Verfalls hauptsächlich innerhalb der Traditionen des westlichen Denkens). Die Verwindung der Metaphysik ist nichts anderes als die Säkularisierung. Für Vattimo ist die Wissenschaft vom schwachen Denken und der Ontologie des Verfalls allerdings, ähnlich wie für Nietzsche, eine fröhliche. Wie auch für Rorty ist für Vattimo das Vorhandensein einer Wahrheit, eines Fundaments, einer Präsenz gleichbedeutend mit etwas Gewaltsamen, mit etwas Autoritärem. Er will nicht unbedingt was Starkes und kein inhärent unterjochendes starkes Denken. Er stellt sich, wie Rorty, gegen vergegenständlichende und totalisierende Züge in der Metaphysik (wie bei der Lektüre von Rorty, der noch rebellischer ist als Vattimo, drängt sich allerdings die Frage auf, inwieweit es diesen Totalitarismus in der Metaphysik und in der Geschichte der Vernunft denn jemals gegeben habe). Das schwache Denken will kein autoritäres Denken mehr sein. Es proklamiert keine ewigen Wahrheiten mehr und kommt mit keinen Ewigkeits-Statuten mehr daher. Es ist vielmehr interpretativ und pragmatisch, es stabilisiert und errichtet „pragmatische Stabilisierungen innerhalb der Phänomenalität“ (Wolfgang Welsch) indem es justiert. Es ist, könnte man wohl sagen, empathisch und sympathetisch. Mit dem schwachen Denken wird die traditionelle Metaphysik nicht (triumphal und polternd) überwunden, vielmehr wird sie (um den heideggerschen Terminus zu bemühen) ver-wunden: ihre Fragestellungen werden bedeutungslos und zu etwas, das in der Zeit zurückliegt. Allerdings werden sie nicht vergessen. Die Verwindung ist auch Andenken: eine Wiederaufnahme der Philosophie und ihrer Inhalte, allerdings ohne Absolutheitsansprüche. Vattimo plädiert für eine Haltung der pietas, eine Aufmerksamkeit, eine andächtige Achtung vor dem, was nur einen begrenzten Wert besitzt, aber gerade aufgrund dieses begrenzten Wertes Aufmerksamkeit verdient, weil er der einzige ist, den wir kennen: pietas ist die Liebe zum Lebendigen und dessen Spuren. Das Lebendige, das ist vielleicht nicht die letzte metaphysische Wahrheit, aber das ist das Vorhandene. Das Vorhandene ist, wenn auch von begrenztem Wert, das Einzige und der einzige Wert, den wir haben. Das Vorhandene ist außerdem das geschichtlich Gewordene. Das geschichtlich Gewordene ist das, was sich im Sein ereignet, und Vattimo übernimmt von Heidegger: das Sein manifestiert sich nicht in einem stabilen Grund, sondern in Ereignissen, in denen das Sein zum Ausdruck kommt (einen entsprechenden Authentizitäts-Fimmel, der nur „authentischen“ Ereignissen wahres Sein zukommen lassen möchte, teilt Vattimo dabei mit Heidegger nicht: er ist demokratischer und liberaler). Die Ereignisse, das geschichtlich Gewordene, das Lebendige (nicht das illusionäre metaphysisch „Wahre“) bilden das, was wir haben und was uns angeht. Wir verbinden uns mit diesen begrenzten Werten über pietas und über Hermeneutik – der hermeneutischen Auslegung des Lebendigen und des geschichtlich Gewordenen. Das geschichtlich Gewordene (auch wenn es, wie Heidegger meint, ein Irrtum (der Seinsvergessenheit) ist), ist für uns eine Bedeutungsganzheit, in der man sich wiederfindet, eine robuste Struktur, ein Verweisungszusammenhang, etwas, dem wir (in unserer Geworfenheit) sowieso nicht entkommen können, das wir aber besser verstehen können, durch Hermeneutik. Das bedeutet also weniger: der (ausschließenden) Analyse, sondern eher: des Kennenlernens. Der Maßstab für Wahrheit und Adäquanz ist die Gültigkeit (von etwas in) meiner Lebenswelt, die historisch vermittelt ist. Wir gelangen so zu einem epochalen Verständnis von Bedeutungsganzheiten, wenn uns auch ein totales verwehrt bleibt: durch diese hermeneutische Rückversicherung will sich Vattimo philosophisch stabilisieren und Wahrheitsanforderungen zumindest partiell gerecht werden (Rorty verwirft auch eine solche Möglichkeit und setzt sozusagen auf reine Anarchie). Hierin hat man praktisch den Vollzug der Heideggerschen Kehre: es geht nicht mehr um die Bestimmung der Struktur des Seins, sondern um die Hinwendung zum Sein – als Antithese zur Seinsvergessenheit (wobei Seinsvergessenheit für Heidegger de facto synonym ist zur Metaphysik). Indem die ewigen platonischen Ideen zugunsten des geschichtlich Gewordenen (und des gegenwärtig Lebendigen) entsorgt werden, wird der Weg frei für die Erscheinungen (die Platon als „irreal“ und „schattenhaft“ verwirft) und das zwanglose Anerkennen der Erscheinungen – einer Art Schwingen mit den Erscheinungen. Gegen die Instabilität, die sich in Vattimos Paradigma auftut, wird ein Schwingen und wird eine schwingende Existenz proklamiert. Lob der Erscheinung! Es ist eine erleichterte Wirklichkeit, in der man sich so wiederfindet. In der alles immer schon medialisiert und vermittelt ist, und in der wir von keiner „eigentlichen“ metaphysischen Wirklichkeit mehr getrennt, ihr gegenüber praktisch verworfen sind. Ich finde das alles recht gut und attraktiv, denn das verbindet sich ziemlich mit dem was ich auch sage und was ich auch will. Noch mehr begeistert mich Vattimos Verweis auf eine hermeneutische Interpretationsgemeinschaft, in der sich philosophisches Zusammenleben vollzieht, die in ihrer hermeneutischen Geschäftigkeit gleichzeitig in Andacht und pietas versunken ist, einer Kirche ähnlich (oder einer Sekte). Schließlich setzt Vattimo auf caritas, als einzig quasi-echten, quasi-totalen Wert. Die Wahrheit der Caritas sei keine religiös offenbarte, sondern eine rational erschlossene, die rational begründbar ist: Insofern wir uns selbst und unserem Nächsten am nächsten sind, ist die Caritas ganz einfach nur der rationale Ausdruck dieses Naheverhältnisses. So leben wir also dahin: in einer pietätvollen hermeneutischen Interpretationsgemeinschaft, schwingend in einem Sein als einer offenen Struktur, in der fortwährend neues Seiendes und Interpretationsmöglichkeiten von Sein produziert wird. Es scheint ein glückliches Leben, eine gelungene Existenz, ein befriedigendes Denken: das schwache Denken. Das Weiche siegt über das Harte, das Schwache siegt über das Starke, das haben wir Taoistinnen schon lange gewusst.

*

Der Sinn, den man ersinnen kann,

ist nicht der ewige SINN.

Der Name, den man nennen kann,

ist nicht der ewige Name.

Jenseits des Nennbaren liegt der Anfang der Welt.

Diesseits des Nennbaren liegt die Geburt der Geschöpfe.

Darum führt das Streben nach dem Ewig-Jenseitigen

zum Schauen der Kräfte,

das Streben nach dem Ewig-Diesseitigen

zum Schauen der Räumlichkeit.

Beides hat Einen Ursprung und nur verschiedenen Namen.

Diese Einheit ist das Große Geheimnis.

Und des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis:

Das ist die Pforte der Offenbarwerdung aller Kräfte.

(Tao te king)

Letztendlich nützt es doch nichts. Man kann dem dumpfen Pulsieren von Wahrheit, Grund, Präsenz usw. doch nicht entkommen, auch wenn Poststrukturalismus, Postmoderne, Kritische Theorie et al. mehr oder weniger plausible Versuche unternehmen, das zu tun. Aber alle diese Versuche, das zu tun, und alle Verständnisse von Wahrheit, Grund, Präsenz finden innerhalb des Logos-Denkens der westlichen Philosophie statt. Logos bedeutet ursprünglich „Rede“ oder „Sinn“. Östliches Denken geht aber darüber hinaus. Wittgenstein hat gemeint: Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Extremes Grenzgängertum der Weisheit, oder eben östliche Weisheit, gelangt allerdings an Orte, die man nur mehr durch Paradoxien beschreiben kann: als Abwesenheiten, die gleichzeitig eine Anwesenheit sind, als Geist, der gleichzeitig eine Leere ist, als Leben, das jenseits von Leben und als Tod, der jenseits von Tod ist usw. Als Sprechen, das gleichzeitig Schweigen ist, oder das in geheimer, mit dem Schweigen amalgamierter Sprache spricht. Als Sinn, der gleichzeitig Nicht-Sinn (oder eben SINN) ist. Auch wenn es vielleicht keine (logische) Präsenz gibt, gibt es doch eine fundamentale Anwesenheit: denn wir leben im Sein, und nicht im Nichts. Wenn wir versuchen, diese Anwesenheit und dieses Sein fundamental zu erfassen, gelangen wir in eine Region, wo alles flackert. An der Grenze von Sein und Nichts vermischt sich notwendigerweise Sein und Nichts. Das ist dann der SINN. Überhaupt ist es so, dass auch das westliche Denken den Teufel der absoluten Sinnsuche und der Wahrheitssuche in der Philosophie (denn dafür ist die Philosophie ja da) nicht austreiben wird können. Das schwache Denken drängt in seiner Hermeneutik auf ein epochales Verständnis (der eigenen Epoche und des historisch Gewordenen). Aber letztendlich will das Denken und die Philosophie dann doch mehr (nicht, weil sie Macht oder Willle wäre, sondern weil sie eben Denken und Philosophie ist). Zwar kann man mit Hegel bedenken, dass ein epochal auftretender Sinn ein dermaßen privilegierter sein kann, dass er von vergleichsweise totaler Gültigkeit sein kann, oder mit Heidegger, dass ein Ereignis (in dem sich das Sein allein darstelle) ein dermaßen „authentisches“ sei, dass es universelles Wahrheits-Ereignis sei. Mehr noch kann man aber eben – eben mithilfe des Denkens! – versuchen, die Erscheinungen der Zeitlichkeit so intensiv zu penetrieren, dass man zum Überzeitlichen, zum Ewigen vordringt. Das ist eigentlich die höchste Aufgabe des Denkens – und das östliche Denken leistet da gute Hilfe. Das östliche Denken ist – in seiner prä-metaphysischen Haltung, die in Wirklichkeit eine meta-metaphysische Haltung ist – außerzeitlich.

Die Ewigkeit erkennen: das ist Weisheit.

Wer die Ewigkeit nicht erkennt, der handelt blindlings und unheilvoll.

Erkenntnis der Ewigkeit bringt Duldsamkeit.

Duldsamkeit bringet Edelsinn.

Edelsinn bringet Herrschaft.

Herrschaft bringt himmlisches Wesen.

Himmlisches Wesen bringet den SINN.

Der SINN bringet Dauer.

Ist das Ich nicht mehr, so gibt es keine Gefahren.

Das Denken will an und für sich nichts und strebt nicht nach Macht. Das Denken denkt sich nicht als „stark“ oder „schwach“, weiß nicht einmal, was das ist. Das ist eine äußere Unterscheidung, die dem Denken auferlegt und attributiert wird. Zen-Meister Sengcan lehrte dabei schon im 6. Jahrhundert:

Der vollkommene Weg ist nicht schwierig: nimm einfach keine Unterscheidungen vor … sobald du „richtig“ und „falsch“ denkst, gerätst du in Verwirrung und verlierst deinen wahren Geist.

Vielleicht ist das westliche Denken mit dem Ausüben von Macht verknüpft, weil der Ausgangspunkt der modernen westlichen Philosophie eben das Ich denke (also bin ich) ist. Im östlichen Denken geht es aber um die Freiwerdung des Denkens vom Ich.

Der Grund, warum ich große Übel erfahre, ist,

dass ich ein Ich habe.

Wenn ich kein Ich habe,

welches Übel gibt es dann noch?

Kritisches Denken geht gerne davon aus, dass das begriffliche Denken herrschaftliches Denken sei – denn Begriffe fasst es (ein wenig eigenartigerweise) weniger als Verständnis- und Verständigunginstrumente, denn als Herrschaftsinstrumente. Aber bereits seit Äonen steht in der Wan-ling Niederschrift der Lehren des Zen-Meisters Huang-po:

Der Weg ist das Aufhören des begrifflichen Denkens. Wenn du nicht mehr Begriffe und Gedanken aufkommen lässt, wie Existenz und Nichtexistenz, lang oder kurz, Selbst und Anderes, aktiv und passiv und Ähnliches, dann wirst du finden, dass dein Geist im Grunde Buddha, dass Buddha im Grunde Geist ist und dass der Geist der Leere ähnlich ist. Darum steht geschrieben, dass „der wahre Dharmakaya der Leere ähnelt“.

Die Leere wiederum ist das Tao (= „der Weg“). Die Leere ist im östlichen Verständnis weniger ein Nichts und eine Abwesenheit von Sein, eher ist sie ein ontisches Potenzial, in dem sich Sein ereignen kann. Der Geist bildet dieses gundlegendste Sein, das ontische Potenzial ab, indem er dieser Leere gleich wird. Das Denken, das mithilfe dieses Geistes oder innerhalb dieses geistigen Raumes stattfindet, wird zum Aufsteigen von reinem Sein als Aktualisierung von Potenzialitäten – und damit als etwas Reines für sich und nicht mit irgendwelchen weltlichen Zuschreibungen oder Zugriffen von Macht Verbundenes. Aus irgendeinem Grund gehen die westlichen DenkerINNEN (zumindest der Postmoderne) aber dauernd davon aus, dass es beim Denken darum geht, Macht auszuüben. Ich kann dazu nichts sagen, und ich kann auch kaum ersinnen, dass das Aufgabe des Denkens sein sollte.

Die Welt erobern wollen durch Handeln:

Ich habe erlebt, dass das misslingt.

Die Welt ist ein geistiges Ding,

das man nicht behandeln darf.

Beim östlichen Denken geht es darum, Macht zu transzendentieren, und jenseits der Macht, jenseits der empirischen Welt zu operieren.

Alle Welt sagt, mein „SINN“ sei zwar großartig,

aber er scheine für die Wirklichkeit nicht geschickt.

Aber gerade das ist ja seine Größe,

dass er für die Wirklichkeit nicht geschickt erscheint.

Diese „Wirklichkeit“ ist aber eben wieder die empirische Wirklichkeit und nicht die totale Wirklichkeit des Geistes. Es ist die Stätte, wo etwas auf was anderes „wirkt“, also eben tatsächlich „Macht ausübt“. Aber das interessiert hier nicht. Wenn wir vom Denken in letzter Instanz sprechen, müssen wir die transzendentale Wirklichkeit betrachten. Die transzendentale Wirklichkeit betrachtet sich gleichsam im Sinne der Bedingung der Möglichkeit davon, dass etwas auf was anderes wirkt. Sie ist also wieder die Leere, das ontische Potenzial, das vom Geist erfüllt ist bzw. mit ihm kongruent geht. Insofern östliches Denken die transzendentale Wirklichkeit betrachtet, besteht das Ziel der Weisheit des Ostens in der Erlangung dessen, was man im Westen als transzendentale Subjektivität bezeichnet; und die in der westlichen Philosophie tatsächlich vorwiegend ein theoretisches Postulat ist. Aber der östliche Weise ist die transzendentale Subjektivität.

Also auch der Berufene:

Er verweilt im Wirken ohne Handeln.

Er übt Belehrung ohne Reden.

Alle Wesen treten hervor,

und er verweigert sich ihnen nicht.

Er wirkt und behält nicht.

Ist das Werk vollbracht,

so verharrt er nicht dabei.

Und eben weil er nicht verharrt,

bleibt er nicht verlassen.

Der SINN wird behalten, weil er eben nicht ergriffen wird, aber ortlos überall da ist, anwesend ist. Der östliche Weise – oder eben die transzendentale Subjektivität – ist einerseits in sich selbst stationär, aber – wie eben der Geist – an nichts gebunden und sich an nichts bindend, an nichts anhaftend: nichts außerhalb seiner selbst als total, oder eben als Macht oder mit Macht in Verbindung stehend anerkennend.

Wer mit klarem Blick alles durchdringt,

der mag wohl ohne Kenntnisse bleiben.

Erzeugen und ernähren,

erzeugen und nicht besitzen,

wirken und nicht behalten,

mehren und nicht beherrschen:

Das ist geheimes LEBEN.

Aus der transzendentalen Wirklichkeit, über die transzendentale Subjektivität betrachtet, gibt es keinen Dualismus von Idee und Erscheinung mehr, über den SINN erscheint flackernd die ganze Wirklichkeit. Über die transzendentale Wirklichkeit erscheint die Wirklichkeit über eine Metaebene der Wirklichkeit. Welsch nennt das schwache Denken Vattimos aisthetisch-mimetisch. Und das ist, wenn man so will, tatsächlich nicht so stark wie rationales Denken. Das Denken des Tao aber ist noch stärker: denn es ist meta-rational. Und über diese Meta-rationalität, über den SINN, wirkt der Weise. Wie oben erwähnt, handelt der, der die „Ewigkeit nicht erkennt“ (also der schwache Denker) blindlings und unheilvoll – und der starke Denker, der glaubt, Ewigkeit zu erkennen, wahrscheinlich ebenso. Beide aber sind im Logos des westlichen Denkens befangen, und daher in seinen Schwierigkeiten.

Wer vieles leicht nimmt, findet stets viele Schwierigkeiten.

Also auch der Berufene:

Weil er die Schwierigkeiten bedenkt, darum findet er keine Schwierigkeiten.

Das totale Denken, das transzendentale Denken, muss, da es vollständig ist, notwendigerweise Paradoxien und Aporien in sich beinhalten. Und das östliche Denken lehrt, vor allem, wie man Paradoxien und Aporien richtig bedenkt. Das ist der Sinn des Koan, und das ist der SINN. Was mir gefällt, ist das totale Denken, das absolute Denken, das transzendentale Denken, das jenseits von stark und schwach ist. Und außerdem jenseits von West und Ost. Denn das rein östliche Denken ist letztendlich ziemlich passiv und neigt dazu, die empirische Wirklichkeit gar nicht wirklich zur Kenntnis zu nehmen. Es ist kein wissenschaftliches und technologisches Denken. Es ist zu wenig rechnendnes Denken. Damit fehlen ihm wichtige Komponenten und Möglichkeiten des Denkens, und des Seins. Das totale Denken errichtet sich daher über wechselseitige Durchdringung des westlichen und des östlichen Denkens. Ich weiß nicht, wie viel Denken es im Norden und im Süden noch gibt, oder ob das Derivate davon sind. Aber das totale Denken wird auch das einst in sich aufnehmen, denn dem totalen Denken ist kein Denken fremd, hoffen wir es. Das totale Denken ist somit absolut. Sengcan sagte vor 1500 Jahren:

Der aufrichtige Geist ist absolut; das Absolute ist der aufrichtige Geist.

Meditiere über diese Weisheit.

Richard Rorty and the Quest for Truth

Philosophy, in general, is a quest for truth and Richard Rorty says that truth does not exist in this world. There is no „absolute“ truth out there, no „ultimate“ truth, no primordial truth in this world (or beyond the empirical world). He even claims that there is no „intrinsic“ truth in things. Truth is something attributed to things via sentences, via languages, and languages are a human construct. Outside of language truth does not exist, it is no inherent quality of things. Everything that we assume to know about this world eventually only is an interpretation: a contingent interpretation that is ultimately bound to and arises out of a specific cultural, historical, socioeconomic context. History is not a trajectory alongside which knowledge is created in the fashion of an ever increasing approximation to truth, it finally is only a contingent mess, a contingent chaos. Rorty is an anti-realist; he does not claim that there is a truth in reality that nevertheless might be difficult, if not finally impossible, for the human mind to be approached and understood: he claims that there is no truth in reality at all.

Rorty also says one of man´s most noble intentions, and the primary intention of the philosopher: a „will to truth“, a desire to get to know the truth (regardless of the outcome and the quality of that truth) does not exist. What is taken as a „will to truth“ or a „love for truth“ in reality is just some desire for justification, a need to systematise and to avoid (psychologically difficult to bear) cognitive dissonances, something political, or some kind of religious desire to get into contact with a higher instance that protects. A „will to truth“ or a „love for truth“ does not exist, claims Rorty.

Finally, Rorty equates truth and a „will to truth“ to something inherently authoritarian. To him, truth is something that finally will impose itself on us, as a law and as a rule, and limit our freedom, our authenticity, quasi incarcerate us. Truth, to him, is little else than a prison. The idea that there is a truth out there to him is an archaic sentiment that there was something „non-human“ out there to which we need to bow down (i.e. born out of (a desire for) self-humiliation). And what is a „will to truth“ finally is a „will to (the) Truth“ and a „will to power“ of some sort. Rorty wants to do away with all of this. With a „will to truth“ (and a „love“ for truth) and with the idea of „truth“ itself. He wants to do away with „the grim father figure“ (that „truth“ is supposed to be) and, therein, help humanity to reach actual „maturity“.

In this plasticity, Rorty´s philosophical credo strikes as somehow neurotic, and his staunch aversion against „truth“, realism (i.e. of something „non-human“ out there), „love for truth“ etc. as a neurotic aversion. He (quite deliberately) limits the notion about what truth actually could be and then (quite deliberately) universalises this notion and superimposes it on everything else – the entire empirical and „metaphysical“/transcendental reality. It is obvious that he equates metaphysics and traditional philosophy (and even science) to (conservative branches of) religion. He was stubborn and relentless to promote and defend his views, although they seem counterintuitive and perplexing (although he did so quite well and with quite good arguments). Contrary to Rorty´s „ironist“ stance that (philosophical) vocabularies are under permanent „redescription“ and change, Rorty´s (final) philosophical vocabulary never changed, but, in quasi-„metaphysician“-like manner, throughout his life and career stood erect, statuary and tall. Rorty also dismissed philosophy in general and said that politics is more important (and that the ultimate goal of human existence was the erection and furthering of liberal democracy, not a (philosophical) sorting out of „truth“). Yet Rorty´s zeal for truth as being the non-existence of truth strikes as fundamentally political alike. (Rorty – and that makes him likeable – expresses his annoyance about „liberal“, left-wing academics to steer science, education and institutional politics in a certain political direction; Rorty himself might not have been this way – was liberal and ironist enough to not have been this way – but, as a more intelligent person and a true philosopher, instead tries to steer all philosophy, science etc – the ENTIRE discourse about everything – in a certain direction.)

It is not easy to sort out how much Rorty´s philosophy is born out of (unhealthy) polemic or of (healthy) scepticism and critical thinking. Both seems amalgamated in his case, to say the least. Since Rorty´s arguments have solidity and often are non-trivial, what he says needs to be considered.

At first, however, his notion that there is no „intrinsic“ truth in things is the most confusing. Everything that exists needs to have „intrinsic truth“ in it, otherwise it would fall apart, not even form, not be identical to itself, it would have no essence, the world of existence would be a place of permanent miracles, or life would be „like a dream“ (respectively if there was no intrinsic truth in things there would be nothing to prevent such a chaos from happening at any time). Anything that exists needs to have stable intrinsic qualities in itself – which then are also their intrinsic „truth“. (I am actually confused and uneasy to say this, because it seems so trivial that I do not know why I need to say this – so that I cannot help considering that I might be in the wrong with this.) One might say that what we assume to know about the truth of things (their atomic and molecular structure, their chemical composition, their DNA code, their modes of interaction with other things, etc.) are mere „interpretations“ within a „language game“ called modern science, but these are not deliberate but very exact „interpretations“ with a high need for precision, which, furthermore, also enable the correct prognosis of things (therefore, they need to be „true“). And if they may, currently, be not the final „interpretation“ of things, or they may contain an empirically unapproachable Ding an sich that can never be revealed, it does not allow the stringent conclusion that things have no „inherent truth“ in themselves (such rather deems a flippant interpretation of how stuff is that we just have not managed to finally sort out by now).

Rorty does not like the idea of a „non-human“ truth being out there. He finds that degrading for humans. But non-human entities exist, and make up for most part of reality. We do have some power over them, and some power over them we do have not. I am grateful for these non-human things to exist. They are (like humans) not necessarily my friends, and not necessarily my enemies. They wake me up from my metaphysical slumber. They make me want to („poetically“) interpret them and they make me want to investigate them concerning their meaning and essence by rational conclusion. They limit my freedom in a useful way, and they construct my freedom out of nothing by their existence. In order to attain stable relations to them, they need to have intrinsic truth in them. I do not find the existence of non-human entities (or truths) denigrating. Rather I find their denial denigrating to them. I am a realist and I find it good to live in a world where there are laws, regulations and stuff on which you can trust. I find it good that I am not living in a poetic dream world. If I wanted to live in a poetic dream world I could go back to the middle ages, or to India.

Rorty´s denial that there was no „love for truth“, that „love for truth“ would be just come camouflage for something else also makes uneasy (and rather seems revealing about Rorty´s own motivations and inner states than of the subject under consideration). Quite polemically, Rorty equates a „love for truth“ to some secular version of a religious zeal and desire. In his striving for not only revealing „dirty little secrets“ behind human „love for truth“ but actually equating them both, Rorty even surpasses Nietzsche in his respective suspiciousness and scepticism (and edgelordism) – respectively Rorty´s position is of definitely other quality than Nietzsche´s as he is distinctly anti-suspicious and anti-sceptic in his denial for a human „love for truth“. Although Rorty offers some good points and stuff for consideration (without, however, any of these being something new) his stance finally is unconvincing and his lax argumentation make things just worse. I (like, to some degree, everyone else) am a lover of truth and, even after careful consideration and introspection, cannot identify with any of Rorty´s arguments. I actually love truth, with no second thoughts behind it. On another occasion Rorty equates „love for truth“ with (simple) intellectual curiosity. But curiosity not necessarily is very deep and not necessarily involves intellectual rigor and an acceptance of findings one was not actually looking for.

Rorty is a (neo-) pragmatist. He is very fond of the founding figures of pragmatism – William James and especially John Dewey – but he is less embracing towards the originator of pragmatism: Charles Sanders Peirce, whom he accuses of lack of orientation and depth of focus. The only true innovation Rorty sees in Peirce is that he enabled the „linguistic turn“ in philosophy – which nevertheless independently was also initiated by Frege. (I have not read a lot by or about Peirce yet, but his writing style and his ideas strike me as a manifestation of an extremely elevated and self-secure intelligence, even by standards of great philosophers – which obviously tragically subverted itself and hindered Peirce´s success among his contemporaries as Peirce was constantly rewriting his texts throughout his life and published little.) Yet, among other things, Peirce also introduced the idea in philosophy that man´s approximation to truth (is not a solitary thinker´s game but) is like within a scientific community that gradually progresses towards truth or, at least, towards ever greater clarity and transparency. Rorty dismisses this idea. To reiterate, Rorty not only claims that historical processes are essentially contingent (and therefore inherently no linear ascension) but also that a final „truth“ to be discovered does not exist in this world. Therefore any orientation towards discovering truth is an orientation towards nothing, towards an illusion.

Rorty, by contrast, advocates philosophical or scientific discourse being some kind of „conversation“ between philosophers or scientists. Yet Rorty´s notion of philosophical and scientific discourse being some kind of casual salon talk among the educated has met considerable criticism: since philosophical and scientific discourse cannot be „casual“ but, first and foremost, necessitate rigor. Rorty, however, is not in denial of this. To him, what needs to prevail in discourse is the better argument. One might note that an „argument“ refers to some truth, and a better argument must refer to something closer to truth than the weaker argument. Yet an argument usually does not refer to some metaphysical, ultimate truth (which alone Rorty denies to exist). An argument only needs to be correct (i.e. true/valid in a certain context, but not necessarily outside of that context). And an argument is done within language – again you have Rorty´s notion that „truth“ is only an element that arises within language, i.e. „epistemologically“, not ontologically.

Arguing and making discourse is a social praxis – therefore also science and philosophy are considered by Rorty to ultimately be nothing more than a social praxis. To Rorty, social praxis can never be evaded. And man can never step outside language. Ironists agree with Davidson about or inability to step outside our language in order to compare it with something else, and with Heidegger about the contingency and historicity of that language. (p.75) Yet there are currently around 7000 languages in this world (dialects not included); there are 800 languages spoken in Papua New Guinea alone and 700 languages spoken in Indonesia. There is mathematics and its notation systems, there are sign languages, body languages etc., in sum: an overwhelming abundance of languages and systems to transmit information. Therefore stepping outside a language and comparing it to something else is an easy possibility at hand. Likewise, it is not clear what social praxis is, it at least does not have clear contours. Social praxis is not identical with itself. Transgressions against „social praxis“ permanently occur.

The point Rorty makes however is that anything that transgresses current social praxis will be, at least if it is successful, another social praxis, i.e. a given social praxis is not necessarily a prison, the prison no one can escape however is from everything being a social praxis. However I cannot help thinking about any idea that transgresses given social praxis of being something singular, emanating out from something that is (asocially) compact in itself – from something that is individual in relation to society (that „individual“ can also be a group within society). Stuff that transgresses social praxis of course happens inside a social praxis, but also outside of it. This double-naturedness is something that „totalitarian“ notions like those of Rorty, Foucault or Derrida (of EVERYTHING being (nothing more than) „social praxis“/“power“/“text“) do not seem to have been able (or will ever be able) to successfully integrate in their heuristics, despite all their Raffinesse in trying so.

Rorty refutes traditional epistemology, considering it useless and a wrong track (in philosophy paved by Kant). Rorty says we do not process information by some kind of inner experience and intuitions (from which we cannot finally sort out about what is our subjective inner experience and how much we can ever know about the Ding an sich) but by the more clear-cut and precise means of language. To Rorty, everything is language. Yet there is criticism against „linguistic turn“-philosophers like Rorty or Derrida (whom Rorty admires a lot) that, in doing away with epistemology, they elevate language to the same status of something that we cannot evade in our contact with the totality of reality and that effectively serves as a barrier against an „ultimate“ contact with the totality of reality. Despite his love for poetry and the power of imagination, Rorty remains very rational on this important part of philosophy. It might be fair to say that both, language and intuition (or more than just those), are our epistemological tools.

Rorty also endorses a concept of man that dissolves man into a social being, lacking inner solidity and cohesion. To Rorty, humans are (nothing more but) „complicated animals“ and centerless webs of beliefs and desires (p.88); he is among the (p)hilosophers who deny … that there is anything like a „core self“ (p.189). To Rorty, everything (also philosophical notions) is just constituted by „relations“, with the entire world being a „web of relations“ and the quality of entities being overally defined by the web of relations they are entangled in,  and not by their „inner core“. Rorty mentions a lot of examples that actually illustrate human malleability (and malleability of philosophical concepts) and that are very useful for further consideration and deeper introspection. But he also mentions a „psychopath“ being the result of bad, malicious relations in which the psychopath misfortunately had become entangled. Yet this is an unlucky example. Psychopathy is an inherent quality in respective individuals (just how it manifests may depend on socialisation). More generally, Rorty again wants to come up with sharp, precise, definitive concepts which nevertheless just lack precision. Whether humans are nothing more but complicated animals is a matter of perspective. You may also consider archangels as being nothing more but „complicated animals“.

Considering humans to be „complicated animals“ rather appears as a „poetic“ notion than a rational one. But Rorty likes poetry! In the original sense, poetry means „creation“. And something that we call „poetic“ usually refers to something that (magically) seems to transcend its own obvious qualities and has additional meaning. Poetic language seems to reveal meaning that is beyond language and its own words. As such, poetry stems out of imagination and adresses imagination. To Rorty, a philosoppical „truth“ – i.e. something that makes sense within philosophy – is a poetic creation/innovation, and the philosopher is less a „metaphysician“ who wants to expose primordial non-human absolute truths, but a poetic creator and innovator that comes up with something new that makes sense. Rorty even considers a (natural) scientist to be like this (also science to him ultimately is but a branch of „poetry“) Therefore the goal of philosophy (science, etc.) is (poetic) enrichment of our existence. Rorty says, the more vocabularies we have at our disposal, the more „knowledge“ we have, the more poetry is in this world, the better. To him, the goal of generating vocabularies and of knowledge is not to get closer to a (final) truth but to come up with interesting stuff that enriches our lives. He advocates „knowledge“ to become „broad“ instead of „deep“.

Broadness and depth of knowledge however is nothing that can be separated from each other. In fact, they make up for each other. – Yet to come to an actual and vital point: what is truth, eventually? Is truth a solid or an elusive concept? „Truth“, at first, refers to similar qualities like: correctness, justification, plausibility, adequacy, meaning, reason, causality, validity, proof, unmistakeable evidence, agreement, concordance, consistency, etc., etc. It seems all these concepts are of a more limited range and more context-specific than (absolute) truth. Yet all these concepts are also modes of truth. Truth, eventually, appears as something that cannot be definitely defined. Truth seems to dissolve into a Familienähnlichkeit between concepts. Despite being a disciple of Wittgenstein, Rorty does not take this into consideration. He wants to do away with the entire idea of truth (and its family-resemblant connotations) by coming up with a specific concept of truth: Truth limited to a „metaphysical“, primordial truth that manifests via revelation. Yet, again, truths that manifest via Revelation and have binding character are religious truths. Truly (rational) metaphysical (respectively philosophical or scientific) truths, by contrast, are reached by conclusion – and neither necessarily are „authoritarian“ nor universally binding. I, for instance, think there is no deeper truth than the universe (respectively any dynamic system and therefore any universe and any world) being a chaosmos, a mix of order and chaos, of determinedness and freedom, of necessity and contingency. I do not see a lot of authoritarianism in that or that there is something in that that „imposes“ something on us. At best, I see it as a useful corrective both against stubborn conservative notions that favour stability as well as against overally idealist „permanently revolutionary“ notions that think they can dissolve any stability easily. Moreover, the truth of the chaosmos is rather not a truth as an essence. It is rather a truth as an attribute, as a characteristic (it would need deeper investigation to sort out what is a truth-as-essence and a truth-as-characteristic, and if they truly can be separated, nevertheless). Rorty always implicitely talks about truth as being a truth-as-essence (and dismisses it as such). But Truth may come around in many forms.

Rorty´s battle against „truth“ sometimes strikes as a contingent battle, a battle against the arrogance and high-handedness within (US-American) academic philosophy, where Rorty originally had been an outsider. Yet of course it is of much more transcendent importance, and it is a battle within philosophy itself. A bit about this battle seems out of date nowadays nevertheless. Postmodernism (within which Rorty was part of the US-American branch) has done its share and transformed philosophy, in some parts at least the atmosphere within science and philosophy seems more relaxed than in former times. Even economists don´t seem to be that dogmatic anymore. The discourse seems to have embraced a bit more the „ironist´s“ stance and reduced the gravity of the „metaphysician“. Yet of course Rorty´s battle is a battle about the foundations of philosophy itself.

I do not think that Rorty´s kind of battle will eventually win however. Philosophy is metaphysics, not irony or poetry. Both irony and poetry are tools within the philosophical toolbox, but not philosophy itself. Rorty´s philosophy renders philosophy a bit meaningless, and therefore it seems counterintuitive that it becomes philosophy itself. In some resemblance to what Rorty admits about irony and the ironist´s stance – that it is inherently reduced to a matter of private refinement, but cannot be building principle of the public/social/political realm where things need to be taken seriously – Rorty´s philosophy may be a tool for refinement of philosophical disourse and perception, but not philosophical or scientific discourse itself: where things need to be taken seriously and where we, first and foremost, find ourselves entangled in stuff that highly matters to us, that is serious to us and needs precision – and where we have no effective means to sort out between what is a contingency and what is of much more transcendent importance (not necessarily as an absolute or eternal truth but a contingency so far reaching that it makes no use trying to take it (and dismiss it) as a „contingency“). In general, reality is something very vast. Also, as we have noted, „truth“ is something very vast. In this vastness of reality there seem to spheres where Rorty´s philosophy is of use and seems highly applicable. And others where it seems not. And then there are unknown unknowns. Things we don´t know that we don´t know what concept of truth and what philosophy would be most adequate to them. Life is, and remains, a mystery.

In the big picture, Rorty might be right with his vision of our world being a nothing but a mess of contingent struggles and small games about elusive „truths“ in which we take ourselves too serious. When I was younger I sometimes wondered whether the world could actually be like this. But this a rather dreamy and poetic picture, not a highly sober one. It seems to originate more from nebulous imagination than derive from rational conclusion. But, as they say, dreams may come true. Maybe Rorty´s time is not yet ripe for the breaking and maybe this time is about to come in an Aeon that is yet behind the horizon. Maybe the 22nd century will be called Rortyian.

All quotes from Richard Rorty: Contingency, Irony, and Solidaridy, Cambridge 1989

Richard Rorty: „Ironist“ and „Metaphysician“

Richard Rorty defines an „ironist“ as someone who doubts that the „vocabulary“ (i.e. set of beliefs, explanations, justifications, models, „philosophies“, etc.) she currently uses can be an ultimate vocabulary, immune to change, subversion or revolution. The ironist is aware of the contingent character of all vocabularies and of the contingency that she happens to use a specific vocabulary at a given moment, i.e. the ironist knows that any vocabulary is frickle. I call people of this sort „ironists“ because their realization that anything can be made to look good or bad can be redescribed, and their renunciation of the attempt to formulate criteria of choice between final vocabularies, puts them in the position which Sartre calls „meta-stable“: never quite able to take themselves seriously because always aware that the terms in which they describe themselves are subject to change, always aware of the contingency and fragility of their final vocabularies, and thus of their selves. (p.73f.)

Richard Rorty also says: the truth about the world is that there is no ultimate and fixed, final truth in it – there is only contingency (an apparently self-contradictory claim, yet, given the possibility that it is true, it is not (under such a circumstance, it cannot be made otherwise)). From such a perspective, irony seems the adequate adaption of the subject to such an objectivity. This is, then, the „meta-stability“, as the only possible stability in an, at best, meta-stable world.

On the other hand, there are the „metaphysicians“: some folks who think there is an ultimate „truth“ „out there“ and want to discover it. In this sense, the metaphysician is someone who takes the question „What it the intrinsic nature of (something)“ at face value. He assumes that the presence of a term in his own final vocabulary ensures that it refers to something which has a real essence. The metaphysician is still attached to the common senseetc. (p.74) In so far as the contingent nature of existence and the absence of ultimate, fixed truths is something that Rorty, with an aggressive irony, defends, the metaphysician appears as an odd fellow and a backward creature in the (final) vocabulary of Rorty. The ironist, by contrast, is little else than Rorty`s self-describtion.

Now take a look at me: apart from maybe Diogenes (who, however, was a cynic) there seem to be no musings in philosophy that embrace irony more than mine. Ironically, this is so because I am a very sincere metaphysician. I strive to get to know truth, I strive for better explanations than those that currently exist. I do not have many ideological inclinations, desires or a will to power about how this truth should be, in the truth being so and so and having this or that quality. But I am very interested in what the truth is (a type of subjectivity and a subjective zeal that, according to Rorty, cannot even exist. He, however, permanently fails to explain in a satisfactory way, why). Yet, as it seems, because I am such a commited metaphysician, I know what a tricky thing metaphysics or a quest for ultimate truth is. Because of this, I am naturally an ironist. Metaphysical truths are, practically by definition, truths we cannot finally be sure about. So I try to erect plateaus over the abyss. But even though they may appear as such at first glance, they are not meant to be some clownish contigencies! They are meant to (fundamentally) be true, and their intention is metaphysical.

So we need to reflect on this, and on what Rorty comes up with.

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Irony is a virtue of the subject. It is maybe the virtue of the most sophisticated of subjects. The world, in its cruel contingencies and iron laws, is not ironic. Irony is a clever adaption to them cruel contingencies and iron laws. With irony, the subject can distance itself from them cruel contingencies and iron laws, and even gain some superiority over them. Irony gives you inner freedom. Inner, subjective freedom, ultimately, may be the more profound freedom than objective freedom. As illustrated e.g. in Orwell´s 1984, sadistic torturers and totalitarian regimes do not only want to take your political freedom, they want to destroy your inner freedom. This is when they have achieved to finally break you. Socrates could not be broken. Not only the massive objectivity of the state and its tribunals, but even the value of life and death itself evaporated under his profound ironic stance – and so, in considerable terms, he triumphed over any of these massive objectivities and put them to shame.

Both Kierkegaard, in his magisterial thesis about Socrates and Irony, and Rorty note the massive negativity that lies in irony – a negativity that, however, liberates, as it dissolves the impositions and impertinences of fake positivities inflicted on the subject. Rorty even writes: Irony is, if not intrinsically resentful, at least reactive. Ironists have to have something to have doubts about, something from which to be alienated. (p.88) Also Kierkegaard eventually remains doubtful about irony as the highest elevation of subjectivity, the crown of subjectivity. To him, the highest elevation of subjectivity is when the subject becomes „transparent (in God)“. An ironic subject is not necessarily transparent; irony actually also obfuscates. We will touch upon that later.

However, I have doubts about Rorty´s negative stance on irony. Irony, if it is healthy at least, is neither that reactive, nor that doubtful. It is much more primary. If you are the cognitive type of a mismatcher, your „irony“ is primordial. If you think twice, there is no actual reason why an ironic mind should not be positive, constructive and very affirmative (and if, in the big picture, you want to adequately sort out what is cause and effect, action and reaction, you might run into a complicated chicken or the egg problematic anyway).

(On this occasion, since the „ironist“ is but a self-description (or self-idealisation) of Rorty, it may come to mind that Rorty with his specifically as such outlined at least reactive, if not intrinsically resentful irony actually may have been an unhealthy ironist, borderlining a cynic. His staunch disapproval of „metaphysics“ and „absolute truths“ (maybe in reaction against the arrogance within US academic philosophy at his time and where he was not particularly appreciated) may appear as being borne out of or gradually transformed into a cynic impulse, as something partially neurotic. Also, contrary to Rorty´s affirmation of permanent redescription and reinvention of vocabularies, Rorty´s vocabulary always stayed the same.)

As Slavoj Zizek illuminatingly notes, an ironic person takes the things actually more serious than she pretends to do. Them things may be nearer and dearer to her than it seems and may concern her more than it seems. Actually, they may truly concern her. The ironist is not indifferent. Irony is not the same as sarcasm or cynicism. In sarcasm you have despair. The cynic despises. It may be just the ironist who appreciates, who is the positive lover of things. The ironist likely appreciates things or would like to appreciate them if they were not insufficient and inadequate, and even more likely, the ironist is aware of her own insufficiency and inadequacy. Irony therefore is also a consciousness about one´s own inadequacy and of the inadequacy of everything. It is a (happy) melancholic consciousness. Rorty was said to have been a melancholic (according to Aristotle, every thinker is).

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Therefore the ironist most likely will be a liberal. Liberal democracy appears as the natural political habitat of the competent, autonomous subject that is nevertheless attached to and interested in others i.e. that has itself included in society, that is a social being. Like anyone else the ironist wants to spread her own culture and live in a cultural environment that aligns to her own values. The ironist wants people to grow and prosper and to become competent enough to be able to stand for themselves (the cynic does not believe in such a possibility). Socrates, the master ironist, considered his interactions with people as midwifery and obstetrics: help them to grow their own autonomous and virtuous intellect. Therefore the ironist will prefer the system of a secular liberal democracy.

Richard Rorty is a staunch advocate of liberal democracy. To Rorty, liberal democracy and the furthering of liberal democracy is the ultimate goal of human existence (and even more important than the preservation of philosophy). He even flat out denies that philosophy can be of much help in shaping political communities and discourse. (To him, societies are not bound together by philosophical concepts but by vocabularies. This is of course true against chauvinist notions philosophers may hold (I can´t think however of any serious philosopher who did so), but is dismissive about philosophy being a vital part of (political) vocabularies.) Also his favorite attitude, that of the ironist, is eventually not meant to be political: I cannot imagine a culture which socialized its youth in such a way as to make them continually dubious about their own process of socialisation. Irony seems inherently a private matter. (p.87) (The ironist) cannot offer the same sort of social hope as metaphysicians offer. (p.91) The metaphysician, in short, thinks that there is a connection between redescription and power, and that the right redescription can make us free. The ironist offers no similar assurance. (p.90)

Therefore, irony to Rorty primarily is a matter of individual refinement, not a means to construct and solidify political communities: he is, again, dismissive of such possibilities. (Despite the rationality of this notion and Rorty´s positive reflections on the apparent connections between irony and liberalism again you seem to have some strange cynical depreciation by Rorty against what he is actually doing.) To Rorty, an ironist also is not necessarily a liberal. Liberals to Rorty are people for whom (to use Judith Shklar´s definition) „cruelty is the worst thing they do“ (p.74) Rorty abhors cruelty (among humans). That seems to add up. Cruelty may nevertheless be ironised by the ironist (a sophisticated ironist may find interesting solutions of how to be ironic even about cruelty – respectively for ironists from another culture being ironic about cruelty might just be the most natural of things). Yet both the ironist and the liberal will have a „live and let live (and let everything prosper)“ attitude. In order to ensure (decent) living, cruelty needs to be restrained. (Q.E.D.)

(Nietzsche was an ironist and, on the healthy side of his personality (Zarathustra), a staunch anti-authoritarian liberal. Yet on the unhealthy (cynical) side he was some sort of fascist or an advocate of a highly stratified, caste-like society. In his paranoid emotionality, Nietzsche was permanently concerned that „the weak“, the decadends, Christians, socialists, the lower classes etc. would like to weaken him and inflict cruelty on him. And he wanted to be sheltered. Paranoia is usually a projection of one´s own aggression into others and into the environment, and the question of action and reaction again is very convoluted (as is the philosophy of Nietzsche in those respects). In a revelatory poem however, Nietzsche muses that the Eagle does not deadly attack the Sheep out of hunger (i.e. out of self-preservation). But BECAUSE HE HATES THE SHEEP. Nietzsche was of superhuman sensibility and kindness. But there also was great cruelty inside him. Without this pathology he likely would have actually been the greatest and most integral philosopher of all time.)

(Plato – who embraced irony and to whom we owe the description of Socrates` irony –, with his idea of the state run by virtuous and self-restrained philosophers, articulated nearly 2500 years ago in ancient Greece for some good reason, wasn´t, in this fashion, a liberal democrat either. But the basic motivation for the philosopher-run state was to avoid unnecessary cruelty against any of its citizens. Yet  neither Plato nor Socrates were „ironists“ in the Rortian sense. They were „metaphysicians“ who boldly considered ethics and virtue, „ideas“ and „the Good“ as the highest „idea“, as ultimate truths, as something absolute. They came to this conclusion however by successfully ironically subverting the absolute validity of everything else. And Plato was clever and ironic enough to acknowledge that it is not (or cannot be) exhaustively clear what an „idea“ actually is and what „the Good“ actually is. He left it open. Plato, usually considered as the No. 1 philosopher, was an „ironist metaphysician“.)

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Both the „ironist“ and the „metaphysician“ are ideal types. Rorty (somehow) constructs them to play them off against each other (usually in favour of he former). Yet there also seem to finally be individual idiosyncrasies by Rorty in this game again. Rorty acknowledges to use the term „metaphysician“, in a sense of the term which I am adapting from Heidegger. In this sense, the metaphysician is someone who takes the question „What it the intrinsic nature of (something) at face value. He assumes that the presence of a term in his own final vocabulary ensures that it refers to something which has a real essence. The metaphysician is still attached to the common senseetc. (p.74) I cannot remember correctly if Heidegger defined (or would have defined) a „metaphysician“ like this. However Heidegger´s own philosophy and his metaphysical aim was to illuminate the secrets of Being. Yet to Heidegger to illuminate the secrets of Being not only required rational thinking and philosophy but, even more, some possibility of sentient experience. He was dismissive of rational rechnendem Denken and advocated a (hopefully) more integral besinnliches Denken (the (political) tragedy of Heidegger consisted in never being able to exactly figure out what the core of this besinnliches Denken and the „authenticity“ it should bring about actually should be – due to his lack of sentience).

At the same time, Heidegger was acutely aware that there might not be deep and profound, primordial – i.e. „metaphysical“ – truths lying hidden in Being. And that the history of philosophy – and the philosophical „quest for truth“ – is not necessarily an ascending path but contingent (he even considered it basically an error – a history of Seinsvergessenheit). To Heidegger, the human urge to metaphysics much rather stems out of the obvious absence of positive ultimate truths, out of man´s Hineingehaltenheit ins Nichts. Out of this nothingness, man, out of his metaphysical urge, basically would then construct some metaphysics that seems appropriate to him. I.e. Metaphysics, to Heidegger, rather seems a constructive, creative and „poetic“ undertaking than a discovery of fixed, ultimate truths – as it is to Rorty.

Throughout his life Rorty remained very fond of Heidegger (as well as of Nietzsche and Wittgenstein). All of them started to philosophise out of a distinct metaphysical urge but became dismissive and/or iconoclastic against „metaphysical“ notions of some absolute, ultimate truth being out there. Rather, they came to see metaphysics as an enterprise of „poetry“ (and were distinctly poetic in their highly vibrating writing styles). Also Rorty´s ironist thinks of final vocabularies as poetic achievements rather than as fruits of diligent inquiry according to antecedently formulated criteria. (p.77) – whereas the metaphysician does not redescribe but, rather, analyses the old descriptions with the help of other old descriptions. (p.74) To Rorty, the instrument for discovering (non-scientific) existential truths is not metaphysics and philosophy, but poetry (he even goes as far as considering science as some kind of poetry). He proclaims that literature (especially novels) is more useful for augmenting humanism and ethics than philosophy.

I am a poet and in contrast to Rorty I have written several novels. Yet also in contrast to Rorty I do not consider poetry that absolute or literature that intelligent (for instance I cannot quite understand how someone of the intelligence of Shakespeare spent his life writing dramas instead of ascending to philosophy at some point). Philosophy is more intelligent than literature because you need to work at a higher level of abstraction while you need to keep the details and idiosyncrasies in your mind as well. And you finally need to sort out things, you need to be precise. Heidegger, Nietzsche or Wittgenstein have not made profound contributions because they were poetic – a minor comedian is poetic as well – but because they were intelligent. Their charisma stems out of from them having been – from beginning to the end – metaphysicians (in a more broader term than Rorty´s (somehow polemical and pejorative) figure of the „metaphysician“) (as well as in the more narrower sense: Nietzsche came to completely unironically consider his concepts of Will to Power or of the Eternal Return the Same as absolute, metaphysical truths; Heidegger was stuck in his quest for authenticity (which requires something authentic to finally exist) and Wittgenstein in his peculiar intellectual radicality and his desire to make everything he did an ethical undertaking. Needless to say, Rorty also ends up as metaphysician in his definitive attachment of the notion that there is no absolute truth – a truly metaphysical position, since it is unprovable). Heidegger, Nietzsche and Wittgenstein longed for wisdom, not for poetry. (Maybe it is Rorty who actually longs more for poetry than for wisdom.)

Rorty´s notion of metaphysics and his concept of the metaphysician is somehow constructed. What he describes as metaphysics – a quest for ultimate and tangible truths, then to stick to them and impose respective codes of social conduct on others – rather resembles religion. Any true metaphysician is/should be aware that metaphysics by definition is beyond of what can intelligibly be reached. Metaphysical „truths“ per se are unprovable. Rorty somehow takes metaphysics as an ontological enterprise (aiming at revealing a true character of the objective, physical world). Yet metaphysics should actually be seen, with Heidegger, as an interpretation of man´s In-der-Welt-sein. Metaphysics necessarily involves the question about how much we finally can be able to grasp „ultimate“ truths beyond our immediate reach, i.e. it involves epistemology and the subjective element inherently. Apart from ontology and epistemology, metaphysics also involve deontology (the question what should be done, how conduct should be within the universe) and eschatology (the question of the „meaning“ and the telos of existence). However, this metaphysical „interpretation“ needs to have some plausibility, validity and intersubjectivity (otherwise it is mysticism). Therefore, metaphysics is an interpretation of something that cannot finally be explained by abstract conclusion of evidence, logics etc. that is to be found in this world (as zuhandenes Zeug, in a way). The metaphysician also redescribes, even though he does it in the name of reason rather than in the name of imagination. (p.90) Err, yes. Metaphysics is overly a rational enterprise, not „poetry“, although it also necessitates imagination (hence the „poetry“ in practically all metaphysics and metaphysician´s writings). Also Heidegger´s undertaking and notion of truth finally is meant to be revelatory (not poetic).

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The ironist spends her time worrying about the possibility that she has been initiated into the wrong tribe, taught to play the wrong language game. She worries that the process of socialization which turned her into a human being by giving her a language may have given her the wrong language, and so turned her into the wrong human being. But she cannot give a criterion of wrongness. (p.75)

Indeed, Rorty`s notion about contingency as something countercultural appears as such a contingency. In Eastern „vocabularies“, in Taoism or in Shintoism, the acceptance of contingency, impermanence and change seems to come much more natural than in the Occident. Also, there seems to be greater fatalism against violence and cruelty, which are seen as forces as old as the world itself. Nevertheless, the Eastern mentality does not strike me as very ironic. I might be in the wrong, but I have not noticed a lot of irony in the many cultural artefacts from Japan. Irony is subjectivity at its peak, and in collectivist cultures there is less room for subjectivist peaks. It was probably the misfortune of these cultures that they were not „metaphysicist“ enough, but rather dreamy and „poetic“, without the metaphysician´s need for precision – that then translates into a truly scientific and philosophical worldview. They did not invent science or technology, and neither democracy nor individualism.

Nevertheless, these Eastern „vocabularies“ are (both on the superficial and the deep level) „metaphysics“. In Taoism, the contingencies in this world stem out from the Tao, in Shintoism they are the result of struggles between indestructible, transcendental forces in the cosmos. The practical and ethical zeal within these vocabularies is to align man to these cosmic forces and principles – in a pious, religious, non-ironic way. (At very sophisticated levels of piousness, e.g. in Sufism, you have some room for irony again, e.g. yelling at and scolding God for his frequent stupidities and cruelties he inflicts on us.)

Zen Buddhism is a method to come to terms with the transcendental (or transcendentally imposed) contingencies inflicted on us as well – respectively with the paradoxes and aporias of existence. The behaviour of the Zen Masters appears as profoundly ironic. Yet it is also profoundly that of a metaphysician (if you don´t give the correct answer to an essentially opaque koan, you get beaten). On the other hand, Zen Buddhism is neither ironic nor metaphysicianist. Zen Buddhism tries to establish a meta-level to metaphysics and a meta-irony to irony. Zen Buddhism tries to achieve what in Western metaphysics we would call transcendental subjectivity. With this transcendental subjectivity you should actually be able to understand the world, and yourself in it, as how it fundamentally is. The articulations of the Zen Masters are paradoxical and it seems difficult, if not impossible, to actually describe what they see. Yet actually it is easy. The Satori perception allows you to permanently switch between motif and background. And it actually is the essential structure of the world that motifs appear from/in a background and illuminate and reveal each other. Yet ordinary human perception either focuses on one or the other. The Satori perception directly gazes into the interplay of both. The interplay between background and motif is both contingent and ironic as well as it is fundamental. With the Satori perception you are both a meta-metaphysician and a meta-ironist. Mundane categories like „ironist“ and „metaphysician“ are of less concern to you.

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Irony at a very sophisticated level of piousness and religiousness you also have in Kierkegaard. Yet also only to some degree (actually to quite a little one, as Kierkegaard was a religious maniac). That is inherent, because „religion“ means the „careful observance of the laws and duties“, i.e. something staunchly metaphysical and something that Rorty abhors. Yet Kierkegaard likes irony. At the end of Either/Or you have an Ultimatum on The Upbuilding in the Thought that: against God we are always in the wrong. That seems to be the ultimate peak of irony. And I also like the idea that against God we are always in the wrong. I like the idea that there is an intellectually and ethically supreme instance against which we always remain in the wrong (though Kierkegaard means something different in his text). How ironic that against God we are always in the wrong! And how fundamental, and immune to any contingency, that against God we are always in the wrong!

In rational terms, this world, in its superficiality and its depth, evades us. We do not master past, present and future. We do not master Sein und Zeit. Ultimately (yet only: ultimately – in time we can achieve important successes) we are always in the wrong against those instances. Spiritualise this, and spiritualise yourself, and you have: against God you are always in the wrong. And this is cool. It is actually uplifting. That against a forever intellectually and morally supreme instance you are always in the wrong makes you feel safe – and it gives you a stable, fundamental, transcendental identity and place (i.e. something which, according to Rorty, cannot exist): you are the one/someone who against God is always in the wrong. And who affirms it. That is the final truth of (your) existence.

The final conclusion of Kierkegaard´s On the Concept of Irony with Continual Reference to Socrates is also an enigmatic ellipsis, stating that the highest elevation of subjectivity is not irony, but humour. On other occasions Kierkegaard states that the highest echelon man can achieve is to become „transparent in God“. What being „transparent in God“ actually means is, like everything else Kierkegaard says, difficult for the ordinary mind to understand (an improvement of understanding should come with time). Yet irony is somehow intransparent, obfuscating, confusing indeed. Irony frequently (even inherently) is a suboptimal tool in communication, since with irony you tend to confuse people. It may also be superficial. The ironist itself may just be confused. It is maybe an obfuscation of confusion and superficiality. (The „ironist“, to whom Rorty always refers to in the female form, may actually, in a flash, resemble a striking, fascinating „femme fatale“ woman that hypnotises with unconventional behaviour and elusive „now you see me, now you don´t“ attitude but who, however, becomes repetitive after a while.) Humour seems somehow more integral and comprehensive than irony, as well as something more positive. Humour accepts things and the humourist accepts herself, maybe in some way of happy half-resignation against cruel contingencies and iron laws (which, however, does not rule out subversion – since humour is affirmation and subversion alike). Humour erects some kind of (unexpected, constructive, revealing) mirror image on the subject of humour. Irony (somehow grudgingly) subverts, but humour equalises and aligns subject and object.

Kierkegaard enigmatically concludes that humour is beyond the state of man – it is a divine state, the state of the Gottmensch. Again, without further elaborating on it. However, if you find Upbuilding in the Thought that: against God we are always in the wrong, you are most likely beyond a state of irony. You are, then, actually in some heavenly state of humour! You have ultimately approached the divine, as much as approaching the divine is possible. In a way, with you being always in the wrong against the divine, you humouristically mirror the divine – which, due to the paradoxes it necessarily contains, never completely is in the right, but is insufficient all alike. Maybe more insufficient than you, since it is the more perfect creature, i.e. minor insufficiencies may weight heavier in it than major insufficiencies in you, the more imperfect creature. That you are always in the wrong against the divine puts elementary shame on the divine in the first place. This relational humour likely is a metaphysical reflection of fundamental, transcendental truth. It reflects how creation actually is. Once it has been sorted out how creation actually is, metaphysics is not needed anymore. You both need irony and metaphysics to ascent to this place. Yet what will finally there be, and finally will remain, after metaphysics and irony have been overcome, is humour.

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Gigantic circles are spinning and are intertwined. Irony (reaction, subversion) and metaphysics (action, affirmation) arduously process themselves, react to each other, try to triumph over each other, try to realign, love each other, hate each other, out there in the transcendental place. This is how truth proceeds, this is at least how the story goes. Therefore the profound irony within my philosophical musings – as I am aware that I am doing experiments. The irony within my musings is that they are meant to be experimental. I think this is as closest to „truth“ as we can get. I try to erect plateaus over the abyss, and to improve and solidify them with time. Due to their experimental nature, my musings are only meant to 93 percent to be true, my plateaus to 93 percent to be solid. Another „irony“ in my musings is that they are not particularly academic in style (therefore academia being very cruel to me (now – but likely very kind to me in later times)) and that they are packed with (all sorts of) information. This is maybe less so out of intention not only to subvert but also to enrich academic philosophy but because this is natural to me. Everything I come across I sooner or later need to philosophise about, and all these things are dear to me, I am attached and attracted to them. My musings may go on the nerves because they are packed with information (and for other reasons). But this seems important to me because at any moment I could die. And I do not want to take many secrets to the grave. Truth has to be told. Constructiveness and bases for further developments need to be ensured. Most recently my musings often go on my own nerves already the following day. Since I am permently under impressions, a lot of what I write stems out from spontaneous impressions. And even the next day I may stand under other impressions and may ask myself what the hell I was thinking about then. Also my thinking rapidly evolves and some strategies and tactics I used may seem outdated to me quickly (yet, luckily, NOT the substance of what I was saying). Therefore, I (ironically) leave everything as it is. And I am actually quite happy to see that no fucking ChatGPT might imitate this kind of writing in a 100 years – ha! A very natural, unfiltered intelligence should triumph over an artificial intelligence, still. As I frequently state, I see no deeper – and actual – truth in the universe than its character as a chaosmos and I do not see a deeper philosophy possible than that of the Chaosmos. I might be in the wrong, and I´d like to see someone presenting me deeper and more accurate views than mine (as I like it to be in the wrong against an intellectually and morally superior instance). But I am not so positive about this possibility. Therefore my musings are actually not philosophical musings but eschatological and transcendental ones. And the irony in them is actually humour. – On this occasion I felt the urge to clarify on this. I do not want to take many secrets to the grave. Truth has to be told or clarified. Constructiveness and bases for further developments need to be ensured. There also will be another note about Richard Rorty and the challenges he poses, and for which I am grateful.

All quotes from Richard Rorty: Contingency, Irony, and Solidarity, Cambridge 1989